Allāhu akbar (Allah ist größer)?

Friede alle zusammen!

Schon seit geraumer Zeit mache ich mir Gedanken darüber, warum so viele Muslime die Phrase „Allāhu akbar (Allah ist größer)“ benutzen , besonders jene, die im Glauben an ein rituelles Gebet dieses Gebet mit den Worten „Allāhu akbar“ beginnen und diese Worte auch in ihrem Adhan, dem Gebetsruf, mehrmals artikulieren.

Eine entsprechende Anweisung im Quran gibt es nicht – ja sogar gibt es im ganzen Quran nicht an einer einzigen Stelle die Phrase „Allāhu akbar“. Allah bezeichnet SICH im Quran als „Al-Kabīr (der Große)“, und zwar mit dem bestimmten Artikel im Sinne, dass ER der absolut und unvergleichlich Große ist. Belegstellen sind Sure 22:62, 31:30, 34:23 und 40:12, in denen das Wort „Al-Kabīr“ stets hinter dem Wort „Al-´alīy (der Höchste)“ steht, was die absolute und unvergleichliche Größe Allahs noch unterstreicht.

Das Wort „akbar“ ist grammatisch betrachtet ein Komparativ, also die erste Steigerungsform eines Adjektivs, und der Komparativ wird benutzt, wenn man etwas mit etwas Anderem vergleicht. Allah ist aber mit nichts zu vergleichen – IHM ist niemand ebenbürtig (Sure 112:4), es gibt nichts und niemanden, was und wer IHM gleich ist (42:11). Von daher verbietet sich meines Erachtens die Verwendung der Phrase „Allāhu akbar (Allah ist größer)“.

Zu beachten ist in diesem Zusammenhang meiner Ansicht nach auch Sure 7:180, wo es heißt, dass man sich von jenen fernhalten soll, die SEINE Namen „entstellen“. Das hier benutzte arabische Verb „ ألحد alhada“ bedeutet „vom rechten Weg abweichen“, „etwas verketzern“, „etwas beerdigen“. Yusuf Ali übersetzt dies dahingehend, dass man „SEINE Namen im profanen Sinne benutzt“. Dies geht konform mit der Angabe im „Vocabulary oft he Holy Qur´an“: „to put to a perverted use, to act profanely“. Das „Concise Dictionary of Arabic“ von Arne Ambros vermerkt unter ألحد alhada: „to deviate, to take up an heretical position with regard to a. th.“, „to bring s.th. into discredit (in Verruf bringen)“.

Insofern halte ich Muhammad Asads Übersetzung mit „entstellen“ für einen annehmbaren und treffenden Oberbegriff. Und ich sehe einen Zusammenhang zwischen diesem Vers 7:180 und der Phrase
„Allāhu akbar (Allah ist größer)“, woraus ich ebenfalls den Schluss ziehe, dass sich meines Erachtens die Verwendung der Phrase „Allāhu akbar (Allah ist größer)“ verbietet.

Allāhu Al-Kabīr (Allah ist der unvergleichliche absolut Große)!

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Selam @OASE , lieben Dank!

Und wieder ein schöner Sonntag hat begonnen mit diesem Beitrag von Dir, der uns :muscle: macht, der uns :hear_with_hearing_aid: lässt, unser :brain: arbeiten lässt, wenn wir die Zeichen Gottes :eyes: (blicken), die jedes für sich eine :speaking_head: (ermahnende) Botschaft ist.

Erneut ist wieder festzustellen, dass menschliche Überlieferungen den Einzelnen von der Wahrheit abhalten können, in dem sie daran hindern den Koran zu verstehen und dadurch die (beabsichtigte) Distanz bewirken.

Es passt nicht zu einem Ergebenen, Erfindungen und Gerüchten zu folgen, die mit den schriftlich herabgesandten Zeichen Gottes im Gegensatz stehen, denn der Koran ist die einzige Quelle und Gott reicht uns.

7:180 Und Gott zu eigen sind die schönsten Namen. So ruft ihn damit an. Und lässt diejenigen, die auf seine Namen abzielen. Sie werden für das vergolten, was sie getan haben.

Der Koran beschreibt mit mehr als hundert Attributen (arabisch: أسْمَاءُ الله الْحُسْنَى, türkisch: Esma-ül Hüsna, deutsch: „Die schönsten Namen Gottes“), dass Gott alle schönen Eigenschaften (vgl. 17:110; 20:8; 59:24) gehören. Folglich sind Verzerrungen in Form einer Schlechtbezeichnung unzulässig, wenn bspw. Gott als al-Dar (derjenige, der schädigt) bezeichnet wird, vgl. 42:30.

Ebenso auch durch den oft gebrauchten Ausdruck Allāhu akbar (arabisch: الله أَكْبَر, türkisch: Allah’u ekber‚ deutsch: Gott ist größer), der für Takbīr (arabisch: تَكْبِير, türkisch: tekbir, deutsch: „Gottpreisung“) im Zusammenhang mit 17:111; 74:3 verwendet wird. Dieser Ausdruck hat überhaupt keine Grundlage im Koran. Ausserdem ist Gott nicht akbar (größer, gramm.: Ism al-tafḍīl als Steigerungsform, mithin eine Komparation), sondern kabīr (groß), denn er ist der absolut und unvergleichlich Große (vgl. 22:62; 31:30; 34:23; 40:12), dem niemand ebenbürtig ist (vgl. 112:4) und dem nichts gleich ist (vgl. 42:11).

Hinzu kommt nicht nur, dass der Begriff akbar, zumindest mittelbar, vergleichend (in Bezug auf drei Größen) im Koran verwendet wird, aber auch, dass es in einer negativeren Bedeutung verwendet wird, wie aus 6:78 deutlich erkennbar, wenn dieses Attribut der Sonne zu dem Mond und den Sternen gegenübergestellt wird, sozusagen damit eine Art Trinität innerhalb drei Größen vorgenommen wird.

6:78 Als er die Sonne aufgehen sah, sagte er: „Das ist mein Herr. Das ist weitaus (mehr) in Großheit.“ Als sie verschwand, sagte er: "Mein Volk. Zweifellos bin ich losgelöst von denen, womit ihr Teilhaberschaft zuschreibt."

Ebenso sind in einigen Bibelversen Verzerrungen bzw. Fehlinterpretationen enthalten, die Gott als weniger als ein vollkommenes Wesen darstellen. Beispielhaft sind: Richter 1, 19 (machtlos); Genesis 6, 6-7 (fehlbar); Psalmen 13, 1; Klagelieder 5, 20 (vergesslich); Genesis 3, 8-10 (kann nicht sehen); 1 Samuel 15, 2-3 (grausam).

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