Begriff صلاة SALĀ im Quran TEIL 1

Salaam!

In den vergangenen Wochen habe ich mich mit dem Begriff صلاة SALĀ im Quran beschäftigt. Das Ergebnis sieht wie folgt aus:

Wenn man über die Aussagen des Quran nachdenken und sie verstehen respektive interpretieren will, hat man seine Vorgehensweise auf drei Dinge zu fokussieren: Erstens das Kennenlernen der semantischen Bedeutung der jeweiligen Wörter auf Basis der Wortstämme, insbesondere der ambigen Wörter, zweitens das Berücksichtigen des Kontextes, in dem das jeweilige Wort vorkommt, und drittens das Beachten des Geistes des ganzen Quran. Der Geist des Quran basiert hauptsächlich auf folgenden Prinzipien:

  • Der Quran postuliert den absoluten Monotheismus, wie etwa in Sure 3 Vers 18.
  • Der Quran ist ein detailliertes und für einen Allah sich Ergebenden und Folgenden alles Relevante enthaltendes Offenbarungsbuch, so dass man keiner weiteren Quellen für das Verstehen und Ausüben der Religion Allahs bedarf. Siehe etwa 5:3, 6:38, 12:111, 16:89, 45:6!
  • Das Streben nach Wissen und Nachdenken und der Vorwurf des Nichtwissens respektive Nichtdenkens wird im Quran an vielen Stellen betont, wie etwa an folgenden Stellen: 4:82, 9:122, 10:101, 20:114, 22:46, 23:68, 35:28-29, 39:9, 86:5. Von daher sollte jeder Mensch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sich verpflichtet fühlen, seinen ihm von Allah verliehenen gesunden Menschenverstand zu benutzen und entsprechend seinem Intellekt gemäß seinen darauf fußenden Erkenntnissen aus eben diesem Quran zu leben.
  • Der Quran richtet sich an alle Menschen. Siehe etwa 5:48-49, 39:41, 81:27! Als Konsequenz enthält der Quran ergo Anweisungen, die von allen Menschen auch ausgeführt werden können.
  • Mit dem Quran gibt Allah den Menschen ein Lebenssystem an die Hand, das ihnen das Leben erleichtern und angenehm machen sowie schwierige und missliche Situationen vermeiden soll. Siehe etwa 2:185, 20:2 und 87:8!

Was nun die ambigen Wörter im Quran betrifft, so gehört zu ihnen das vom arabischen Verb صلو sallawa/sallū abgeleitete Wort صلاة (im Quran als Einzelwort صلوة geschrieben) Salā, das oft mit „rituelles Gebet“ übersetzt wird und im Folgenden unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte des Geistes des Quran erörtert werden soll.

In den arabischen Wörterbüchern und auch bei diversen Quran-Exegeten findet man unter صلاة Salā in semantischer Hinsicht eine ganze Reihe von Bedeutungen, als da nämlich zusammengefasst sind: „Spezifische Anbetungsform mit in der Scharia festgelegten Zeiten und Ritualen“, „Bitten und demütiges Flehen“, „Bittgebet ( دعاء du´āˋ)“, „Bitten um Vergeben“, „Erheben des Intellektes zu Allah“, „Religion“, „Barmherzigkeit“, „Umgeben mit Segnungen“, „Verpflichten zu dem, was Allah verbindlich vorschreibt“, „Hinwendung und Annäherung“, „Festhalten an etwas“, „Mitte des Rückens“ und „dichtes Folgen“. Beispielsweise wird ein Pferd, das in einem Rennen dicht hinter einem führenden Pferd läuft, im Arabischen als مصلي musallī bezeichnet, weil es sich mit seinem Kopf in Höhe der Mitte des Rückens des ersten Pferdes befindet respektive sich diesem hinwendet. Der Exeget Asch-Schaukānī beispielsweise macht in seiner Quran-Exegese einen Unterschied zwischen dem Sprachgebrauch der damaligen Araber und der von Mohammedanern verfassten Scharia dahingehend, dass er zunächst die linguistische Seite beleuchtet und als ursprüngliche Bedeutung „Bittgebet“ sowie „Mitte des Rückens“ und das über مصلي musallī Erwähnte anführt und dann fortfährt: „Was aber die schariatische Bedeutung betrifft, so handelt es sich um das Gebet mit seinen Eckpunkten und Formulierungen.“

Der Kerngedanke des Islam fokussiert die direkte enge Beziehung zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf und vice versa, wobei der Quran als Offenbarungsschrift dahingehend ein Hilfsmittel ist, dass einerseits Allah dem Geschöpf die für dessen Leben und Wissenserwerb notwendigen Informationen gibt und andererseits das Geschöpf seinem Schöpfer respektive dem Quran auf Basis dieser Informationen „dicht folgt“ und „an ihm festhält“. Der Quran ist quasi das „führende Pferd“ und der مصلي musallī ist das „dicht folgende Pferd“ – in unmittelbarer Nähe zum „führenden Pferd“. Auf den Menschen bezogen steht Salā mithin für Hinwendung zum Quran und damit auch zu Allah unter Einbeziehung des „dichten Folgens“ und für Reflexion über die persönliche Beziehung des Geschöpfes zu IHM, weshalb die Deutung respektive Übersetzung mit „rituelles Gebet“ zunächst legitim erscheint. Wenn man sich nun jedoch einmal die Verwendungen des Wortes Salā im Quran näher ansieht, findet man, dass das Deuten und Übersetzen dieses Wortes mit „rituelles Gebet“ doch nicht so plausibel ist.

