Geist Gottes, 17:85

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

17:85 Und sie fragen dich nach dem Geist. Sag: „Der Geist ist auf Aufgabe von meinem Herrn. Und euch ist gegeben an Wissen nichts, außer in Wenigkeit.“

Geist ist ein uneinheitlich verwendeter Begriff der Philosophie, Theologie, Psychologie und Alltagssprache. Es gibt verschiedene Überlegungen zu diesem Thema. Mehr dazu: Geist – Wikipedia

Vorab: Viele werden sich im Zusammenhang mit diesem Wort stützend auf Vers 17:85 vertreten, dass eine nähere Diskussion unerwünscht ist. Allerdings betrifft 17:85 „l-rūḥu“ und damit m.E. nach Gabriel: Gabriel ist auf Aufgabe Gottes tätig.

Siehe dazu auch: Beide Hände Gottes (38:75; 48:10).

(aA sicherlich vertretbar, u.a. infolge systematischer Auslegung, insbes. mit 17:82)


Ausgehend vom Koran hat der Begriff „Geist“ folgende arabische Wortwurzel rwH.

Die von der Wurzel „rwH“ abgeleiteten Wörter werden in etwa 52 Versen u.a. für folgende Begriffe verwendet:

„Wind“ l-riyāḥi (vgl. 2:164:35), „Gabriel“ l-rūḥu (vgl. 17:85:5), „Duft“ wal-rayḥānu (vgl. 55:12:4), „antreiben“ turīḥūna (vgl. 16:6:5), „Koran“ rūḥan (vgl. 42:52:4), „Wohlbehagen“ rawḥi (vgl. 12:87:10) und „Mut“ rīḥukum (vgl. 8:46:8).

https://corpus.quran.com/qurandictionary.jsp?q=rwH

Im Alten Testament wird rûaḥ (hebräisch: רוח) für „Wind“, „Atem“, „Geist“, „Energie“, „Lebenskraft“ verwendet.

Wie ich bereits im Beitrag Gott hat den Menschen nach seinem Bilde erschaffen? - #6 von sue erläutert habe, bestehen auch Gemeinsamkeiten zum griechisch, philosophischen Wort Nous als der höchste Teil des Geistes, der ein intellektuelles Verständnis und ein intuitives Denken ausdrückt.

Es ist festzustellen, dass im Koran viele Verse über die Schöpfung enthalten sind, die auch in der ursprünglichen Thora in der gleichen Weise enthalten sein müssten, die aber gegenwärtig nicht so vorliegen.

Es ist ebenso festzustellen, dass der Koran die tws. verzerrte Tora richtigstellt, wie wir bereits aus anderen Beiträgen wissen. (Stichwort: Bestätigung durch Richtigstellung) Siehe dazu auch: Glaube an die Bibel - #27 von sue.

In diesem Zusammenhang möchte ich zur Verdeutlichung folgenden Vers zitieren:

32:9 ihn dann ebenmäßig formte und von seinem Geist in ihn blies und euch Ohren, Augen, Herzen machte: Wie wenig seid ihr dankbar!
(Bobzin)

Ich vermute, dass das Wort „aus meinem Geist“ in solchen Versen wie „in seiner Erscheinung“ übersetzt wurde, später wurde möglicherweise dieses Wort als „ähnlich“ übersetzt, so dass dann später vertreten wurde, dass Gott die Menschen „nach seinem eigenen Bild“ geschaffen hat.

Dieser „Gedanke“ wurde sodann als Hadith später auch leider in die „islamische Welt“ eingeführt. Siehe dazu auch: Gott hat den Menschen nach seinem Bilde erschaffen? - #7 von sue

Die Traditionalisten vertreten gestützt auf die Verse 32:7; 32:8; 32:9 die These, dass der Geist im Mutterleib einer Person eingehaucht wird, was aber m.E. nicht überzeugend ist, da diese Verse den allgemeinen Evolutionsprozess der Menschheit beschreiben und nicht die konkrete Erschaffung einer einzelnen Person.

Die Verse 23:12; 23:13; 23:14 hingegen beziehen sich auf die konkrete Erschaffung des Menschen im Mutterleib und beinhalten nicht das Einhauchen des Geistes.

