Gibt es Säulen im Koran?


#1

Also wie z.B. die 5 Säulen im Sunnitentum.


#2

@Arbi hatte mal die Theorie von den 10 Geboten des Koran, die auf gesellschaftlicher Ebene umgesetzt werden müssen, bevor man sich um Rituale etc. kümmern sollte als Gottergebener. Dabei folgt er dem Prinzip des “geraden Weges” (aṣ-ṣirāṭ al-mustaqīm), wie in 6:151ff. dargelegt und der Abfolge von den Stufen Gottergebener - Gläubiger - Gütiger (muslim-mu’min-muḥsin).


#3

Naja mal schauen vlt finde ich selbständig etwas heraus… wie z.B. erste säule Gott bezeugen 2. Gute taten vollbringen 3. An den jüngsten tag glauben


#4

Die unten stehenden 3 Säulen beinhalten meines erachtens das Fundment in der Religion.

  1. Gott bezeugen und seinen Buch um überhaupt in die Religion reinzukommen: “Ich bezeuge, dass es keine Gottheit ausser Allah gibt und die Lesung, dass Buch Gottes ist.”

  2. An den jüngsten Tag glauben: Da alles was wir tun und machen werden einen Sinn machen muss

  3. Sinn im Leben: Gute taten vollbringen


#5

Der Quran ist eine universale Botschaft. Der Quran spricht universale Dinge an. Der Quran hat somit universalen Charakter. Er ist geprägt von Weite seiner Botschaft, von Weite seiner Exegese-Möglichkeiten, von Weite seiner Möglichkeiten für den Menschen, zu Erkenntnissen zu gelangen. Ganz abgesehen von der Schönheit seiner Diktion.
Jedes Wort im Quran hat eine Bedeutung, über die es sich lohnt, nachzudenken, will sagen, jedes Wort ist eine “Säule”. Deshalb meine ich, dass wir den Quran nicht in ein Kategorie-Korsett zwängen sollten, sondern uns an seiner geistigen und sprachlichen Schönheit erfreuen und jedes Wort als eine “Säule” betrachten und genießen sollten.


#6

Wunderschön gesagt !


#7

Danke vielmals!:sunglasses:


#8

Also als Erstes muss ich @OASE zustimmen, wenn er sagt, dass der Quran eine universelle Botschaft beinhaltet und universelle Dinge anspricht. Denn das Buch ist ja nicht nur an uns Muslime gerichtet, sondern für alle Menschen, wenn es an vielen Stellen heißt: “o ihr Menschen“. Zweifellos besitzt der Quran auch eine sprachliche Schönheit und beinhaltet auch eine weite Möglichkeit an Interpretationen um zu unterschiedlichen Ergebnissen zu kommen.

Trotzdem besitzt der Quran auch eine praktische Seite, wenn darin von Ge- und.Verboten die Rede ist, um es erstmal allgemein auszudrücken. Wenn wir also von der universellen Botschaft sprechen, wovon sprechen wir dann genau? Worin besteht genau die Universität des Quran, gibt es einen gemeinsamen Nenner, der durch den Quran abgedeckt ist und dem jeder Mensch ungeachtet seiner Religion, Herkunft etc. zustimmen und dafür einstehen würde?

Und das ist das, was ich versuche mit dem geraden Weg deutlich zu machen. Jeder von uns kennt die erste Sure auswendig, in der es heißt: Führe uns den geraden Weg (sirat al-mustaqim). Und was dieser gerade Weg konkret ist, steht in 6:151-153:

Sag: Kommt her! Ich will euch verlesen, was euer Herr euch verboten hat: Ihr sollt Ihm nichts beigesellen, und zu den Eltern gütig sein; und tötet nicht eure Kinder aus Armut - Wir versorgen euch und auch sie; und nähert euch nicht den Abscheulichkeiten, was von ihnen offen und was verborgen ist; und tötet nicht die Seele, die Allah verboten hat (zu töten), außer aus einem rechtmäßigen Grund! Dies hat Er euch anbefohlen, auf daß ihr begreifen möget.
Und nähert euch nicht dem Besitz des Waisenkindes, außer auf die beste Art, bis es seine Vollreife erlangt hat. Und gebt volles Maß und Gewicht in Gerechtigkeit. Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag. Und wenn ihr euer Wort gebt, dann seid gerecht, auch wenn es um einen Verwandten geht. Und haltet euren Bund gegenüber Allah. Dies hat Er euch anbefohlen, auf daß ihr (es) bedenken möget!
Und (Er hat euch anbefohlen:) Dies ist Mein Weg, ein gerader (sirati mustaqiman). So folgt ihm! Und folgt nicht den (anderen) Wegen, damit sie euch nicht von Seinem Weg auseinanderführen! Dies hat Er euch anbefohlen, auf daß ihr gottesfürchtig werden möget!

