Beschneidung bzw. Verstümmelung der Genitalien

#1

Frieden allerseits,

der Verein Pro Kinderrechte Schweiz setzt sich gegen die Verstümmelung von Kindern ein - insbesondere von Jungen. Für weitere Informationen könnt ihr die Webseite besuchen und durchstöbern.

Wir haben als Verein die Anfrage erhalten, ob es muslimische Schweizer gibt, die unter ihrer erlittenen Beschneidung leiden und sich gerne aktiv dafür einsetzen würden, dass die Genitalbeschneidung von Jungen in der muslimischen Gesellschaft offen diskutiert wird und dadurch gestoppt werden kann. Falls ihr Interesse an einer Zusammenarbeit habt, könnt ihr den Verein Pro Kinderrechte Schweiz kontaktieren.

Wir haben auch auf alrahman.de eine Abhandlung zu dem Thema. Noch nicht gelesen? Hier geht es lang:

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#3

Damit der Kontext der Diskussion klar wird, hier die Antwort von Erdinç:

Ich bin mit dem Artikel so nicht einverstanden. Man kann durchaus eine Beschneidung im Koran lesen weil Mohammed Abarahams Glaubensbekenntnis folgen sollte und das beinhaltet die Beschneidung. Deswegen kann man beides lesen ein Gebot wie auch kein Gebot.

Frieden Bruder Erdinç und Gottes Segen wie Seine Barmherzigkeit

Ich denke die Sachlage ist relativ klar gegen die Verstümmelung.

  1. In 5:43-48 wird ganz klar eine Trennung vorgenommen, dass jede Gemeinschaft der speziell ihr offenbarten Botschaft folgen soll.

  2. Bzgl. Abraham wird alles Notwendige in der Lesung referenziert. Aus diesem Grund wird Abrahams schönes Beispiel konkretisiert mit einem Bezug zu einer Geschichte, die in der Lesung bereits erwähnt wurde (60:4 - “ausser die Aussage Abrahams …”). Ebenso wird der Bezug auch konkret hergestellt (87:18-19). Ansonsten widerspräche dies der Aussage, dass die Lesung alle Beispiele enthält.

  3. Auch unter den Juden gibt’s keine Einigkeit über die Verstümmelung. Und wenn man die Orthodoxie als Basis nimmt, dann machen es alle Muslime falsch und man müsste bei Knaben am achten Tag eine Genitalverstümmelung vornehmen.

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#5

Damit der Kontext meiner Antwort noch klar wird, hier noch die Antwort von Erdinç:

Zu 1) Bei 5:43-48 musst du auch 5:66-68 beachten wonach alle 3 Bücher zusammen als Befolgung dienen. Desweiteren vom Glaubensbekenntnis Abrahams die Rede ist, nicht jedoch die des Koran. Deswegen muss man schauen was dazu in der Tora steht und das ist die Beschneidung.

Zu 2) 60:4 bezieht sich nicht auf das Glaubensbekenntnis sondern wie du erwähnst “zu einer Geschichte.”
Ich verstehe nicht warum du 87:18-19 heranziehst. Dass die Lesung alle Beispiele enthält hat ja mit dem Glaubensbekenntnis Abrahams, das in der Tora steht, nichts zutun.

Zu 3) Ab dem 8. Tag ist die Beschneidung vorgesehen. Es ist nicht richtig von einer Verstümmelung zu schreiben, das ist respektlos. Ich könnte dir dann gleichberechtigt über deine Leugnung schreiben. Beschneidung reicht also aus. Außerdem was ist mit den Juden die nach 5:43 mit der Tora urteilen sollen und somit Gott selbst sie “verstümmelt”? Sicher? Ob 8 Tage viel oder wenig sind bestimmt Gott nicht wir. Desweiteren ich auch anführte dass man sich nicht beschneiden lassen muss. Es bleibt freiwillig. Außerdem steht das Glaubensbekenntnis an keiner Stelle im Koran sondern in der Tora. Die wiederum ist wie bereits erwähnt auch zu befolgen (5:66-68). Wenn wir etwas nicht wissen wie etwa das Glaubensbekenntnis Abrahams sollen wir die Leute der Ermahnung fragen welche auch Juden sind (16:43, 21:7)

Meine Antwort:

Es reicht schon, dass die Verstümmelung eine irreparable, irreversible Änderung in der Schöpfung darstellt (4:119), die von Gott als beste Verfassung (95:4) beschrieben wird. Damit müssten, selbst wenn man deiner Theorie von 5:66-68 folgt, alle Religionen mit der Verstümmelung aufhören aufgrund koranischer Vorgaben. Mit Verstümmelung ist hier auch keine Provokation beabsichtigt, sondern die Beschreibung der Verschlechterung des körperlichen Zustandes aufgrund des unzuläßigen Eingriffs.