So heißt es etwa in Sure 11 Vers 87: „Sie sagten: «O Schuaib! Befiehlt dir صلاتك salātuk (= deine Religion als Festhalten an dem, was Allah verbindlich vorschreibt), dass wir das lassen, was unsere Väter angebetet haben?..»“ Das „dichte“ Befolgen der Anweisungen Allahs im Quran impliziert natürlich, dass man das Anbeten von Götzen lässt, und der Islam ist ja eine streng monotheistische Religion. Hier صلاتك salātuk mit „dein Gebet“ zu übersetzen, machte also keinen Sinn. Das Gleiche gilt für Sure 75 Verse 31-32: „Denn er nahm die Wahrheit nicht an und folgte ( صلى sallā) nicht, sondern zieh der Lüge und wandte sich ab.“ Hier werden jeweils zwei Dinge gegenübergestellt, nämlich einmal die Wahrheit und die Lüge und einmal das Folgen und das Sich-Abwenden. In diesem Sinn kann auch صلى sallā in Sure 87 Vers 15 verstanden werden: „Er gedachte des Namens seines Herrn und folgte (صلى sallā)“. Das heißt, dadurch, dass man des Namens Allah gedenkt, folgt man der Religion Allahs und hält an ihr fest. In Sure 70 in den Versen 24 bis 33 werden mehrere Anweisungen Allahs aufgezählt und in den Versen 22 und 23 heißt es als Einleitung: „Außer den Folgenden ( مصلين musallīn), denjenigen, die in ihrem Folgen konstant sind.“ Gemeint ist hier mithin das Befolgen der genannten Anweisungen und das Festhalten an ihnen. Und abschließend finden wir im Vers 34 das Resultat für diejenigen, die beständig den aufgezählten Anweisungen folgen: „Jene werden in Paradiesgärten geehrt.“ An weiteren Stellen des Quran gibt es ähnliche Verse.

Es ist im Übrigen bemerkenswert, dass die Verse, in denen das Wort Salā mit seinen verschiedenen Flexionsformen auftaucht, im Quran verstreut vorkommen. Ganz im Gegensatz beispielsweise zur obligatorischen rituellen Waschung, deren komplette Durchführungsweise in einem einzigen Vers (Sure 5:6) aufgeführt und vor jedem Salā vorzunehmen ist. Neben anderen Gründen kann man auch daraus schließen, dass es bei Salā um etwas ohne feste Rituale respektive methodische Bewegungsabläufe geht, zumal im Quran im Zusammenhang mit dem Wort Salā im Gegensatz zur rituellen Waschung eben keine Rituale aufgeführt sind. Die in den Wörterbüchern aufgelistete Bedeutung „Spezifische Anbetungsform mit in der Scharia festgelegten Zeiten und Ritualen“ spricht ja auch aus gutem Grund nicht von „im Quran festgelegten Ritualen“, sondern von „in der Scharia festgelegten Ritualen“, das heißt, Allah nennt im Quran keine Rituale beim Wort Sal , vielmehr finden sich diese Rituale in der sogenannten Scharia, also im von Religionsrechtsgelehrten aus dem Quran und anderen Quellen abgeleiteten und stets zu hinterfragenden religiösen Rechtskodex. Was in Verbindung mit Salā die festgelegten Zeiten angeht, so wird dieses Thema weiter unten angesprochen.

An dieser Stelle ist der Hinweis nützlich, dass zwar in der Bibel nichts über ein rituelles Pflichtgebet für alle Gläubigen zu finden ist, dass es im Quran aber Informationen darüber gibt, dass Salā auch schon vor der Zeit des Propheten Muhammad obligatorisch war. So heißt es etwa in Sure 19 Vers 55, dass der Prophet Ismail seinen Leuten Salā gebot. Und in Sure 20 Vers 14 ist zu lesen, dass Allah zum Propheten Moses sagte: „ICH, wirklich ICH bin Allah. Es gibt keine Gottheit außer MICH. So diene MIR anbetend und verrichte Salā zu MEINEM Gedenken!“ Eine Durchführungsbeschreibung für Salā gibt es hierbei nicht. In 21:73 heißt es, dass Abraham die Durchführung von Salā geoffenbart wurde. Allen Quran-Stellen, die in Verbindung mit dem Propheten Abraham von „ ملة milla (Credo)“ sprechen, als da etwa sind 2:135, 3:95 oder 16:123, folgt jedoch der erklärende Satz, dass er nicht der Religion des ihn umgebenden Milieus folgte, sondern ein Monotheist war (han ī f) und nicht zu den Polytheisten gehörte. Und in 3:95 steht noch die zusätzliche Aufforderung, dem Credo von Abraham zu folgen. Wenn man die erwähnten Verse über Abraham nun zusammen betrachtet, kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass auch hier Salā dahingehend zu verstehen ist, dass die Geschöpfe der monotheistischen Religion Allahs mittels Bittgebeten, Erheben des Intellektes sowie Hinwendung zu Allah und Festhalten an dem, was Allah verbindlich vorschreibt, „dicht folgen“ sollen. Wie dieses Salā bei den Propheten vor dem Propheten Muhammad im Einzelnen aussah, geht aus den Quran-Versen nicht hervor, was jedoch sowieso nicht relevant ist, weil uns der Quran ja dazu auffordert, dem zu folgen, was der Gesandte Muhammad an Quran-Offenbarung den Menschen übermittelt hat. Dies belegen verschiedene Verse aus eben diesem Quran, wie etwa 5:48 oder 46:9. Dies belegt ferner die Tatsache, dass der Quran – wie oben erwähnt - ein detailliertes und für einen Allah sich Ergebenden und Folgenden alles Relevante enthaltendes Offenbarungsbuch ist.

