AL-FĀTIHA 1. Teil

Salaam!

Ich habe einen Artikel über die erste Sure im Quran verfasst und stelle heute den 1. Teil vor. Das Posten des zweiten und letzten Teils habe ich für die nächste Woche geplant - nach einer einwöchigen „Verdauungszeit“. :slightly_smiling_face:

DER MONOTHEISTISCHE ISLAM – SURE AL-FĀTIHA

Ins Deutsche übersetzt und erläutert von Gunnar

Die Sure AL-FĀTIHA ist die erste Sure des Quran, also der nach islamischen Verständnis von Allah an SEINEN Gesandten Muhammad übermittelten, an keine Zeit und an keinen Ort gebundenen Offenbarungsschrift, die seit der Offenbarung denjenigen zur Verfügung steht, die ihr Leben nach den von ihrem Schöpfer in eben diesem Quran festgelegten Normen gestalten wollen.

Das arabische Wort AL-FĀTIHA bedeutet „Anfang von etwas“ respektive „die Eröffnende“; es handelt sich quasi um das Eingangsportal des Quran, das ein Interessierter öffnet, um zum Inhalt dieser Offenbarungsschrift zu gelangen und um die Eingangshalle des Hauses des islamischen Lebenssystems zu betreten. Der Schlüssel zu diesem Eingangsportal ist die Intention, die der Interessierte haben muss. Liegt eine lautere Intention vor, die darauf ausgerichtet ist, unvoreingenommen und mit dem Willen zum Nachsinnen den Inhalt der Informationen und Gebote, die Allah im Quran darbietet, kennen zu lernen und zu verstehen, dann besitzt der Interessierte den passenden Schlüssel zu diesem Eingangsportal, mit dem er sich Zugang zum Quran verschaffen und die weiten, mit Weisheiten und Nützlichkeiten gefüllten Räume des Hauses des islamischen Lebenssystems betreten kann.

Die Sure AL-FĀTIHA eröffnet dem Intellekt der sie Lesenden einen ersten Einblick in das Lebenssystem des Islam. Trotz der Kürze dieser Sure handelt es sich um einen sehr tiefgehenden Einblick, weil die wenigen Verse die Quintessenz des Quran und sozusagen den Wohlgeruch und den Wohlklang in der Eingangshalle offenlegen und den Besucher in eine Atmosphäre der Klarheit, der Ergriffenheit und der Spiritualität eintauchen lassen und weil dem Eintretenden dann alle anderen Suren und sozusagen alle Räume des Hauses des islamischen Lebenssystems offenstehen, wo er immer wieder den Geist dieser Eingangshalle spürt.

Der erste Vers der Sure AL-FĀTIHA lautet wie folgt:

(1) Im Namen Allahs des Allerbarmers des Allbarmherzigen!

Der erste Vers der ersten Sure besteht aus der sogenannten „Basmala“, also der arabischen Wortfolge „Bi-smi-Llāhi-r-Rahmāni-r-Rahīm“.

Hinsichtlich des Wortes „Allah“ gibt es diverse Meinungen dazu, ob es ein eigenständiges Substantiv respektive ein eigenständiger Name oder von einem anderen Wort abgeleitet ist und ob man es mit „Gott“ übersetzen soll oder nicht; die Wörterbücher erörtern dieses Thema teilweise sehr ausgiebig.

