Der Begriff أمي ummīy im Quran

Friede alle zusammen!

Nachstehend findet ihr ein paar Gedanken zum im Quran vorkommenden Begriff أمي ummīy - zum Nachdenken und zum Diskutieren. :slightly_smiling_face:

Das arabische Wort أمي ummīy kommt im Quran in der Singular- und Pluralform sechs Mal vor, wobei die Singularform in Verbindung mit dem Gesandten in 7:157 und in Verbindung mit dem Propheten in 7:158 und die Pluralform in 2:78, 3:20, 3:75 und 62:2 auftaucht.

Linguistisch betrachtet finden wir in den Wörterbüchern verschiedene Bedeutungen und Überlegungen. Generell beschreibt das Wort أمي ummīy im heutigen Sprachgebrauch jemanden, der weder lesen noch schreiben kann. Es wird oft angeführt, dass zur Zeit des Propheten Muhammad die Araber generell eine Nation gewesen seien, auf die diese Unkenntnis weitgehend zunächst zutraf, was auch den Propheten mit einschloss. Man kann aber meines Erachtens sicher davon ausgehen, dass es unter den Arabern sehr wohl auch Leute gab, die lesen und schreiben konnten. Zur Zeit des Propheten Muhammad gab es bei den Arabern das sogenannte Abdschad-System, das nicht nur ein Buchstaben-, sondern auch ein Zahlensystem war, will sagen, jedem Buchstaben war auch eine bestimmte Zahl zugeordnet. Nun trieben die damaligen Araber ja intensiven Handel und transportierten ihre Waren in Karawanen, weshalb es naheliegt, dass man annimmt, dass es Schreib- und Lesekundige gab, die beispielsweise Verträge aufsetzen und lesen respektive Rechnungen ausstellen konnten. In Sure 2:282 und 283 wird ja sogar verlangt, dass Verträge von Schreibern schriftlich zu fixieren sind. Es muss also des Schreibens Kundige gegeben haben, weil sonst diese Anweisung unsinnig wäre.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass sich die frühesten schriftlichen, in erster Linie lyrischen Überlieferungen des Arabischen bereits auf die Zeit zwischen dem fünften und dritten vorchristlichen Jahrhundert datieren lassen. Das klassische Arabisch, wie es etwa im Quran steht, hat sich seit dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert quasi als „Nachfolger“ der nabatäischen Schrift entwickelt und es sollen im 7. Jahrhundert Dichterwettbewerbe stattgefunden haben, wobei die erfolgreichsten Gedichte in schriftlicher Form an die Ka´ba gehängt wurden, weshalb man ebenfalls davon ausgehen kann, dass es zur Zeit des Propheten Muhammad schreib- und lesekundige Araber gegeben hat.

Auch der Prophet Muhammad war vor seiner Berufung zum Propheten und Gesandten Kaufmann – und zwar wohl ein sehr erfolgreicher –, der im Auftrag seiner Frau Khadidscha mit Karawanen bis nach Syrien zog, und es gibt deshalb meiner Ansicht zufolge keinen Grund, von vornherein auszuschließen, dass er des Lesens und des Schreibens kundig war. Weil es ein kombiniertes Buchstaben-Zahlen-System gab, musste er beim Umgang mit Zahlen zwangsläufig auch die ihnen entsprechenden Buchstaben kennen.

Ein weiterer Faktor, der für die Lesefähigkeit des Propheten Muhammad spricht, ist das erste geoffenbarte Wort des Quran „إقرأ iqra` Lies!“ (93:1) – eine Aufforderung sowohl an den Propheten als auch an alle, die sich auf den von Allah gewollten Weg begeben wollen, und sie weist darauf hin, dass der Prophet durchaus eine Fähigkeit besaß, die mit Analphabetismus nicht im Einklang steht.