In der Bibel kommt das Wort „Gebet“ zwar oft vor, aber niemals mit einer vorgeschriebenen Form oder Anzahl und schon gar nicht als Pflicht für die Gläubigen. In der Regel hat es die Bedeutung Bittgebet oder Dankgebet. Ersteres findet man beispielsweise im 1. Buch Samuel Kapitel 1 Verse 10 ff und Letzteres im 1. Buch Samuel Kapitel 2 Verse 1 ff. Im Psalter werden an mehreren Stellen Gebete Davids aufgeführt - wohlgemerkt nur die Worte! Lediglich im Psalm 55:17-18 heißt es, dass David sagt, dass er mehrmals am Tag in seiner Not laut zum Herrn bete. Und in Daniel 6:11 wird berichtet, dass Daniel dreimal am Tag auf die Knie niederfiel und betete und dankte, wie er es vorher auch schon immer getan hatte. Aber auch dies ist keine Bestätigung für die Pflicht zu einem rituellen Gebet, und schon gar nicht eine Pflicht für die Gläubigen allgemein. Im Neuen Testament wird von Jesus das Gebet im Zusammenhang mit der Austreibung von Dämonen erwähnt (siehe Markus 9:28-29). Bei Lukas 1:10 ff heißt es, dass Zacharias das Rauchopfer darbrachte und das ganze Volk draußen stand und betete. Im Vers 13 verkündet ihm dann ein Engel, dass sein Gebet erhört worden war und er einen Sohn bekommen werde. Ein Beweis für ein rituelles Pflichtgebet ist das sicher auch nicht. Im Matthäus-Evangelium gibt es indes einen Hinweis, wie ein Gebet, und zwar ein Gebet im Individualbereich, aussehen könnte. Im Kapitel 6 steht beginnend mit Vers 5: „Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern erlassen haben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen.“ Offensichtlich handelt es sich hier um ein Dank- und Bittgebet. Ähnlich, aber wesentlich kürzer, ist es bei Markus 11:25 und Lukas 11:2-4 formuliert. Das mag hier als Beispiele genügen.

Bei Salā handelt es sich also auf jeden Fall um eine Hinwendung, um ein Festhalten, um eine Beziehung, die sich in drei Beteiligungsmöglichkeiten äußern kann. Die erste Möglichkeit besteht in einer Beziehung, die vom Schöpfer zusammen mit den Engeln ausgeht und die Geschöpfe anspricht. Dies wird ersichtlich aus Sure 33:43 und 33:56, wo es heißt, dass Allah und SEINE Engel denen, die den Glauben verinnerlicht haben (Vers 43), und dem Propheten (Vers 56) „hingewandt“ sind (yusallūna), und zwar dahingehend, dass Allah und SEINE Engel mit denen, die den Glauben verinnerlicht haben, respektive mit dem Propheten Muhammad in eine segensreiche Unterstützungsbeziehung treten. Im Vers 43 wird diese Unterstützung durch das Erwähnen des Führens aus den Dunkelheiten (als Metapher für die diversen Möglichkeiten, die zum Leugnen des Islam führen) ins Licht (als Metapher für den Islam) zusätzlich konkretisiert. Bei dieser Beziehungsart macht es keinen Sinn, das arabische Verb sallā mit „das Gebet verrichten“ zu deuten respektive zu übersetzen. Die zweite Art der Beziehung richtet sich vom Geschöpf auf den Schöpfer und äußert sich darin, dass es sich zu IHM hinwendet und an dem festhält, was ER im Quran geoffenbart hat. Diese Art wird im Anschluss an diesen Abschnitt detailliert dargestellt. Eine dritte Beziehung schließlich sieht derart aus, dass sie von Geschöpfen auf Geschöpfe zielt, wie es sich aus dem zweiten Satz des genannten Verses 33:56 ergibt, wo die den Glauben Verinnerlichenden aufgefordert werden, den Propheten Muhammad in dessen Leben ebenfalls zu unterstützen (sallū). Auch bei dieser Beziehungsart macht es keinen Sinn, das arabische Verb sallā mit „das Gebet verrichten“ zu übersetzen.

Im Quran erscheint in Sure 11:114 und in Sure 17:78 das Wort صلاة salā in Verbindung mit spezifischen Zeitangaben. Die beiden Verse werden eingeleitet durch أقم الصلاة *aqim as-salā. Das arabische Verb أقام aqāma, das in diesen beiden Versen im Imperativ Singular steht, ist ebenfalls ambig, sprich, hat ebenfalls viele Bedeutungen. Zu den Grundbedeutungen gehören „wahren“, „immer durchführen“, „abhalten“, „festhalten an“ und „einrichten“. Über diesen Bedeutungen schwebt ein Hauch von Organisieren, worauf ebenfalls die erwähnten Zeitangaben hindeuten. Die Aufforderung richtet sich in den beiden genannten Versen an den Gesandten Muhammad, was sich auch aus dem Kontext der vorangehenden Verse ergibt. Denn die Aufgabe des Gesandten bestand darin, die ihm geoffenbarten Verse den Menschen zu übermitteln. Es handelt sich quasi um einen abzuhaltenden und immer zu bestimmten Zeiten durchzuführenden „Salā-Termin“. Die Leute empfingen ergo vom Gesandten die Worte des Quran und sollten sich diesen dann zuwenden und folgen, indem sie an dem festhielten, was Allah angeordnet hatte, und wodurch sie Allah näher kamen.

In Sure 24:58, und zwar nur in diesem einen Vers im gesamten Quran, werden die Salā-Termine mit speziellen Namen belegt: صلاة الفجر Salātu-l-fadschr und صلاة العشاء Salātu-l-´ischā`. In diesem Vers werden zudem alle angesprochen, die den Glauben verinnerlicht haben. Daraus folgt, dass die Salā-Termine nicht nur eine Angelegenheit des Gesandten zu dessen Lebzeiten waren, sondern in allen Zeiten von allen, die den Glauben verinnerlicht haben, durchzuführen sind. Dies ergibt sich beispielsweise auch aus Sure 5:6, wo von der Reinigung als Vorbereitung für diese Termine gesprochen wird. Demzufolge haben die an Allah Glaubenden täglich zwei Salā-Termine. Da sie in der jetzigen Zeit keine Offenbarung von einem Gesandten übermittelt bekommen, müssen sie also diese Termine selbst organisieren und durchführen, zumal es im Quran festgelegte Rituale für Salā nicht gibt.