Verstümmelung (alternative seltenere Schreibweise: Verstümmlung) bezeichnet die als nachteilig bewertete, radikale Veränderung der Gestalt durch äußere Einwirkung.[1][2] Der Begriff kann sowohl für den Vorgang wie auch für das Ergebnis stehen.[3] Verstümmelung kann mit Verlust von Funktion oder wichtiger Bestandteile einhergehen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Verstümmelung

5:66-68 kann man doch nicht einfach auf alle anwenden, das sind unterschiedliche Konzepte, die hier vermischt werden. In 5:64 geht es um eine Aussage, die Juden machen sollen. Durch 5:65-66 wird auf die Leute der Schrift (Thora und Evangelium) hingewiesen. 5:67 ist ein Einschub, die Offenbarung genau zu verkünden und nicht dieselben Fehler zu begehen wie die Gemeinschaften vor uns. 5:68 ist eine Fortführung und es wird auch ausgesagt, dass es mehr gibt als nur Thora und Evangelium für sie (ebenso in 5:66). Dies wird ja mit einem Beispiel in 5:32 einfach verständlich, da es diese Vorschrift nicht in der Thora gibt. Und damit würdest du insbesondere einen Widerspruch zu 5:43 erzeugen, da die Juden einerseits nicht den Propheten zum Richter erheben dürfen, der ja nach dem Koran zu urteilen hatte, und nur die Thora befolgen dürfen, aber dann sollen sie doch den Koran zum Richter erheben?

“Glaubensbekenntnis” ist das falsche Wort hier (vgl. die entspr. Verse 2:130, 4:125). Ich kann es auch anders begründen: Nichts wurde im Buch ausgelassen (6:38). Also auch nichts, was wir über Abraham wissen müssten, da ja die Lebensordnung vervollständigt wurde (5:3). Mindestens würde ich erwarten, dass ein Hinweis auf die Verstümmelung gegeben wird in der Lesung, wie es bei anderen Fragen der Fall ist, wie z.B. in 48:29: … Das ist ihre Beschreibung in der Tora. Beschrieben werden sie im Evangelium wie …. Deshalb auch der Bezug zu 87:18-19, weil die Gemeinde davor konkretisiert wurde. Ein komplettes Auslassen der Verstümmelung wurde von Gott bewusst vorgenommen, vgl. 5:101. Und es wäre auch nicht das erste Mal, dass man Traditionen falsch verstanden hat bzgl. Abraham, siehe:

Du bist auf den dritten Punkt nicht wirklich eingegangen. Du wiederholst die Annahme, dass die Verstümmelung so zu verstehen sei, wie die orthodoxen Juden das verstehen. Dann kannst du gleich auch die Steinigung und die Todesstrafen wieder einführen. Und nicht “ab dem achten Tag”, sondern “am achten Tag”:

1.Mose 17,12 Ein jegliches Knäblein, wenn’s acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen.
Vgl.: https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/gute-nachricht-bibel/bibeltext/bibel/text/lesen/stelle/1/170001/179999/
In den frühen judenchristlichen Gemeinden entstand die Frage, ob Nichtjuden, die Christen werden wollten, beschnitten und damit zuerst in das Judentum aufgenommen werden müssten (Apg 15,1-33; Gal 2,1-10; 5,2-6).

Und auf die Bibelstelle aus Jeremia, die ich zitierte, bist auch nicht eingegangen.

Wenn die Gemeinde Abrahams nicht mit den Geschichten konkretisiert worden wäre, hättest du ja Recht. Aber in den Geschichten der Vorangegangenen sind Lehren für uns, damit wir Achtsamkeit üben können (12:3, 12:111). Diese Geschichten finden wir gerade in der Lesung selbst.

