Glaube an die Bibel

Friede se mit euch
Ich habe mich in letzter Zeit ein wenig mit der Bibel beschäftigt und fragte mich dann, wieviel von der Bibel authentisch von Gott und welche Teile erfunden sind. Am Anfang dachte ich, dass ein Gottergebener nur den Evangelien folgen darf. Doch im Matthäus Evangelium wir die Wiederkunft Jesu thematisiert, was ein Wiederspruch zum Koran ist. Auch fragte ich mich ob die Psalme authentisch sind.
Auf hilfreiche Antworten freue ich mich und wünsche euch eine schöne Zeit.
Selam

Friede Np07!

Wie bei den meisten Termini technici kommt es darauf an, was man unter dem jeweiligen Fachbegriff oder Namen versteht.

Das arabische Wort إنجيل Indschīl kommt im Quran mehrmals vor. Erklärt wird es im Quran als eine Offenbarung von Allah an Seinen Gesandten Jesus. Es handelt sich also um eine Offenbarung mit dem Namen إنجيل Indschīl, wobei dieses Wort laut arabischem Wörterbuch

البشارة او الخبرالمفرح

Al-bischā ra au al-khabar al-fufrih

gute Botschaft oder erfreuliche Nachricht

bedeutet, also Evangelium, was wiederum ursprünglich ein griechisches Wort ist.

Diese als إنجيل Indschīl bezeichnete frohe Botschaft besteht gemäß Quran aus der an Jesus gesandten Offenbarung.

Was uns in der Bibel präsentiert wird, sind aber vier Evangelien, die nach arabischem Wörterbuch und auch in der in Arabisch verfassten Bibel als العهد الجديد ´ahd al-dschadīd bezeichnet werden, also als Neues Testament. Diese vier Evangelien, die zwischen 50 und 100 Jahren nach dem Leben Jesu von den vier sogenannten Evangelisten Matthäus, Lukas, Markus und Johannes verfasst wurden und in Länge und Inhalt unterschiedlich sind, enthalten die Geschichte des Lebens und Wirkens Jesu und werden im Quran nicht erwähnt. Für mich ist klar, dass es sich bei diesen vier unterschiedlichen Lebensgeschichten nicht um die ursprüngliche Offenbarung Allahs handeln kann. Bemerkenswert an dieser Stelle ist, dass das sogenannte Thomas-Evangelium, das von den christlichen Kirchen nicht anerkannt wird, nur Aussprüche Jesu enthält, und zwar 114 an der Zahl und deshalb meines Erachtens eher als Evangelium im Sinne des Quran angesehen werden kann.

Salaam! Schalom! Friede!

Gunnar :green_heart:

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Selam Leute​:grin::heart:

Dieses Thema Rattert gerade auch Seit geraumer Zeit durch meinem Kopf. Was mich nicht loslässt ist, dass den Evangelien vom „Menschensohn“ gesprochen wird, diese Jedoch im Koran Strikt verneint wird.

Demnach: Ist eine Schrift Gültig, die so etwas Fundamentales im Koran wiederspricht, Gültig?

Salaam und Shalom Besi! :heart:

Der Begriff „Menschensohn“ erscheint in der Bibel nicht nur in Verbindung mit Jesus, sondern beispielsweise wird auch der Prophet Hesekiel mehrmals mit „Menschensohn“ angesprochen, wie etwa Hesekiel 2:1 oder 8:5. Im Aramäischen respektive im Hebräischen (Ben Adam/wörtlich: Sohn Adams) ist dies eine Bezeichnung für irgendeinen einzelnen Menschen. Deshalb hat man besonders in der Zeit des Humanismus die Eigenbezeichnung Jesu als Menschensohn in den Evangelien als eine Umschreibung für das Personalpronomen „ich“ interpretiert. Dieser Deutung folgen meines Wissens auch heutige Theologen. In diesem Sinne können wir also nicht von einem Widerspruch zum Quran sprechen, wobei ich jedoch daran erinnern möchte, dass ich die vier von den christlichen Kirchen präsentierten Evangelien sowieso nicht als Offenbarung Allahs betrachte.

Im Übrigen finden wir ja den dem hebräischen Begriff Ben Adam im Arabischen entsprechenden Ausdruck Banu Adam auch im Quran als Bezeichnung für das Menschengeschlecht allgemein, wo also jeder einzelne Mensch angesprochen wird. Beispiele hierfür sind 7:26,27,31,35 und 36:60. Der Begriff wird von arabisch Sprechenden auch im Singular (Ibn Adam) als Anrede benutzt, was man dann im Deutschen mit „Mensch!“ oder „Menschenskind!“ übersetzen könnte.

Was nun aber deine generelle Frage „Ist eine Schrift gültig, die so etwas Fundamentalem im Koran widerspricht, gültig?“ betrifft, so lautet meine Antwort: Jein! :slightly_smiling_face:

Generell: Nein!

Speziell: Ja!

Will sagen, wenn Aussagen im Alten Testament und in den Evangelien dem Quran nicht widersprechen oder im Quran nicht vorhanden sind, seinem Geist aber nicht widersprechen, dann kann man sie als Muslim auch als gültig bezeichnen. Nur Aussagen, die dem Quran eindeutig widersprechen, sind aus der Sicht eines Muslims als nicht gültig zu betrachten.

Salaam! Shalom! Friede!
Gunnar :green_heart:

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Selam Gunnar​:grin::heart:

Sorry, Ich hab da was Verwechselt bezüglich „Menschensohn“.:sweat_smile: Aber Gott wird im Evangelium tatsächlich „Vater“ genannt.

Es ist klar dass es gewisse Unterschiede in den Schriften gibt (wie z.B. die Bestrafung für Unzucht). Aber Gott…:

Er hat sich keinen Sohn zu sich Genommen

Noch hat er einen Anteilshaber an seiner Macht

Noch hat er einen Schutzherrn zu sich genommen

Wobei auch die Frage gestellt werden sollte, wieviel Prozent (geschätzt) im Widerspruch zum Koran steht. Meines Erachtens ist mehr als 80% nicht im Widerspruch, die im Lichte des Korans auch schnell festgestellt werden können.

Aus meiner Sicht auch wichtig die Gründung der heute bestehenden Christentums durch den „Buhari“ der Christen.

Wer ist denn deiner Meinung nach der Buhari der Christen? Vielleicht ein gewisser Paulus? :thinking:

Richtig. Paulus, der Schöpfer des Christentums, in theologischer, aber auch in organisatorischer Hinsicht. Von ihm stammen die ältesten Zeugnisse des Glaubens. Viele Briefe des Neuen Testaments werden auch ihm zugeschrieben. Er hat die Person Jesu, für die Gründung seiner neuen Religion vereinnahmt. (Minderheiten wie bspw die Eboniten, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Ebioniten konnten sich nicht gegen ihn durchsetzen.)

In Johannes 20, 17 sehen wir bspw., dass Jesus lehrte, dass er weder Gott, noch der Sohn Gottes ist. Trotz der polytheistischen Lehre der Paulinischen Kirche, die einen Gott in einen fiktiven dreieinigen Gott mit widersprüchlichen multiplen Persönlichkeiten verwandelte, sind die Evangelien voller Verse, in denen die Gottheit Jesu abgelehnt wird. Siehe Johannes 5, 30; Johannes 7, 16; Johannes 7, 28-29; Johannes 12, 44-45; Markus 12, 29; Matthäus 7, 21.

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