Die Wichtigkeit der Durchführung von Salā wird dadurch unterstrichen, dass im Quran sehr oft auf sie hingewiesen wird. Zum ersten Mal findet sich dies im Quran in Sure 2:3, wo es heißt „ يقيمون الصلاة yuqīmūna-s-salā Salā durchführen “. Beschrieben werden damit die im vorangehenden Vers genannten in Demut gegenüber Allah Ehrfürchtigen. Der Quran-Exeget Ar-Razi bemerkt in diesem Zusammenhang, dass das Herz wie eine Tafel ist, auf der sich die Gravuren der wahren Glaubensgrundsätze und der vorzüglichen Charaktereigenschaften befinden, was aber erst dann möglich ist, wenn die Gravuren des Unmoralischen entfernt sind. Deshalb erwähnt der Quran zuerst die demütige Ehrfurcht gegenüber Allah im Sinne des Unterlassens dessen, was sich nicht geziemt, und dann das Durchführen dessen, was sich geziemt. Dieser Gedanke wird unter Anderem vom Quran selbst belegt, denn in Sure 29:45 wird der Grund für Salā genannt: „ … und verrichte Salā! Salā hält wirklich vom unmoralischen Verhalten und Verwerflichen ab, und das Gedenken Allahs ist gewiss größer. Und Allah weiß, was ihr bewerkstelligt.“ Die Annahme, dass unter Salā kein rituelles Gebet mit bestimmten Wortlauten und Bewegungsabläufen gemeint ist, wird dadurch neben der Tatsache, dass es im Quran keine Erwähnung für ein solches rituelles Gebet gibt, noch zusätzlich bestärkt. Denn die Realität zeigt ja, dass viele durch das bloße formale Verrichten der rituellen Gebete nicht vom unmoralischen Verhalten und Verwerflichen abgehalten werden. Es ist plausibler und wahrscheinlicher, dass unmoralische und verwerfliche Gravuren aus dem Herzen und den Verhaltensweisen verschwinden, wenn man ernsthaft den Quran liest sowie aus ihm Wissen schöpft, das man dann wiederum durch Worte und Tat in seinen Alltag projiziert. Das im zitierten Vers genannte Wort „Verwerfliches“ entspricht dem arabischen Wort المنكر al-munkar, was wiederum abgeleitet ist vom arabischen Verb أنكر ankara und ursprünglich „leugnen“, „abstreiten“, „in Abrede stellen“ und „nicht anerkennen“ bedeutet. Zusätzliche, eine daraus resultierende Konsequenz beinhaltende Bedeutungen sind „missbilligen“, „Anstoß nehmen“ und „verwerfen“. Der Zweck und das Ziel von Salā bestehen ergo darin, dass der Intellekt des jeweilig Durchführenden von Salā an allem, was sich nicht geziemt respektive unmoralisch ist, Anstoß nimmt und es missbilligt und verwirft sowie an diesem Verwerfen und Missbilligen festhält, was wiederum der demütigen Ehrfurcht gegenüber Allah entspricht und ihn Allah näher kommen lässt. Was sich an Unmoralischem und Verwerflichem nicht geziemt und was sich für ein Leben in demütiger Ehrfurcht gegenüber Allah geziemt, das erfährt und erkennt und begreift man nicht durch formal durchgeführte rituelle Gebete, sondern durch Hinwendung zum Lesen des Quran und Reflektieren über das Gelesene sowie durch Festhalten am Begriffenen und Umsetzen in die täglichen Handlungen – und eben dies erreicht man durch die erwähnten Salā-Termine.

Bei Salā ist entsprechend der Bedeutung naturgemäß die richtige innere Einstellung für einen positiven Kontakt zum Schöpfer wichtig. Zu den damit verbundenen Voraussetzungen gehört das Konzentrieren ganz allein auf Allah sowie das Gedenken SEINER und demütige Ehrfurcht vor IHM, wie man es beispielsweise Sure 2:45, Sure 6:162, Sure 20:14 oder Sure 29:45 entnehmen kann. Dies umfasst auch eine Kommunikation mit Allah, die Bitt- und Dankgebete enthalten kann. Wenn Quran-Verse rezitiert werden, soll dies gemäß Sure 17:110 in moderatem Tonfall geschehen. Dem Vers 4:43 zufolge soll darüber hinaus das jeweilige Individuum wissen, was es sagt und deshalb auch nicht in betrunkenem Zustand Salā durchführen. Die Länge von Salā ist nicht relevant und zudem vom Quran nicht vorgegeben. Qualität kommt vor Quantität. Nach Beendigung der Salā-Termine soll man gemäß Sure 4:103 auch weiterhin Allahs gedenken.

Es ist nun die Frage zu klären, was die beiden erwähnten Namen Salātu-l-Fadschr und Salātu-l-´Ischā` bedeuten. Das arabische Substantiv فجر fadschr hat zunächst einmal allgemein die Bedeutung von „Anbruch“ respektive „Beginn“ und wird oft im Sinne von „Morgengrauen“, also Anbruch des Tages verwandt. Das zu Grunde liegende Verb فجر fadschara hat die Bedeutung „sich vergehen“, „lasterhaft, unmoralisch, sündig sein“, aber auch „einen Weg bahnen“, „hervorströmen lassen“. So heißt es etwa im Quran in Sure 17 Vers 90: „Sie sagten: «Wir werden nicht an dich glauben, bis du uns aus der Erde eine Quelle hervorströmen lässt ( تفجر tafadschura).»“ Von diesem Grundverbstamm gibt es eine Ableitung im sogenannten 7. Stamm, der im Allgemeinen eine Reflexivform des Grundstammes ist, also eine quasipassive Bedeutung annimmt. Dieser 7. Stamm heißt انفجر infadschara und bedeutet „explodieren“, „detonieren“, „hervorbrechen“, „sich einen Weg bahnen“. Wenn wir die Wörter fadschr , fadschara und infadschara zusammen betrachten, dann können wir sagen, dass es zuerst nichts gibt und dann eine sich langsam ausbreitende Explosion etwas hervorbrechen respektive hervorströmen und sich einen Weg bahnen lässt. Auf das Individuum bezogen bedeutet dies eine Art Hervorbrechen des Lebens nach dem Erwachen vom Schlaf, der von Allah im Quran als Tod bezeichnet wird; es handelt sich beim Wort Fadschr somit um einen Übergang vom „Tod“ zum Leben, was auch auf die Tageszeit bezogen werden kann, weil es eine Art langsames „Explodieren“ des Lichtes nach der Dunkelheit der Nacht und des Erwachens der Natur gibt. Wenn man also vom „Tod“ aufwacht und aufsteht, strömen quasi die Lebensgeister in den Aufwachenden und bahnen den Weg für ein neues Leben an einem neuen Tag. Einen zwingenden Bezug zum Morgengrauen oder Sonnenaufgang gibt es dabei nicht.