Und wenn ihr euch diese Gebote im Einzelnen anschaut, so werdet ihr relativ schnell feststellen, dass es sich hierbei um Richtlinen im Zwischenmenschlichen Umgang geht. Hierbei geht es noch nicht ums Beten und Fasten etc. Im Quran finden sich zudem weitere Erklärungen, Detaillierungen und Beispiele, an denen diese Gebote noch einmal näher verdeutlicht werden.

Ich möchte nochmal betonen, dass ich es nicht auf diese zehn Gebote reduzieren möchte und alles andere für nichtig erkläre. Es geht hier vielmehr um eine allgemeine Basis für den Umgang miteinander ungeachtet seiner Religion, Herkunft, Weltanschauung etc., welches meines Erachtens durch den geraden Weg im Groben abgedeckt ist. Und das ist meines Erachtens das, was mit der Universalität des Quran gemeint ist, denn niemand würde in Frage stellen, dass man jemanden nicht töten darf oder dass man gütig zu seiner Familie sein soll usw., weder hier in Deutschland, noch in Japan, Mexiko, Ghana oder sonst wo. Stichwort: natürliche Veranlagung des Menschen (Fitra).

Somit gibt es zwei Möglichkeiten diese Gebote umzusetzen, die individuelle und die gemeinschaftliche Ebene.

So kann jeder von uns im Privaten wie auch in seinem sozialen Umfeld schauen, in wieweit diese bereits umgesetzt sind und inwiefern Handlungsbedarf besteht.

In diesem Kontext möchte ich betonen, dass ich keinesfalls die rituellen Angelegenheiten degradieren oder für unwichtig erklären möchte. Denn die Spiritualität ist der Motor jedes Handelns. Vielmehr möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass man sich nicht auf Rituale allein beschränken darf, und somit den sozialen Aspekt der Gottergebenheit außer Acht lässt.

Auf gesellschaftlicher Ebene bietet sich die Möglichkeit, sich zusammen zu tun, mit dem selben Ziel im Kopf versuchen, den geraden Weg zu befolgen und somit einen Schritt zu tun, die Lebensordnung Gottes auf Erden zu realisieren (Verein). Auch hier sind weitreichende Anstrengungen nötig um festzustellen, welche Problem- und Aufgabenstellung auf dem Weg zum Ziel gibt, die es dann zu bewältigen gilt. Der Vorteil hierbei liegt in der Kompetenzbündelung und in der Abdeckung weiter Teile des sozialen, kulturellen und religiösen Lebensbereichs.

All meinen Erklärungen liegt ein bestimmtes Verständnis vom Koran zugrunde, was bei Bedarf gerne an anderer Stelle ausgeführt werden kann.

Sollte es Anmerkungen, Fragen, Kritik oder sonstiges an dieser Idee geben, könnt ihr diese gerne an dieser Stelle kundtun. Ebenso falls bestimmte Aspekte fehlen und ihr diese vervollständigen möchtet.

Jetzt ist mein Beitrag doch etwas länger geworden, ich hoffe ihr seht es mir nach, wenn ihr ein bisschen Zeit in dessen Lektüre aufwenden müsst. :slight_smile:


