47:4-6 Rechtleitung nach dem Tod?

Friede Leute.

47:4-6 “(…) Und denjenigen, die auf Allahs Weg getötet werden, wird Er ihre Werke nicht fehlgehen lassen. Er wird sie rechtleiten und ihren Gemütszustand bessern und sie in den Paradiesgarten eintreten lassen, mit dem Er sie bekannt gemacht hat.“

Wie versteht ihr diese Verse?

Friede, Arbi,

hinsichtlich des von dir zitierten Vers-Teiles “die getötet wurden” gibt es verschiedene Lesarten , als da sind “qutilū (die getötet wurden)”, “qatalū (die getötet haben)” und “qātalū (die gekämpft haben)”. Nach Meinung der Koran-Exegeten ist die dritte Lesart die am meisten bevorzugte.

Allgemein gesagt sprechen die von dir erwähnten Verse davon, dass Allah die Werke eines Menschen, der in Kampfhandlungen verwickelt ist, nicht verloren gehen lässt und ihm Rechtleitung zukommen lässt.

Wenn du die erste Lesart bevorzugst, dann bedeutet dies, dass ein derartiger Mensch nach seinem Tod seine guten Werke angerechnet bekommt und die Paradiesgärten betreten darf. Rechtleitung bedeutet in diesem Fall, dass der Getötete zu seiner Belohnung hingeleitet wird und sein Zustand ein guter sein wird.

Bei der zweiten und dritten Lesart werden diesem Menschen dessen Werke registriert, ihm wird Rechtleitung gewährt und sein vom Kampf beeinflusster Gemütszustand wird gebessert und nach seinem späteren Tod wird ihm das Betreten der Paradiesgärten erlaubt.

Und Allah weiß es am besten!

Frieden alle zusammen, Frieden Arbi.

Meiner Meinung nach könnte damit gemeint sein, dass Gott diese speziellen Leute auf den Paradiesweg führt/leitet, und ihre Sünden evtl. bedeckt/verzeiht.

Und Allah weiß es am besten!

Frieden.

Alle Menschen die für das Gute und für den Frieden starben, in der der eigenen Hoffnung Allah, dem Allmächtigen damit gedient zu haben, und nach dem tot, ist kein weg vorhanden außer das Licht, das die toten in die irre, oder in die richtige richtung führt.

Alhamdulillah

Hello,

soweit ich sehen kann bewegst du dich mit den verschiedenen Lesarten aber teilweise außerhalb der 7 vorgegebenen.

Aber ich bewege mich im Rahmen der gängigen Tafsire :wink:

Hehe. Ein Tafsir ist allein für sich vor dem Koran nie gängig. Tafsirwerke reichen maximal bis 150 nH (Mukatil) wobei man da frühere Quellen zur Hand hatte die man heute nicht hat. Ich meine:

Abweichende Lesarten weichen vom Kanon ab, sind sekundär. Der Kanon wurde bestätigt und überliefert (ohne dabei an Ahadith zu denken). Was würdest du dazu sagen?

Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Lesarten_des_Korans

Zu den Lesarten möchte ich noch folgendes anmerken:

Sollte man die abweichenden Lesarten als Möglichkeit zur Auslegung miteinbeziehen, bekommt man das Problem, dass manche Stellen im „klaren/deutlichen“ und „(sprachlich) leichten“ Koran so nicht mehr haltbar sind. Aus diesem Grund ist der Kanontext maßgebend, sonst hätte der Prophet seine Aufgabe nicht erfüllt. Es geht also mehr um den Glauben als um Wissenschaft.

Dazu würde ich den von dir genannten Wiki-Link zitieren und sagen: „Zu einer Festlegung von kanonischen Lesarten kam es erst im frühen 10. Jahrhundert.“
Ich finde es wissenschaftlich problematisch, dass man erst sehr spät den Koran-Text vokalisierte und mit diakritischen Zeichen versah. Vom Glauben her finde ich es weniger problematisch, denn solange man den Koran in seinem Geist und ganzheitlich liest und reflektiert, kann man hinsichtlich seines Bedeutungsfeldes sicher auch auf Grund verschiedener Lesarten zu verschiedenen Resultaten gelangen und diese, wenn auch nicht immer akzeptieren, so doch zumindest tolerieren.