Was Salātu-l-´ischā` betrifft, so bedeutet das Grundverb عشي ´aschiya respektive عشا ´aschā „ein schwaches Augenlicht haben“ oder „nachtblind sein“, auch im übertragenen Sinne in der Bedeutung „hinsichtlich der Wahrheit blind sein“ . Entsprechend heißt es in Sure 43 Vers 36: „Und wessen Blick für das Gedenken des Allerbarmers schwach ist ( يعش ya´schu ), für den bestimmen WIR einen Satan; der ist dann für ihn ein Gefährte.“ Das von diesem Verb abgeleitete Substantiv عشاء ´ischā bringt im weiteren Sinne im allgemeinen Sprachgebrauch die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Morgengrauen zum Ausdruck, besonders die Dunkelheit der Nacht. Insofern gibt es einen gewissen Bezug zum Grundverb, denn wenn man ein schwaches Augenlicht hat, sieht man alles nur dunkel. Diese Zeit ist die Zeit, in der man sein Tagewerk beendet und zu Bett geht. Dies entspricht der in den arabischen Wörterbüchern ebenfalls erwähnten Bedeutung „Tagesende“. Ein weiteres vom Verb عشي ´aschiya respektive عشا ´aschā abgeleitetes Substantiv ist عشاء ´aschā mit der Bedeutung „Abendessen“, das in der Regel die letzte Mahlzeit an einem Tag ist. Wie beim Fadschr gibt es also beim ´ischā keinen zwingenden Bezug zum Sonnenstand, in diesem Fall also zum Sonnenuntergang.

Welchen Zusammenhang gibt es nun zwischen فجر fadschr und عشاء *´ischā`

einerseits und dem Wort Salā andererseits? Salā ist neben dem Festhalten an dem, was Allah anordnet, eine intime, vom Geschöpf an seinen Schöpfer gewandte Kommunikation. Die beiden genannten Zeitpunkte des Aufstehens und des Zubettgehens bringen dieses Intime zum Ausdruck. Die Tatsache, dass Allah Salā unter Nennung der zwei Namen in einem einzigen Vers im Quran (24:58) erwähnt, zeigt, dass es auch wirklich nur diese beiden Pflicht-Salā-Termine gibt. Im selben Vers wird interessanterweise auch davon gesprochen, dass die in diesem Vers genannten Salātu-l-Fadschr und Salātu-l-´Ischā`

zu den Zeiten der „ عورات ´aurāt (Blöße, Scham)“ gehören. Diese Blöße ist nicht nur im engen physischen Sinne zu verstehen, sondern auch in dem Sinne, dass man zu gewissen Zeiten Anspruch auf absolute Privatsphäre hat. Das Erwähnen der beiden Pflicht-Salā-Termine zusammen mit der Zeit der Blöße, und zwar nur in diesem einen Vers im gesamten Quran, ist ein eindeutiger Beleg dafür, dass beides in einem gewichtigen Zusammenhang steht. Insofern können wir das Erwähnen der Blöße als einen Beweis dafür betrachten, dass Salā etwas mit der absoluten Privatsphäre zu tun hat, und dazu gehören zweifelsohne die Zeit nach dem Aufwachen und die Zeit vor dem Zubettgehen. Unter Berücksichtigung der dargelegten Aspekte ist es ergo logisch und legitim, Salātu-l-Fadschr und Salātu-l-´Ischā` als Salā-Termine nach dem Aufstehen respektive vor dem Zubettgehen zu interpretieren. In der Tat ist das Einhalten des Ersteren ein erhabener und günstiger Moment, um in ihm etwas vom Quran zu lesen sowie Allah um Hilfe bei den für diesen Tag anstehenden Aufgaben zu bitten; und das Durchführen des Letzteren bietet neben dem Lesen des Quran eine günstige Gelegenheit, Allah zu lobpreisen und IHM für das Gute an diesem Tag zu danken sowie bei eventuell an diesem Tag entstandenen Problemen um SEINEN Beistand und das Gewähren einer ruhigen Nacht zu bitten.

Unterstützt wird die dargelegte Interpretation aber auch noch durch einen weiteren Aspekt: Am Anfang dieser Ausführungen steht der Hinweis, dass man beim Lesen und Interpretieren einzelner Verse unter Anderem auch den Kontext und den Geist des Quran im Sinn haben muss und es zu diesem Geist des Quran gehört, dass Allah die an die gesamte Menschheit gerichtete Religion nicht als eine Last eingeführt hat, die in Schwierigkeiten oder sogar zu nicht ausführbaren Dingen führt, sondern als eine Erleichterung und Annehmlichkeit für unser Leben. Zudem erschafft Allah jeden Menschen unterschiedlich und da ist es nur recht und billig, dass jeder nach seinem Vermögen und im steten Bewusstsein, dass er allein vor Allah verantwortlich für das ist, was er entscheidet und tut, seinen eigenen Weg geht – auch was die individuelle Zeit des Aufstehens und des Zubettgehens betrifft.