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#10

Frieden allerseits. Ich bin aus Deutschland, danke trotzdem.

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#11

Es spielt keine Rolle. Man kann dennoch unterschreiben. http://www.pro-kinderrechte.ch/de/petition/

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#12

Mich würde eigentlich das interessieren, was im Eingangspost auch angesprochen wird, nämlich ob ihr Leute kennt, die unter der Beschneidung leiden. In Diskussionen kommt dann nämlich oft das Argument, es würde nur nützen und nicht schaden, und da kann ich dann (als unbeschnittene Frau) wenig entgegenhalten. Wenn ihr da Beispiele kennt, wo es eben doch schadet, würde das helfen.

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#13

Frieden Schwester

Die Wissenschaft besagt das die Beschneidung beim Mann keinerlei Vorteile mit sich bringt. Diese Gerüchte können ganz einfach mit diesem Argument entgegengewirkt werden.

#14

Folgendes Buch kann ich für die Türkisch sprechenden unter uns empfehlen. Die Beschneidung wird unter verschiedenen (koranischen, wissenschaftlichen, etc.) Aspekten kritisch behandelt, unter anderem auch die negativen Auswirkungen auf den Menschen. Leider nur auf Türkisch; ich habe es mal gelesen, habe es aber glaub ich jemanden weitergegeben.

Oldu da Bitti Maşallah (Kaan Göktaş)

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#15

Die Wissenschaft ist sich da leider nicht so einig. Die einen bringen eine Studie, die anderen eine andere. Je nach Absicht kann man alles beweisen, was man will.

Meine Türkischkenntnisse sind leider rudimentär, so daß mir das Buch nicht weiterhelfen wird. Aber vielleicht hat ja jemand Lust, es zu übersetzen, wenn es tatsächlich überzeugend ist.

Jungen-Beschneidung ist ja ein sehr heikles Thema und mit vielen Emotionen besetzt. Ich kann mich an eine Diskussion im alten Forum erinnern, wo es Beschnittene vehement von sich wiesen, verstümmelt zu sein (was ja auch am Selbstbild kratzt), daher sollte man da vorsichtig vorgehen, auch mit den Begrifflichkeiten, die man wählt.
Nichtsdestotrotz ist es eine wichtige Diskussion, die auch und gerade innermuslimisch geführt werden muß.

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#16

Betroffene Männer reagieren meistens, was ganz natürlich ist, sehr emotional…

#17

Mit Begriffen wie Verstümmelung um sich zu schmeißen, sollte man echt aufpassen… das Wort an sich ist sehr negativ geladen. dafür ist das Thema Beschneidung viel zu sensibel…

#18

Frieden liebe Geschwister.
Ich selbst bin beschnitten, und kann über keinerlei Nachteile aber auch nicht über Vorteile sprechen, da ich nicht weiß oder mich nicht erinnern kann wie es vor der Beschneidung war. Ich finde aber diese Wortwahl " Verstümmelung " sehr extrem. Das hört sich für mich nach Gewalt Anwendung an. Diesen Begriff sollte man bei der Beschneidung von Jungen nicht anwenden finde ich, da es nur ein kleines Stück Haut ist was da weg kommt. Bei Frauen ist es schon grausam, was Ihnen zugefügt wird, da es wirklich Ihr empfinden zerstört. Da kann man das wirklich Verstümmelung nennen. Ich kenne auch keinen von meinen Verwandten oder Freunden die wegen Ihrer Beschneidung gelitten haben oder leiden. Damit will ich nicht sagen das ich für eine Beschneidung bin. Ich bin dafür was Gott uns über dem Koran mitteilt. Und mich bringt der Vers wo drin steht " folgt Abraham " sehr zum grübeln.

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#19

Friede, Bekim,

und danke für deinen nützlichen Beitrag!