Als ein weiterer Hinweis für diese seine Fähigkeit können die Verse 25:5 und 29:48 betrachtet werden; im Ersteren ist die Rede davon, dass diejenigen, die nicht an die dem Propheten Muhammad zuteilgewordene Offenbarung glaubten, ihm vorwarfen, er habe lediglich Fabeln alter Zeiten niedergeschrieben, die ihm diktiert worden seien. Wäre der Prophet schreibunkundig gewesen, hätten sie ihm das Niederschreiben des ihm Diktierten nicht vorhalten können, denn es macht ja keinen Sinn, jemandem, der nicht schreiben kann, etwas zu diktieren; im letztgenannten Vers bestätigt Allah dem Propheten Muhammad, dass er vor der Offenbarung des Quran keine vorangegangene Offenbarungsschrift vorgetragen geschweige denn etwas davon mit seiner rechten Hand niedergeschrieben hat, und dieser Bestätigung entnehme ich, dass der Prophet Muhammad schreiben konnte, jedoch das von Allah ursprünglich den Propheten vor ihm Geoffenbarte nicht kannte und es deshalb auch gar nicht niederschreiben konnte. Es bedeutet meiner Ansicht nach also nicht zwangsläufig, dass der Prophet Muhammad generell weder lesen noch schreiben konnte.

Aus dem bisher Dargelegten ergibt sich, dass das im Quran stehende arabische Wort أمي ummīy offensichtlich weder Analphabet noch des Lesens und Schreibens Unkundiger bedeuten kann.

In nicht wenigen Fällen erklärt der Quran einen an einer Stelle genannten Begriff an einer anderen Stelle. Beispielsweise wird hinsichtlich des in der Sure Al-Fātiha genannten Begriffes رب العالمين rabbu-l-´ālamīn das Wort عالمين ´ālamīn in der Sure 26 in den Versen 26 und 28 dahingehend erklärt, dass damit alles gemeint ist, was zwischen Himmel und Erde und zwischen Osten und Westen ist, im Grund genommen also das Universum. Um nun auf unseren Begriff أمي ummīy zurückzukommen: In den Versen 157 und 158 der siebten Sure wird dieser Begriff auf den ersten Blick ohne weitere Erklärung erwähnt. Im ersten dieser beiden Verse wird dem Propheten Moses mitgeteilt, dass ein in der Thora und im noch zu offenbarenden Evangelium angekündigter Gesandter und Prophet kommen wird, der أمي ummīy ist und mittels einer an ihn gerichteten Offenbarung das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten und von den vor ihm vorhandenen Lasten in der Religionsausübung befreien wird.

Diesem Kontext kann man meines Erachtens bei einer näheren Betrachtung entnehmen, dass der angekündigte Gesandte und Prophet sich von den israelitischen Gesandten und Propheten unterscheidet, da er ja die Lasten – unter denen ich bestimmte auferlegte Verpflichtungen für an Allah Glaubende verstehe, mit denen die israelitischen Gesandten per Offenbarung gekommen sind – wieder zurücknimmt, und zwar auch per Offenbarung. Auf diesen Aspekt weisen einige Wörterbücher hin, dass nämlich der Begriff أمي ummīy die englische Bedeutung „gentile“, im Deutschen also „Nichtjude“ respektive „nicht zu den Schriftbesitzenden Gehörender“ annehmen kann, was auf den arabischen Propheten Muhammad zutrifft, oder „die Offenbarungsschrift nicht Kennender“ meint. In diesen Bedeutungen finden wir nun das arabische Wort أمي ummīy in den anfangs erwähnten Versen 2:78, 3:20, 3:75 und 62:2.

Im Vers 2:78 werden die Kinder Israel angesprochen und es wird über sie gesagt, dass es unter ihnen Leute gibt, die أمي ummīy sind, was mittels eines Relativsatzes näher erklärt wird: أمي ummīy sind diejenigen unter den Kindern Israel, die die ihnen geoffenbarte Schrift nicht wirklich kennen und nur ihren Wunschvorstellungen und Mutmaßungen folgen. أمي ummīy bezeichnet hier mithin die Nichtkenntnis der Offenbarung von Seiten der Juden. Im folgenden Vers 2:79 folgt eine weitere Beschreibung: Es sind Leute, die etwas niederschreiben und behaupten, dieses Niedergeschriebene sei von Allah. In diesem Vers werden sie durch die Formulierung „Wehe ihnen!“ ausdrücklich für dieses ihr Verhalten verwarnt.