Alle Geschöpfe haben ein und denselben Schöpfer. Die Vorstellung von diesem Schöpfer ist jedoch bei Muslimen und Nicht-Muslimen unterschiedlich. Die islamische Religion geht von einem reinen Monotheismus aus, will sagen, die Eins-Seiende Gottheit ist der alleinige Schöpfer und Herrscher und hat keine Teilhaber an IHRER Macht und keine Mutter und keinen Sohn. Hinsichtlich der Gottesvorstellung weist der Duden Deutsches Universalwörterbuch darauf hin, dass das althochdeutsche got das (durch Zauberwort) angerufene Wesen ist; auf den Monotheismus bezogen ist es „höchstes übernatürliches Wesen, das als Schöpfer Ursache allen Geschehens in der Natur ist, das Schicksal der Menschen lenkt, Richter über ihr sittliches Verhalten und ihr Heilsbringer ist“ (vgl. Duden Deutsches Universalwörterbuch, 2019:758). Insofern stimmt dies – wenn wir einmal vom Zusatz (durch Zauberwort) absehen - mit dem reinen, vom Quran postulierten Monotheismus überein. Unmittelbar anschließend daran fährt der Duden indes erklärend fort, dass es sich um den „allmächtigen, dreieinigen“ Gott handle, um „Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist“. Und diese trinitarische Gottesvorstellung und die Gottesmutterschaft Marias laufen der islamischen von Grund auf zuwider. Auch hierin sehe ich einen triftigen Grund dafür, „Allah“ nicht mit Gott zu übersetzen.

Das deutsche Wort „Gott“, das man in den Plural setzen und von dem man eine weibliche Form bilden kann, respektive das Wort „Gottheit“ hat im Arabischen das Äquivalent ’ ilāh mit der Ausgangsbedeutung „ein Objekt der Anbetung“; es kann ebenfalls in den Plural gesetzt werden und eine weibliche Form bilden. Das der Ableitung zu Grunde liegende Verb heißt alaha , was „anbeten“ und „dienen“ bedeutet.

Einer verbreiteten Meinung zufolge setzt sich nun das Wort „Allah“ zusammen aus diesem arabischen Substantiv ’ ilāh und dem arabischen bestimmten Artikel al . Das im Substantiv am Anfang stehende Hamza (’) (= Stimmritzen-Verschlusslaut, der bei der Artikulation eines Vokals am Anfang einer Silbe entsteht) wurde weggelassen und eben durch den bestimmten Artikel al ersetzt, der zum untrennbaren Bestandteil des Wortes wurde. Der Name bedeutet somit die Gottheit, will sagen die allein existierende Gottheit in ihrem Eins-Sein. Dieser Erklärungsversuch hat allerdings einen Schwachpunkt: Das Substantiv ’ ilāh verbunden mit dem Artikel al muss nicht unbedingt die allein existierende Gottheit in ihrem Ein-Sein bedeuten, sondern kann auch „der Götze“ oder in diesem Sinn ganz allgemein „die Gottheit“ bedeuten. Es liegt somit eine Mehrfach-Bedeutung vor, die im Zusammenhang mit unserem Schöpfer Allah nicht akzeptabel ist.

Linguistisch gesehen gibt es vom Wort „Allah“ keinen Plural gibt und es kommt als Name ausschließlich beim Schöpfer. Entsprechend heißt es in Sure 19:65: „… Kennst du denn für IHN einen Namensgleichen?“ Das heißt, kennst du jemanden, der es wert ist, denselben Namen zu tragen? Allein das ist schon ein Grund, dass ich Allah nicht mit „Gott“ übersetze, zumal ja Eigennamen sowieso nicht übersetzt werden.

Denn ich gehe davon aus, dass es sich bei Allah um einen Eigennamen handelt – nicht nur wegen des soeben angeführten Verses 65 in Sure 19. Ein weiterer Grund besteht darin, dass die Sure AL-FĀTIHA mit den Worten „Im Namen Allahs“ beginnt. Und in Sure 2:114 als weiteres Beispiel wird in Verbindung mit Salā-Stätten Allahs davon gesprochen, dass an ihnen SEIN Name zu erwähnen ist.

