Beschneidung bzw. Verstümmelung der Genitalien


#1

Frieden allerseits,

der Verein Pro Kinderrechte Schweiz setzt sich gegen die Verstümmelung von Kindern ein - insbesondere von Jungen. Für weitere Informationen könnt ihr die Webseite besuchen und durchstöbern.

Wir haben als Verein die Anfrage erhalten, ob es muslimische Schweizer gibt, die unter ihrer erlittenen Beschneidung leiden und sich gerne aktiv dafür einsetzen würden, dass die Genitalbeschneidung von Jungen in der muslimischen Gesellschaft offen diskutiert wird und dadurch gestoppt werden kann. Falls ihr Interesse an einer Zusammenarbeit habt, könnt ihr den Verein Pro Kinderrechte Schweiz kontaktieren.

Wir haben auch auf alrahman.de eine Abhandlung zu dem Thema. Noch nicht gelesen? Hier geht es lang:


#3

Damit der Kontext der Diskussion klar wird, hier die Antwort von Erdinç:

Ich bin mit dem Artikel so nicht einverstanden. Man kann durchaus eine Beschneidung im Koran lesen weil Mohammed Abarahams Glaubensbekenntnis folgen sollte und das beinhaltet die Beschneidung. Deswegen kann man beides lesen ein Gebot wie auch kein Gebot.

Frieden Bruder Erdinç und Gottes Segen wie Seine Barmherzigkeit

Ich denke die Sachlage ist relativ klar gegen die Verstümmelung.

  1. In 5:43-48 wird ganz klar eine Trennung vorgenommen, dass jede Gemeinschaft der speziell ihr offenbarten Botschaft folgen soll.

  2. Bzgl. Abraham wird alles Notwendige in der Lesung referenziert. Aus diesem Grund wird Abrahams schönes Beispiel konkretisiert mit einem Bezug zu einer Geschichte, die in der Lesung bereits erwähnt wurde (60:4 - “ausser die Aussage Abrahams …”). Ebenso wird der Bezug auch konkret hergestellt (87:18-19). Ansonsten widerspräche dies der Aussage, dass die Lesung alle Beispiele enthält.

  3. Auch unter den Juden gibt’s keine Einigkeit über die Verstümmelung. Und wenn man die Orthodoxie als Basis nimmt, dann machen es alle Muslime falsch und man müsste bei Knaben am achten Tag eine Genitalverstümmelung vornehmen.


#5

Damit der Kontext meiner Antwort noch klar wird, hier noch die Antwort von Erdinç:

Zu 1) Bei 5:43-48 musst du auch 5:66-68 beachten wonach alle 3 Bücher zusammen als Befolgung dienen. Desweiteren vom Glaubensbekenntnis Abrahams die Rede ist, nicht jedoch die des Koran. Deswegen muss man schauen was dazu in der Tora steht und das ist die Beschneidung.

Zu 2) 60:4 bezieht sich nicht auf das Glaubensbekenntnis sondern wie du erwähnst “zu einer Geschichte.”
Ich verstehe nicht warum du 87:18-19 heranziehst. Dass die Lesung alle Beispiele enthält hat ja mit dem Glaubensbekenntnis Abrahams, das in der Tora steht, nichts zutun.

Zu 3) Ab dem 8. Tag ist die Beschneidung vorgesehen. Es ist nicht richtig von einer Verstümmelung zu schreiben, das ist respektlos. Ich könnte dir dann gleichberechtigt über deine Leugnung schreiben. Beschneidung reicht also aus. Außerdem was ist mit den Juden die nach 5:43 mit der Tora urteilen sollen und somit Gott selbst sie “verstümmelt”? Sicher? Ob 8 Tage viel oder wenig sind bestimmt Gott nicht wir. Desweiteren ich auch anführte dass man sich nicht beschneiden lassen muss. Es bleibt freiwillig. Außerdem steht das Glaubensbekenntnis an keiner Stelle im Koran sondern in der Tora. Die wiederum ist wie bereits erwähnt auch zu befolgen (5:66-68). Wenn wir etwas nicht wissen wie etwa das Glaubensbekenntnis Abrahams sollen wir die Leute der Ermahnung fragen welche auch Juden sind (16:43, 21:7)

Meine Antwort:

Es reicht schon, dass die Verstümmelung eine irreparable, irreversible Änderung in der Schöpfung darstellt (4:119), die von Gott als beste Verfassung (95:4) beschrieben wird. Damit müssten, selbst wenn man deiner Theorie von 5:66-68 folgt, alle Religionen mit der Verstümmelung aufhören aufgrund koranischer Vorgaben. Mit Verstümmelung ist hier auch keine Provokation beabsichtigt, sondern die Beschreibung der Verschlechterung des körperlichen Zustandes aufgrund des unzuläßigen Eingriffs.

Verstümmelung (alternative seltenere Schreibweise: Verstümmlung) bezeichnet die als nachteilig bewertete, radikale Veränderung der Gestalt durch äußere Einwirkung.[1][2] Der Begriff kann sowohl für den Vorgang wie auch für das Ergebnis stehen.[3] Verstümmelung kann mit Verlust von Funktion oder wichtiger Bestandteile einhergehen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Verstümmelung

5:66-68 kann man doch nicht einfach auf alle anwenden, das sind unterschiedliche Konzepte, die hier vermischt werden. In 5:64 geht es um eine Aussage, die Juden machen sollen. Durch 5:65-66 wird auf die Leute der Schrift (Thora und Evangelium) hingewiesen. 5:67 ist ein Einschub, die Offenbarung genau zu verkünden und nicht dieselben Fehler zu begehen wie die Gemeinschaften vor uns. 5:68 ist eine Fortführung und es wird auch ausgesagt, dass es mehr gibt als nur Thora und Evangelium für sie (ebenso in 5:66). Dies wird ja mit einem Beispiel in 5:32 einfach verständlich, da es diese Vorschrift nicht in der Thora gibt. Und damit würdest du insbesondere einen Widerspruch zu 5:43 erzeugen, da die Juden einerseits nicht den Propheten zum Richter erheben dürfen, der ja nach dem Koran zu urteilen hatte, und nur die Thora befolgen dürfen, aber dann sollen sie doch den Koran zum Richter erheben?

