Irreführung und Rechtleitung durch Gott

Friede :heart:
Im Koran wird an sehr vielen Stellen gesagt dass Gott entscheidet wer irre geht und wer rechtgeleitet ist. Ich verstehe aber nicht ganz warum dann Sünder zur Rechenschaft gezogen werden, wenn diese anscheinend nichts dafür können Sünder zu sein.
Ich freue mich auf jede hilfreiche Antwort
Selam

Salaam,
So einfach ist das nicht. Ein Mensch bekommt im Laufe seines Lebens genug Chancen, Zeichen und Gelegenheiten über seinen Schöpfer nachzudenken. Ein Mensch kann nur WISSENTLICH Irre gehen und sich WISSENTLICH für den anderen Weg entscheiden und sein Jenseits für das Diesseits eintauschen.
Und wenn dieser alle Zeichen verleugnet, ist der Zug für denjenigen abgefahren und Allah lässt diesen Menschen Irre gehen und leitet ihn nicht mehr recht.

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Friede Np07,

Allah entscheidet nicht, wer in die Irre geht, ER weiß im Voraus, wer sich aus freier Willensentscheidung für oder gegen Allah und den Quran entscheidet. Wer also bewusst und wissentlich und absichtlich nicht Allah und dem Quran folgt und auf keine Warnungen hört, der wird allmählich taub und blind für die Wahrheit, wie es in Sure 2:6-7 anschaulich beschrieben wird.

Salaam
Gunnar :green_heart:

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Richtig!

Ergänzend zu den von Dir genannten Versen eine Bemerkung von mir: Ausschließlich als logische Folge seiner vollständig freien Entscheidung bleibt der Mensch taub und blind gegenüber der Wahrheit und ist damit auch unempfänglich für die göttliche Offenbarung, vgl. auch 17:46, 18:57, 40:35, 45:23, 83:14.

Was ist aber @OASE, wenn ein Einzelner Gott anerkannt, aber eine andere göttliche Schrift befolgt? Was denkst du?

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Danke für eure Antworten

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Salaam!

Dann, lieber Sue, denke ich gar nicht weiter darüber nach. :slightly_smiling_face:

Jeder ist vor Allah für sich allein verantwortlich und nur Allah weiß, wie ein Mensch definitiv richtig zu beurteilen ist, zumal ER allein alle Begleitumstände bei jedem einzelnen Menschen und dessen Möglichkeiten kennt.

Entsprechend heißt es im letzten Vers der zweiten Sure am Anfang: „Allah mutet einer Seele nur deren Leistungsvermögen zu; für sie, was sie erworben, und wider sie, was sie verdient hat…“ Hier wird ganz allgemein von einer Seele, also von einem beseelten Wesen wie dem Menschen gesprochen, nicht von einem Juden oder Christen oder Muslim oder jemandem, der irgendeine göttliche Schrift befolgt. Und Allah ist es, der gemäß diesem Vers dieser Seele das Verdiente zukommen lässt.

Salaam
Gunnar :green_heart:

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Siebe auch 3:55
Allah wird am Ende richten.

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Salaam Ahmet

und danke für den nützlichen Hinweis!

In diesem Vers werden diejenigen angesprochen, die Jesus folgen und die Wahrheit nicht leugnen. Es gab also auch schon vor der Offenbarung des Quran die Wahrheit, die von einigen geleugnet wurde, woraufhin sie bei Allah einen niedrigeren Rang haben als diejenigen, die der von Jesus verkündeten Wahrheit folgen, wobei es in diesem Zusammenhang auch ganz nützlich ist, auf das Thomas-Evangelium zu verweisen, das aus 114 (!) Aussprüchen Jesu besteht, aber von den evangelischen und katholischen Kircheninstitutionen nicht als authentisch anerkannt wird. Gleichwohl gibt es bis heute eine Minderheit unter den Christen, die die Lehren dieser Institutionen ablehnt und etwa das Trinitäts-Prinzip als Glaubensdogma nicht anerkennt (wie die Unitarier).

Und Allah weiß, wer der von IHM verkündeten Wahrheit folgt.

Salaam
Gunnar :green_heart:

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Guten Morgen Gunnar,

genauso denke ich auch. Deinen vorigen Satz „Wer also bewusst und wissentlich und absichtlich nicht Allah und dem Quran folgt und auf keine Warnungen hört, der wird allmählich taub und blind für die Wahrheit, wie es in Sure 2:6-7 anschaulich beschrieben wird.“ hatte ich anders verstanden. Vielen Dank für die Klärung.

Randfrage: Ich bin mir nicht sicher, ob das im Koran mit Indschīl (arabisch: إنجيل, türkisch: İncil, „gute Nachricht“) Bezeichnete mit den heutigen Evangelien (und Apostelgeschichte) gleichzusetzen ist. Im Koran selbst wird durch eine von Jesus von Nazareth überlieferte Offenbarung mehrfach gesprochen, vgl. 3:3, 3:48, 3:65, 5:46, 5:47, 5:66, 5:68, 5:110, 7:157, 9:111; 48:29, 57:27. Tatsächlich wurden aber die Evangelien etwa 70-80 n.Chr. verfasst. Ich vermute es ist hierzu sicher ein Diskussionsthema vorhanden.

Vielen Dank. Ergänzend möchte ich noch die Verse 2:62; 5:69 betonen, in denen betont wird, dass die Gottergebenheit unabhängig von den jeweiligen Religion, den Ritualen, der Sprache, der Nationalität und den Büchern ist. Die „Erlösung“ wird nur von drei Elementen abhängig gemacht: dem Glauben an Gott, dem Glauben an den Tag des Gerichts und dem rechtschaffenen Handeln im Leben.

Guten Morgen Sue!

Diese „Randfrage“ halte ich eher für eine äußerst wichtige Frage.

Hallo Sue!

Wie bei den meisten Termini technici kommt es darauf an, was man unter dem jeweiligen Fachbegriff oder Namen versteht.

Das arabische Wort إنجيل Indschīl kommt im Quran mehrmals vor. Erklärt wird es im Quran als eine Offenbarung von Allah an Seinen Gesandten Jesus. Es handelt sich also um eine Offenbarung mit dem Namen إنجيل Indschīl, wobei dieses Wort laut arabischem Wörterbuch

البشارة او الخبرالمفرح

Al-bischā ra au al-khabar al-fufrih

gute Botschaft oder erfreuliche Nachricht

bedeutet, also Evangelium, was wiederum ursprünglich ein griechisches Wort ist.

Diese als إنجيل Indschīl bezeichnete frohe Botschaft besteht gemäß Quran aus der an Jesus gesandten Offenbarung.

Was uns in der Bibel präsentiert wird, sind aber vier Evangelien, die nach arabischem Wörterbuch und auch in der in Arabisch verfassten Bibel als العهد الجديد ´ahd al-dschadīd bezeichnet werden, also als Neues Testament. Diese vier Evangelien, die zwischen 50 und 100 Jahren nach dem Leben Jesu von den vier sogenannten Evangelisten Matthäus, Lukas, Markus und Johannes verfasst wurden und in Länge und Inhalt unterschiedlich sind, enthalten die Geschichte des Lebens und Wirkens Jesu und werden im Quran nicht erwähnt. Für mich ist klar, dass es sich bei diesen vier unterschiedlichen Lebensgeschichten nicht um die ursprüngliche Offenbarung Allahs handeln kann. Bemerkenswert an dieser Stelle ist, dass das sogenannte Thomas-Evangelium, das von den christlichen Kirchen nicht anerkannt wird, nur Aussprüche Jesu enthält, und zwar 114 an der Zahl und deshalb meines Erachtens eher als Evangelium im Sinne des Quran angesehen werden kann.

Salaam! Schalom! Friede!

Gunnar :green_heart:

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Ich sehe es genauso:

Das Evangelium wurde an Jesus gegeben. Es bezieht sich aber m.E. ebenfalls nicht auf die oben aufgezählten vier Evangelien, sondern vielmehr auf die Jesus von Nazareth gegebene Offenbarung.

Frieden uns allen.

Guten Morgen Sue!

Ja, und hier taucht eben die spannende Frage auf: Wo ist die Jesus gegebene Offenbarung?

Es gibt die Meinung, das wäre das Barnabas-Evangelium, dessen Entstehung jedoch unsicher ist und dessen Authentizität deshalb in Zweifel gezogen wird. Ich habe das Barnabas-Evangelium auch noch gar nicht gelesen.

Und es gibt die Meinung, dass das Thomas-Evangelium mit seinen 114 Aussprüchen Jesu das wahre Evangelium sei. Dieses Evangelium enthält viele Gleichnisse, keinerlei rituelle Vorschriften und betont ständig das Streben des Menschen nach Selbsterkenntnis.

Aber es gibt ja nicht nur in Verbindung mit der Authentizität des Evangeliums Fragen, sondern auch in Verbindung mit der Authentizität des Quran, nämlich dahingehend, dass der dritte Kalif Uthman dummerweise viele Quran-Sammlungen vernichten ließ, die von der von ihm akzeptierten Version abwichen. Zudem wurde damals ohne Vokalisierung und ohne diakritische Punkte geschrieben, was bedeutet, dass man Wörter unterschiedlich lesen und verstehen kann. Ein schönes Beispiel dafür ist 9:28, wo es im uns heutzutage vorliegenden Mushaf heißt

فلا يقربوا المسجد الحرام
fa-lā jaqrabū-l-masdschida-l-harām
sie sollen sich also nicht der Haram-Moschee nähern

Man kann aber auch lesen
فلا تقربوا المسجد الحرام
fa-lā taqrabū-l-masdschida-l-harām
nähert euch also nicht der Haram-Moschee

Das würde dann beispielsweise bedeuten, dass es keinen Hadsch mehr gäbe.

Und Allah weiß es am besten!

Salaam und Shalom und Friede!
Gunnar :green_heart:

:dove:

Wobei anzumerken ist, dass der Koran von Gott geschützt bleiben wird (bpsw. auch mathematisch, was m.E. die Sprache Gottes ist -> damit auch Sunna Gottes), der wiederum die anderen göttlichen Schriften bestätigt und richtigstellt, so dass diese ebenfalls in dieser Schutzwirkung sein werden.

Die von dir erwähnte Interpretation des 9:28 ist oftmals die Ansicht der Petra-Anhänger. Mit der Frage Hadsch habe ich mich nicht intensiv beschäftigt, aber ich meine, dass Hadsch nicht als ein reines historisches Ereignis zu werten ist. (a.A. vertretbar)

3:7 Er ist derjenige, der dir diese Schrift hinabgesandt hat. Darin sind manche Zeichen eindeutig, sie sind die Essenz dieser Schrift. Andere sind mehrdeutig. Diejenigen, die in ihrem Herzen Krankheit haben, sind vorrangig im Wohlwollen nach den Mehrdeutigen, um Verwirrung bei den Menschen zu stiften und im Wohlwollen nach Deutungen zu sein. Aber niemand kennt ihre Deutung, ausgenommen Gott und diejenigen, die ein tiefbegründetes Wissen haben. Sie sagen: „Wir glauben daran, alles kommt von unserem Herrn.“ Aber nur diejenigen mit Denkvermögen, werden sich ermahnen lassen. Doch keiner wird das verstehen, außer diejenigen mit Denkvermögen.

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Hier mach ich einen Unterschied zwischen Quran und Mushaf, Sue.

In 15:9 heißt es, dass Allah الذكر adh-dhikr schützen respektive bewahren wird, also die von Allah geoffenbarten mahnenden Worte Allahs.

Und in 85:22 wird von einer wohlbewahrten Tafel gesprochen, auf der es etwas gibt, was als Quran bezeichnet wird. Muhammad Asad bietet dazu eine sehr interessante Übersetzung an, indem er das Wort Quran mit „Diskurs“ und لوح محفوظ mit „unvergängliche Tafel“ übersetzt.

Der Quran ist also ein von Allah geführter Diskurs mit hinsichtlich der Anordnung der Wörter mathematischem System, und dieser Diskurs dient der Ermahnung und Rechtleitung und Organisation des Lebens und legt die Sunna Allahs dar.

Der Mushaf hingegen ist ein vom Menschen geschaffenes Werk, das den Diskurs Allahs in schriftlicher Form darbietet, sich aber im Laufe der Zeit von der Form her verändert hat, was die Vokalisation und die diakritischen Zeichen betrifft. Und es bleibt für mich immer die Frage, warum Uthman diverse Quran-Sammlungen nicht anerkannt hat und diese vernichten ließ und warum es überhaupt verschiedene Versionen gegeben hat. Dass das Setzen unterschiedlicher diakritischer Zeichen den Inhalt erheblich verändern kann, habe ich ja schon an einem Beispiel im vorangegangenen Beitrag demonstriert.

Da bleibt mir nur noch das Bittgebet aus 2:286 „Unser Herr! Tadel uns nicht und nimm es uns nicht übel, wenn wir vergessen oder einen Fehler begehen!“

Salaam und Schalom und Friede!
Gunnar :green_heart:

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Ihr sagt jetzt dass die Schrift egal ist, solange man den drei wichtigsten Punkten unserer Religion folgt. Ist es nicht aber so, dass ich Gott etwas bei Geselle wenn ich einer Schrift Autorität gebe welche nicht von ihm ist?

Das verstehe ich nicht. Wer hat hier gesagt, dass die Schrift egal ist? Und wo sind hier die „drei wichtigsten Punkte unserer Religion“?

Friede Np07!

Laut Quran sind die drei Offenbarungen Thora, Indschil und Quran von Allah den jeweiligen Gesandten geoffenbart worden, und nicht nur sie, sondern auch die „Suhuf“ an Abraham und Moses (87:19) und der Psalter an David (4:163). Und die jeweiligen Gemeinschaften sind doch laut Quran auch dazu verpflichtet, ihnen zu folgen respektive nach ihnen zu richten, beispielsweise 5:43-48.

Welche Schrift meinst du also, der man Autorität geben kann, obwohl sie nicht von Allah ist?

Salaam und Schalom!
Gunnar :green_heart: