Die Prüfung

Salam Alaikum und guten Tag.

Ich habe eine zweifellos sehr gewagte Frage, die mich aber eine sehr lange Zeit beschäftigt.

Allah ist allwissend und die Ohren und Augen Allah’s somit in der Gegenwart und in der Zukunft omnipräsent.
Allah ist unser Schöpfer und kennt seine Schöpfung besser als die Schöpfung sich selbst.
Bevor ein Mensch erschaffen wird und zur Welt kommt, weiß Allah bereits alles über diesen Menschen: was er gutes tun wird, was er schlechtes tun wird, was er gutes zu tun unterlassen wird, was er schlechtes zu tun unterlassen wird. Allah weiß, welche Prüfung der Mensch bestehen und bei welcher er kläglich versagen wird. Nichts, was der Mensch in seinem Leben tun wird, nichts was dieser mit seinem freien Willen entscheiden wird, kann Allah überraschen. Allah weiß im Voraus alles, was geschehen wird.

Wenn also auf auch nur einen einzigen Menschen seit Adam und Eva als Konsequenz für nicht bestandene Prüfungen, Ungläubigkeit oder irgend eine andere Kategorie von Fehlverhalten das Höllenfeuer wartet, dann wusste der Schöpfer all das lange bevor er diesem Menschen das Leben einhauchte. Er wusste, wie dieser Mensch von seinem freien Willen Gebrauch machen würde, welches Umfeld und welche Vorbilder dieser haben würde, welche Entscheidungen er/sie treffen würde, ob er/sie usw.

Kann ich daraus schließen, dass kein Mensch auf ewig in der Hölle „brennen“ wird? Ist die Hölle ein Synonym für die Qualen, die ein Mensch durchlaufen wird, bis er/sie sich von dem eigenen Ego säubert und seelisch vollkommen rein wird, weil nur etwas vollkommen reines etwas vollkommen reines (Himmel) betreten kann?

Ich kann mir schwer vorstellen, dass Gott ein Wesen erschafft, von dem er weiß, dass dieses nach dem Tod für immer in der Hölle schmoren wird. Eher glaub ich an folgendes:

Er macht den Menschen blind (= unvollkommen, sündhaft), gibt diesem aber einen Kompass (= Sünde/Fehler führen zu Leid und Seelenqual --> Quall teilt dem Menschen mit, dass der eingeschlagene Weg falsch ist), damit dieser sein Ego abstreift und den Weg zurück zu Allah finden kann (=Himmel).

Salam densa1980,

ich stimme dir da ganz und voll zu. Es gibt einige Theologen die das auch behaupten, dass die Hölle nicht ewig ist, denn wenn die Hölle ewig wäre, dann wäre Gott, verzeihe mir den Ausdruck, ein folterischer Schöpfer, wie du selber schon geahnt hast. Die meisten, soweit meine Erfahrung, bestehen aber darauf, dass es ewig ist. Ich muss ehrlich auch zugeben, dass ich darüber nicht so viel weiß. Aber meiner Meinung nach geht es letzlich um Weiterentwicklung in eine „höhere Stufe“. Angefangen von Adam und Eva, in der der Mensch auch schon quasi einen next step gemacht hat, sprich freier Wille usw… Trotzdem sollte man die Hölle aber nicht auf die leichte Schulter nehmen…

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Koranisch betrachtet (ohne die Verse rauszusuchen) gilt folgendes:

Es wird nur der Höhe der Vergehen nach bestraft. Das schließt jedoch eine „ewige“ Strafe nicht unbedingt aus. „Ewig“ darf aber nicht als wörtlich ewig verstanden werden, da koranisch die Sünder nur eine bestimmte Zeit lang verweilen werden, sinngemäß steht neben ewig auch „eine lange Zeit“. Somit „ewig“ nicht wörtlich verstanden werden darf.

Frieden Eddy,

Ich würde mich sehr freuen, wenn du deine Sicht mit Koranversen belegen würdest. Ich persönlich finde deine Sicht gut aber leider spricht der Koran meiner Meinung anders. Gott sagt nicht nur, dass Beigeseller/Ungläubige ewig in der Hölle bleiben sondern auch, dass er ihnen niemals verzeihen wird (9:80) und ihre Werke hinfällig werden (24:39) so, dass sie ja nicht mehr bewertet werden können. Niemals finde ich in diese Sache auch eindeutiger als ewig. Ich finde eine ewige Hölle auch nicht gerecht aber Gott scheint dass leider schon zu finden.

Herzlich Willkommen JoKo!
Zu den Werken: die Werke, die hinfällig werden (اعملهم), sind nicht zu verwechseln mit den guten Taten (صالحات oder auch عمل خيراً). Letztere sind eng mit dem Glauben verknüpft und ohne ihn nicht denkbar, erstere verstehe ich als „große Taten“, also das, womit man die Menschen beeindrucken kann, aber nicht Gott. Von den ethisch guten Taten wid kein Staubkorn verloren gehen (99:7).