“Glaubensbekenntnis” ist das falsche Wort hier (vgl. die entspr. Verse 2:130, 4:125). Ich kann es auch anders begründen: Nichts wurde im Buch ausgelassen (6:38). Also auch nichts, was wir über Abraham wissen müssten, da ja die Lebensordnung vervollständigt wurde (5:3). Mindestens würde ich erwarten, dass ein Hinweis auf die Verstümmelung gegeben wird in der Lesung, wie es bei anderen Fragen der Fall ist, wie z.B. in 48:29: … Das ist ihre Beschreibung in der Tora. Beschrieben werden sie im Evangelium wie …. Deshalb auch der Bezug zu 87:18-19, weil die Gemeinde davor konkretisiert wurde. Ein komplettes Auslassen der Verstümmelung wurde von Gott bewusst vorgenommen, vgl. 5:101. Und es wäre auch nicht das erste Mal, dass man Traditionen falsch verstanden hat bzgl. Abraham, siehe:

Du bist auf den dritten Punkt nicht wirklich eingegangen. Du wiederholst die Annahme, dass die Verstümmelung so zu verstehen sei, wie die orthodoxen Juden das verstehen. Dann kannst du gleich auch die Steinigung und die Todesstrafen wieder einführen. Und nicht “ab dem achten Tag”, sondern “am achten Tag”:

1.Mose 17,12 Ein jegliches Knäblein, wenn’s acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen.
Vgl.: https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/gute-nachricht-bibel/bibeltext/bibel/text/lesen/stelle/1/170001/179999/
In den frühen judenchristlichen Gemeinden entstand die Frage, ob Nichtjuden, die Christen werden wollten, beschnitten und damit zuerst in das Judentum aufgenommen werden müssten (Apg 15,1-33; Gal 2,1-10; 5,2-6).

Und auf die Bibelstelle aus Jeremia, die ich zitierte, bist auch nicht eingegangen.

Wenn die Gemeinde Abrahams nicht mit den Geschichten konkretisiert worden wäre, hättest du ja Recht. Aber in den Geschichten der Vorangegangenen sind Lehren für uns, damit wir Achtsamkeit üben können (12:3, 12:111). Diese Geschichten finden wir gerade in der Lesung selbst.


#10

Frieden allerseits. Ich bin aus Deutschland, danke trotzdem.


#11

Es spielt keine Rolle. Man kann dennoch unterschreiben. http://www.pro-kinderrechte.ch/de/petition/


#12

Mich würde eigentlich das interessieren, was im Eingangspost auch angesprochen wird, nämlich ob ihr Leute kennt, die unter der Beschneidung leiden. In Diskussionen kommt dann nämlich oft das Argument, es würde nur nützen und nicht schaden, und da kann ich dann (als unbeschnittene Frau) wenig entgegenhalten. Wenn ihr da Beispiele kennt, wo es eben doch schadet, würde das helfen.


#13

Frieden Schwester

Die Wissenschaft besagt das die Beschneidung beim Mann keinerlei Vorteile mit sich bringt. Diese Gerüchte können ganz einfach mit diesem Argument entgegengewirkt werden.


#14

Folgendes Buch kann ich für die Türkisch sprechenden unter uns empfehlen. Die Beschneidung wird unter verschiedenen (koranischen, wissenschaftlichen, etc.) Aspekten kritisch behandelt, unter anderem auch die negativen Auswirkungen auf den Menschen. Leider nur auf Türkisch; ich habe es mal gelesen, habe es aber glaub ich jemanden weitergegeben.

Oldu da Bitti Maşallah (Kaan Göktaş)


#15

Die Wissenschaft ist sich da leider nicht so einig. Die einen bringen eine Studie, die anderen eine andere. Je nach Absicht kann man alles beweisen, was man will.

Meine Türkischkenntnisse sind leider rudimentär, so daß mir das Buch nicht weiterhelfen wird. Aber vielleicht hat ja jemand Lust, es zu übersetzen, wenn es tatsächlich überzeugend ist.

Jungen-Beschneidung ist ja ein sehr heikles Thema und mit vielen Emotionen besetzt. Ich kann mich an eine Diskussion im alten Forum erinnern, wo es Beschnittene vehement von sich wiesen, verstümmelt zu sein (was ja auch am Selbstbild kratzt), daher sollte man da vorsichtig vorgehen, auch mit den Begrifflichkeiten, die man wählt.
Nichtsdestotrotz ist es eine wichtige Diskussion, die auch und gerade innermuslimisch geführt werden muß.


#16

Betroffene Männer reagieren meistens, was ganz natürlich ist, sehr emotional…


#17

Mit Begriffen wie Verstümmelung um sich zu schmeißen, sollte man echt aufpassen… das Wort an sich ist sehr negativ geladen. dafür ist das Thema Beschneidung viel zu sensibel…