Brand Islam: Über koranische Begriffe

Ich wurde zu einem neuen Podcast eingeladen. Das Interview, in dem wir auch über die Macht der Wörter sprechen, beantwortet unter anderem die Frage:

Was bedeutet das arabische Wort Islam auf Deutsch übersetzt?

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Meines Erachtens kann man für diverse kulturspezifische Begriffe aus einer Fremdsprache nicht immer mit einem einzigen Wort in die Muttersprache übertragen, weil das Bedeutungsfeld des jeweiligen Begriffes sehr umfassend ist. Ich definiere Islam beispielsweise wie folgt:

Dem Wort Islam liegt sprachlich gesehen das Verb „aslama“ gebildet, was „er unterwarf sich“, „er ergab sich“ respektive „er vertraute sich an“ bedeutet. Unter dem hiervon gebildeten Substantiv Islam versteht man also zunächst eine Religion, durch deren Annahme und Praktizieren man sich Allah hingibt und sich SEINEM Willen unterwirft. Darüber hinaus führen die arabischen Sprachwissenschaftler das Wort Islam auf das arabische Substantiv „silm“ zurück, das wiederum drei Bedeutungen hat, nämlich erstens Aufrichtigkeit sowie Freisein von jedem Übel, zweitens Frieden sowie Sicherheit und drittens Gehorsam und Fügsamkeit. Daraus ergibt sich, dass ein Muslim jemand ist, der sich in seiner Lebensführung Allah anvertraut, sich SEINEN Anordnungen demütig fügt und entsprechend gehorsam lebt, sich auf diese Weise IHM gegenüber aufrichtigen Herzens ergeben bekennt und dadurch wiederum hinsichtlich seiner eigenen Person zu innerem Frieden und einem Gefühl der Sicherheit gelangt sowie hinsichtlich seiner Mitmenschen das Gefühl von Frieden und Sicherheit vermittelt.
Wie will man all dies in einem einzigen Wort zum Ausdruck bringen? Es gibt den Vorschlag der „Gottergebenheit“, den ich eigentlich gar nicht so schlecht finde, der aber leider durch seine Definition im Duden meiner Meinung nach zum Negativen tendiert („untertänig, sich in sein Schicksal fügen“).

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Frieden werter Bruder, du hast schon Recht. Dieses Problem hat man leider immer wieder bei Übersetzungen. Auch deutsche Wörter können mehrere semantische Ebenen in sich tragen und deshalb ist die Wortwahl so wichtig, aber immer nur ein Annäherungsversuch.

Meiner Erfahrung nach ist unter Gläubigen aller Religionen und Religionsinteressierten der Begriff Gottergebenheit sehr gut verständlich. Im Endeffekt müssen wir uns verständigen können und „Islam“ ist noch negativer konnotiert als deutsche Begriffe, die im Alltag meist fast neutral daherkommen (wenige schauen im Duden nach).

Das Wort „Judentum“ dürfte meines Wissens noch negativer als das Wort „Islam“ konnotiert sein. Aber können wir nicht durch mehr Aufklärungsarbeit und durch das Geben eines positiven Beispiels in unserem täglichen Verhalten dazu beitragen, die negative Konnotation zu mindern. Wir sind Muslime und unsere Religion ist der Islam. Müssen wir unsere Identität unbedingt durch verschönernde oder umschreibende Wörter akzeptabler und schön klingender machen? :thinking:

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Natürlich, mit gutem Beispiel voranzugehen ist immer wichtiger (2:44).

Ich halte eure Herangehensweise zum Begriff „islam“ zu spezifisch. Islam ist im allgemeinen Sinne eine Form zur Näherung Gottes, die seine Details in den heiligen abrahamitschen Schriften (siehe dazu auch Sikhismus) erfährt. Fängt man schon an den Begriff näher zu definieren, kann man auch gleich alle semitischen Bücher dazuhängen. Ich könnte es gar auf die Spitze treiben:

„Ich weiß nicht was Islam ist, weil in Sure 2 Vers 1 „alif-lam-meem“ steht.“

Keiner weiß was das bedeutet, also müssen wir in und über Religion rätseln. Aus diesem Grund sind Detaillierungen nicht immer hilfreich. Man kann nüchtern Islam als Religion (gegenüber Gott) übersetzen. Mehr braucht es nicht.

Die Ausgangsfrage von Kerem lautet:
„Was bedeutet das arabische Wort Islam auf Deutsch übersetzt?“
Da wäre eine Antwort „Man kann nüchtern Islam als Religion (gegenüber Gott) übersetzen“ meiner Meinung nach nicht ausreichend und im Übrigen sprachlich gesehen auch nicht korrekt. Das arabische Wort „islam“ bedeutet als Übersetzung keineswegs „Religion“, dafür gibt es im Arabischen andere Wörter. „islam“ ist vielmehr der Name für eine bestimmte Religion (siehe Sure 3 Vers 19), genauso wie beispielsweise Buddhismus, Judentum oder Christentum Namen von Religionen sind. Deshalb finde ich es auch wichtig und richtig, dass man nach der Bedeutung des jeweiligen Wortes fragt. Dass man bei einer erwünschten Übersetzung nicht immer ein einziges Wort findet, das die gesamten semantische Ebene wiedergibt, muss ja kein Hinderungsgrund sein. Immerhin hat Kerem ja auch darauf hingewiesen, dass das Wort oft negativ konnotiert ist.

Ich denke schon (im theologischen Rahmen). Lies mal dazu 5:3, dort werden der ganze Koran -und damit auch die anderen semitischen Bücher- miteinbezogen. Man kann den Begriff islam im theologischen Rahmen nicht einfach durch Wurzelbedeutungen nahekommen, wenn schon der Koran selbst diesen Begriff umfassender gestaltet. Der Koran hat hierbei Vorrang.

Das ist so nicht ganz richtig. Zwar unterscheidet der Koran zwischen Juden, Christen und Muslimen, macht aber auch deutlich, dass alle 3 an jeweils alle anderen Bücher zu glauben haben wie auch zu befolgen. Aus diesen Gründen sind die Bezeichnungen zu den jeweiligen Gruppen nur bedingt spezifisch, vielmehr wird vom Koran ein gemeinsames urteilen durch alle Bücher zusammen verlangt (5:66-68). Wenn ein Jude an den Koran glaubt, ist er auch automatisch Muslim (was der Koran auch einfordert). Ein Muslim der an die Bibel glaubt, automatisch auch Christ (auch das fordert der Koran ein).

Nachtrag: Im Koran steht:

3:85 Wer aber als Religion etwas anderes als den Islam begehrt, so wird es von ihm nicht angenommen werden, und im Jenseits wird er zu den Verlierern gehören.

Hättest du mit deinem Gruppenargument recht, so dürfte es koranisch gar keine Juden oder Christen mehr geben, sie müssten alle konvertieren (koranisch nicht haltbar).

Vielleicht sollte man es auf monotheistische, ethisch basierte Religion einschränken. Religion kann ja alles mögliche sein: „alle Vorstellungen, Einstellungen und Handlungen gegenüber jener Wirklichkeit, die Menschen als Mächte oder Macht, als Geister oder auch Dämonen, als Götter oder Gott, als das Heilige oder Absolute oder schließlich auch nur als Transzendenz annehmen und benennen.“ (Peter Antes nach Wikipedia) Davon fällt vieles sicher nicht unter Islam.