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Das kann man so nicht stehen lassen. Die 7 relevantesten schriftlichen Lesarten waren nach dem 4. Kalifen bereits Kanon, gerade weil verschiedene (auch falsche) Lesarten entstanden (laut Tradition). Dass man dann bis zum 10. Jhd dann noch andere hinzunahm (was ich vermute) ist eher Nebensache (wird sich wie bei den anderen 7 wohl eher nur um dialektische Abweichungen handeln). Soweit nicht anders, werden die 7 wichtigsten Lesarten von der islamischen Welt anerkannt. Ihr Inhalt ist sinngemäß nahezu komplett identisch. Ich kenne nur als Unterschied den Anfang von Sure 30 und noch ein Beispiel von den ganz kurzen Suren (der Handelsreise der Quarisch). Korrigieren lasse ich mich gerne falls was nicht passt!

LG Eddy

Gute Quellen zu Lesarten:

https://islam-ist.de/warum-gibt-es-verschiedene-lesarten-des-korans/

https://corpuscoranicum.de/lesarten/uebersicht

https://antikezukunft.de/2013/05/22/ecevitpolat_wie-authentisch-ist-der-koran/

Buch: „Kultur der Ambiguität“ von Thomas Bauer.

„Der Koran als Text der Spätantike: ein europäischer Zugang“ von Angelika Neuwirth

Ausgangspunkt war meine Antwort an Arbi, in der ich schrieb: „… hinsichtlich des von dir zitierten Vers-Teiles “die getötet wurden” gibt es verschiedene Lesarten , als da sind “qutilū (die getötet wurden)”, “qatalū (die getötet haben)” und “qātalū (die gekämpft haben)”. Nach Meinung der Koran-Exegeten ist die dritte Lesart die am meisten bevorzugte.“
Das ist das, was ich bei verschiedenen Koran-Exegeten gelesen habe. Dabei habe ich keinen Hinweis gefunden, dass eine der zitierten Lesarten zu den nicht anerkannten Lesarten gehört. Deshalb bin ich davon ausgegangen, dass es sich um allgemein anerkannte Lesarten handelt.
Im Grunde ging es mir bei meiner Antwort ja auch nur darum, dass man den von Arbi zitierten Vers unterschiedlich interpretieren bzw. verstehen kann und dass dies auf verschiedene Vokalisations-Möglichkeiten zurückzuführen ist.
Es ist eben ein Problem, dass die frühen Koran-Texte weder mit den heute vorhandenen diakritischen Zeichen noch mit den heute vorhandenen Vokalisationen versehen waren. Ein Problem, dass mit der sogenannten „Kanonisierung“ meiner Meinung nach auch noch nicht gelöst ist - wenigstens nicht für mich.

Hier berücksichtigst du aber die mündliche Tradierung zu wenig. Vokalisationen waren, auch wenn zur Frühzeit die arabischen Worte noch nicht ganz entwickelt waren, bekannt. Das bedeutet, dass man durchaus von einem mehr oder weniger gültigen Kanon sprechen kann. Aber ich hänge mich da evtl zu weit raus, ich habe diese Thematik bisher nicht hinreichend berücksichtigt. Da muss ich mich erst reinarbeiten. Sollte Uthman auf 7 Lesarten reduziert haben (Quarisch DIalekt) sind diese dann erst mal primär. Die 7 Lesarten unterscheiden sich so fast nur im Dialekt. Ich muss nur mal schauen ob die 7 Lesarten von Uthman freigegeben wurden oder erst im 10. Jhd.

Gut hab mich bissel schlau gemacht.

Lesarten wurden erst im 10.Jhd kanonisiert. Nur der Konsonantentext war von Uthman fixiert, nicht auch die Lesarten. Diese unterscheiden sich, sofern gut überliefert, vom Sinn her meist nicht wesentlich. Waren 20 - 50 oder mehr.

Uthmans Vereinheitlichung des Konsonantentexts war aber nicht unumstritten. Von den fixierten kanonischen Lesarten im 10. Jhd ganz zu schweigen.

Man hat ja noch später zusätzlich 3 weitere Lesarten mit aufgenommen. Alles in allem hat man einen über weite Strecken gesicherten Text wenn man Uthman nicht antastet.