Die Verse 15:28; 15:29; 15:30; 15:31 beschreiben wiederum den Evolutionsprozess. 15:30 verwendet u.a. das Wort sawwaytuhu (vgl. 15:29:2) für das Abgleichen. Der Prozess des Abgleichens erfolgte aber erst nach der Gestaltung khāliqun (vgl. 15:28:6). Ähnlich auch 23:4: „Erschaffung der Himmel und Erde und dann erst die anschließende Gestaltung“. Oder auch: 28:14; 75:38; 82:7.

76:1:11 sagt, dass Adam zu einer erwähnenswerten Person wurde, als er ihm die Namen (m.E. ALLE NAMEN der nachfolgenden Propheten) aufgezählt hatte und die Engel sich FÜR IHN niedergeworfen hatten, so dass er sich im Garten niederlassen konnte (vgl. 2:33-2:35), wo zuvor möglicherweise Iblis gelebt hatte, aber vor dort ausgestoßen wurde. Aufgrund der fehlenden Achtsamkeit (Takwa) musste Adam später diesen Sitz ebenfalls verlassen.

Zuvor lebte Adam ohne einen festen Wohnsitz auf der Erde. (Stichwort: Adam, der Siedler.) Siehe dazu auch: ADAM im Quran - #15 von sue

In Verbindung mit den 15:28; 15:29; 15:30; 15:31 ist folglich herzuleiten, dass das Einhauchen erst in seinem Erwachsenenalter (arg: „Umbildung“ vgl. 7:11; „Prozess der Gestaltung bis zum Erwachsenenalter“, vgl. 18:37, „Urteilskraft“ vgl. 91:7; 91:8) geschehen ist.

39:42 sagt aus, dass im Fall der Tötung das eigene Selbst genommen wird, wobei nach 6:93 der Geist ein Bestandteil im eigenen Selbst ist.

Ausgehend von diesen Mitteilungen sind weiter folgende Überlegungen möglich:

In der modernen Wissenschaft ist unstrittig, dass der präfrontale Bereich des Gehirns den Menschen die Steuerung und Verwaltung kognitiver Prozesse ermöglicht.

Wie vielleicht bekannt organisiert der präfrontale Kortex die von allen Sinnen übertragenen Informationen. Es ist einer der Teile des Gehirns, der im Übrigen vergleichsweise spät zur Reife gelangt. (Stichwort: Regisseur im Gehirn) Siehe dazu auch: Hat Aysha bint Abu Bakr mit neun Jahren mit Prophet Mohammed die Ehe vollzogen? - #2 von sue

Ausgehend von diesen Überlegungen könnte vertreten werden, dass die biologische und Persönlichkeitsentwicklung einer Person im Alter zwischen 12 und 25 Jahren stattfindet. Erst spätestens nach dem 25. Lebensjahr müsste daher die Einsichtsfähigkeit entwickelt worden sein und erst danach würde dann vom Geist Gottes eingehaucht werden.

Ich versuche bewusst den Begriff „Einsichtsfähigkeit“ zu verwenden und nicht die Schuldfähigkeit, weil m.E. die Schuldfähigkeit (zumindest für das Jenseits) erst ab 40 anfängt. Siehe dazu auch: Alter von vierzig Jahren - #17 von sue

6:112 sagt aus, dass ebenso menschliche Teufeln unter den Menschen sind, womit aber dem Grundsatz widersprochen wäre, dass die Engeln sich allen Menschen und damit auch diesen menschlichen Teufeln niederwerfen.

Folglich müsste der eingehauchte Geist Gottes das sein, das einen Mensch reif macht, mithin bei ihm Moral, Bewusstsein, Achtsamkeit und Frömmigkeit begründet. Bildlich beschrieben wäre folglich der Körper die „Hardware“, nafs das „Bios“ und der Geist das „OS (Betriebssystem) und der Teufel wäre das Virus im Betriebssystem“.

Die Aussage „Ich habe ihn von meinem Geist eingehaucht“ würde dann m.E. bedeuten „Ich habe ihn mit meinen göttlichen mentalen Merkmalen geladen (=upload)“.

Zweifellos ist Gott der Wissende und er ist genau wissend.

3 Like

Friede Sue!

