Der Selbstzweck


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Der Selbstzweck

Immanuel Kant hat seine ganze Philosophie auf einer Grundlage aufgebaut, die den Individuum die Vorgabe gibt, dass es sich aus sich selbst bestimmen soll.
In seinen Studien und Gedankenkonstrukten hat er dafür auch, unter bestimmten Gedankengängen (I. Kant, der Mann und das Werk) eine dazugehörige und
entsprechende Theorie entwickelt, die er auf diesen Grundgedanken bezieht; die Selbstzwecktheorie. „ Das Wozu, die Ordnung der Zwecke ist das eigentümliche Gebiet
unseres Wollens und Handelns. Unterordnung der niedrigen unter die höheren, der besondere
unter die allgemeinen Zwecke, bis zuletzt in endlosen Fortgang zu dem Gedanken eines End- oder Selbstzwecks gelangen, der nicht mehr Mittel zu einem höheren ist, sondern in der Vernunftnatur des Menschen selbst besteht.“ ( S. 299)
Ohne Zweifel ist bei Kant, der Mensch, ein Zweck an sich selbst, der in seiner Autonomie
das bestimmende und bewertende Subjekt ist, der über sich und seine Umwelt steht.
Er begründet seine Ethik mit den freien Willen, des Menschen, der aus seinem Urteil sich
selbst begründet. In der Abhandlung über das Reich der Zwecke schreibt er. „ welches bloß
die notwendigen sittlichen Gesetze eines freien Willens enthält.“(S.299)
Auch begründet er in seiner Selbstzweckformel, dass man aus seiner Eigensicht die andere Person, als Zweck an sich selbst betrachten soll und nicht als Mittel einer bestimmten Sache.
„Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“ (S.299)
Dieses Sittengesetz ist im geistigen Denken der westlichen Kultur verankert, und trägt dazu
bei das der Individualismus in diesem Kulturkreis soweit verbreitet ist. Da jeder nur als Zweck an sich gilt und nur sich selbst definiert, kommt es dazu, dass der Egoismus und Isolationismus ihren entsprechenden Nährböden erhalten.
Für Kant und andere Denker der Aufklärung war der Mensch das höchste Prinzip in der Zwecksetzung, wobei er über andere Dinge, wie zum Beispiel über die Natur, erhaben ist. Dies leitet den Menschen zu einer beliebigen Verfügbarkeit, da er das Endglied in der langen Zwecksetzungskette ist. Dabei ist
genau zu beachten, dass Gott für Kant und andere Philosophen der Aufklärung nicht zur Debatte stand, nach ihrem Verständnis ist Gott weder am Anfang der Zweckkette, als
Verursacher, noch ist er das Endglied in dieser Kette, der durch seine Anweisungen ein
Ziel vorgibt.
So ist davon abzusehen, das für einen aufgeklärten Menschen, heilige Texte, und Bücher,
sowie Anweisungen und Gebote von Propheten keine Rolle spielen. Auch die Bedeutung
und Achtung vor einer Religion für sie bedeutungslos. Denn sie betrachten sich in Bilde der
Aufklärung als einen eigenen Zweck, der seine Zwecksetzung eigens bestimmt.