Abraham, geschichtliche Hintergründe im Lichte des Korans

Im Bezugnahme auf Abraham (arabisch: إبرَاهِيم, türkisch: İbrahim), dem Ur-Großvater von Yusuf, ist festzustellen, dass zur Bestimmung seines Geburtsjahres oftmals (İBRÂHİM - TDV İslâm Ansiklopedisi) auf die Chronologie des Alten Testaments zurückgegriffen wird, so dass angenommen wird, dass Abraham etwa im 23. Jhd. v. Chr. lebte.

http://www.astro-science.com/index.php/geschichte/75-als-abraham-mit-gott-verhandelt-so-27-maer-2145-v-chr

https://www.zeitundzahl.de/FAQ.htm

In der Tora steht u.a., dass der Prophet Abraham ein Treffen mit den Hethitern hatte (siehe: Gen 23, 1 | Bibel in gerechter Sprache).

Im Einzelnen wird hierin berichtet, dass Abraham, der nach Kanaan eingewandert ist und sich dort als Fremdling unter „Söhnen Hets“, mithin bei den Hethitern (Genesis 23, 3-5), niedergelassen hat (Genesis 11, 31; Genesis 12, 5; Genesis 13,12). Er kauft von „Ephron, dem Hethiter“ (Genesis 23, 10) ein Erbbegräbnis (Genesis 23, 1ff; vgl. auch Genesis 25, 9f.; Genesis 49, 29-32). Die Priesterschrift nennt die Väter von Esaus Frauen zudem „Hethiter“ (Genesis 26, 34). Damit sind auch sie „Töchter Hets“, mithin Hethiterinnen (Genesis 27, 46).

Kann das stimmen?
Nach historischen Belegen (insbes. assyrischer Händler) ist jedoch relativ sicher, dass die Hethiter im 19. und 18. Jhd. v. Chr. in Kaniš (türk. Kültepe „Aschenhügel“, beim heutigen Kayseri gelegen) lebten.

Die Expansion nach Süden über das Taurusgebirge nach Syrien erfolgte deutlich später erst unter der Führung vom Großkönig Ḫattušili I. im 16. oder späten 17. Jhd. v. Chr.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ḫattušili_I.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist dazu der Hinweis unter Mursili I - Wikipedia

Mursili’s motivation for attacking Babylon remains unclear, though William Broad has proposed that the reason was obtaining grain because the clouds from the Thera eruption decreased the Hittites’ harvests.

Demnach war die Motivation der Feldzüge dadurch begründet, dass der sog. Thera-Ausbruch die Ernten der Hethiter verringerte. Dazu aber später (Wichtig für das Verständnis von 2:59; 6:162).

Was sagt der Koran?
Wir wissen vom Lehrer des Korans, dass der Koran als göttlich aufgezeichnete Schrift (vgl. 52:2) frei von Widersprüchen (vgl. 4:82) ist, vollständig detailliert (vgl. 6:114; 10:37), deutlich und verständlich (2:118; 5:15), zugleich komplett (vgl. 6:115) und perfekt (vgl. 6:38) sowie von Gott geschützt (vgl. 15:9; 41:41; 41:42).

Wir wissen auch, dass der Koran hinzugezogen werden muss als Bestätigung, welche Gebote und Verbote, oder auch Ereignisse etc. Gültigkeit besitzen.

Im Koran wird erstmals über einen Dialog mit den Hethitern in der Zeit Mose gesprochen, worauf folgende Versen durch Verwendung des Wortes ḥiṭṭatun (arabisch: حِطَّةٌ, türkisch: hititler, deutsch: „Hethiter“) hinweisen (a.A. zu diesem Wort vertretbar):


2:58 wa-ʾiḏ qulnă dḫulū hāḏihi l-qaryata fa-kulū minhā ḥayṯu šiʾtum raġadan wa-dḫulŭ l-bāba suǧǧadan wa-qūlū ḥiṭṭatun naġfir lakum ḫaṭāyākum wa-sa-nazīdu l-muḥsinīna.