Mit deinem Thread hast du uns eine harte Nuss vorgelegt, über die Philosophen und Gelehrte anderer Disziplinen schon seit Jahrhunderten nachgedacht und geschrieben haben. Ich habe ja auch schon mal in meinem Thread „Was bedeutet Fitra?“ versucht, in den Themenkomplex فطرة – نفس – روح Fitra – Nafs – Rūh einzutauchen und bin zu dem vorläufigen Resultat gelangt, dass روح Rūh (der von Allah dem Menschen eingehauchte Geist) der Oberbegriff ist, der sich in فطرة Fitra (ursprünglich auf Allah ausgerichtete Naturanlage) und in نفس Nafs (Seele in der Bedeutung variable Persönlichkeit) aufteilt respektive فطرة und نفس in sich birgt. Ich sage bewusst „vorläufiges“ Ergebnis, weil ich das Gefühl habe, dass ich mir beim „Eintauchen“ lediglich nasse Füße geholt habe. Umso mehr freue ich mich, dass du das Thema روح Rūh erneut aufs Tapet bringst.

Die primäre linguistische Bedeutung von روح Rūh ist Geist im Sinne von Lebensodem und im Sinne von Gegenteil zu Materie, also etwas, was das eigentliche spirituelle Menschenleben und dessen Essenz ausmacht. Im Quran taucht روح Rūh 20 Mal auf, darunter auch in Verbindung mit dem Engel Gabriel. In Verbindung mit Sure 42:52 weist du auch auf die Möglichkeit hin, unter روح Rūh den Quran verstehen zu können. Und im Hinblick auf den „eingehauchten Geist“ schreibst du als Quintessenz deiner Ausführungen: „Folglich müsste der eingehauchte Geist Gottes das sein, das einen Mensch reif macht, mithin bei ihm Moral, Bewusstsein, Achtsamkeit und Frömmigkeit begründet. Bildlich beschrieben wäre folglich der Körper die „Hardware“, nafs das „Bios“ und der Geist das „OS (Betriebssystem) und der Teufel wäre das Virus im Betriebssystem“. Die Aussage „Ich habe ihn von meinem Geist eingehaucht“ würde dann m.E. bedeuten „Ich habe ihn mit meinen göttlichen mentalen Merkmalen geladen (=upload)“.“ Es ist also offensichtlich, dass روح Rūh zu den Begriffen gehört, die ein facettenreiches Bedeutungsspektrum aufweisen, zu dem man jedoch einen Oberbegriff zu finden versuchen könnte.

Dann werde ich also nun mal meine Gedanken dazu uploaden, oder besser gesagt updaten, wobei ich hoffe, dass sich kein Virus ins Betriebssystem einschleicht, und schon gar nicht eine Mutante oder ein Muonkel. Da das in Rede stehende Thema sehr komplex ist und ich deshalb auch ganz bewusst etwas ausschweife, bildet das Nachstehende nur einen Teil meiner Reflexionen und ist noch mindestens ein weiteres „Update“ meinerseits geplant.

In Sure 30:19 heißt es über Allah: „ER bringt das Lebende aus dem Leblosen hervor, und ER bringt das Leblose aus dem Lebenden hervor, und ER belebt die Erde nach deren Zustand des Leblosen, und auf gleiche Weise werdet ihr hervorgebracht werden.“

