Heirat Muslima mit Christ/ Katholisch


#1

Ich möchte gerne wissen, ob es unter euch Muslimas welche gibt, die mit einem Christen verheiratet sind?
Muss der Christ unbedingt den Islam annehmen? Was schreibt der Koran dazu? kann auch jeder seinen Glauben bei behalten?
Ich glaube das die heutigen Lebensweisen und die vor 1400 Jahren so sehr abweichen, ob die Sure, wo es steht das eine Gläubige Muslima keinen Christen heiraten darf, keine Gültigkeit mehr in dem Sinne hat.
Mich persönlich betrifft das Thema sehr, weil meine Tochter einen Christen sich zum Mann ausgesucht hat. Mich macht das Ganze sehr, sehr traurig, weil ich sehr gläubig bin. Deshalb möchte ich sehr viele Informationen und bin euch dankbar für eure Antworten.


#2

Salaam!

Im Koran heißt es in Sure 2:221, dass eine Muslimin keinen “Muschrik” heiraten darf, bevor dieser nicht den Islam annimmt. Wer ein “Muschrik” ist, wird im Koran in Sure 9:30-31 erläutert; demzufolge fallen unter den Begriff “Muschrik” auch Juden und Christen. Das heißt also, dass deine Tochter den von ihr ausgesuchten Mann solange nicht heiraten darf, wie dieser Christ ist und Jesus als Gottes Sohn und Teil der Trinität betrachtet.

Allah ist der Barmherzigste der Barmherzigen und will für die IHN allein anbetend Dienenden nur das Beste und das Angenehme. Wenn ER also trotzdem das in 2:221 erwähnte Verbot ausspricht, dann muss das einen besonderen Grund haben, den letztlich nur Allah in SEINER allumfassenden Weisheit kennt. Ein möglicher Grund könnte jedoch sein, dass Allah damit die muslimische Familie schützen will. Denn der Vater gilt ja als der für die Familie Hauptverantwortliche und hat gegenüber seiner Ehefrau gewisse Rechte, zu denen es auch gehört, dass er bestimmt, dass die Kinder islamisch erzogen werden. Das ist natürlich bei einem “Muschrik”-Vater nicht gewährleistet.
Und Allah weiß es am besten!

Die einzige Möglichkeit, das Problem zu lösen, sehe ich darin, dass deine Tochter und vielleicht auch du mit dem “Auserwählten” über den Islam sprecht und ihn mit klugen und schönen Worten dazu einladet, den Islam anzunehmen. Vielleicht kann er mit uns in diesem Forum auch zusammen über den Islam diskutieren.:thinking:

Im Übrigen möchte ich noch darauf hinweisen, dass im Zusammenhang mit den Anordnungen Allahs im Koran die heutigen Lebensweisen kein Grund sind, eben diese Anordnungen in Frage zu stellen, denn die Anweisungen Allahs sind nicht zeitlich begrenzt respektive befristet.

In diesem Sinne alles Gute! Möge Allah euch bei all euren Problemen helfen!

Salaam!


#3

Frieden @Leyla, Bezeichnungen sind diesbezüglich nicht wichtig. Viel wichtiger ist die innere Einstellung laut der Lesung (“Koran”). Ich hatte letzten Freitag die Ehre, eine Gottergebene (“Muslima”) mit einem Christen zu trauen, ohne dass der Christ konvertieren muss.

Man kann nicht pauschal von “Christen” oder “Juden” sprechen, da nach 2:62, 5:69 und 3:113-114 bspw. differenziert werden muss. Es gibt noch mehr Verse. Bezeichnungen sind in erster Linie kulturelle Erscheinungen.

Wie @OASE richtig daran erinnert, muss man dabei schauen, ob mein Gegenüber eine “beigesellende” Person darstellt oder nicht.


#4

Ich möchte noch hinzufügen, daß es unter den sich als Muslime bezeichnenden auch Beigeseller geben kann (die dann wiederum andere Beigeseller heiraten dürfen).

Daß der Mann der hauptverantwortliche der Familie ist und bestimmt, in welcher Religion die Kinder erzogen werden, mag für manche Gesellschaften immer noch zutreffen, ist aber sicher nicht Bestandteil des Islam, und ich würde das für mich nicht so leben wollen. Und wenn das wegfällt, gibt es auch keinen Grund mehr für die Ungleichbehandlung, die postuliert wird, wenn muslimische Männer Christinnen oder Jüdinnen heiraten dürfen, muslimische Frauen aber keine Christen oder Juden (die traditionelle Interpretation von 5:5).

Ich kenne im übrigen viele Christen, die Jesus keineswegs für Gottes Sohn halten und auch die Sünden-Theorie der Kirche nicht teilen und trotzdem nicht zum islam konvertieren wollen. Dafür besteht meiner Meinung nach auch gar keine Notwendigkeit, da es nicht auf äußere Zugehörigkeit ankommt, sondern darauf, was im Herzen ist.

Ich denke, das wichtigste in einer Partnerschaft ist gegenseitiger Respekt.


#5

Salaam, Kerem,

dein Hinweis auf 2:62 usw. ist sehr nützlich und er unterstützt meinen Hinweis, dass ein wichtiger Punkt der absolute Monotheismus ist, dass man also an Allah als die alleinige Gottheit im Sinne des absoluten Eins-Seins glaubt. Deshalb wird ja eben in 2:221 von “Muschrik” gesprochen und nicht von Juden und Christen, weshalb ich auch gesagt habe, dass eine Muslimin einen Mann nicht heiraten darf, solange dieser Jesus als Gottes Sohn und Teil der Trinität betrachtet und sich in diesem Sinne als Christ bezeichnet.