Im Vers 3:20 taucht der Begriff أمي ummīy im Zusammenhang mit denen auf, die vom Propheten Muhammad gefragt werden sollen, ob sie sich Allahs Willen ergeben haben respektive Muslime sind; diese Leute werden ebenfalls durch einen Relativsatz näher beschrieben, und zwar dahingehend, dass es sich um diejenigen handelt, denen vorher die Offenbarungsschrift gegeben wurde, und eben um diejenigen, die أمي ummīy sind, worunter in diesem Kontext die der Offenbarungsschrift Unkundigen verstanden werden können, die die Offenbarungsschrift nicht erhalten respektive nicht gelesen haben.

Im Vers 3:75 behaupten Einige der Schriftbesitzer, dass sie hinsichtlich der Rückgabe anvertrauter Dinge gegenüber denen, die أمي ummīy sind, keine Verpflichtung hätten, was der Quran jedoch im gleichen Vers als Lüge gegenüber Allah zurückweist. Hier kann أمي ummīy ebenfalls als derjenige verstanden werden, der die Offenbarungsschrift nicht kennt, womit in diesem Fall die Nicht-Juden (gentile), also die arabischen Muslime gemeint sind.

Im Vers 62:2 schließlich werden unter der Berücksichtigung, dass der Prophet Muhammad in Mekka geboren sein soll, ganz konkret im Sinne eines spezifischen Volkes die Mekkaner als أمي ummīy bezeichnet, denn es wird erwähnt, dass Allah einen Gesandten zu denen schickte, die أمي ummīy sind, und zwar aus ihren eigenen Reihen. Da in diesem Vers die Mekkaner jedoch nicht explizit namentlich genannt werden, kann man hier meines Erachtens generell unter أمي ummīy auch alle Individuen verstehen, die noch keine Offenbarungsschrift erhalten haben respektive das zuvor an Andere Geoffenbarte nicht kennen. Denn der Gesandte Muhammad wurde ja als Gesandter mit einer universalen Botschaft an die gesamte Menschheit und als Barmherzigkeit für alle Welten gesandt (siehe 7:158 und 21:107), während die Gesandten vor ihm von Allah zu ihren jeweiligen Völkern gesandt wurden (siehe 10:74 und 30:47).

Auf der Grundlage der obigen Ausführungen liegt es mithin nahe, dass man in den Versen 7:157 und 158 unter أمي ummīy in den Versen 7:157 und 158 „der Offenbarungsschrift unkundig“ verstehen kann, und zwar in dem Sinne, dass der Prophet Muhammad die Thora und das Evangelium nicht kannte. Dies macht auch deshalb einen Sinn, weil der Quran an mehreren Stellen ja ausdrücklich darauf hinweist, dass sowohl Thora als auch Evangelium nicht mehr in der ursprünglich geoffenbarten Form vorliegen, weshalb es der Offenbarung des Quran bedurfte, um das zu bestätigen, was ursprünglich den israelitischen respektive jüdischen Propheten geoffenbart worden war, dessen Wahrheit jedoch später von Menschen verborgen und durch Unwahrheiten verhüllt wurde (siehe beispielsweise die Verse 69-71 in der dritten Sure). Das heißt, der Prophet und Gesandte Muhammad konnte die ursprüngliche geoffenbarte Wahrheit gar nicht kennen und war mithin in diesem Sinne „schriftunkundig“. Hinzu kommt, dass es historisch gesehen nicht sicher ist, ob es zu seinen Lebzeiten überhaupt schon eine ins Arabische übersetzte Bibel gegeben hat.