Hinsichtlich des Themas Beschneidung liegt das Problem in den diversen Quellen. Im Koran wird die Beschneidung expressis verbis nicht erwähnt, im Alten Testament in Genesis 17:10ff allerdings doch und im Thomas-Evangelium Vers 53 auch. Im Alten Testament wird berichtet, dass alles, was männlich ist, beschnitten werden soll. Im Thomas-Evangelium heißt es hingegen, dass Jesus zu seinen Jüngern bezüglich der Beschneidung gesagt hat: “Wenn sie nützte, dann würde deren Vater sie beschnitten von ihren Müttern zeugen. Vielmehr ist die wahre Beschneidung im Geiste nutzbringend geworden.”

Im Zweifelsfall ziehe ich das Thomas-Evangelium dem Alten Testament vor und sehe deshalb auch keine Pflicht zur physischen Beschneidung.

Der von dir erwähnte Hinweis, dass wir gemäß der Aussage des Koran Abraham folgen sollen, lässt sich meiner Ansicht zufolge auch sehr gut mit der von mir erwähnten Aussage im Thomas-Evangelium in Einklang bringen.

Und Allah weiß es am besten!

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#20

https://www.beschneidung-von-jungen.de/home/beschneidung-und-religion/islam/beschneidung-im-koran.html

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#21

Friede , man bedenke das man 1/3 seines möglichen empfindungspektrums abgeschnitten bekommt, gewisse gegenspieler im gehirn werden somit nie wieder angesprochen werden. Das man sowieso nicht weis wie sich das anfühlt macht es nicht besser . 1/3 empfindung sind locker futsch total sinnlos aus meiner sicht.

#22

Du stellst nach 4:119 und 95:4 die Beschneidung als „irreversible Änderung“ dar. Es steht hier jedoch zur Diskussion, dass Gott selbst dieses anordnet. Nach dieser Logik muss Gott sündigen wenn er Menschen sterben lässt. Die Tora ordnet die Beschneidung ohne wenn und aber an (das NT spielt hier für Juden vorerst keine Rolle). Mose wäre laut Tora fast von Gott getötet worden, hätte seine Frau seinen Sohn nicht noch im letzten Moment beschnitten, um die Brisanz der Beschneidung mal zu umschreiben.

Dass es unter Juden Uneinigkeit bezüglich der vorgeschrieben Beschneidung gibt ist mir neu. Welche jüdische Strömung lehnt die Beschneidung denn ab? Vor allem aber: Die Tora ordnet es an. Es spielt folglich keine Rolle was die Praxis von einigen wenigen Juden ist (sind das dann noch Juden? Es wird sich hierbei wohl eher nur um Noachiden handeln oder um messianische Juden [die dem NT folgen]). Über den ganzen Tanach hinweg wird die Beschneidung als verpflichtend angesehen (Stichwort „Unbeschnittenen“). Die Theorie ist nicht nach 5:66-68 die Beschneidung abzuschaffen, sondern sie als freiwillig zu halten. Nach 5:66-68 allen Schriften zusammen zu folgen bedeutet nicht Abrogation, sondern sich als Jude oder Moslem beschneiden lassen zu können oder dem Neuen Testament nach auch bleiben zu lassen. Du aber möchtest „nur den Koran“ (was dem Koran widerspricht) und demnach kann die Beschneidung nur falsch sein. Ich erkläre dir hierbei jedoch, dass du hier falsch liegst. Mag sein dass du mit „Verstümmelung“ keine Provokation beabsichtigst, dennoch bleibt sie eine. Nach dieser Logik verstümmeln Juden und Muslime ihre Kinder ohne Halt in den Schriften. Sowas braucht man nicht schön reden. Du unterstellst Juden und Muslimen eine Straftat ohne hinreichende Begründung. Du könntest genauso auch „Beschneidung“ sagen und es darüber kritisieren. Deswegen bleibt es eine Provokation, eine Unberechtigte. Vor allem so etwas zu schreiben noch bevor die Diskussion abgeschlossen ist. Du lehnst damit auch automatisch die Tora ab, was gleich mehreren Koranversen widerspricht.

Natürlich muss man 5:66-68 auf alle anwenden wie es der Vers klar vorgibt. 5:64 und 5:67 haben mit unserem Sachverhalt überhaupt nichts zu tun. Da steht nichts von „Fortsetzung“, sondern dass man nach 5:68 auf „nichts“ ist, wenn man nicht alle abrahamitischen Bücher als geschlossenes Werk betrachtet. Du interpretierst in 5:68 ohne Begründung einfach rein. Gerade 5:64 und andere Verse machen doch klar, dass Juden an den Koran glauben müssen:

5:64 … Was zu dir (als Offenbarung) von deinem Herrn herabgesandt worden ist, wird sicherlich bei vielen von ihnen die Auflehnung und den Unglauben noch mehren.

Warum sollen Juden das tun wenn sie -deiner Meinung nach- sowieso ihre eigene „vollständige“ Scharia haben? Warum sollen sie an etwas glauben was sie nicht betrifft? Das ergibt keinen Sinn. Die Verse 5:66 und 5:68 sind dann allgemein für uns alle gemeint und - wie bereits erwähnt - keine „Fortführung“ die da nirgends steht, nicht nur für die Schriftbesitzer selbst, auch wenn nur sie dabei erwähnt werden - warum? Es wäre sonst unlogisch, dass in anderen Versen im Koran steht, dass Muslime auch an die Schriften glauben sollen, die den Juden und Christen bereits vorliegen:

2:136 Sagt: Wir glauben an Gott und an das, was zu uns (als Offenbarung) herab gesandt worden ist, und an das, was zu Abraham (!), Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen herab gesandt wurde, und (an das,) was Moses und Jesus gegeben wurde, und (an das,) was den Propheten von ihrem Herrn gegeben wurde. Wir machen keinen Unterschied bei jemandem von ihnen , und wir sind Ihm ergeben. (Siehe auch 2:285 und 3:84)

Warum sollen wir an Dinge glauben die uns deiner Meinung nach nichts angehen? Glauben bedeutet auch immer Befolgung, denn: Wir sollen unter den Gesandten keinen Unterschied machen, was man „nur“ mit dem Koran tut. Die Schriften der anderen Gesandten werden somit nicht gleichrangig beachtet wie der Koran es klar verlangt. Dass in 5:66-68 nur die Schriftbesitzer erwähnt werden, heißt demnach nicht dass Muslime davon ausgenommen sind:

4:47 O ihr, denen die Schrift gegeben wurde, glaubt an das, was Wir offenbart haben, das zu bestätigen, was euch vorliegt , bevor Wir Gesichter auslöschen und nach hinten versetzen oder sie verfluchen, wie Wir die Sabbatleute verfluchten. Gottes Anordnung wird (stets) ausgeführt.

Die Muslime bestätigen die vorangegangenen Schriften. Auch steht in den Versen 11:118-119 folgendes:

11:118 Und wenn dein Herr wollte, hätte Er die Menschen wahrlich zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber sie bleiben doch uneinig, 119 außer denen, derer Sich dein Herr erbarmt hat. → Dazu hat Er sie erschaffen. Und so erfüllt sich das Wort deines Herrn: „Ich werde die Hölle ganz gewiss mit den Ginn und den Menschen allesamt füllen."

Der Grund also warum Menschen erschaffen wurden, ist Einheit in der Vielfalt der Religionen zu halten und nicht zu sagen „ich folge „nur“ dem Koran“, oder einer bestimmten „Fortführung“ / “Scharia“, denn Christen und Juden dürfen in ihren Riten bleiben. Man kann demnach gerne muslimischen Riten nachgehen und muss dabei dennoch die anderen Schriften in ihren Weisungen nach gleichrangig wie den Koran achten oder anders: sich die Riten aussuchen zwischen den Büchern, immer aber gilt nur nach der Offenbarung zu urteilen (mit Blick auf alle monotheistischen Bücher). Den Begriff „hanif“ in Bezug zu Abraham lasse ich noch außen vor. Der Neue Bund löst den Alten nicht ab, erfüllt ihn nur. Ferner haben wir noch den Koranvers 74:31 welcher Juden und Christen mit ins Boot holt. Das ergibt keinen Sinn wenn sie den Koran außer acht lassen können:

74:31 damit diejenigen Überzeugung gewinnen, denen die Schrift gegeben wurde , und damit diejenigen, die glauben, an Glauben zunehmen, und damit diejenigen, denen die Schrift gegeben wurde, und (auch) die Gläubigen nicht zweifeln

Dass nach 5:43 der Prophet nicht als Richter erhoben werden darf ist nicht richtig. In 5:43 werden die Juden nur dazu kritisiert, dass sie sich ein anderes Urteil als das in der Tora wünschen und deswegen den Propheten aufsuchen. In 5:48 steht nämlich:

5:48 So richte zwischen ihnen (= Juden aus 5:43) nach dem, was Gott (als Offenbarung) herabgesandt hat, und folge nicht ihren Neigungen entgegen dem, was dir von der Wahrheit zugekommen ist.