#9

Lieber Arbi,
vielen Dank für deine ausführliche Darlegung!
Ja, worin besteht die Universalität des Quran?
Ich verstehe darunter, dass sie nicht nur das Anreden aller Geschöpfe betrifft und auch nicht nur die rituellen Handlungen, sondern auch die von dir zu Recht genannten zivilrechtlichen oder ganz allgemein die zwischenmenschlichen Handlungen schlechthin. Du hast zum Beispiel aus dem Quran zitiert, dass wir gerecht sein sollen. Auch hierbei sollen wir universell denken:
Wir sollen gerecht gegenüber unseren Mitmenschen sein, handle es sich dabei um Eltern, Kinder, Lebenspartner, Verwandte oder wildfremde Menschen, ja sogar Menschen, die wir nicht mögen.
Wir sollen gerecht sein gegenüber Tieren (Pflege, Versorgung, Beschäftigung).
Wir sollen gerecht sein gegenüber Pflanzen (Pflege, Umweltschutz).
Und wir sollen auch gerecht gegenüber uns selbst sein: Auch unser Körper hat Rechte, die zu wahren wir verpflichtet sind.
Das ist nur ein Beispiel. Wir können alle Gebote und Verbote und rituellen Handlungen und sogar die wissenschaftliche Dinge enthaltenden Verse universell betrachten.
Deshalb bin ich zu dem Schluss gekommen, dass eine Kategorisierung nicht nur nicht sinnvoll ist, sondern auch ganz einfach nicht möglich. Ganz zu schweigen von einer Gewichtung innerhalb der Kategorien.
Vielleicht steckt ja auch dahinter, dass die Gebote und Verbote und sonstigen Informationen nicht hintereinander aufgelistet sind, sondern im Quran verstreut sind und manchmal mehrmals in verschiedenen Kontexten auftauchen, eine besondere Weisheit Allahs: nämlich eben der universelle Charakter der Quran.
Und Allah weiß es am besten!


#10

Lieber Bruder, ich stimme mit dem meisten deiner Aussagen überein. Auch hinsichtlich des von dir genannten Beispiels mit der Gerechtigkeit. Denn das, was Gottergebene auszeichnet, ist Achtsamkeit (Taqwa) gegenüber alles und jedem hinsichtlich seiner Bestimmungen. Im Endeffekt sind deine und meine Position nicht ganz so verschieden.

Ich versuche hierbei einen konkreten Leitfaden zu finden aus dem Koran, der uns entlang führt, sodass man irgendwann sGw einen Punkt erreichen kann, wo es heißt: “die Gottergebenen sind gerecht, weise, hilfsbereit, usw glauben dabei nur an Gott, dem einzig wahren Schöpfer“. Stichwort: Identität. In Zeiten, in dem der Islam von überall in Kreuzfeuer gestellt wird.

Und meines Erachtens liefert uns der Koran dafür viele Hinweise, die wir zu nutzen wissen müssen mithilfe der Methodik des Tertil:

25:32
Und diejenigen, die ungläubig sind, sagen: “O würde ihm doch der Qur’an als Ganzes offenbart!” So (geschieht es aber), damit Wir dein Herz mit ihm festigen. Und Wir haben ihn wohlgeordnet (Tertil) vorgetragen.

Es ist also in dem Sinne keine Kategorisierung in wichtig oder unwichtig, sondern es geht um Prioritäten und darum, welche Hindernisse es auf dem Weg gibt.

Ziel ist:

3:104
Und es soll aus euch eine Gemeinschaft werden, die zum Guten aufruft, das Rechte gebietet und das Verwerfliche verbietet. Jene sind es, denen es wohl ergeht.


#11

Es geht dir um Prioritäten und Beseitigung von Hindernissen. Das ist an sich lobenswert, ja sogar erstrebenswert. Nur denke ich, dass es schwierig sein wird, einen für alle gültigen Leitfaden zu finden, da ja die Probleme und Hindernisse in jeder Gesellschaft verschieden sind und deshalb auch verschiedene Prioritäten und Lösungsansätze brauchen. Wenn ich in diesem Zusammenhang noch einmal auf die Universalität des Quran zurückkomme, können wir vielleicht sagen, dass es Prioritäten und Leitfäden geben soll, die aber je nach Gegebenheiten unterschiedlich ausfallen können und vielleicht auch müssen.
Jedenfalls vielen Dank für deine Bemühungen und viel Erfolg! Ich werde mal auch weiter über deine Anregung nachdenken.:slightly_smiling_face:


#12

Genauso sehe ich das auch, in der Vielfalt liegt vielleicht auch die Lösung. Darin liegt aber auch die Herausforderung. Es geht nicht um Ziel an sich, was wir unbedingt erreichen sollen, sondern eher nach dem Motto: der Weg ist das Ziel. Allein dafür sind wir verantwortlich.