6:161 wa-ʾiḏ qīla lahumu skunū hāḏihi l-qaryata wa-kulū minhā ḥayṯu šiʾtum wa-qūlū ḥiṭṭatun wa-dḫulŭ l-bāba suǧǧadan naġfir lakum ḫaṭīʾātikum sa-nazīdu l-muḥsinīna.

(Transliteration des Koran von Zirker, verlinkt unter 8.1. in der Linksammlung)

Historisch belegbar ist, dass die Bezeichnungen „Hethiter“ unter den Beteiligten bereits bekannt war, insbesondere zeigt dies der sog. Ägyptisch-Hethitische Friedensvertrag zwischen dem ägyptischen Pharao Ramses II. und dem hethitischen Großkönig Ḫattušili III, der einige Jahrhunderte nach den Ereignissen, die in 2:58 und 6:161 beschrieben werden, abgeschlossen wurde.

Zurück aber zu den Versen 2:58 und 6:161: Die Kinder Israels akzeptierten den empfohlenen Friedensvorschlag nicht, so dass hierauf Staub auf ihre Köpfe fiel (vgl. 2:59; 6:162).

Diese Staubgewitter (besser: Eruptionsgewitter, siehe: Eruptionsgewitter – Wikipedia) könnten auf die letzte Phase der Thera- oder Santorin-Eruption (1645-1600 v. Chr.) hinweisen.


Wir wissen dadurch vielleicht, wann Moses gelebt hat, aber nicht über Abraham.

Ausgehend von einem früheren Beitrag könnte (hier: Sure 12 (Yūsuf) - Update (22.02.2021): Vision / Traum - #5 von sue) angenommen werden, dass sein Ur-Enkel Imhotep war.

Wenn Imhotep, der 2700 v. Chr. lebte, tatsächlich Yusuf ist, dann müsste sein Ur-Großvater Abraham (Abraham->Ishaq->Jakob->Josef) ungefähr zwischen 2900 und möglicherweise 3000 v. Chr. gelebt haben (Abraham starb im Alter von 175 Jahren, Genesis 23).

21:70 Sie wollten listig gegen ihn vorgehen. Da machten wir sie zu den größten Verlierern.

37:98 Sie wollten listig gegen ihn vorgehen. Da machten wir sie zu den Niedrigsten.

(Zirker-Übersetzung)

Die Frage, die sich dann stellt: Welchen Inhalt hatte die Bestrafung?

Geschichtlich könnte dies mit der sog. Piora-Schwankung zusammenhängen, die (partiell) zeitweise eine globale Abkühlung auf der Erde hervorrufte.

Die Auswirkungen (Piora-Schwankung – Wikipedia) dieser auf zwischen 4200 und 3100 v. Chr. datierbaren Klimaschwankungen könnten möglicherweise zum besseren Verständnis des Verses 21:71 beitragen:

21:71 Wir retteten ihn und Lot in das Land, das wir für alle Welt gesegnet haben,

(Zirker-Übersetzung)

Ab 3000 v. Chr. wanderten Nomaden aus dem Norden in das südliche Mesopotamien ein. Die sumerische Königsliste, die auch von einer Sintflut berichtet, dokumentiert diese Wanderungen durch das Auftauchen semitischer Namen. Die Historiker bezeichnen diese Epoche als Frühdynastische Periode, die im 23. Jahrhundert v. Chr. endete.

Ausgehend von der Wirkphase von Abraham in Mesopotamien müsste dann seine Wirkzeit konkret auf die sog. Dschemdet-Nasr-Zeit verankert werden.

Die Dschemdet-Nasr-Zeit ist eine prähistorische, kulturelle Entwicklungsstufe Mesopotamiens. Sie war aus der Uruk-Zeit hervorgegangen und wurde anschließend vom Frühdynastikum abgelöst. Ihr relativ begrenztes Verbreitungsgebiet erstreckt sich auf das Zentrum und den Süden des Irak. Zeitlich wird sie in den Zeitraum 3100–2900 v. Chr. datiert.

Zweifellos ist Gott der Wissende und er ist genau wissend.