Im Wörterbuch „Vocabulary of the Holy Quran heißt es hierzu:

„The Word الله has no corresponding word in English or in any language in the world.“ Eine ähnliche Äußerung finden wir auch im Dictionary of Quran von Farid, der ergänzend erwähnt, dass „Allah“ ein eigenständiges Substantiv und von keinem anderen Wort abgeleitet und ebenfalls von ihm kein anderes Wort abgeleitet ist. Diese Meinung vertrat beispielsweise auch der renommierte Sprachwissenschaftler Sibawaihi (zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts), der ein fünfbändiges Grammatikbuch über die arabische Sprache verfasste, in dem er erwähnt, dass die beiden ersten Buchstaben „Al“ im Wort „Allah“ zum Substantiv, also zum Namen „Allah“, gehören und keine Kontraktion vom Artikel al und dem Wort ’ ilāh bilden. Auch im Dictionary of the Holy Quran wird auf diese Meinung und auf Sibawaihi verwiesen, wonach es als Erklärung für Allah heißt: „Proper name of the Almighty and Supreme Being. The word has been used in the Holy Qur`ān 2597 times.“

In Lane´s Lexicon steht sogar, dass es zwanzig oder mehr als dreißig Meinungen gibt, die besagen, dass es korrekt ist, davon auszugehen, dass „Allah“ ein Eigenname ist und die beiden ersten Buchstaben „Al“ ein untrennbarer Bestandteil dieses Namens sind.

In Sure 7:180 heißt es: „Allahs sind die schönsten Namen; so ruft IHN mit ihnen in euren Bitt- und Dankgebeten an! …“

Und in Sure 17:110 lesen wir: „Sprich: «Ruft in euren Bitt- und Dankgebeten Allah an oder ruft in euren Bitt- und Dankgebeten den Allerbarmer an – mit irgendeinem Namen! Denn SEIN sind die schönsten Namen…»“.

Im Wörterbuch „Mujam istiqaqy al-Muassal li-l-alfazi-l-Qurani-l-karim“ wird darauf hingewiesen, dass „Allah“ der einzige Name der vielen „schönsten Namen“ des Schöpfers ist, der nicht von einem anderen Wort abgeleitet ist. Hier ist allerdings anzumerken, dass in einigen Wörterbüchern sehr wohl darauf hingewiesen wird, dass es einige Meinungen gibt, die davon ausgehen, dass „Allah“ von anderen Wörtern ableitbar ist. Ein Beispiel habe ich schon genannt: die Kontraktion vom Artikel al mit dem Substantiv ’ ilāh . Eine weitere Meinung besagt, „Allah“ sei vom arabischen Verb aliha (ursprünglich waliha ) abgeleitet, was erstens „von Sinnen sein“, „perplex sein“ in dem Sinn bedeutet, dass man hinsichtlich der Majestät und Allmacht Allahs ganz von Sinnen und perplex ist, und zweitens „bei jemandem Schutz suchen und um Hilfe bitten“, oder es sei vom arabischen Verb lāha abgeleitet, was „hell leuchtendes Licht verbreiten“ bedeutet.

Die Anzahl der „schönsten Namen“ wird im Quran nicht erwähnt; es sind jedenfalls mehr als hundert. Dabei fällt auf, dass all diese Namen, mit Ausnahme des Namens Allah, von einem Verb oder einem Adjektiv abgeleitet sind; es sind quasi Attribute Allahs, die SEINE allumfassende Macht und Autorität und Einzigartigkeit zum Ausdruck bringen, wie etwa der Allerbarmer (1:1), der Allwissende (2:29), der Allmächtige (2:129), der stets Vergebende (2:173), der Erste (57:3), der Letzte (57:3), der Schöpfer (59:24) oder der Gestaltende (59:24). Zum Namen Allah heißt es im Wörterbuch „Dictionary and Glossary of Quran“ von Penrice, dass es sich hierbei um einen Namen handelt, der alle „schönsten Namen“ umfasst.

Es ist also die Frage zu klären, was denn überhaupt unter diesen „schönsten Namen“ zu verstehen ist und ob der Name „Allah“ zu ihnen gehört oder der Name des Inhabers aller „schönsten Namen“ ist, wie es Penrice andeutet. Meines Erachtens wird diese letztgenannte Auffassung unterstützt durch den bereits zitierten Vers 7:180, der besagt, dass Allah es ist, DER die „schönsten Namen“ hat. Der Besitzer einer Sache kann nicht gleichzeitig diese Sache sein und der Träger eines Attributs kann nicht gleichzeitig dieses Attribut sein. Zudem habe ich bereits Gründe genannt, die meinem Verständnis zufolge dafür sprechen, dass es sich bei Allah um einen Eigennamen handelt. Meine Einstellung zu den „schönsten Namen“ lautet ergo dahingehend, dass Allah der Eigenname der Eins-Seienden Gottheit ist und die „schönsten Namen“ SEINE Attribute sind.

Nun dürfen allerdings die Attribute Allahs nicht als Anthropomorphismen gesehen werden, denn dies würde dem absoluten Monotheismus widersprechen. Menschliche Attribute sind mit Schwächen behaftet, Allahs Attribute auf Grund SEINER Vollkommenheit hingegen nicht. Und zweitens sind die sich in der Schöpfung manifestierenden Attribute Allahs mit SEINEM Ens identisch, das heißt mit SEINEM Wesen und SEINER Daseinsform. Wenn wir beispielsweise sagen, dass Allah allwissend ist, dann bedeutet das nicht nur, dass ER nicht unwissend ist, sondern dass ER allumfassendes Wissen hat; vielmehr bedeutet es primär, dass ER das allumfassende Wissen ist, es ist mit SEINEM Ens identisch und ER bildet die Quelle für Wissen. Und da Allah ohne Anfang und ohne Ende ist, ist auch SEIN Wissen ohne Anfang und ohne Ende, eben weil es zu SEINEM Ens gehört. Und so ist es mit all SEINEN Attributen, eben mit all SEINEN „schönsten Namen“. Darin unterscheiden sich die Attribute Allahs von den Attributen der Menschen. Grundlage hierfür ist die Aussage des Quran, dass es nichts gibt, was Allah gleich ist (siehe Sure 112!). Für Allah gilt eine Perfektion ohne Ähnlichkeit beim Menschen. Unter diesem Aspekt sind die „schönsten Namen“ oder Attribute Allahs zu betrachten. Sie sind perfekt, sie sind ewig, sie sind mit SEINEM einzigartigen Ens verschmolzen.

In diesem Zusammenhang möchte ich darlegen, welche Vorstellung ich als Muslim habe, wenn ich von Allah spreche, höre oder lese.

Seit jeher fragen sich die Menschen in den verschiedenen Kulturkreisen, woher sie kommen, wohin sie gehen und warum sie leben und auch, wer das Universum und all das in ihm Befindliche erschaffen hat, Leben und Tod verursacht sowie alles plant und kontrolliert. Das sind Fragen nicht nur für Religionsgelehrte, sondern auch für Philosophen.

So hat sich etwa der griechische Philosoph Aristoteles Gedanken darüber gemacht, warum in der Natur und im Universum ein bestimmter Kreislauf mit einer bestimmten Gesetzmäßigkeit wirkt, warum also Sonne, Mond und Sterne in einem geregelten Ablauf auf- und untergehen, warum die Jahreszeiten regelmäßig und in ihnen bestimmte Abläufe des Entstehens und Vergehens vorkommen, warum es im Universum kein Chaos gibt, sondern alles auf bestimmten, genau berechneten Bahnen läuft und dergleichen. Es war Aristoteles klar, dass all dies kein vergängliches und Irrtümern unterliegendes Wesen bewerkstelligen kann, und deshalb sprach er von einem „ewigen Bewegerprinzip“. Diese Formulierung beschreibt in einer winzigen Phrase das gigantische Sein und Wirken unseres Schöpfers. Sie zieht zunächst einmal einen deutlichen Trennungsstrich zwischen den Attributen der Wesenheit des Schöpfers und den Eigenschaften des Geschöpfes: Der Schöpfer ist ewig, das Geschöpf in seinem diesseitigen Leben hingegen zeitlich begrenzt, was wiederum bedeutet, dass der Schöpfer im Gegensatz zum Geschöpf ohne Anfang und ohne Ende ist. Und dies ist nur ein Aspekt im Zusammenhang mit der Mitteilung im Quran, dass die Eins-Seiende Gottheit anders ist und IHR niemand gleicht (siehe Sure 112!).**