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Frieden Regine,

das überrascht mich. Das macht meines Erachtens auch mehr Sinn, da so Menschen, die zu viel Wert auf weltliche Güter (Geld, Ruhm, Autos, usw…) gelegt haben gezeigt wird, dass diese im Jenseits nichts nützen. Aber inwiefern werden diesen Menschen ihre ethischen Taten angerechnet, wenn Gott ihnen den Unglauben/die Beigesellung sowieso nicht vergeben wird? Dann würden einem die besten Taten ja nichts nützen. Du schreibst auch, dass diese guten Taten ohne Glauben nicht denkbar sind also könnten Ungläubige/Beigeseller diese theoretisch nicht “begehen“.

Genau. Vergleiche auch Sura 107: Hast du den gesehen, der den Din (Lebensweise, Entscheidung zum Guten, Urteil) ableugnet? Das ist der, der die Waise zurückstößt und nicht zum Speisen der Armen aufruft. Oder die häufige Wortverbindung Glauben und gute Taten oder Zakat und Gebet. Wer gute Taten tut (um der guten Taten willen und nicht um eines Vorteils willen), ist kein Leugner oder Ungläubiger.

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Heißt das, dass man durch seine Taten “gläubig“ wird (selbst wenn man eigentlich Atheist oder Polytheist ist) und schlussendlich nur nach Taten bewertet wird und weniger durch glauben und dass somit die bewusste oder unbewusste Entscheidung zur Lebensordnung Gottes einen zu einem Gläubigen macht? Das war bereits im Thread „Wirklich kein Zwang im Glauben“ das Thema. Ich muss gestehen, dass ich da nicht ganz mitkomme und auch nicht wirklich die Schlussfolgerung verstehe. Gibt es vielleicht sonst noch irgendwelche hinweise zur einer zeitlich beschränkten Hölle, welche man nach der “Reinigung“ von seinen schlechten Taten/Unglauben verlässt so wie oben beschrieben?

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Im Koran steht mehrfach: ‚wer glaubt und gute Werke tut‘.
Der Glaube an den einen Gott ist ein zentrales Element, ebenso wie die guten Werke, die man tun soll.

Ich glaube, die Eltern-Kind-Beziehung ist dem der Beziehung zu Gott sehr ähnlich.
Es reicht nicht, nur zu tun, was die Eltern sagen, wenn man seine Eltern zugleich verleugnet. Wie würden sich eure Eltern fühlen, wenn ihr sie nicht besucht, sagt, ihr liebt sie nicht und andere Eltern sind euch wichtiger?

Wir wissen auch nicht, ob die Hölle nur sinngemäß oder wortwörtlich gemeint ist. Möglicherweise wird die Strafe nicht so schlimm ausfallen, wie die wörtliche Übersetzung.
Davon gehe ich aus, denn Gott ist ein vielfaches gnädiger und barmherziger als wir einfache Menschen und kann dementsprechend mehr verzeihen. Wer eigene Kinder hat, weiß, dass man ihnen immer mal wieder einiges verzeiht, da man sie liebt. Und die Liebe Gottes ist ein vielfaches größer.
Wir sollen hier in diesem Leben etwas lernen. Dass man ständig dabei etwas falsch macht, gehört zum Lernprozess.

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Hallo. Ewig meint nur eine lange Strafe. Dazu gibt es einen direkten Vers der von einer „langen Zeit“ spricht. Ich kann das jetzt nicht raus suchen. Wenn Gott nicht verzeiht macht das die Strafe nicht wörtlich ewig. Es meint nur dass man die Strafe voll absetzen muss, Er das vorher nicht verzeiht. Nach der Strafe evtl auch nicht. Die Strafe bleibt dabei jedoch zwingend begrenzt. Auch die Bibel bestätigt das wenn sie sagt, dass man bis auf den letzten Cent zurück zahlt oder im Koran bis ein Kamel durch ein Nadelöhr geht. Schau dir auch die Umschreibung von Hölle an. Da geht es im Koran auch um Prüfung usw. Schau dir bei den Strafen die umliegenden Verse auch genauer an, da geht es nicht einfach nur um Kavaliersdelikte. Du kannst koranisch gesehen auch vlt nur für 10 Minuten deine Strafe absetzen müssen.

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Frieden Eddy,

Ich würde mich sehr freuen, wenn du uns den Vers nennen könntest. Ich habe nach dem Vers gesucht, konnte aber nichts finden.

Hallo ja ich wollte dich auch nicht im Regen stehen lassen. Ich habe momentan auf einen Teil meiner Daten keinen Zugriff. Ich suche ihn jetzt nochmal extra.

So 78:23. Da steht Zeiten \ Zeitalter also eine lange Zeit und nicht ewig.

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Frieden Eddy,

vielen Dank für deine Mühe.

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