Hiermit wird klar dass der Prophet unter den Juden urteilen soll. Auch gerne nur der Tora oder dem Evangelium gemäß (wobei man sich hier auf Koranvers 5:15 beziehen kann, dazu kommen wir noch).

„Glaubensbekenntnis“ Abrahams ist richtig übersetzt. „Glaubensbekenntnis“ ist klar in der Wurzel enthalten, bitte belege dein Argument wonach man anders übersetzen kann/soll. Ein Beleg aus einem Wörterbuch. Des Weiteren der Satz unsinnig wird, nicht Abraham selbst zu folgen, wo in entsprechenden Versen Abraham kein Götzendienst attestiert wird und es somit um den Glauben selbst geht (siehe dazu insbesondere 3:95). Die Wurzel:

Miim-Lam-Lam = to dictate, embrace a religion, creed/faith. (project root list)

Abrahams Religion/Glaubensbekenntnis wird an vielen Stellen umschrieben und dass der Prophet dem folgen (!) soll, das nimmt - unter Umständen - die Beschneidung mit ein, wenn man nämlich will. Es steht:

3:68 Die Menschen, die Abraham am nächsten stehen, sind wahrlich diejenigen, die ihm folgten (= auch seinen ewigen (!) Bund befolgen - also evtl Beschneidung!), sowie dieser Prophet und die, die (mit ihm) glauben. Und Gott ist der Schutzherr der Gläubigen.

Abraham ist Vorbild laut Koran, demnach seine Beschneidung auch, wenn man es will.

16:123 Und hierauf haben Wir dir (Muhammad) eingegeben: „Folge dem Glaubensbekenntnis/Religion Abrahams, ein Anhänger des rechten Glaubens/ein Hanif, und er gehörte nicht zu den Götzendienern.“

Deine Argumentation wonach im Koran in Vers 6:38 nichts ausgelassen wurde ist fehlerhaft, denn nach dem Koran ist auch die Tora eine „Klärung aller Dinge“ (Vers 6:154, damit wird automatisch mindestens die ganze Bibel verpflichtend). Zudem wir bei Unkenntnis die Schriftbesitzer befragen sollen (16:43, 21:7, 10:94), das ergibt dann keinen Sinn mehr. Dein Artikel, den du verlinkt hast, denken wir jetzt zu Ende. Dein Zitat dort:

„Dies ist der Bericht im Koran über Abraham, der seinen Traum zu erfüllen versuchte. Dies war aber definitiv kein Befehl Gottes . Es war nur ein Traum, den Abraham für wahr gehalten hatte, und den er demzufolge als Gottes Befehl interpretierte .“

Also Abraham hatte „einen normalen Traum“ (man muss hier eigentlich gemäß der Tora mit Vision [von Gott] übersetzen!) und deswegen geht er einfach mal seinen einzigen Sohn schlachten, der - auch verrückt - ermutigt ihn das durchzuziehen und tut es auch eigentlich, aber Gott greift vor diesem Wahnsinn zuvor schützend ein – soll ich das jetzt noch weiter ausführen? Vor allem ist in 37:102 der „Befehl“ Gottes rauszulesen und nicht wie du behauptest ein normaler Traum, wonach Abraham zwingend zu einem Gestörten degradiert wird. 37:106 spricht von einer „klaren Prüfung“ und nicht von einem „schlechten Tag“ Abrahams der Gott nicht zuordnen kann. Zudem dann die Tora nicht mehr als authentisch gelten kann obwohl die Tora - laut Koran (!) - für Juden als Autorität gelten muss? Was sagt der Koran?

„Bringt doch die Tora bei und verlest sie dann, wenn ihr wahrhaftig seid.“ (zB 3:93)

Man könnte noch vieles zum Artikel sagen aber das reicht soweit denke ich. Auf Punkt 3 bin ich nicht eingegangen weil es hier nur um die Beschneidung im Judentum geht und nicht was das Evangelium daraus macht. Nach dem Koran urteilen Juden unter anderem auch nach der Tora. Steinigung und Todesstrafe gibt es in der Tora und es bleibt eine legitime Bestrafungsmethode. Wir wollen Gott verstehen und keine liberalen Abenteuer. Zumal auch da man diese Strafen nicht anwenden muss, wenn man alle Religionen zusammen liest, einer milderen Strafe wird mit Sicherheit dadurch Vorrang gegeben werden können (= „dem besten der Schrift folgen“). Das wird aus Koranvers 5:15 deutlich:

5:15 O Leute der Schrift, Unser Gesandter ist nunmehr zu euch gekommen, um euch vieles von dem klarzumachen, was ihr von der Schrift verborgengehalten habt, und er vieles verzeiht . Gekommen ist, nunmehr zu euch von Gott ein Licht und eindeutliches Buch.

(Auch hier wird klar dass die Bücher nicht als getrennte Werke betrachtet werden dürfen!)

Besser aber einfach den Mist zu unterlassen, der zu diesen Strafen führt, es ist nicht zu viel verlangt:

11 Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. 12 Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? 13 Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? 14 Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. > 5. Mose 30

Was du mit der Bibelstelle zu Jeremia meinst, musst du mir nochmal zeigen. Meinst du den neuen Bund? Noch zum Argument bei Koranvers 5:32:

Die Kinder Israels bestehen schon vor den mosaischen Toravorgaben (=ab Exodus). Moses hat den alten und den bindenden Teil als Buch von Gott aus übergeben bekommen (bei Exodus). Demnach ist 5:32 etwas, das bis zum Koran für Juden keine Relevanz hat (denn das Aktuelle bindet und nicht was zuvor war oder im AT nicht vorkommt). Es ist eine alte Vorgabe, welche vor dem mosaischem Gesetz praktiziert wurde, nur nochmal im Koran erwähnt worden und nicht etwas woraus du ein Argument für dich nehmen könntest.

Judenchristen und Heidenchristen wurden von Anfang an getrennt. Judenchristen hielten sich an die Beschneidung. Heidenchristen nicht, aber Paulus hat einem seiner Mitstreiter die Beschneidung erlaubt damit er in Synagogen predigen konnte. Die Beschneidung war also selbst bei Heidenchristen nicht einfach per se verboten, sondern vielmehr unnötig (die Beschneidung des Herzens war zentral).

Du kannst aus 12:111 nicht einfach Abraham auf den Koran verkürzen. Abraham ist im Koran nicht vollständig wiedergegeben. Viele Teile der Bibel fehlen. Zum Beispiel sein „ewiger“ Bund mit Gott, die Beschneidung. Schauen wir dazu auf folgenden Vers:

2:124 Und (gedenkt,) als Abraham von seinem Herrn mit Worten’ geprüft wurde, da

befolgte er sie. Er (Gott) sagte: „Ich will dich zu einem Vorbild für die Menschen

machen." Er (Abraham) sagte: „Und von meiner Nachkommenschaft?" Er sagte:

Mein Bund erstreckt sich nicht auf die Ungerechten."

Du kannst alleine mit dem Koran nicht feststellen was dieser Bund / das Vorbild genau beinhaltet. Du musst - koranisch verpflichtend - die Schriftbesitzer fragen, die werden dir dann den Sachverhalt erklären mit der vom Koran autorisierten Tora. Der Koran bestätigt, wie bereits erwähnt, dass auch die Tora eine „Klärung aller Dinge“ ist (6:154). Der Koran hält das alte wie auch neue Testament weiterhin für bindend (5:43-44, 5:47).

Letzten Endes ist zu sagen, dass es auf die Beschneidung des Herzens ankommt und keinen physischen Akt. Das wird aus dem Tanach, dem NT und dem Koran klar. Es wäre jedoch völlig verkehrt eine bindende Vorgabe Gottes ohne hinreichende Begründung einfach zu verwerfen.