Hören in der Hölle

Salaam,

Vielleicht kann mich jemand von euch über etwas aufklären. Wir finden in der Sure 21 Vers 100 den Hinweis, dass die Höllenbewohner in der Hölle nichts hören können. Widerum werden Konversationen in der Hölle geführt, teils mit den Wächtern, teils mit den Paradiesbewohnern. Ist es vielleicht so, dass sie erst anfangs hören werden und dann schließlich nichts mehr hören vielleicht?
Bin dankbar über eine netten Austausch

Ahmet

Salaam, Ahmet,

zu den „Konversationen in der Hölle“ hast du doch sicher mindestens einen Vers oder vielleicht sogar mehrere bereit - oder? :thinking:

Was das Hören betrifft, so gibt es ja Ähnliches auch im Diesseits bei denen, die den Glauben nicht verinnerlichen. Siehe etwa Sure 2 Vers 7 , wo es heißt: „Unzugänglich gemacht hat Allah ihre Herzen und ihr Gehör, und über ihrem Augenlicht ist ein Schleier …“.

Salaam
Gunnar :green_heart:

„Fast möchte sie bersten vor Wut. Sooft eine Schar hineingeworfen wird, werden ihre Wächter sie fragen: „Ist denn kein Warner zu euch gekommen?“ Sie werden sagen: "Doch, sicherlich, es kam ein Warner zu uns, aber wir leugneten es und sagten: „Gott hat nichts herab gesandt; ihr befindet euch bloß in einem großen Irrtum.“ Und sie werden (weiter) sagen: „Hätten wir nur zugehört oder Verstand gehabt, wären wir nicht unter den Bewohnern des flammenden Feuers gewesen.“ (Quran 67:8-10)

„Und die im Feuer werden zu den Wächtern der Ǧahannam sagen: „Bittet euren Herrn, dass Er uns einen Tag von der Strafe erlasse.“ Sie werden sprechen: „Kamen nicht eure Gesandten mit klaren Beweisen zu euch?“ Jene werden sagen: „Doch.“ (Die Wächter) werden sprechen: „So fahret fort zu bitten.“ … (Quran 40:49-50)

„Ein jeder wird für das aufkommen, was er vorausgeschickt hat ausgenommen die von der Rechten die einander in Gärten fragen nach den Schuldigen „Was hat euch in Saqar gebracht?“ Sie sagen: „Wir waren nicht bei denen die beteten noch speisten wir die Armen. Und wir ließen uns ein im Geschwätz mit den Schwätzern. Und wir pflegten den Tag des Gerichts zu leugnen bis der Tod uns ereilte.“ (Quran 74:40-47)

„Und die Bewohner des Paradieses rufen den Bewohnern der Hölle zu: „Seht, wir haben als Wahrheit vorgefunden, was unser Herr uns verhieß. Habt ihr auch als Wahrheit vorgefunden, was euer Herr (euch) verhieß?“ Jene sagen: „Ja.“…" (Quran 7:44)

„Und die Bewohner des Feuers rufen den Bewohnern des Paradieses zu: „Gießt etwas Wasser über uns aus oder etwas von dem, was Gott euch gegeben hat.“ Sie sagen: „Wahrlich, Gott hat beides den Ungläubigen verwehrt.“ (Quran 7: 50)

Und sie wenden sich aneinander und fragen sich gegenseitig. Sie werden sagen: „Wahrlich, ihr pflegtet von rechts zu uns zu kommen.“ Jene werden antworten: „Nein, ihr waret selbst keine Gläubigen. Und wir hatten keine Macht über euch; ihr aber waret ein gewalttätiges Volk. Nun hat sich das Wort unseres Herrn gegen uns erfüllt. Wir werden gewiss (die Strafe) kosten müssen. Und wir verführten euch, weil wir selbst Irrende waren.“ (Quran 37:27-32)

Das Hören bei 21:100 scheint nicht physisch gemeint zu sein. Könnte dies vielleicht eher sowas wie „gehorchen“ gemeint sein?

Habe gerade bei corpus quran nachgeschaut. Das Wort yasmaʿūna bedeutet echt „hören“ :thinking:

Ich habe einen Übersetzer gefunden, der es folgender Maßen übersetzt, was mir persönlich auch sinnvoller erscheint:

Muhammad Sarwar : They will groan in pain therein, but no one will listen to them.

Ihnen wird nicht zugehört, so wie sie nicht zugehört haben. Könnte mir das jemand bestätigen, der arabisch kann ?

Diese Übersetzung ist linguistisch gesehen eindeutig falsch. Das Wort yasmaʿūna steht im Aktiv und nicht im Passiv. Außerdem wird im arabischen Text das Pronomen „sie“ als Subjekt im Nominativ aufgeführt. Also sowohl die passive Verbform in der Übersetzung als auch das Übersetzen des Pronomens mit „ihnen“ im Dativ sind nicht korrekt. :-1:t2:

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Das habe ich mit meinem Hinweis auf 2:7 gemeint. :wink:

Ansonsten vielen Dank für das Erwähnen der Verse!