Die drei zitierten Verse kreisen um das Thema Leben, Tod und Erschaffung, um ein Thema, über das sich Menschen seit Jahrtausenden in verschiedenen Kulturkreisen Gedanken machen. In seiner Unausweichlichkeit ist der Tod jedem Individuum mehr oder weniger bewusst und oft mit Scheu oder sogar Angst besetzt; der Gedanke an ihn kann dem Leben aber auch – insbesondere in Verbindung mit dem Glauben an ein Leben nach dem Tod als einen Übergangsbereich – bewusst einen tieferen Sinn und als Konsequenz der Lebensweise eine bestimmte Ausrichtung geben. In diversen Weltanschauungen finden wir eine teils erstaunlich präzise Vorstellung von einem ewig währenden Leben nach dem Tod mit verschiedenen Bezeichnungen, wie etwa Reich des Osiris oder Ewige Jagdgründe oder Paradies respektive Höllenfeuer. Nicht immer wird mit den Vorstellungen von Erschaffung, Leben und Tod eine persönliche, von religiösen Riten begleitete Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf in Verbindung gebracht. Aristoteles etwas geht bei seinen Gedanken zur Metaphysik davon aus, dass die Zeit einerseits ewig und stetig und andererseits mit etwas Bewegtem verbunden ist, woraus er wiederum folgert, dass es realiter auch etwas Bewegtes geben muss. Er schließt nun weiter, dass alles Seiende dem Entstehen und Vergehen unterworfen ist und sich somit in steter Bewegung befindet und es etwas geben muss, was eben diese stete Bewegung verursacht. Dieser metaphysische Beweger ist dem Verständnis von Aristoteles zufolge ein oberstes ewiges Prinzip als Voraussetzung für alles Seiende. Und schon auf den Vorsokratiker Heraklit geht nach Zitat Platons der berühmte Ausspruch Πάντα ῥεῖ panta rhei, (= „alles fließt“) zurück, weshalb ihn Platon den „Lehrer des Werdens“ bezeichnete. Heraklits Sinnbild ist der Fluss, dessen Wasser ständig wechselt: Wellen schlagen um, neues Wasser fließt hinzu, alles fließt. Dennoch bewahrt der Fluss seine Identität. Dieser Kerngedanke lässt sich auf alles im Kosmos übertragen, insofern als alles, was der menschliche Intellekt erfassen kann, aus „Wellen“ und „Wasserfluten“ besteht, die zu einem vereinten Fluss zusammenfließen. Trotz dieses stetigen Wandels gibt es Heraklits Erkenntnis zufolge kein Chaos, sondern vom göttlichen Logos geregelte Harmonie, wobei er von einem ewigen, göttlichen Feuer spricht.

Dieses ewige, göttliche Feuer und jenes oberste ewige Prinzip des ständigen Bewegens möchte ich als ewig fließende Energiequelle bezeichnen, aus der alles sich im Universum Befindliche gespeist wird. Diese als Schöpfer und Erschaffer und Beweger wirkende manifestierte Energiequelle wird im Islam als eine mit „Allah“ bezeichnete Gottheit verstanden – eine ewige und somit zeitlose Gottheit, die eine alleinige und einzige erschaffende, Leben spendende und Tod verursachende und somit universale ist. Allah ist es, DER des Universums Herrscher ist und somit einen bestimmten, von jeglichem Chaos freien Bewegungsablauf bestimmt. Allah ist es mithin auch, DER Leben spendet und den Zustand des Todes herbeiführt. Und eben über diesen Aspekt des fortwährenden Kommens und Gehens respektive Entstehens und Vergehens spricht der Vers 30:19. Er informiert uns dreimal über diesen Vorgang der ständig fließenden Energie und des ständigen Wechsels – auf jeden Fall quasi ein Perpetuum mobile der Schöpfung, was uns darlegt, dass uns der Quran hier eine universale Information gibt: Πάντα ῥεῖ panta rhei, alles fließt – überall und ewig! Der Quran als zeitloser universaler Leitfaden!

Abdu-l-Qādir as-Sufi spricht in seinem Vorwort zum Totenbuch des Islam von einer siebenfältigen Reise des Menschen und nennt als die sieben Etappen die vorunendliche Zeit, die Welt des Geistigen, das Reich des Mutterschoßes, das Leben im Diesseits, der Tod als Zwischenbereich zwischen Diesseits und Jenseits, die Versammlung der menschlichen Rasse sowie letztendlich in Form des Paradieses oder Höllenfeuers das Jenseits, in dem die Bedeutungs-Wirklichkeit des Selbst erfüllt wird. Das Leben des Menschen beginnt demzufolge nicht mit der dessen Geburt. Ja noch nicht einmal mit der Befruchtung im Mutterleib. Diese biologischen Vorgänge betreffen ausschließlich den körperlichen Aspekt des Menschen. Der Mensch als Geistwesen existiert schon seit der „vorunendlichen Zeit“ und befindet sich dann in der Welt des Geistigen. Der Quran weist im Vers 172 der Sure 7 auf diesen Aspekt hin, wo es heißt: „Und als dein Herr von den Kindern Adams aus deren Rücken deren Nachkommenschaft zog und sie wider sich selbst zu Zeugen nahm: „Bin ICH nicht euer Herr?“ Sie sagten: „O doch, wir bezeugen es!“… Wenn ich also eingangs festgestellt habe, dass روح Rūh als der von Allah dem Menschen eingehauchte Geist der Oberbegriff ist, فطرة Fitra als ursprünglich auf Allah ausgerichtete Naturanlage in sich birgt, dann stelle ich jetzt fest, dass dieser Vers einen Beweis dafür darstellen könnte, dass der geistige Teil des Menschen schon lange vor dessen körperlichen Teil besteht. Geburt ist nicht Beginn, Tod ist nicht Ende. Der Mensch kommt von Allah und kehrt zu IHM zurück. Πάντα ῥεῖ, panta rhei,alles fließt – überall und ewig!