Abschließend möchte ich noch auf eine Ansicht hinweisen, die davon ausgeht, dass der Prophet Muhammad in den Versen 7:157 und 158 als أمي ummīy bezeichnet wird, weil er gemäß Sure 42 Vers 7 Mekka zugeteilt wurde: „… damit du die Mutter (أم umm) der Ortschaften warnst …“ Unter „Mutter der Ortschaften“ wird allgemein Mekka verstanden. Diese Ansicht spezifiziert die oben bereits erwähnte Meinung, dass der Prophet Muhammad im Quran mit dem Attribut أمي ummīy versehen ist, weil er aus den Reihen der Araber, die die vorangegangenen Offenbarungen nicht kannten, stammte.

Und Allah weiß es am besten!

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Ich werde mir diesen Text heute Abend auf jeden Fall genauer anschauen, lieben Dank für deine Bemühungen, selam.

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Ich denke, dass أمي ummīy eine Person bezeichnet, die nicht nach einer bestimmten Schrift ausgebildet und erzogen wurde.

In 62:2 wird die arabische Gesellschaft in Mekka als solches als ummi bezeichnet. Interessant ist, dass diese Bezeichnung im Koran unabhängig davon ist, ob einige von denen, tatsächlich lesen und schreiben konnten.

Ich denke mit der Bezeichnung soll klargemacht werden, dass ebendiese Leute keine systematische Ausbildung bzw. Erziehung nach einer Schrift hatten.

(Darüber hinaus steht in dem Vers noch, dass der Prophet die Schrift lehrt. Dann stellt sich die Frage, wie jemand, der die Schrift nicht kennt, dh nicht lesen kann, andere lehren kann? Weitere ergänzende Verse hierzu (aber str. wg. تلو tlw) 2:102; 27:92; 6:151))

Im Vers 3:75 werden die ummīy als „schriftlose“ (besser: schriftunkundige) Menschen bezeichnet. Folglich müssten diese dann Personen sein, die keine Tora-Erziehung oder sonst eine Religionserziehung erhalten haben.

Im Vers 2:78 werden die ummīy als die, die keine Schriften kennen, mithin als Schriftunkundige bezeichnet. Vers 3:20 wiederum sagt aus, dass sie „Schriftlose“ (besser: Schriftunkundige) sind, weil sie außerhalb der Schriften sind.

Für mich hat das Wort ummīy die Bedeutung in Bezug auf eine Person, dass keine systematische Ausbildung nach einer bestimmten Schrift oder einer bestimmten philosophischen / religiösen Schule vorhanden ist.

In Ergänzung zu der Ausführung von dir im Zhg. mit dem zitierten Vers 29:48 möchte ich in Erwartung deiner Zustimmung auf Folgendes hinweisen:

29:48 Nie vorher trugst du aus einem Buche vor und schriebst es nicht mit deiner Rechten ab. Sonst würden die daran zweifeln, die es für Trug erklären.

(Bobzin)

wa-mā kunta tatlū min qablihī min kitābin wa-lā taḫuṭṭuhū bi-yamīnika ʾiḏan la-rtāba l-mubṭilūna

tatlū statt vortragen oder vorlesen (siehe für Lesen: قرا qrA), wäre es passender den Begriff referieren bzw. referenzieren zu verwenden und bei taḫuṭṭuhū (siehe für Schreiben: كتب ktb) wäre es passender den Begriff kenntlich machen bzw. markieren.

Dann wäre aus meiner Sicht die bessere Übersetzung:

29:48 Du hast vorher (vor dieser Schrift) weder eine Schrift referenziert und noch mit der rechten Hand daran markiert. Wenn es so wäre, würden diejenigen, die im Aberglauben sind, verzweifelt sein.