Mein Rat an die Fragestellerin, mit dem Mann über den Islam zu sprechen, ist also dahingehend gemeint, dass man mit ihm über den Tauhid einerseits und über die Trinität andererseits spricht. Insofern hast du auch Recht, wenn du sagst, dass eine Muslimin einen Christen heiraten darf, wenn dieser kein “Muschrik” ist, also nicht an die Trinität glaubt.
Salaam!


#6

Selam,
erst mal Danke für eure Antworten.

@Kerem
Du hast geschrieben, das der Mann nicht zwangsläufig zum Islam übertreten musst und beide trotzdem heiraten dürfen.
Aber ich gehe schon weiter in die Zukunft und denke an deren Kinder. Welchen Glauben wird das Kind dann haben?
Wenn der Mann Moslem ist, wird das Kind automatisch als Moslem geboren. Aber so
werden ja beide ihren Glauben behalten und wie sollte das Kind dann erzogen werden? Ich als Gläubige Mama mache mir deshalb große Sorgen, denn ich werde vor Allah Rechenschaft ablegen müssen warum ich meine Kinder nicht entsprechend unserem Glauben groß gezogen habe. Sonst hätten sie sich nicht einen Partner eines anderen Glaubens ausgesucht. Wie ihr seht, bin ich sehr im Zwiespalt mit mir selber und mache mir Vorwürfe. Könnt ihr mir helfen, all diese selbstzweifel los zu werden?


#7

Salaam,

es ehrt dich, dass du dir große Sorgen machst und an deine Tochter und deren zukünftigen Kinder denkst. Ich finde auch, dass dies ein sehr wichtiger Aspekt ist. Aber gerade weil du dir große Sorgen machst und nach einer Lösung suchst, brauchst du dir doch keine Vorwürfe zu machen!

Ich bin weiterhin der Meinung, dass du das Gespräch mit dem “Auserwählten” suchen solltest - zusammen mit deiner Tochter. Erkläre ihm deine Sorgen und sieh, wie er darauf reagiert! Und versuche in diesem Gespräch herauszufinden, was er denn darunter versteht, “Christ” zu sein. Wenn er die Trinität nicht akzeptiert, ist er auch kein “Muschrik”, und es ist einer Muslimin lediglich verboten, einen “Muschrik” zu heiraten.

Ich hoffe, ein wenig geholfen zu haben, und wünsche dir bei deinen Bemühungen viel Erfolg und Allahs Segen!

Salaam!


#8

Salam Leyla,
ich kenne ein Paar, wo sie Muslima ist und er Christ. Sie haben zwei entzückende Mädchen, das zweite vor ein paar Monaten gebren. In der Familie werden die Feste beider Religionen gefeiert, die Kinder bekommen doppelt Geschenke :slight_smile:
Ich denke, es ist wichtig, zu unterscheiden zwischen den Traditionen, wo man einfach beide übermitteln kann, und den Inhalten, die sich ja gar nicht so stark unterscheiden. Neben den Werten wie Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit halte ich es für wichtig, das Gottvertrauen zu vermitteln, die Sicherheit, daß da etwas/jemand ist, worauf man sich immer verlassen kann. Dafür dankbar zu sein. Meine katholische Mutter hat mir zwar die Werte, aber leider nicht dieses Gottvertrauen vermittelt, was ich schade finde. Wenn der Mann nicht darauf besteht, daß die Kinder zu Jesus beten (was m.M. heute nur noch in sehr fundamentalistischen Kreisen geschieht), sehe ich da kein Problem. Wenn die Kinder älter sind und theologische Fragen verstehen (und auch damit umgehen können, daß die Eltern verschiedene Meinungen haben), können ja beide ihre Ansichten darlegen. Im übrigen wundert mich immer, wenn gesagt wird, die Kinder hätten automatisch die Religion des Vaters, da oft immer noch die Mutter viel präsenter in der Kindererziehung ist und daher auch viel prägender. Abgesehen davon sehe ich Muslimsein eben nicht als etwas, was durch Geburt erworben wird, sondern als innere Haltung.


#9

Danke Regine für deine aufrichtigen Worte, das erleichtert mich ein wenig.
Im Grunde denke ich genauso und es auch richtig so. Und trotzdessen macht man sich viele Gedanken um das Glück und Wohl der eigenen Kinder. Ich bin nun an einem Punkt angekommen, das ich sagen kann, das ich alles in meiner Macht stehende für meine Kinder getan habe und sie nun alt genug sind, den für sie richtigen Weg zu gehen. Um mir das einzugestehen, habe ich mich von meinen Träumen, Hoffnungen und auch Traditionen Abschied genommen.
Z. B. Was auch Hochzeit usw angeht.
Ich werde abwarten was die Zukunft für uns alle bringt und außer “Hayirlisi olsun”
Und Allah weiß es besser kann ich nichts tun.


#10

Eine Frage habe ich noch an alle.
Kommt jemand von euch aus Hamburg?
So das man sich treffen und austauschen kann. Slm


#11

@Leyla Frieden.
Wo die Liebe einen Menschen trifft, kann nie jemand wissen oder voraussehen. Muslim ( Gottergeben ) kann jeder Mensch auf Erden sein. Egal ob Jude, Christ oder Islam. Für mich persönlich sind das nur Titel oder Überschriften. Gottergebenheit ist das wichtigste. Aber ich denke das es viel wichtigere Dinge gibt, als das eine Muslimin ein Christen heiraten will. Ich glaube auch das vieles vorbestimmt ist, so auch die Ehe. Man kann mit dem zukünftigen mit Sicherheit über Gottergebenheit reden. Solange er an Gott glaubt und ein guter Mensch ist, spielt es keine Rolle welchen Titel er trägt. Das ist meine Meinung. GOTT der Allvergebende und Barmherzige weiß es am besten