Nicht nur Religionswissenschaftler und Philosophen, sondern auch Wissenschaftler verschiedenster anderer Disziplinen haben sich zu verschiedensten Zeiten mit dem Mysterium Leben beschäftigt. So stellte etwa der russische Forscher Georges Lakhovsky (1870-1942) das Grundprinzip auf, dass jeder lebende Organismus Radiationen aussendet, wobei wir unter Radiation eine sich mit Lichtgeschwindigkeit fortpflanzende Erschütterung des Äthers zu verstehen haben. Wenn wir von der Richtigkeit dieser These ausgehen, lautet die logische Konsequenz daraus, dass es auch eine Quelle für diese Radiationen geben muss, und entsprechend stellt Lakhovsky fest (in: Geheimnis des Lebens, 1971:78): „Jede lebende Zelle verdankt ihr Leben ihrem Kern, der der Sitz von Schwingungen ist und Radiationen aussendet.“ Es gibt auch andere aufgeschlossene Wissenschaftler, die Beobachtungen veröffentlichen, dass immer neue Teilchen aus dem scheinbaren Nichts, aus dem angeblich leeren Raum auftauchen, und diese Erkenntnisse drängen immer mehr zu der Einsicht, dass der leere Raum eben doch nicht leer ist, sondern voll von Energie, die sich durch Einwirbeln zu sogenannten Teilchen verdichten kann. Deshalb sind meines Erachtens Lakhovskys Gedanken auch nicht abwegig, wenn er menschliche Zellkerne mit Energie in Verbindung bringt. Im chinesischen Tai-Chi-System finden wir übrigens ebenfalls den Gedanken der im Menschen befindlichen Energie, wonach es neben Blut- und Nervenbahnen auch Energiebahnen gibt, die aus einem Energiezentrum gespeist werden, das sich in der Körpermitte befindet.

Der Quran beschreibt Allah als den Urheber des ständigen Belebens und Vergehens als Beispiele für die Allmacht Allahs, nicht als Unterstützung der These des mechanistischen Weltbildes respektive des Atomismus oder der bloßen Aufteilung der Natur in belebt und unbelebt. Denn der Quran eröffnet ja selbst die Möglichkeit der lebensenergetischen Interpretation des Universums, die diese Trennung aufhebt und den Kosmos als einen einheitlichen, immensen und lebendigen Organismus mit fließenden Übergängen darstellt – gespeist aus der ewigen Energiequelle Allah. Im Vers 33 in Sure 21 heißt es etwa: … alles schwimmt auf einer sphärischen Umlaufbahn. Und im zweiten Vers der Sure 13 lesen wir: Allah ist es, DER die Himmel in die Höhe steigen ließ – ohne Stützen, die ihr seht; … alles fließt zu einem bestimmten Zeitpunkt… Auf Grund der Erkenntnisse der modernen Astrophysik wissen wir, dass sich alle Gestirne im Kosmos zwar frei bewegen, aber alle miteinander in bestimmten Beziehungen stehen. Von Allah festgelegte Gravitations- und Fliehkräfte sowie Kernkräfte und elektromagnetische Kräfte – die „Stützen“, die das menschliche Auge nicht sehen kann – halten alles im Universum stabil und in Verbindung. Sogar die verschiedenen Galaxien, von denen man mittlerweile Millionen kennt, sind durch bestimmte Materiemassen in Form verdünnter Gase verbunden und halten das ganze System des Universums zusammen. Und alles fließt zu einem bestimmten Zeitpunkt bedeutet, dass sich alle Gestirne bis zu einer von Allah festgelegten Frist auf von Allah festgelegten Umlaufbahnen bewegen: Der Monde unseres Planeten Erde dreht sich um diesen, die Erde dreht sich um die Sonne und das gesamte Sonnensystem dreht sich auf einer Kreisbahn einmal in circa 250 Millionen Jahren um die Milchstraßenachse – mit einer Eigengeschwindigkeit von etwa 17 km/sec., wobei die Sonne gleichzeitig in Richtung Sternbild Herkules wandert. Πάντα ῥεῖ panta rhei, alles fließt – überall und ewig!