Wenn man nun in diesem Zusammenhang die bewohnten Regionen betrachtet, in denen beispielsweise die Sonne schon um 14 oder 15 Uhr untergeht, wie etwa in Schweden, wo die Mohammedaner dann das von ihnen postulierte Salātu-l-´Ischā` im Sinne von „Nachtgebet“ als „rituelles Pflichtgebet“ verrichten müssten, so ist davon auszugehen, dass man sich nicht um 14 oder 15 Uhr der Kleidung entledigt, um schlafen zu gehen. Im Polarkreis wäre das Einhalten der in den beiden Suren genannten Zeiten sogar überhaupt nicht möglich, wenn man unter diesen Zeiten auf der Basis des Sonnenzyklus das Morgengrauen respektive die Zeitspanne zwischen Sonnenuntergang und Morgengrauen verstünde, denn am Tag der Sommersonnenwende geht ja dort die Sonne gar nicht unter. In der sogenannten Polarnacht gibt es in den Polargebieten, in der übrigens Zivilbevölkerung lebt, wie etwa in Mittelnorwegen, einen Zeitraum um die Wintersonnenwende, in der die Sonne mehrere Tage bis Monate nicht direkt zu sehen ist.

Salā ist also offensichtlich nicht an den Sonnenzyklus, sondern an den individuellen Lebenszyklus des Aufstehens und Zubettgehens des Menschen geknüpft. Unter Berücksichtigung dieses individuellen Lebenszyklus sind die Salā-Termine nach dem Aufstehen respektive vor dem Zubettgehen ganz im Sinne des Geistes des Quran von jedem Menschen an jedem Ort der Erde einfach einzuhalten. Hier zeigt sich ergo der Geist des Quran auch darin, dass er das Praktikable mit Blick auf alle bewohnten Regionen der Erde in den Vordergrund stellt - neben dem bereits erwähnten Aspekt, dass es sich beim Islam um eine leicht zu praktizierende Religion handelt, um ein Lebenssystem, in dem Allah einer Seele nur deren Leistungsvermögen zumutet (siehe Sure 2:286). Hierzu gehört auch der Aspekt, dass es der Gesundheit eines Menschen zuträglicher ist, ohne Unterbrechung zu schlafen – in der Regel also etwa sieben bis acht Stunden. Wenn man nun die Zeit des Salātu-l-Fadschr an den Sonnenzyklus knüpfte, müsste man in vielen Regionen der Erde besonders in der Sommerzeit schon um zwei oder drei Uhr aufstehen, um Salātu-l-Fadschr zu verrichten, seinen Schlaf also unterbrechen und dann nach Verrichtung des Salātu-l-Fadschr den unterbrochenen Schlaf um den verbliebenen Rest der eigentlich notwendigen Schlafdauer „nachzuschlafen“, was erstens nicht einfach und nicht angenehm und zweitens sicher nicht als empfehlenswert für die physische Gesundheit zu betrachten ist.

Die bereits erwähnten Quran-Stellen Sure 11:114 und Sure 17:78 mit ihren spezifischen Zeitangaben zu Salā nennen als Zeitbezug zwei Angaben: طرفي النهار وزلفا من الليل tarafayi-n-nahār wa zulafan mina-l-lail (an beiden Endpunkten der Tageszeit, und zwar zu Stunden eines dem Tag näher gelegenen Teils der Nacht)“. In der zweiten Stelle heißt es: „لدلوك الشمس إلى غسق اليل وقرءان الفجر lidulūki-sch-schamsi ilā ghasaqi-l-laili wa qurāna-l-fadschr (beim Neigen der Sonne bis zum Dunkel der Nacht und die Quran-Rezitation in der Morgendämmerung)“. Diese Stellen scheinen auf den ersten Blick dem bisher über Salātu-l-Fadschr und Salātu-l-´Ischā`

Gesagten zu widersprechen. Allerdings nur auf den ersten Blick, denn hier ist der Kontext zu beachten. Wie oben beim ersten Erwähnen dieser beiden Quran-Verse bereits erwähnt wurde, ist der Adressat der Aufforderung zum Durchführen von Salā wegen des Verbs im Imperativ Singular der Gesandte Muhammad. Des Weiteren kann man auf der Arabischen Halbinsel natürlich das ganze Jahr den Sonnenauf- und -untergang erleben, und zwar auf das ganze Jahr verteilt mit ziemlich geringen Zeitabweichungen. Zum Lebensstil der dort Ansässigen gehört es ferner, abends relativ früh schlafen zu gehen und früh vor Sonnenaufgang aufzustehen und mit der täglichen Arbeit zu beginnen respektive sich auf sie vorzubereiten. Zu den genannten Zeiten sollte der Gesandte mit den Leuten seine Salā-Termine abhalten, um unter Anderem das ihm Geoffenbarte zu übermitteln. Der angenommene Widerspruch ist ergo de facto nicht vorhanden. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist sicher auch die Tatsache, dass es in den beiden Versen keine Namen für Salā gibt, also offensichtlich nicht das speziell für die monotheistischen Muslime vorgeschriebene Salātu-l-Fadschr und Salātu-l-´Isch ā`

gemeint ist – ganz im Gegenteil wird ja von qur`āna-l-fadschr, also von der Quran-Rezitation gesprochen.

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Selam Hasan,

Ganz großes Lob für deinen Beitrag vorab.
Diesen könnte ich mir auch als Video Beitrag sehr gut vorstellen.

Ich teile ebenfalls die Meinung das es nicht zwingend rituell abzuhalten ist. Ich sehe es aber auch als zulässig es in einer für sich angenehmen Form Rituell in Bewegung abzuhalten, solange die Motivation einzig und allein Allah zu dienen ist und nicht bestimmter Personen Ansprüchen zu entsprechen oder/und in einem Format sich ein zu zwingen.

Deine Verständnis zum Sala wird hier besonders auf einer tiefgründigen Ebene beschrieben und in hoher Qualität durch geführt.

Interresant finde ich, neben der Intergration ins Leben und die Erkenntnis das Menschen unterschiedlich sind, die Darstellung auch mit der Waschung.
Eine Anleitung in einem Abschnitt aufgeführt und eben nicht wie die Sala verteilt ( Wobei ich dazu mir auch noch weitere Gedanken machen will).

Folgende Fragen ergeben Sich meinerseits:

Ich frage mich ernsthaft wie sich die heutige Traditionelle Form als Ritual derart eingraviert hat und wer es verpflichtet erklärt hat.