4:124
Wer aber, sei es Mann oder Frau, etwas an rechtschaffenden Werken tut, und dabei gläubig ist, jene werden in den (Paradies)garten eingehen, und es wird ihnen nicht ein Dattelkerngrübchen Unrecht zugefügt.

In diesem Sinne auch von mir vielen Dank und bin gespannt über weitere Anmerkungen deinerseits


#14

Erdinc abi geh mal kirchen besuchen du :joy:


#15

„Der Weg ist das Ziel.“
Ja, das finden wir in der ersten Sure in den Worten „Führe uns den Weg, den geraden!“
Unter „gerade“ kann man Vieles verstehen, ohne dass das Eine das Andere ausschließt (was ja mal wieder prima zum Thema Universalität passt).
Es kann der Weg der Geradlinigkeit im Charakter und im Handeln sein. Es kann die Geradlinigkeit der Religion, hier also des Islam, sein. Einige meinen, es handle sich um den Quran, denn wer dem Quran folgt, der praktiziert ja den Islam und befindet sich somit auf dem Weg der Wahrheit.
Interessant ist meines Erachtens, dass es im Vers heißt „Führe uns den Weg…“ und nicht „Führe uns auf den Weg…“. Das lässt mich den Schluss ziehen, dass hier derjenige angesprochen wird, der sich schon auf dem geraden Weg befindet, aber aus eigener Kraft und ohne die Hilfe Allahs nicht auf diesem Weg zu bleiben vermag. Gestützt wird dies dadurch, dass es im vorangehenden Vers heißt „… und nur Dich bitten wir um Hilfe“. Der Quran-Exeget Az-Zamachscharī weist darauf hin, dass hier auch gemeint sein kann, dass Allah uns die Führung mehren möge, dass wir also nicht auf dem Weg stehen bleiben, sondern immer weiter geführt werden und immer weiter gehen und dabei gefestigt werden. Den Aspekt der Festigung erwähnt auch Ibn Arabī in seiner Exegese.
Im Hinblick auf die Formulierung „ihdinā / führe uns“ möchte ich übrigens noch anmerken, dass das arabische Wort „hidāya“ die gleiche Sprachwurzel wie das arabisch Wort für „Geschenk“ hat, nämlich „hadīya“.
Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren, könne wir also Folgendes sagen: „Ja, der Weg ist das Ziel, aber wir dürfen dieses Ziel, das ein sehr langer Weg ist, niemals aus den Augen verlieren, damit wir nicht Gefahr laufen, fehlzugehen und uns dadurch den Zorn Allahs zuzuziehen, und wir müssen uns um eine stetige Festigung und Weiterentwicklung auf diesem Weg bemühen.“
Und damit hast du wiederum einen universalen Leitfaden.:slightly_smiling_face:


#16

Ich übersetze “sirata’l mustaqim” ja gern mit “aufrechter Weg”, da QUM ja mit (aufrecht) stehen zu tun hat und das für mich deutlicher ist als “gerader Weg”.


#17

Ich bevorzuge “gerade” deshalb, weil es nicht nur die “aufrechte” und redliche Haltung abdeckt, sondern darüber hinaus auch das Gegenteil von krumm beinhaltet. Und der Islam ist ja in diesem Sinn auch ein gerader Weg, überschaubar, mit einer klaren Richtung und ohne unnötige Beschwernis. Ich finde “gerade” also umfassender.


#18

@Regine im Prinzip hast du auch recht, denn der Wortstamm mit QUM hat was mit aufrechtstehen zu tun. Man sagt ja mit dem Imperativ “Qum“ deshalb ja auch “steh auf“ (wie zB in 73:2). Das Wort “mustaqim“ von “sirat al-mustaqim“ kommt aber vom Verb “istaqama“, ist also eine der Erweiterungen vom Stamm QUM, und es geht folglich eher in die Richtung “etwas dauerhaft aufrecht/gerade machen bzw. dauerhaft aufrecht/gerade sein“. Gott weiß es am besten.

Ansonsten stimme ich @OASE zu bzgl. des Wortes Mustaqim und seinem Beitrag davor.