Was bewirkt nun dieses überall und ewig stattfindende Fließen?

Kehren wir zurück zum dieser Abhandlung zu Grunde liegenden Quran-Vers 30:19! Nach der Darstellung des von Allah festgelegten Biorhythmus im Universum informiert uns der Quran darüber, dass der erste Mensch aus Staub erschaffen ward – ein Hinweis auf den körperlichen Bestandteil des Menschen, denn wie wir oben schon gesehen haben, gibt es ja auch einen geistigen Teil, der einen Funken aus der Energiequelle Allah darstellt. Dieser Funke des bereits seit Urzeiten existierende Geistes wird dem Menschen eingehaucht (siehe 32:9). Der geistige Teil des Menschen aus der ewigen Ur-Energiequelle Allah und der körperliche Teil aus der Ur-Samenquelle des von Allah aus Staub erschaffenen Urvaters der Menschen! Aus der aus Staub erschaffenen und mit dem von Allah eingehauchten Geist versehenen Ur-Samenquelle sind Milliarden über Milliarden Menschen entstanden, die sich überall auf Erden verbreitet haben – wobei zudem zu berücksichtigen ist, dass sich der Fetus aus dem Millionsten Teil eines Samenfadens entwickelt! Hier zeigen sich in der Tat die erstaunliche Präzision und die alles umfassende Macht und Fähigkeit Allahs in SEINER Schöpfertätigkeit, die dem روح Rūh, der im Quran nur in der Singularform auftaucht, entspringt und wirkt: Πάντα ῥεῖ panta rhei, alles fließt – überall und ewig!

Ich glaube, es gibt nun genug geistige Nahrung zu diesem Thema, die erst einmal verdaut werden muss, weshalb ich hier entsprechend eine Denk- und Schreibpause einlegen möchte.

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

2 Like

Selam @OASE

Wow! Das ist ein sehr wertvolles und zugleich sehr informatives Feedback, wirklich Wahnsinn. Tausend, herzlichen Dank für deine Zeit und Mühe.

Mit solch einer ausführlichen Rückmeldung hatte ich nicht gerechnet. Darüber freue ich mich sehr. Ich habe viel dazugelernt und werde sicher auf einzelne Punkte von Dir nochmals zurückkommen.

Bis dahin wünsche ich uns allen einen tollen Start in die nächste Woche und viel Gesundheit. Liebe Grüße aus Bayern.


Hier übrigens noch der Link für den Beitrag „Was bedeutet Fitra?“, den ich bis jetzt noch nicht kannte: 30:30 - Was bedeutet FITRA?

1 Like

Kinder sind die besten Philosophen wird ja oftmals gesagt. Heute als wir (ich und meine Kleine, acht Jahre) eine Geschichte der Hörspielreihe !!! anhörten, in der u.a. von einem Geist die Rede war, sprach ich sie später auf diesen Begriff an. Sie sagte, dass ein Geist für sie etwas ist, was verloren ist oder verirrt ist und nicht mehr im Körper ist. Auf Frage, wo dann der Geist ist, sagte sie, dass er wieder beim Gott ist, wobei sie den Begriff mit Seele gleichsetzte, wenn es in einem lebenden Körper ist.

Ausgehend von der Grundbedeutung des Wortes „Wind“, könnte womöglich Ruh als etwas beschrieben werden, das im Leibe eines Menschen vermengt ist und fortwährend wie der von dir zitierte Vers 30:19 überall mit der Physis (bspw. in die Blut- und Nervenbahnen; was ein Betätigungsfeld von dem Tai-Chi-System ist) eines Einzelnen verbunden ist, in dem es fortwährend einfließt ( Πάντα ῥεῖ panta rhei , (= „alles fließt“)) und erst bei Tod diese Konnektivität wieder verlässt, um beim Schöpfer und Erschaffer als das zuvor Eingehauchte wieder zurückzukehren. Wie du zutreffend feststellst, der Mensch kommt von Allah und kehrt zu ihm auch wieder zurück. Πάντα ῥεῖ, panta rhei ,alles fließt – überall und ewig!

1 Like