Was Rituale aus Menschen machen können erkennt man ja z. B. an formellen Floskeln (der Schaden ist unbemerkt vorhanden und bei genauer Betrachtung sieht man das keine wirklich Achtsamkeit existiert und es richtung AutoPilot geht).

Wie verhält es sich mit den mittleren Gebet welches als besonders wichtig gekennzeichnet ist (auf die Gefahr hin das ich mich wiederhole - verzeih mir, mein neuer Beruf bedient meine ganze Kapazität)

Und Sure 17:110 in moderatem Tonfall - Ich hatt das so verstanden das es weder zu laut noch zu leise durchgeführt wird.

Ist deiner Analyse nach mit Tonfall, die betonung gemeint?

Selam und lieben Dank
Murad

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Salaam, Murad,

und vielen Dank für deinen freundlichen und mich motivierenden Kommentar!

Was die „rituelle“ Form betrifft, so meine ich, dass man das Wort „rituell“ in Verbindung mit Salā lieber nicht verwenden sollte, weil das mit etwas ständig Gleichbleibendem und mit dem Gedanken an etwas Verpflichtendes verbunden ist. Du hast ja selbst ganz richtig darauf hingewiesen, „was Rituale aus Menschen machen können“. Vielleicht passt in diesem Zusammenhang besser die Formulierung „Vorgehensweise beim Salā“. Eine Vorgehensweise kann variabel und individuell und austauschbar sein. Das heißt, man ist hinsichtlich Dauer und Form flexibel. Die Waschung vor dem Salā ist hingegen meiner Meinung nach eindeutig eine rituelle Handlung, weil die Art und Weise der Durchführung im Quran verbindlich vorgeschrieben ist.

Die von dir angesprochene heutige traditionelle Form als Ritual und dessen Eingravierung und Verpflichtung erklärt sich aus den mohammedanischen Hadithen, deren Bestimmungen im Übrigen sehr zahlreich und unterschiedlich sind. Da wir ja die Hadithe nicht als verpflichtende Grundlage für unser Verhalten anerkennen, erübrigt sich also ein weiteres Nachgehen deiner Frage, wie sich die mohammedanische Form eingraviert und wer das für verpflichtend erklärt hat. :wink:

Salaam
Hasan :green_heart:

Salaam, Murad,

meine Vorstellung vom Begriff Salātu-l-wustā findest du im zweiten (wesentlichen kürzeren als dem ersten :slightly_smiling_face:) Teil meines Artikels :wink:. Dort habe ich erklärt, warum ich ihn nicht als ein drittes Salā verstehe.

Salaam
Hasan :green_heart:

Salaam, Murad,

den von dir zitierten Vers verstehe ich genauso wie du. :slightly_smiling_face:

Salaam
Hasan :green_heart:

Selam Hasan,

Ich denke weiter nach und frage mal wie ist die Privatsphäre gemeint.

Stellt der Muslim selber die Parameter?

Weil in einem Familien/Gemeinschafts Haushalt, sowie beim Gemeinschaftsgebet (andere Form, andere Regelung? ) besteht ja nicht immer der selbe Grad an Privatsphäre.

Eine andere Frage by the way - du bevorzugst ja Selam ggü. Frieden. Mit wissens Neugier frag ich ob es daran liegt, dass es mehrere Bedeutung hat (ambig wenn ich mich recht erinner)?

Selam
Murad

Salaam, Murad,

da jeder Mensch für all das, was er tut oder unterlässt, vor seinem Schöpfer selbst verantwortlich ist, erachte ich es auch als legitim, dass er die Parameter für sich selbst eigenständig festlegt, was natürlich und besonders auch für das Thema Salā gilt.

Die Dank- und Bittgebete, die man während der Salā-Durchführung sprechen kann, sind ja schließlich auch individuell - also reine Privatsphäre.

Und für alles, wozu ich während der Salā-Durchführung aus dem Quran Schlüsse und Konsequenzen für mein Handeln ziehe, bin ich allein vor meinem Schöpfer verantwortlich - also reine Privatsphäre.

Da finde ich es mithin naheliegend, dass man die Salā-Durchführung in die Zeit nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen platziert, weil dies günstige Zeiten sind, sich auf sich selbst zurückzuziehen und sich somit von seiner Umwelt eine Weile zu lösen, um sich auf den Quran und den Offenbarer des Quran zu konzentrieren. Wie ich in meinem Artikel erklärt habe, lassen die beiden im Quran genannten arabischen Zeitangaben dies unter Berücksichtigung linguistischer Aspekte ja auch zu.

Salaam
Hasan :green_heart:

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Salaam, Murad,

es ist nur eine Gewohnheit von mir, im Forum als Begrüßung das Wort „salaam“ zu benutzen. Eine Bevorzugung gegenüber dem deutschen Wort „Friede“ ist damit nicht beabsichtigt. Ich bin auch nicht der Ansicht, dass diese beiden Wörter eine Pflichtbegrüßung sind. Im täglichen Umgang mit Anderen benutze ich überwiegend gängige Begrüßungs-Formulierungen wie „Guten Morgen“, „Hallo!“, „Hi!“ usw.

In diesem Sinne:
Salaam, Friede und ciao! :slightly_smiling_face:

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Ja, Murad, und dabei wird völlig außer Acht gelassen, aus welchem Grund man Salā durchführen soll. Einen Grund habe ich ja schon im Artikel genannt, nämlich Sure 29:45. Es gibt aber auch noch einen weiteren Grund, den ich nachlässigerweise noch nicht erwähnt habe, der mir aber nichtsdestoweniger auch wichtig zu sein scheint.

Ein weiterer Grund für Salā ist nämlich Sure 20:14, wo Moses aufgefordert wird, dass er Salā verrichten solle, um Allahs zu gedenken. Der dem Gedenken entspringende Nutzen wiederum liegt gemäß Sure 2:152 darin, dass Allah auch des SEINER Gedenkenden gedenkt. Und laut 65:10-11 ist der Quran ein Mittel und eine Quelle des Gedenkens und führt aus den Finsternissen ins Licht. Und damit sind wir wieder bei der Hinwendung zum Lesen des Quran und beim Reflektieren über das Gelesene sowie beim Festhalten am Begriffenen und Umsetzen in die täglichen Handlungen, was man durch Salā erreicht.

