Ist der Quran unverfälscht?

Selam allerseits.

Da diese Frage bisher noch nicht als Thema aufgestellt wurde, habe ich dies als Gelegenheit genutzt eine Diskussion über die Authentizität des Quran zu eröffnen.

Eingangs werde ich einige Punkte nennen die dieses Statement unterstützen und hoffentlich werden weitere Punkte hinzukommen. Meine Argumente werden abgeleitet aus dem Quran doch werde ich auch 2 weitere aus historischer Sicht aufzeigen.

  1. Allah persönlich ist der Hüter dieser Offenbarung
    “Gewiss, Wir sind es, die Wir die Ermahnung offenbart haben, und Wir werden wahrlich ihr Hüter sein.” (Sure 15:9).

  2. Wäre der Quran verfälscht würden wir viele Widersprüche finden.
    Wollen sie denn nicht über den Qur-ân nachsinnen? Wäre er von einem anderen als Allah, sie würden gewiss manchen Widerspruch darin finden.“ (Sure 4:83)

  3. Der Quran könnte von keinem Menschen oder Dschinn erdichtet sein. Nicht mal eine Sure.
    “Oder wollen sie etwa sagen: „Er (Muhammad) hat ihn erdichtet?“ Sprich: "Bringt denn eine Sure gleicher Art hervor und ruft, wen ihr nur könnt, außer Gott, wenn ihr wahrhaftig seid.” (10:38)
    “Sag: Wenn sich auch die Menschen und die Dschinn vereinigten, um etwas Gleiches wie diesem Quran hervorzubringen, brächten sie doch nichts Gleiches hervor, selbst wenn sie einander beistünden.” (17:88)

  4. Der Quran verfügt in seiner Rezitation über einen poetischen Klang gepaart mit Wissen, Weisheit und unzähligen rhetorischen Mitteln die es schwer machen ihn auch nur in einem Vers zu verändern, da dadurch die Struktur verändert werden würde.

  5. Der Quran hat viele mathematische Wunder wie Worthäufigkeiten, der 19er Code und weitere die ich jetzt nicht aufzeige da dies sonst den Rahmen sprengen würde. Daher verweise ich auf Threads in diesem Forum die solche mathematischen Wunder aufzeigen. Würden Verse hinzugefügt oder entfernt, dann würden eben diese Wunder nicht mehr halten.

  6. Es wurden Koranfragmente gefunden die die Suren 18 bis 20 enthalten. Diese sind zu finden in der Universität von Birmingham. Zitat von einem Artikel von der folgenden Website Eines der ältesten Koranfragmente gefunden - religion.ORF.at
    Die Tests, die von einer Expertengruppe der Universität Oxford durchgeführt wurden, ergaben, dass die Fragmente, die auf Schaf- und Ziegenhaut geschrieben sind, zu den ältesten überlieferten Texten des Korans überhaupt zählen. Die gefundenen Pergamentrollen sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent aus dem Zeitraum von 568 bis 645 n. Chr., also aus der Zeit knapp nach Gründung des Islam durch den Propheten Mohammed (ca. 570 bis 632).
    Diese Test wurden mittels Radiokarbon-Methode durchgeführt.
    Zudem kommt hinzu das bei weiteren Überprüfung dieser Funde festgestellt wurde das sie mit den heutigen Schriften übereinstimmen.

Soweit meine Punkte dazu, inshallah werden weiter folgen.
An dieser Stelle ist auch zu sagen das es vor allem um die inhaltliche Authentizität geht wie auch die schriftliche ohne Konsonanten. Denn die Aussprache kann zwar das Wort verändern doch diese verändern nicht die Bedeutung, da sie ergänzend sind. Dafür müsste man einen weiteren Thread eröffnen, daher belasse ich es dabei.

Jetzt zu einem weiteren Argument aus historischer Sicht.
Warnung! Dies ist eine Herleitung aus Überlieferungen außerhalb des Quran. Ich weiß das dies ein Thema ist, das allergische Reaktionen auslösen kann.
Bei Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker. (Ein kleiner Witz am Rande :wink:)

Also laut Überlieferungen war die Bewahrung der Offenbarung durch folgendes System möglich:

Der Quran wurde anfangs größtenteils durch mündliche Überlieferungen und damit verbunden das gemeinsame auswendig lernen des Quran bewahrt. Bei jeder neuen Offenbarung wurden Schreiber gerufen die die Verse unter der Aufsicht des Propheten Muhammad niederschrieben und geprüft ob Schreibfehler gemacht wurden. Diese wurden auf allen möglichen Schriftunterlagen niedergeschrieben wie Palmwedeln, Baumrinden, Tierhäute etc.

Eben durch diese Überlieferungsmethode wurde gesichert das eine Verfälschung sofort auffallen würde da sehr viele die gesamte Offenbarung auswendig gelernt haben und diese immer wieder rezitierten. Diese „Überlieferungskette“ hat den Ursprung beim Propheten (genau genommen bei Allah) die an viele andere anknüpft, die alle dasselbe rezitierten. Natürlich war der Prophet nicht immer zu gegen wodurch auch die Schriften genutzt wurden um sein Wissen aufzufrischen. Selbstverständlich geschah und geschieht noch all dies durch den Willen von Allah.

Für eine genauere Erklärung verweise ich diejenigen die es interessiert zu einer Präsentation die auf Youtube zu finden ist.
Bemerkung: Diese Präsentation ist die Arbeit von einem Sunniten, jedoch ist die Arbeit sehr gut gelungen und sehr informativ. Ob man dieser vertraut oder nicht sollte erstmal im Hinterkopf bleiben um dies objektiv zu betrachten.

Diese Präsentation ist ein Ausschnitt vom eigentlichen Haupt-Kanal wo auch im Stream mit anderen die die Authentizität anzweifeln diskutiert wird.
Es ist aber auch ganz klar zu erwähnen das sehr viel mit Überlieferungen argumentiert wird in diesem Video. Also haltet trotzdem noch im Hinterkopf das dies nicht dazu dienen sollte das es göttliche Ursprungs ist, und es kann selbstverständlich Fehler enthalten. Dennoch habe es ich dazu genommen um so viele Beispiele wie möglich zu nennen. Denn selbst in jeder Lüge steckt auch ein Quentchen Wahrheit, wie man so schön sagt.

Hoffentlich führt das Thema zu einer fruchtenden Diskussion wo wir inshallah mit vielen Ansichten der Wahrheit immer näher kommen.

Selam
Truthseeker

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Friede Truthseeker!

Du hältst uns aber janz schön uff Trab mit deenen neuen Artikeln! :joy:

Das von dir vorgelegte neue Thema, ob der Quran unverfälscht ist, wurde schon in verschiedenen Threads angesprochen – allerdings eben nur ansatzweise. Es gibt etwa einen Thread namens „Irreführung und Rechtleitung durch Gott“ und da habe ich folgende zwei Beiträge gepostet:

„Aber es gibt ja nicht nur in Verbindung mit der Authentizität des Evangeliums Fragen, sondern auch in Verbindung mit der Authentizität des Quran, nämlich dahingehend, dass der dritte Kalif Uthman dummerweise viele Quran-Sammlungen vernichten ließ, die von der von ihm akzeptierten Version abwichen. Zudem wurde damals ohne Vokalisierung und ohne diakritische Punkte geschrieben, was bedeutet, dass man Wörter unterschiedlich lesen und verstehen kann. Ein schönes Beispiel dafür ist 9:28, wo es im uns heutzutage vorliegenden Mushaf heißt:

فلا يقربوا المسجد الحرام
fa-lā jaqrabū-l-masdschida-l-harām
sie sollen sich also nicht der Haram-Moschee nähern

Man kann aber auch lesen:
فلا تقربوا المسجد الحرام
fa-lā taqrabū-l-masdschida-l-harām
nähert euch also nicht der Haram-Moschee

Das würde dann beispielsweise bedeuten, dass es keinen Hadsch mehr gäbe.“

In einem zweiten Beitrag hab ich geschrieben:

„Hier mach ich einen Unterschied zwischen Quran und Mushaf.

In 15:9 heißt es, dass Allah الذكر adh-dhikr schützen respektive bewahren wird, also die von Allah geoffenbarten mahnenden Worte Allahs.

Und in 85:22 wird von einer wohlbewahrten Tafel gesprochen, auf der es etwas gibt, was als Quran bezeichnet wird. Muhammad Asad bietet dazu eine sehr interessante Übersetzung an, indem er das Wort Quran mit „Diskurs“ und لوح محفوظ mit „unvergängliche Tafel“ übersetzt.

Der Quran ist also ein von Allah geführter Diskurs mit einem hinsichtlich der Anordnung der Wörter mathematischem System und dieser Diskurs dient der Ermahnung und Rechtleitung und Organisation des Lebens und legt die Sunna Allahs dar.

Der Mushaf hingegen ist ein vom Menschen geschaffenes Werk, das den Diskurs Allahs in schriftlicher Form darbietet, sich aber im Laufe der Zeit von der Form her verändert hat, was die Vokalisation und die diakritischen Zeichen betrifft. Und es bleibt für mich immer die Frage, warum Uthman diverse Quran-Sammlungen nicht anerkannt hat und diese vernichten ließ und warum es überhaupt verschiedene Versionen gegeben hat. Dass das Setzen unterschiedlicher diakritischer Zeichen den Inhalt erheblich verändern kann, habe ich ja schon an einem Beispiel im vorangegangenen Beitrag demonstriert.

Da bleibt mir nur noch das Bittgebet aus 2:286 «Unser Herr! Tadel uns nicht und nimm es uns nicht übel, wenn wir vergessen oder einen Fehler begehen!»“

Ich denke, meine beiden Kommentare passen auch zu diesem deinem neuen Beitrag.

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Hahaha ja gibt keene Pause.

Ich weiß nicht ob du es dir schon angesehen hast aber in dem verlinkten Video wird es erklärt.
Ich sehe es zwar aus einer anderen Perspektive die es mir erlaubt kein shirk zu begehen, wie der im Video. Aber er gibt jedenfalls die Erklärung zu diesen Fragen. Ob das stimmt oder nicht sei mal dahingestellt aber es bietet eine Betrachtungsweise.

Deswegen gibt es wohl erlaubte wie auch nicht erlaubte Ahruf. Soweit ich weiß. Aber man kann im Kontext betrachtet erkennen wie es gemeint ist. Ich empfinde das als problematisch wenn man zu viele verschieden Lesarten betrachtet da eben wie an deinem Beispiel die Bedeutung sich ändern kann. Von leicht bis stark.

Danke für deine schnellen und konstanten Antworten

Selam
Truthseeker

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Ich denke du bist der gleichen Meinung, dass der Koran als kitab (türk. für Schrift, Buch) und nicht als hitab (türk. für mündl. Überlieferung) zu Lebzeiten Mohammeds herabgesandt wurde.

Ich neige mittlerweile immer mehr dazu (auch ausgehend von den zahlreichen mushafs), dass der Koran selbst ohne Vokalisation und diakritische Zeichen herabgesandt wurde, was zur Folge hätte, dass nicht 28 Zeichen, sondern nur 15 Zeichen verwendet wurden.

Möglicherweise ist so der Hinweis über die Mehrdeutigkeit aus 3:7 so zu verstehen, dass nachträglich die Lesearten durch die Menschen eingeführt wurden (15 herrschende, bis zu 60 existieren, wenn ich mich nicht täusche).

Im Zhg. mit mutašābihāt schriebst du auch hier Muḥkamāt- und Mutašābihāt-Verse (آيات محكمات وآيات متشابهات)

Die verschiedenen Lesearten wiederum sehe ich nicht als ablehnenswert an, denn sie sind letztendlich Ausschmückungen vom Kern der Botschaft. Trotzdem sollten sie mit Vorsicht genießen werden, da nicht göttlich und damit auch irgendwie eine Versuchung (türkisch: Fitne).

Was die zahlreichen Überlieferungen zum Mushaf im Zhg. mit Osman, Ebu Bekir, Havza betreffen: Ich halte sie nicht für glaubwürdig. Weshalb soll Osman verbrannt haben? Auch die Bestätigungen durch zwei Zeugen einzelner Verse, die durch die verschiedenen Hafiz bekundet wurden sind Märchengeschichten.

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Salām Sue,

in diesem Zusammenhang hab ich ein paar Fragen:

  1. Es soll einen sogenannten „codex petropolitanus parasino“ geben, der Fragmente des Quran aus der Zeit des Propheten Muhammad enthalten soll. Weißt du (weiß jemand) etwas darüber?
  2. Es soll einen sogenannten " codex Birmingham" geben, der ebenfalls Fragmente des Quran aus der Zeit des Propheten Muhammad enthalten soll. Weißt du (weiß jemand) etwas darüber?
  3. Ich wurde von einem Quran-Muslim informiert, dass die ursprüngliche Lesart Warsh gewesen sein soll, die in Medina von Nāfi´ gelehrt worden und in Afrika und im islamischen Spanien die vorherrschende Lesart gewesen sein soll (in Nordafrika sind noch heute die meisten Mushafs in Warsh gedruckt). Weißt du (weiß jemand) etwas darüber?
  4. Gibt es auf der Grundlage des mathematischen Systems im Quran eine Möglichkeit, die Authentizität des uns vorliegenden Quran-Textes nachzuweisen? Kann man also etwa die richtige Transkription und die richtigen diakritischen Zeichen auf Grund mathematischer Gegebenheiten nachweisen? Auf diese Weise könnte man ja dann auch unter Anderem belegen, welche Lesart die ursprüngliche Lesart gewesen ist.

Für eventuelle sachdienliche Hinweise und Informationen bedanke ich mich schon mal im Voraus.

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Selam @OASE

tatsächlich fällt es mir schwer diese Fragen zu beantworten, weil auch im Zhg. mit mushaf sehr, wirklich sehr viel Literatur besteht (kontaktiere mich hierzu über den privaten Nachrichtenbereich in diesem Forum), und ich stelle fest, dass alle zusammenhängenden Fragen nur über ein Kollegium von Wissenschaftlern beantwortet werden können. Bspw. diese Dame https://twitter.com/CellardEleonore/status/1347289115352576003, die interessantes erforscht hat (The Search for Early Qur'anic Manuscripts - رصيف 22) in diesem Buch (Codex Amrensis 1 | Brill)

Zu 1) dazu kann ich leider nichts beitragen

Zu 2) kann ich Dir eine Zusammensammlung von Mushafs Dir anbieten unter El Yazmaları — Яндекс.Диск

Zu 3) Panel 1: Historical Traditions of Arabic-Script Manuscripts in Africa – Arabic-Script Manuscripts in Africa

Zu 4) Sicherlich wäre das möglich, der Koran ist mit einem Programm, einem Algorithmus vergleichbar und damit verbunden sind mathematische Grundlagen auffindbar. Ich für mich versuche mich mehr in geschichtliche Bestätigungen oder vereinzelt auf wissenschaftliche Punkte zu konzentrieren.

Ich habe für mich entschieden, dass der Koran, der schriftlich herabgesandt (in mehr als 200 Versen wird das erwähnt) wurde in seiner Ursprungsform ohne Punktsetzung und diakritische Zeichen war und erst später um auch anderen den Zugang zu ermöglichen İ‘câm eingeführt wurde. (möglicherweise durch Abū l-Aswad ad-Duʾalī Abū l-Aswad ad-Duʾalī – Wikipedia).

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Nochmals selam @OASE

Zu 1) Codex Parisino-Petropolitanus (nicht zu verwechseln mit Codex Petropolitanus (Unzial 041 – Wikipedia), anbei einige weiterführende Links:

https://www.historyofinformation.com/detail.php?id=4322

https://www.islamic-awareness.org/quran/text/mss/arabe328a.html

http://www.islamicmanuscripts.info/news/20090910/Deroche-2009-summary.pdf

insbesondere dieser Tweet ist aufschlussreich: https://twitter.com/cellardeleonore/status/1090219985891414016

Zu diesem Thema und auch zu Nr. 2, und auch zum sog. Sanaa Koran, in denen weitgehend keine Hilfszeichen zur Kennzeichnung der Konsonanten und Vokale eingefügt sind, und Unterschiede durch orthografische Variationen enthalten sind, insbes. zur Reihenfolge der Suren und Markierungen von Verstrennern und Gliederungen, werde ich vielleicht diese Woche noch was schreiben können, muss hierzu noch weiter recherchieren.

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