Im Zhg. mit dem Begriff „die rechte Hand“ bzw. „dem Rechten“ denke ich, dass hier auf Jad (hebr.:יד „Hand“) aufmerksam gemacht wird. Der Jad ist ein Zeigestock zum Deuten auf die jeweilige Textzeile in der Toralesung, mit dem der Vorleser in der Synagoge den Text auf der Torarolle verfolgt. Grund für die Verwendung dieses Tora-Zeigers ist, dass die Torarolle den Juden heilig ist und zugleich sehr wertvoll ist (denn sie stammt aus sehr sorgfältig mit Hand beschriebenen Pergamentblättern), so dass bei einem Vorlesen die Haut immer kleine Spuren von Schweiß oder Fett auf dem Papier hinterlassen könnte, mithin die Torarolle daher möglichst wenig berührt werden darf.

Außerdem muss die Tora soweit ich weiss immer auf der rechten Seite getragen und beim Lesen vorne rechts von der Person aus platziert werden. Beim Lesen wird dann die linke Hand abgesenkt und mit dem Jad in der rechten Hand werden die Zeilen verfolgt.

Zurück zum Vers 29:48:

In diesem Vers ist m.E. auch notwendig, dem Begriff „davor“ qablihī die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken, insbesondere dass der Prophet niemals zuvor an einer Schrift Referenz genommen hat und dass er nunmehr den Koran als einziges Referenzmittel nimmt und die Menschen nach den Mitteilungen des Korans lehrt.

In diesem Zhg. sagt 62:2 weiter aus, dass er als Gesandter aus der Mitte der Schriftunkundigen die Zeichen Gottes referiert und läutert und die Weisheit und die Schrift lehrt, mithin muss er für diesen Lehrauftrag fähig sein zu lesen und auch zu schreiben.

Ebenso auch wie du zutreffend erwähnst sagt 93:1 aus, dass der Prophet (zumindest) nachdem die Prophezeiung (nach einer Ansicht mit der Herabsendung der Verse 93:1-5) gekommen ist, auch lesen und schreiben konnte.

Aus dieser Sure entnehme ich, dass während der Prophezeiung die Alphabetisierung begann (aA sicher die herrschende Ansicht).

Andernfalls könnten die Worte in den Versen wie „Lehren mit dem Schreibrohr“, „das lehrt, was er nicht wusste“, „der Hochgeehrte“ für den Gesandten keine direkte Gültigkeit haben, aufgrund der Tatsache, dass die Rhetorik im Koran grds. in erster Linie auf Mohammed bezieht.

Ergänzend hierzu noch Vers 25:5, wonach bestätigt wird, dass Mohammed zuvor nicht schreiben (hier wird ausdrücklich der Begriff für Schreiben verwendet: كتب ktb) konnte.

Festzustellen ist daher, dass der Gesandte Gottes während der Prophetenzeit lesen konnte, aber auch, dass er Analphabet war, bevor er ein Prophet war.

Letztendlich kennt nur Gott die Wahrheit, denn nur er ist der Wissende über alles.

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Friede Sue

und danke für deinen Informationsschub!

Was du im Zusammenhang mit 29:48 erwähnt hast, macht inhaltlich durchaus einen Sinn. Für mich pingeligen Preußen stellt sich aber unvermeidlich die Frage, ob das linguistisch gesehen vertretbar ist.

Fangen wir mit tatlū an: Das arabische Verb تلا talā hat die Grundbedeutung vorlesen oder - wie ich es in meinem Thread verwandt habe - vortragen. Referieren kann auch als vortragen verstanden werden, insbesondere in zusammenfassender und möglicherweise auch kritischer Form, hat aber noch darüber hinausgehende Bedeutungen, nämlich etwas in Beziehung setzen oder sich auf etwas beziehen, also im Sinne von referenzieren. Diesen spezifischen Sinn gibt meines Wissens das arabische Verb تلا talā nicht her. Ich werde aber in den arabischen Wörterbüchern nochmal rumschnüffeln.

Dein Hinweis, dass Jad bei den Juden den Zeigestab mit einer Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger an dessen Ende bezeichnet, mit dem man die Tora-Rolle liest, ist zwar eine sehr nützliche Information, wirft bei mir indes die Frage auf, ob diese Bedeutung auf den Quran-Vers 29:48 anwendbar ist, zumal du ja diese Bedeutung in deiner Übersetzung nicht angibst. Aber überlegenswert ist es allemal.

Bleibt noch taḫuṭṭuhū. Ich habe das mit „niederschreiben“ wiedergegeben, denn ich hab natürlich auch zur Kenntnis genommen, dass hier nicht das Verb kataba im generellen Sinn von schreiben benutzt wird. Unter „niederschreiben“ verstehe ich eine ganz spezielle Art von schreiben, dass man nämlich etwas schreibt, was man vorher durchdacht oder erlebt hat, was meiner Ansicht nach die Intention in diesem Vers gut wiedergibt. Deine Konnotation „markieren“ müsstest du noch etwas näher erläutern, weil sie mir in diesem Zusammenhang nicht ganz klar ist :blush:. Was und warum soll denn „markiert“ werden?

Noch etwas zu deinem Satz „Ergänzend hierzu noch Vers 25:5, wonach bestätigt wird, dass Mohammed zuvor nicht schreiben (hier wird ausdrücklich der Begriff für Schreiben verwendet: كتب ktb) konnte.“ Im arabischen Text steht nicht كتب kataba, sondern اكتتب iktataba, was meines Wissens eine speziellere Bedeutung als كتب kataba hat, nämlich etwas Gehörtes respektive Diktiertes niederschreiben, etwas aufschreiben oder etwas abschreiben.

Deinem Fazit „Festzustellen ist daher, dass der Gesandte Gottes während der Prophetenzeit lesen konnte, aber auch, dass er Analphabet war, bevor er ein Prophet war“ stimme ich nur im Hinblick auf deine erste Feststellung zu. Da der Gesandte Muhammad auch schon vor seiner Prophetenzeit Kaufmann war, halte ich es für denkbar und höchstwahrscheinlich, dass er vor seiner Prophetenzeit auch schon lesen und schreiben konnte.

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Zum 25:5 ist noch zusätzlich auszuführen, dass hier eine Vermutung der Leugner wiedergegeben wird, deren Wahrheitsgehalt sicherlich strittig sein dürfte, zumal sie als eine bloße Verleumdung ohne eine tragfähige Grundlage einzustufen wäre, so dass dieses Vers eingeschränkt als Argumentationsstütze für meine Überlegungen verwendbar ist. Das ist mir klar.

Bleibt dann nur das von dir ausgeführte historische Gegenargument (Stichwort: Kaufmannseingenschaft), wobei wie du weisst historische Berichte manchmal widersprüchlich sein könnten, zumal auch angenommen werden könnte, dass er bloß im Auftrag seiner Ehefrau tätig war ohne das Erfordernis spezieller Lese- und Schreibkenntnisse (Stichwort: funktionaler Analphabetismus).

Die 93:1-5 bleiben dann offen zu den obigen Überlegungen, wobei die von mir favorisierte Auslegung sicherlich nicht die herrschende Sichtweise ist. Auch das ist mir klar.

Jad bedeutet in der hebräischen Sprache einfach „Hand“.

„Der Jad (hebr.:יד „Hand“) ist ein Zeigestab zum Deuten auf die jeweilige Textzeile in der Toralesung.“

Der Jad ist ein Stab, der helfen soll, in der richtigen Zeile zu bleiben (Lesehilfe), ohne die Torarolle während der Schriftlesung zu berühren, aber auch wegen der Heiligstellung der Blätter (ähnlich wie bei den Mohammedanern die Heiligstellung vom Mus’haf).

Markieren iSv andeuten, kenntlich machen, siehe:

http://ejtaal.net/aa/#hw4=296,ll=799,ls=5,la=1192,sg=348,ha=185,br=294,pr=50,vi=133,mgf=267,mr=200,mn=348,aan=168,kz=599,uqq=91,ulq=655,uqa=120,uqw=455,umr=324,ums=261,umj=213,bdw=273,amr=199,asb=253,auh=506,dhq=158,mht=244,msb=73,tla=45,amj=204,ens=470,mis=572

http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=xT&fromdoc=Perseus:text:2002.02.0021

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