Ewige Strafe?

Salaamum alaikum!

Das arabische Wort خالد khālid muss nicht unbedingt etwas Unendliches respektive Ewiges beinhalten, sondern kann auch auf eine sehr lange, aber eben begrenzte Zeitdauer verweisen.

So heißt es etwa im arabisch-arabischen Wörterbuch „Umdatu-l-huffāz“ unter Verweis auf Sure 59:17: „Man sagt: Das ist das lange Verweilen. Und man sagt auch: Das ist das, was keine Ende hat.“

Und im arabischen-englischen Wörterbuch steht: „To remain, last long, live on, retain a youthful appearance, abide in a place, live without change or deterioration. It does not necessarily convey the idea of perpetuity… Yakhlud يخلد (imp. 3rd p.m.sing.): He will abide, will suffer for long.“

Das in Rede stehende Wort kommt im Quran in verschiedenen Flexionsformen so etwa achtzig Mal in Verbindung mit der Belohnung mit dem Paradies und der Bestrafung mit der Hölle vor. Manchmal erscheint als Verstärkung noch das zusätzliche Wort أبدا abadan mit der Bedeutung „stets, für immer“.

In diesem Zusammenhang wird diskutiert, ob denn die Strafe der Hölle wirklich unendlich und ewig ist oder ob nicht doch vielleicht die Zeitdauer zwar sehr lang, aber begrenzt verstanden werden könnte, zumal Allah doch der Allerbarmer und Allbarmherzige ist, und ob es gerechtfertigt ist, jemanden mit einer ewig andauernden Strafe zu belegen.

Nach meinem Verständnis ist Allah nicht nur allbarmherzig, sondern auch gerecht; ER fügt ergo niemandem ein Unrecht zu. In Sure 10:44 heißt es entsprechend: „Allah fügt den Menschen wirklich keinerlei Unrecht zu, sondern die Menschen fügen sich selbst Unrecht zu.“ Wenn also jemand der Strafe zugeführt wird, dann ist er auch selbst daran schuld.

In Sure 6:27-28 wird darauf hingewiesen, dass die vor das Höllenfeuer Gestellten beteuern, sie würden bei einer zweiten Chance Gläubige sein, woraufhin sie aber als Lügner bezeichnet werden und ihnen vorgehalten wird, dass sie sicher wieder zu dem zurückkehren würden, was ihnen verboten war.**

**Grundsätzlich können wir also sagen, dass das Bestrafen mit dem Höllenfeuer keine Ungerechtigkeit und auch keine Grundlosigkeit von Seiten Allahs darstellt.

Bleibt mithin die Frage: Muss denn diese Strafe unbedingt ewig sein? Bedeutet also das Wort خالد khālid im Quran eine unbegrenzte und ewige Zeitdauer?

Eine Bejahung dieser Frage könnte man mit 6:27-28 begründen, weil die zu Grunde liegende Schuld des Bestraften mit dessen Intention und Entscheidung einhergeht, stets in diesem Schuldzustand zu bleiben. Er trägt somit etwas ewig Bleibendes in sich, was sich sowohl auf das Diesseits als auch auf das Jenseits auswirkt.

Eine Verneinung dieser Frage könnte man damit begründen, dass linguistisch betrachtet das Wort خالد khālid nicht unbedingt das Ewig-Sein bedeuten muss, wie es beispielsweise in den beiden oben zitierten Wörterbüchern heißt.

Einen konkreten Vers im Quran, aus dem eindeutig hervorgeht, ob das Wort خالد khālid immer einen Ewigkeitscharakter in sich trägt oder nicht, kenne ich nicht. Deshalb lautet meine Ansicht: In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten. Und Allah tut, was ER will – im Lichte SEINER Barmherzigkeit und im Lichte SEINER Gerechtigkeit.

Salaam!

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Das würde voraussetzen, dass die Zeir im Jenseits genauso funktioniert wie hier. Wenn sie das nicht tun und also die Strafe nicht nach einer gewissen Zeit abgesessen ist wie unsere Gefängnistrafen, könnten die Unterschiede im Grad der Pein bzw. der Glückseligkeit bestehen, die man empfindet. Dieser Zustand hält dann aber dauerhaft an.

Und Gott weiss es besser.

