Für immer Schuld?

Für immer Schuld?

  1. Die Ankunft
  2. Überwacht
  3. Rückschau
  4. Böse Gedanken
  5. Bereuen

Die Ankunft: „Es war vorbei, hier kam ich nicht mehr raus, dachte ich.“ Der Bus passierte das Gefängnistor der Staatlichen Hochsicherheitsvollzugsanstalt und hielt im ersten Innenhof. Ich und 12 andere Verurteilt standen auf und wurden von Vollzugsbeamten einzeln hinausgeführt. „ Alle Mann haben sich in Reih und Glied zu begeben. Der Bus muss einzeln verlassen werden, und es wird nicht gedrängelt“ ein anderer sagte „ Am Busausgang werden sie Abgetastet. Danach werden sie einzeln in die Ankunft geleitet.“ Mich begleiteten zwei Beamte, die mich in Hand und Fußschellen durch das Gebäude führten. In der Ferne der langen sterilen Korridore, die aus lauter Tristesse abstoßend gähnten, hörte ich fernes Geschrei und Rufen. Die Aufnahme Prozedur war nach vier Stunden in denen ich zumeist warten musste vorbei und ich befand mich in meiner zugewiesenden Zelle. Einzelhaft, ich alleine mit einem Klo aus Stahl einer Pritsche, Nasszelle und einer Schreib und Leseecke. Dazu kam der ständige Radau der Anderen Gefangenen in meinem Block. Da einige permanent gegen die Stahltür prügeln, sie wussten nicht hin mit ihren Kräften und hatten Langeweile, da sie 23 Stunden in ihren Zellen verbringen mussten. Schlimm nur, dass mich die Langeweile dann zwangsläufig auch heimsuchte.

Überwacht: Ich hatte mich mit dem Alltagsablauf schnell abgefunden, Essen, Hofgang, Zelle und zweimal in der Woche Duschen. Kontakte mit den anderen Gefangenen wahr schwer möglich, dies gelang nur durch Zurufen und Klopfen. Woran ich mich gar nicht gewöhnen Konnte, war die permanente Isolation und die unerträgliche Überwachung und Unüberwindbarkeit der Gefängniseinrichtung. Die Gefängnisführung war nach der Prämisse, moderner, sicherer und überwachter ausgerichtet worden. Um vergangene negative Erfahrungen mit Gangbildung, Drogen und Gewaltproblemen vorzubeugen. Hat man sogar den Briefverkehr nach außen verboten. Besuche sind nur noch über Videokonferenz möglich und die Stahltüren werden von einem Kontrollzentrum aus Geöffnet und verschlossen. Zu essen gab es nur aus Stahlnäpfen, während das Besteck aus Sicherheitsgründen nur aus Gummi bestand. Damit wurden sie als Waffen zur Selbsttötung, Tötung und Verstümmelung ausgeschlossen. Und in den Duschen gab es spezielle Bartschneidegeräte mit abgedichteten Klingen, damit man sich nicht selbst verletzen konnte. Das Gefängnis selbst war ein Labyrinth, was mit Elektronischer Überwachung vollgestopft war. Der Innenhof zum Freigang befand sich genau in der Mitte der Anstalt, es hieß, ein Insasse dürfte die Außenmauer noch nicht mal sehen. Sollte es doch noch der Fall sein, so müsste er durch den leeren Außenblock, wo sich nur Wachpersonal aufhielt, so dass der mutwillige Ausbrecher eingesackt und getollschockt wurde, bevor er sie nur um hundert Meter in die Nähe kam. Falls doch noch einem gelang, die Außenmauer zu Erreichen so erwartete ihn zu seiner Überraschung eine Art rutsch Seife, die der Mauer eine Glätte verlieh, so dass es keinen gelingen konnte sich an dieser festzuhalten um dort 20 Meter in die Höhe zu klettern. Kurz in diesem Knast, war es sinnlos, je an Flucht nur zu denken.

Rückschau: Ich war hier lebendig Begraben und hatte viel Zeit über mich nachzudenken, wie ich über Haupt in diese unschöne Situation gekommen bin. Wie konnte ich nur mein Leben nur so an die Wand fahren? Na ja, dies alles begann mit dem Bedürfnis nach dem schnellen und leichten Geld. Leider ja, auch ich, war ein Opfer dieser Versuchung, die zu Folge sämtlicher Probleme inne hat. Das Dramer gestaltete sich perfide, verführerisch und gefährlich zu gleich, so dass ich langsam und unweigerlich darein hinab rutschte. Die Freuden der Versuchung, dass leichte Geld und der Spaß an der Sache hatten mich blind für die Folgen und Konsequenzen gemacht. Auch das entsetzliche Leid was ich verursacht habe, wollte und konnte ich im Anfang nicht sehen. So war es, und mit der Zeit, wo die Folgen mir immer offensichtlicher wurden, war es mir egal. Bis zu den zu erwarteten Tag, wo das Spezialteam der Polizei meine Wohnung stürmte und mich vor den gaffenden Augen der Nachbarschaft spektakulär abführte. „Nun haben wir dich, du hast wohl wirklich geglaubt, dass du unsere Ermittler noch ewig täuschen könntest. Das ist nun vorbei.“ Sagte der zuständige Kommissar, auf dem Polizeirevier in einem Verhör. Später in der Gerichtsverhandlung, die sich nicht lange hinzog wegen der erdrückenden Beweislage, predigte der Hauptankläger:“ Schämen sie sich, sie haben genau gewusst was sie da Verkauft haben im Darknet, sie als Doktor der Chemie, sie wussten ganz genau wie tödlich und qualvoll die von ihnen süchtig gemachte Opfer zu Grunde gehen mussten. Und weil sie es so genau wissen, und damit Geldgemacht haben, währen sie bei lebendigen Leib verfault sind, ekeln sie mich an, jawohl sie sind der schlimmste Abschaum und ich hoffe, dass das Gericht es genauso sieht wie ich und, dass sie für sehr lange Zeit hinter Gitter wandern, zum Wohle der Gesellschaft.“Leider hatte das Gericht, dies auch so gesehen, und nun bin ich hier.

Böse Gedanken: Was bin ich nur für ein armer bedauernswerter Tropf, mein Leben hätte so gut sein Können, wenn ich besser aufgepasst hätte. Ist es denn nicht mir vergönnt, dass ich ein Recht auf Luxus und Lifestyle habe? Haben doch andere auch, ja sie erben es von ihren Alten, die haben Glück. Und da ich genau weiß, dass man Reichtum nicht erarbeiten kann, auch wenn man andauernd um die Ohren geschlagen bekommt, wie in Aussagen: „ Du kannst es schaffen,“ oder „Nutze deine Chancen.“ Alles Blödsinn, man kann nur durch Raub, Erben und Betrug reich werden. Da bei mir Erben nicht in Frage kam, da meine Vorfahren alle Säufer wahren, entschied ich mich für den Betrug. Ich habe es diesen Suchties heimgezahlt, ihnen Gift verkauft, woran sie kläglich verreckt sind. Mir steht das Geld doch zu, andere haben es doch auch, ohne sich dafür zu Tode schuften zu müssen. Sie haben eine gute Idee und können diese gut verkaufen. Das ist doch auch gelogen, sie alle, die was erfolgreich aufgebaut haben, hatten reichlich Hilfe aus ihren Seilschaften. Ja ihre Kumpel haben es ja alle dicke und, wenn sie es erst mal geschafft haben, sollen sie auch den Anderen ihre Helfende Hand reichen. Sie kennen sich gut untereinander, sie stehen sich bei, die Seilschaft muss ja halten und Sicherheit bieten. Nur ich darf nicht mitmachen, nur ich soll mich zu Tode arbeiten, weil ich die falschen Vorfahren hatte. Ich habe aber ein Recht auf Wohlstand und Teilhabe, und wenn die Anderen dafür leiden müssen, das ist mir egal, da ich ja nicht das fühlen kann, was sie fühlen. Nur ich, habe die Pflicht mir gegenüber dafür zu sorgen, dass es mir gut geht. Die Anderen gönnen mir auch nichts und würden mir das Wasser abgraben, warum soll ich dann noch zum Wohle andere handeln? Ich bin nicht erlöst, das habe ich endzwischen begriffen, wenn ich das währe hätte ich keinen Existenzkampf gehabt, dann hätte ich alles bekommen was ich wollte. Mangel und Leid sind kein Zustand der Erlösung, die das Christentum durch den Opfertod des Christus verkündet hat. Darum bin ich ein Atheist, der keine Rechenschaft vor Gott hat. Als sie mich damals in der Schule schon gemobbt haben, da kapierte ich, dass ich um mein Heil selbst sorgen musste, ich soll meine Chance ergreifen, um mein eigenes Paradies auf Erden zu errichten, Koste was es wolle.

Bereuen: Nun habe ich diese Chance vertan, hier komme ich bestimmt nicht so schnell weg, und darum ist der kriminelle Weg, zum schnellen Geld, eine böse Sackgasse. Ich habe mich selbst getäuscht und hatte Unrecht. Das Unrecht hat mich zu einem abscheulichen Dasein verdammt. Wenn ich nur auf bestimmte Prinzipien gehört hätte, dann wäre es nicht so gekommen. Ich habe es nicht geschafft mir selbst Heil zu geben, dass hat nur dazu geführt, dass ich selbst Unheil geentet habe. Oh Gott, nur Du gibst Heil und Erlösung, so wie Unheil und Verderben, könntest Du mir je verzeihen, was ich getan habe? Nun weiß ich, dass ich nicht selbst mein Schicksal formen kann, da ich mich noch so sehr hier wegwünsche und es doch nicht umzusetzen ist. Aber eins weiß ich gewiss, ich muss mich Hingeben und die Gnade Gottes anstreben, vielleicht wird Er mir einen Ausweg geben, wenn Er will.