Salā ist ergo mit einem Lernprozess verbundenes Gedenken Allahs, das durch das Gelangen aus den Finsternissen zum Licht Erleuchtung bewirkt und zum Gehorsam gegenüber Allah auf der Grundlage des Quran führt.

Salaam!

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Dieses Thema ist sehr gewichtig und beschäftigt mich immer noch. Vorallem das mit den Zeitpunkten des Gebetes. Das ergibt auch Sinn für mich, Salā an den eigenen individuellen Zeitpunkten zu verrichten.
Steht eigentlich in den älteren Schriften etwas zu den Zeitpunkten? Vielleicht könnte uns @Eddy_San da aufklären?

Im Alten Testament und in den Evangelien finden sich mehrere Stellen, an denen berichtet wird, dass verschiedene Propheten Bitt- und Dankgebete verrichtet haben, aber keine zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Formen vorgeschriebene. Die Art und Weise, wie und zu welchen Zeiten sie diese Bitt- und Dankgebete verrichtet haben, ist deshalb auch unterschiedlich. Einiges habe ich ja auch schon zu diesem Thema in meinem Thread genannt.

Für alle Gläubige vorgeschriebene Salā, wie sie im Quran vorgeschrieben sind, werden im Alten Testament und in den Evangelien nicht erwähnt. So wenigstens ist mein Kenntnisstand.

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Kennst du Christen, die jeden Tag Salā zu festgelegten Zeiten durchführen und sich dabei auf die Offenbarungsschrift berufen? Ich meine die Christen allgemein, nicht zum Beispiel die Mönche oder Priester der katholischen Kirche. Ich habe einige Wochen bei Benediktiner-Mönchen gelebt (übrigens eine schöne, stille und andachtsvolle Zeit!). Sie haben sich mehrmals am Tag für etwa eine viertel bis zu einer halben Stunde versammelt und Psalmen „gesungen“ (immer in sitzender Position).

Je nach Orden variiert die Anzahl dieser sogenannten Stundengebete (Horen). Im Psalm 119:164 heißt es von David, dass er siebenmal am Tag wegen der gerechten Entscheidungen das Lob des Herrn sang, also Dankgebete. (Bei Daniel 6:11 heißt es hingegen, dass Daniel dreimal am Tag auf die Knie niederfiel und betete und dankte.) Bei den Benediktinern werden die fünf Horen vier- bis fünfmal täglich abgehalten. Bei den Zisterziensern geschieht dies bei einigen viermal, bei einigen siebenmal.

Eine einheitliche Ordnung wurde von der katholischen Kirche im 16. Jahrhundert auf dem Trienter Konzil festgelegt. Der Ordensgründer Benedikt (6. Jahrhundert) hatte das Rezitieren der 150 Psalmen auf die Stundengebete einer Woche verteilt. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) reformierte die Liturgie und erlaubte es, alle 150 Psalmen innerhalb von vier Wochen zu rezitieren.

Es handelt sich dabei also um eine von der Kirche festgelegte Liturgie und nicht um Vorschriften in einer Offenbarungsschrift.

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Selam Gunnar !

Wie passt „die Gebetsrichtung“ siehe 2:142-146 in dieses Konzept ? und was, wie, wo genau wäre die Gebetsrichtung, früher =(Jerusalem) ? heute = Mekka ? Wenn es im Vers 142 heißt" Allah gehört der Osten und der Westen ? Viele ??? Aber wie bringst du in deiem Sala die Gebetsrichtung ein ?
Oder ist nicht wörtlich Richtung gemeint, ähnlich wie in den Versen zu Ibrahim, vielleicht nicht wörtlich „Haus“ gemeint sein könnte ?

Selam

Selam

Nochmal zu Gebetsrichtung, in 2: 149-150 wird es 2x wiederholt " wende dein Gesicht in Richtung" , also scheint es sehr wichtig !
Da ich leider der arabischen Sprache nicht mächtig bin, könnte es auch ein Übersetzungsding sein.

Selam

Salaam, Hajridin!

Ich bringe sie überhaupt nicht ein, weil ich sie nicht als zum Salā im Sinne einer konkreten physischen Richtung gehörig betrachte. Siehe hierzu auch Sure 10:87! Es ist doch auch erstaunlich, dass der Gesandte Muhammad in seiner Antwort auf die Frage nach dem Ändern der Qibla mit den Worten „Allah gehört der Osten und der Westen“ geantwortet hat. Siehe auch Sure 2:177!

Und letztendlich verstehe ich das arabische Wort وجه wadschh in diesem Zusammenhang nicht als Gesicht im konkreten Sinn, sondern als das Selbst eines Menschen im spirituellen Sinn, will sagen, es handelt sich nicht um eine lokale Ausrichtung, sondern um eine spirituelle.

Wer aber unter Qibla eine konkrete lokale Ausrichtung und Hinwendung zu einem bestimmten geografischen Punkt bei der Durchführung seines Salā versteht, der mag sich während Salā diesem geografischen Punkt zuwenden. Als Pflicht oder Voraussetzung für Salā betrachte ich dies allerdings nicht.

Salaam
Gunnar :green_heart:

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Selam

Ja macht Sinn, weil ich mich mit einem geografischen Punkt auch nicht wirklich anfreunden kann. Da Allah überall und alles ist macht eine geografische Richtung nicht wirklich Sinn. Aber leider kann ich nur auf deutsche Übersetzungen und meinem Verständnis und Gefühl vertrauen, das mir bei vielen Punkten sagt, „da könnte etwas anderes gemeint sein“

Selam

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Selam
Interessanter Artikel, hätte gern den Bezug zu den sogenannten Gebetszeiten gelesen, das Saalat (Unterstützung) zu bestimmten Zeiten stattfinden sollte.

Selam