Nach dem Postulieren des Ewig-Seins des Schöpfers benutzt Aristoteles also den Begriff „Bewegerprinzip“. Er benutzt nicht den Begriff „Gott“ oder einen darauf hinweisenden Namen. Zudem betont er durch den Begriff „Prinzip“, der dem Abstrakten zuzuordnen ist, dass er unter dem ewigen Beweger keine Person wie den Menschen versteht. Auch für einen Muslim wäre es undenkbar, sich seinen Schöpfer beispielsweise als personifizierten Gott in Gestalt eines alten Mannes mit langem Bart und weiten Gewändern vorzustellen, wie wir das weitverbreitet auf Abbildungen unter den Christen und in Darstellungen in deren Kirchen finden.

Wie oben erwähnt, teilt uns der Quran mit, dass Allah anders als die Menschen ist. Eine konkrete Mitteilung, wie ER aussieht respektive beschaffen ist, finden wir im Quran nicht. Aber es gibt einige Hinweise im Quran: Offensichtlich ist Allah eine geistige Quelle, denn es heißt im Quran, dass Allah dem Menschen von SEINEM Geist einhaucht (Sure 32:9). Und offensichtlich ist Allah eine Energiequelle, denn im sogenannten „Lichtvers“ heißt es unter Anderem, dass Allah das Licht der Himmel und der Erde und Licht über Licht ist (Sure 24:35). Zwischen beidem können wir leicht eine Synthese dahingehend herstellen, dass in jedem Menschen der von Allah eingehauchte Geist schlummert und durch das Glauben des Menschen sowie das Befolgen SEINER Gebote und Achten SEINER Verbote aktiviert wird und sowohl den Menschen selbst zu erleuchten als auch Licht zu verbreiten und alles um sich herum zu erleuchten vermag.

Unter Einbeziehung neuzeitlicher astrophysischer Erkenntnisse, aber auch der Lehre der Energetik, der zufolge alles Sein und Werden auf Energien zurückgeführt werden kann, können wir somit die Eins-Seiende Gottheit als eine ewige und damit nie versiegende Energiequelle verstehen, deren Lichtpartikel sich im menschlichen Geist widerspiegeln und manifestieren; der menschliche Geist ist also quasi ein Lichtstrahl, der von der ewigen Energiequelle Allahs stammt und ausgeht und nach dem Tod des jeweiligen menschlichen Besitzers im Menschen erlischt, weil der Geist zur Eins-Seienden Gottheit zurückkehrt. Gestützt wird diese Aussage, wenn wir die Etymologie des Wortes „Energie“ betrachten und sehen, dass dieser vom griechischen Wort „energeia“ abgeleitete Begriff „wirkende Kraft“ bedeutet, was Aristoteles als „Bewegerprinzip“ bezeichnete. Und für einen gläubigen, dem absoluten Monotheismus verhafteten Muslim steht außer Zweifel, dass Allah als Schöpfer, Herrscher und Beweger des Universums und all dessen, was sich in diesem befindet, die höchste, mächtigste und alleinige vollkommene Wirkkraft-Entität bildet.

Diese wirkende Kraft, diese ewige Energiequelle hat also die im Quran und zuallererst in der Sure AL-FĀTIHA erwähnte Bezeichnung Allah als die Eins-Seiende Gottheit, über die im weiteren Verlauf der Basmala ausgesagt wird, dass sie „ar-rahmān“ und „ar-rahīm“ ist.

Das zu Grunde liegende arabische Verb lautet „rahima“ und hat die Bedeutungen „barmherzig sein“, „(ver)schonen“, „gnädig sein“, „Mitleid zeigen“, „befreiend und erleichternd helfen“. Das Adjektiv „rahīm“ bedeutet „barmherzig“ oder „mitleidig“. Das Wort „ar-rahmān“ bedeutet „der Barmherzige“ in einem intensiveren und umfassenderen Sinn als „ar-rahīm“ und wird im Unterschied zu „rahīm“ nur mit dem bestimmten Artikel (in diesem Fall „ar-“) und nur in Verbindung mit Allah verwandt, wohingegen „rahīm“ sowohl mit als auch ohne den Artikel und sowohl in Verbindung mit Allah als auch in Verbindung mit IHREN Geschöpfen benutzt werden kann und im Gegensatz zu „ar-rahmān“ auch eine Pluralform hat. Das Umfassende und Vielfältige der Barmherzigkeit Allahs zeigt sich in der Sure 55, die den Namen „ar-rahmān“ trägt. Alles, was über Allah ausgesagt wird, hat den Charakter des Ewigen und Allumfassenden – im Gegensatz zu den vergänglichen und beschränkten respektive fehlerhaften Geschöpfen. So sagen wir beispielsweise über Allah, dass ER allwissend ist. Um den Unterschied zwischen den beiden Wörtern „ar-rahmān“ und „ar-rahīm“ im Deutschen zum Ausdruck zu bringen, übersetze ich also den nur auf Allah anwendbaren Begriff „ar-rahmān“ mit „der Allerbarmer“, weil im Deutschen das Wort „erbarmen“ das Zeigen von Barmherzigkeit in Verbindung mit Hilfe zum Ausdruck bringt und intensiver als „barmherzig sein“ ist, und das allgemeine Wort „ar-rahīm“ mit „der Allbarmherzige“.

Ende des ersten Teils

Salaam
Gunnar :green_heart:

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Salam mein lieber Gunnar,

vielen Dank für deinen informativen Beitrag und philosophische Gedanken, die ich sehr interessant gefunden habe.

Ich habe eine kleine Bemerkung:

Wenn ein Muslim Allah sagt, dann könnten die Andersgläubige darunter verstehen: Allah ist Gott der Muslime. Aber wir gehen davon aus, dass Allah, der Gott aller Menschen bzw. aller Welt und nicht nur für Muslime. Ich finde deine Analyse diesbezüglich legitim. Aber wie können wir ein Kompromiss finden?

Jedenfalls bin ich sehr gepannt aus deinen 2. Teil.

Schönen Tag noch und Salam!

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Salaam, lieber Ahel,

und vielen Dank für dein Feedback!

Ja, es mag Andersgläubige geben, die darunter fälschlicherweise verstehen, dass Allah Gott nur der Muslime sei. Es gibt aber auch Andersgläubige, wie etwa arabischsprachige Christen, die auch Allah sagen und damit nicht den Gott nur für Muslime meinen.

Wenn ein Andersgläubiger etwas falsch versteht, dann sollte ein Muslim die Gelegenheit nutzen und ihm den wahren Sachverhalt erklären. Entweder glaubt er es oder er glaubt es nicht. Der Muslim ist nicht für ihn verantwortlich.

Die Möglichkeit und die Notwendigkeit für einen Kompromiss sehe ich in diesem Fall nicht.

Auch dir noch einen schönen Tag und
Salaam
Gunnar :green_heart:

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Salaam Gunnar!

Mal wieder ein Top-Beitrag und mega hilfreich und denkanstoßend!
Möge dich Allah für deine Bemühungen belohnen!

Friede sei mit dir mein lieber Bruder

Salaam, mein lieber Ahmet,

und vielen Dank für dein in freundliche Worte gekleidetes Feedback!

Ja, dass der Beitrag denkanstoßend sein soll, steht im Vordergrund meiner Intention (wie bei meinen anderen Artikeln auch).

Salaam
Gunnar :green_heart:

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Frieden Gunnar,

Toller Beitrag!

Frieden Joko