Dies ist auch ein Hinweis darauf, dass Die Strafe im Höllenfeuer nicht zwingend ohne Ende sein muss. Wenn das Bitten um Erlassen der Strafe keinen Erfolg verspräche, würden die Wächter meiner Meinung nach nicht dazu auffordern, mit dem Bitten fortzufahren.

Aber wieso vergleichst du das mit der Sure 2?
Ihre Ohren wurden versiegelt im Diesseits sodass sie nicht mehr empfänglich für die Religion sind. Aber was bringt das denn In der Hölle?

Weil ich denke, dass in beiden Fällen nicht das Hören im physischen oder akustischen Sinne gemeint sein könnte, sondern den spirituellen Hörbereich anspricht, dass also mit „hören“ gemeint ist, etwas in sich aufzunehmen und zu verinnerlichen. Das könnte auch mit einschließen, dass diejenigen in der Hölle die Aufforderung, Bittgebete zu sprechen, nicht hören wollen, also sich nicht der Chance bewusst werden wollen, dass möglicherweise eine Erleichterung der Strafe erfolgen könnte.

Stimme dem nicht zu. Sie bitten im Jenseits Allah um Milderung:

„Unser Herr, führe uns aus ihr (der Hölle) heraus. Wenn wir (zum Ungehorsam) zurückkehren, dann werden wir wahrlich Frevler sein.“ Er wird sprechen: „Hinab mit euch darein, und redet nicht mit Mir.!“ (Quran 23:107-108)

Wo steht im arabischen Text „aus der Hölle“?

Der Dialog findet am Jüngsten Tag statt. Bevor sie in die Hölle geschickt werden, versuchen sie sich zu rechtfertigen, indem sie sagen, dass sie in eine Notlage geraten sind. Im Arabischen steht das Wort „شقوة - schiqwa“, was Unglück oder Not bedeutet. Nun verlangen sie von Allah, dass ER sie aus dieser Notlage (und nicht aus der Hölle, in der sie ja noch gar nicht sind) befreit und sie nochmals auf die Erde zurückschickt. Wenn sie dann wieder sündigen, würden sie es akzeptieren, als Sündige bezeichnet und entsprechend bestraft zu werden. Aber Allah lehnt ihr Ansinnen ab und schickt sie nun ins Höllenfeuer und lässt SICH zu diesem Zeitpunkt des Jüngsten Tages auf keine weiteren Diskussionen mit ihnen ein.

Das schließt meines Erachtens nicht aus, dass sie später, nachdem sie schon einen Teil ihrer Strafe abgesessen haben, erneut die Chance zu Bittgebeten bekommen. :slightly_smiling_face:

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Im Koran werden die Begriffe“ Sehen“, „Hören“ „Tod“ teilweise als Metapher benutzt.

Z.B. Sie haben Augen aber sehen nicht…

Hier Meine Erklärungen zu diesen begriffen.

Einer der nicht sieht = kann die Wahrheit nicht erkennen

Einer der nicht hört = kann die Wahrheit nicht verstehen

Einer der Tod ist = ungebildet, versteht das System Abrahams nicht.

Denkt an die Stelle wo Abraham frag: „Mein Herr, zeige mir, wie Du die Toten lebendig machst!“

2:260 Und als Ibrāhīm sagte: „Mein Herr, zeige mir, wie Du die Toten lebendig machst!“ Er sagte: „Glaubst du immer noch nicht?“ Er sagte: „Doch, aber (ich frage,) damit mein Herz Ruhe findet.“ Er (Allah) sagte: „So nimm vier von den Vögeln und zieh sie dann her zu dir. Hierauf setze auf jeden Berg einen Teil von ihnen. Hierauf rufe sie, so werden sie zu dir herbeigeeilt kommen. Und wisse, daß Allah Allmächtig und Allweise ist.“

Hier werden vier Vögel abrichten und dann kommen sie zu Abraham, wenn er Sie ruft.

So ist es mit Gott, er bildet die Menschen aus und dann kommen sie zu ihm.

Ähnlich:

67 Und als Mūsā zu seinem Volk sagte: „Allah befiehlt euch, daß ihr eine Kuh schlachten sollt!“ Sie sagten: „Machst du dich über uns lustig?“ Er sagte: „Ich nehme Zuflucht bei Allah (davor), daß ich zu den Toren gehöre!“

68 Sie sagten: „Bitte für uns deinen Herrn, uns Klarheit zu geben, wie sie sein soll!“ Er sagte: „Er (Allah) sagt, es soll eine Kuh sein, die weder zu alt noch zu jung zum Kalben ist, sondern dazwischen, in mittlerem Alter. So tut nun, was euch befohlen wird!“

69 Sie sagten: „Bitte für uns deinen Herrn, uns Klarheit zu geben, welche Farbe sie haben soll!“ Er sagte: „Er (Allah) sagt, es soll eine gelbe Kuh sein, von lebhafter Farbe, die die Betrachter erfreut.“

70 Sie sagten: „Bitte für uns deinen Herrn, uns Klarheit zu geben, wie sie sein soll! Die Kühe erscheinen uns (alle) ähnlich. Doch wenn Allah will, so werden wir wahrlich rechtgeleitet sein.“

71 Er sagte: „Er (Allah) sagt, es soll eine Kuh sein, nicht fügsam gemacht durch Pflügen der Erde noch durch Bewässern von Saatfeld, fehlerfrei und makellos!“ Sie sagten: „Jetzt bist du mit der Wahrheit gekommen.“ So schlachteten sie sie, doch beinahe hätten sie es nicht getan.

72 Und (gedenkt,) als ihr jemanden getötet hattet und euch darüber strittet; und Allah wollte herausbringen, was ihr verborgen hieltet.

73 Da sagten Wir: „Schlagt ihn mit einem Stück von ihr!“ So macht Allah die Toten wieder lebendig und zeigt euch Seine Zeichen, auf daß ihr begreifen möget.

Das Kalb ist das Goldene Kalb, der Tote ist, der das System was Musa etablieren wollte, nicht verstand. Das goldene Kalb wird zerstört (Das gleiche hat Abraham mit den Götzen gemacht). Die ganze Aktion ist eine Bildungsmaßnahme.

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Interessant. Dass Hören und Sehen eine Methapher sind, war mir lange klar. Aber dass die Toten eine Methapher sein können, sehe ich jetzt erst.

Frieden Gunnar,

In 40:50 wird aber auch gesagt: „(…)Aber das Anrufen der Ungläubigen geht bestimmt verloren.“.

Was denkst du dazu?

Frieden Joko

Friede, lieber JoKo,

das Wort „bestimmt“ sehe ich nicht im arabischen Vers. Ich übersetze diesen Satz wie folgt: „Und es gibt kein Bittgebet der den Islam Leugnenden, außer dass es vergebens ist.“

Ich sehe auch keinen Widerspruch zu dem, was wir bisher gesagt haben. Denn es heißt hier, dass das Bittgebet der den Islam Leugnenden vergebens ist. Ja. Davon verstehe ich allerdings, dass das Bittgebet grundsätzlich an sich vergebens ist, und zwar hinsichtlich dessen Inhalts. Da die Leute im Höllenfeuer ja nicht dazu aufgefordert würden, Bittgebete zu sprechen, wenn sie nutzlos wären, muss das Bittgebet also doch einen Zweck erfüllen.

Wenn Allah also, sofern Er es denn so will, die Strafe hinsichtlich der Schwere und hinsichtlich der Zeit für diese Leute erleichtert, dann geschieht das nicht, weil sie genau darum gebeten haben, sondern weil sie sich mit ihrem Bittgebet an IHN gewandt und somit bezeugt haben, dass es nur IHN als einzigen Schöpfer und Herrn des Universums und all dessen, was in ihm ist, gibt. Und auf Grund dieser Reue und auf Grund dieses Eingeständnisses könnte es sein, dass Allah diese Leute in SEINE Barmherzigkeit und Gnade einbezieht.

Das Bittgebet an sich ist also vergebens, die damit verbundene Intention jedoch könnte als Reue und als Grundlage für eine Strafmilderung dienen.

Und Allah weiß es am besten!

Friede
Gunnar :green_heart:

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Frieden,

was mich in diesem Zusammenhang wundert ist 2:262:
„Allah erlegt keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag. Ihr kommt zu, was sie verdient hat, und angelastet wird ihr, was sie verdient hat…“.

In 7:176 wird beschrieben, dass die Menschen es größtenteils nicht tun:

(…)Sie haben Herzen, mit denen sie nicht verstehen; sie haben Augen, mit denen sie nicht sehen; und sie haben Ohren, mit denen sie nicht hören. (…) Jene sind die Unachtsamen.

Die Frage ist dort, finde ich, ob sie es könnten aber nicht tun oder ob sie es nicht können und deswegen nicht tun.

Wenn Ableugner nicht in der Lage sind die Wahrheit zu erkennen, würde Gott sie dafür nicht belangen (2:262).

Wenn jemand nicht sieht oder hört, verstehe ich es so, dass derjenige es nicht kann aber dort steht auch, dass sie unachtsam sind, was suggeriert, dass sie es können.

Was denkt ihr dazu?

Frieden Joko