Dafür, dass bei Allah vom Menschen unterschiedliche Zeitvorstellungen hinsichtlich der Dauer gelten, gibt es Hinweise im Quran. Die Frage ist allerdings, ob das auch auf den Begriff „ewig“ zutrifft. Denn ewig bedeutet ja, dass es keine Zeitbegrenzungen wie etwa ein Ende gibt.

Da es im Quran Hinweise auf „Stufen“ oder „Grade“ des Paradieses und des Höllenfeuers insofern gibt, als für beides verschiedene Namen respektive Begriffe auftauchen, könnte man auch annehmen, dass es entsprechend verschiedene „Grade“ der Pein oder der Glückseligkeit gibt.

Frieden,

Ich habe einen Vers aus dem Alten Testament gefunden, welcher hier vielleicht Klarheit schaffen könnte. Micha 7 18: Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!. Da der Vers nicht auf Arabisch offenbart wurde könnte er vielleicht diese Frage klären. Was denkt ihr darüber?

Friede, JoKo,

was das Buch Micha betrifft, so ist umstritten, ob alles tatsächlich vom Propheten Micha stammt. Besonders bei den Versen 7:8-20 wird gesagt, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von Micha stammen.

Es gibt jedoch Ähnliches bei Jeremia (33:8), wo es heißt „Ich reinige sie von all ihrer Schuld, die sie gegen mich begangen haben, und ich vergebe ihnen all ihre Verfehlungen, mit denen sie gesündigt und sich gegen mich aufgelehnt haben“, und (50:20), wo es heißt „Denn ich verzeihe dem Rest, den ich übrig lasse“.

Im Quran wird beispielsweise in 2:284 darauf hingewiesen, dass Allah vergibt, wem ER will, und peinigt, wen ER will. Dies kann beinhalten, dass die Peinigung hinsichtlich der Zeit begrenzt ist. Allerdings wissen wir meines Erachtens nicht, welche Personenkreise davon betroffen sind; das liegt allein in der Hand Allahs.

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Vllt noch eine Erklärung zum Begriff „Ewigkeit“

Ich muss sagen dass mir dieser Artikel wenig bis keine Antwort liefert. Kann aber auch sein dass ihr das besser versteht und würde mich über Aufklärung freuen

Ich verstehe von dem Artikel, dass Allah ewig im Hinblick auf Vergangenheit und Zukunft ist, ER ist also ohne Anfang und ohne Ende. Der Mensch dagegen hat durch seine Erschaffung einen Anfang, wird aber in Zukunft auch ein ewiges Dasein haben, er ist also im Hinblick auf die Vergangenheit und Gegenwart nicht ewig, wohl aber im Hinblick auf die Zukunft und hat somit einen Anfang, jedoch kein Ende.

Also kann man davon ausgehen dass eine ewige Strafe existiert, also für immer. Denn ich stimme vielen zu wenn sie sagen Gott wäre grausam wenn man für immer und ewig in die Hölle käme

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Allah ist der Allbarmherzige, der Allerbarmer, ER vergibt, wem ER will. ER ist aber auch der absolut Gerechte. Und ER kann besser als jeder Mensch beurteilen, wer eine „ewige“ Strafe verdient und wer nicht. Davon, dass Allah grausam sein soll, kann also meines Erachtens überhaupt keine Rede sein.

Was das Wort „ewig“ betrifft, so wurde ja schon darauf hingewiesen, dass man darunter auch eine mehr oder weniger lange Zeitspanne verstehen kann. Deswegen habe ich ja oben auch das Folgende gepostet:

Es gibt jedoch Ähnliches bei Jeremia (33:8), wo es heißt „Ich reinige sie von all ihrer Schuld, die sie gegen mich begangen haben, und ich vergebe ihnen all ihre Verfehlungen, mit denen sie gesündigt und sich gegen mich aufgelehnt haben“, und (50:20), wo es heißt „Denn ich verzeihe dem Rest, den ich übrig lasse“.

Im Quran wird beispielsweise in 2:284 darauf hingewiesen, dass Allah vergibt, wem ER will, und peinigt, wen ER will. Dies kann beinhalten, dass die Peinigung hinsichtlich der Zeit begrenzt ist. Allerdings wissen wir meines Erachtens nicht, welche Personenkreise davon betroffen sind; das liegt allein in der Hand Allahs.

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Aus dem Artikel den @RicoBerlin gesendet hat, konnte ich inklusive deiner Erklärung es so verstehen dass man für alle Ewigkeit in der Hölle verweilt. Wenn ich aber richtig verstanden habe, hast du angedeutet dass das nur für manche gelten wird. Auch ich habe schon vorher mal gehört dass nur Beigeseller für immer in der Hölle bleiben und die anderen Sünder irgendwann entlassen.

Das ist die Botschaft, die uns Sure 4:48 vermittelt.

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Ok dann hätte sich das geklärt :+1:

Frieden,

wie lässt sich eine ewige Hölle mit Vers 4:40 und 6:160 in Einklang bringen, wonach jeder also auch Beigeseller und Ableugner für ihre guten Taten belohnt werden? Eine Belohnung in der Hölle kann ich mir schwer vorstellen.

Ich weiß natürlich, dass es im Koran keine Wiedersprüche gibt, weswegen ich mich über eine Erklärung freuen würde.

Friede, JoKo!

Da es im Quran mehrere Namen für das Paradies und mehrere Namen für das Höllenfeuer gibt, gehe ich davon aus, dass es für beides Abstufungen und Grade oder Klassen gibt. Insofern kann ich mir auch vorstellen, dass es eine Belohnung in Verbindung mit der Hölle dahingehend gibt, dass man als Begnadigung und als Folge guter Taten statt einer verdienten schweren Form der Hölle eine schwächere aufgebrummt bekommt oder dass einem eine eigentlich zustehende lange Zeitdauer verkürzt wird.

Die Worte in 4:40 weisen ja darauf hin, dass Allah von SICH aus für jede gute Tat eine grandiose Belohnung geben wird, die weit über dem Maß liegt, als man eigentlich verdient hat.

Und 6:160 weist auf das Prinzip hin, wie die einer Beurteilung zu Grunde liegende Waage gehandhabt wird: In die Waagschale der guten Taten wird für eine gute Tat ein Gewicht mit dem zehnfachen Wert gelegt, während in die Waagschale der schlechten Taten ein Gewicht mit nur demselben Wert gelegt wird, wie schwerwiegend oder leicht diese schlechte Tat auch sein mag. Selbst wenn das Beigesellen tonnenschwer ist und auf jeden Fall das Urteil auf Höllenfeuer lauten wird, kann es sein, dass viele gute Taten mit ihren vervielfachten Gewichten die Waagschale mit dem Tonnengewicht sich etwas nach oben bewegen lassen und sich für das Endurteil mildernde Umstände ergeben.

Anspruch auf Strafmilderung oder Straferlass hat niemand, aber die berechtigte Hoffnung auf Begnadigung darf dennoch jeder haben.

Friede!

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Selam

Könnte es sein das die Belohnung hier in dieser Welt stattfindet und evtl. sogar aufgebraucht wird so das für die nächste Welt nichts mehr zusteht.
Würde vielleicht erklären warum es teilweise so richtig reiche Menschen gibt die nicht den Eindruck von „guten Menschen“ machen.
Wenn die auf Ihre guten Taten bestehen, wird Ihnen Ihre bereits erhaltene Belohnung in dieser Welt gezeigt. Wenn Sie Geld am meisten liebten wurden Sie mit dem für Sie bestem belohnt.
Nur so ein Gedanke :wink:

Selam

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Ein guter Gedanke, wie ich finde! :+1:

Danke und Salaam! :slightly_smiling_face:

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Selam

Andersherum könnte es natürlich auch gehen, jemand der eigentlich nicht so sehr schlechte Taten hat ( niemand ist fehlerfrei ) wird durch Strafen hier im Diesseits geplagt damit er dann, weil er ja ein guter ist, gereinigt in das Paradies gehen kann.
Ist aber keine Erklärung für die „ewige Strafe“. Ich möchte gern glauben, das es keine Ewige Strafe gibt, weil ich mir kaum vorstellen kann, was ein Geschöpf so schlimmes tun kann, das nach bestimmter, auch sehr langer Zeit von gestraft werden (z.b.durch brennen), nicht verziehen werden kann.
Aber Allah weiß es natürlich besser !

Selam

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Was sagst du zum Beispiel zu Menschen die Hunde aufhängen und sie am lebendigen Leibe häuten… einfach aus Spaß und weil sie es können ?

Solche Kreaturen nennst du Menschen??? :thinking: