Kaaba in Mekka falsch?!

Salam,

die gefährlichsten Fragen sind die naiven Fragen liebe Community, die sich auch Dan Gibson (kanadischer Historiker) anscheinend gestellt hat. Auf die Frage ob die Kaaba in Mekka, denn auch wirklich die wahre Kaaba ist, würde wohl jeder Muslim mit einem klaren Ja antworten, glaube kaum jemand käme auf die Idee es zu bezweifeln. Dan versucht in seiner berühmten Doku „The sacred City of Mecca“ zu zeigen, dass die Kaaba eigentlich in Petra, einer Stadt im Süden Jordaniens liegt und er hat ziemlich starke und schlagkräftige Argumente dafür. Es ist eine Doku, die unter anderem auch verdeutlicht wie schwachsinnig einige Hadithe sind (Laut Bukhari und Ibn Hisham gab es Obst und Gemüse und Muhammeds Vater hat Landwirtschaft betrieben, was natürlich in der Wüste in Mekka unmöglich ist usw…). Es gibt noch zahlreiche andere Argumente wie bspw. dass es bis heute keinen einzigen archäologischen Befund gibt usw. Interessant fand ich auch, dass muslimische Gelehrte die Kaaba als Becca (weinende Stadt) bezeichnet haben und Dan Gibson meint es könnte auf Petra hindeuten, da es hier viele Erdbeben gibt und im Koran findet sich eine Sure zu Erdbeben. Kann euch die Doku empfehlen, ist auf Youtube auf Englisch zu sehen, geht knapp 1:30 Std.

Sollte er Recht haben, dann hätte es natürlich immense Auswirkungen. Wie seht ihr das, würde mal gerne eure Meinungen dazu hören. Am liebsten wäre mir sogar wenn ihr euch die Doku ansehen und die Argumente widerlegen könntet bzw. wir darüber hier diskutieren könnten

Welche Auswirkungen hätte es denn auf dein Leben? Ich könnte mir jetzt nicht vorstellen, dass es in irgendeiner Weise einen Einfluss auf mein Leben haben könnte.

Nun das wäre ein Eingeständnis, dass man über 1000 Jahren in die falsche Richtung betet und die Pilgerfahrt am falschen Ort durchführt. Auf das Leben eines privaten wird es keinen nennenswerten Einfluss haben, außer manchen die das emotional nicht ertragen könnten und jenen die plötzlich ihre Gebetsrichtung ändern müssten, es aber nicht wollen usw. Aus historischer und wirtschaftlicher (für die Saudis) Sicht wäre es aber sicherlich verheerend. Außerdem würde man die Religion in Frage stellen und „der Westen“ würde sich sicher ein Lächeln nicht verkneifen. Also im Bezug auf das private Leben eines Muslims, hätte es keine großen Auswirkungen, aber im Allgemeinen aus allen anderen Perspektiven betrachtet schon.

Die meisten Muslime in Deutschland beten sowieso nicht Richtung Mekka, sondern Richtung Moskau.

WTF?! Wenn das nicht ironisch war dann musst du es mir erklären :smiley:

Salam,

Die Kaaba liegt im goldenen Schnitt von der Erde und Mekka,
Mekka im goldenen Schnitt von Saudi Arabien

Zudem sind die Koordinaten von Mekka:
21‘25

Das erste mal wird im Qur’an über die Kaaba in
2:125 gesprochen.

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Salaam, RQ7,

das ist ein Thema, das auch mich umtreibt. Es werden viele Belege dafür angeführt, dass nicht Mekka, sondern Petra die Stadt ist, in der der Gesandte Muhammad gelebt hat und in der die Ka´ba errichtet wurde. Darunter gibt es Belege, die ich durchaus für gewichtig halte.

So heißt es beispielsweise im Quran in Sure 3:96, dass das erste für die Menschen und für die Rechtleitung der Welten errichtete gesegnete „Haus“ in „Bakka“ errichtet wurde; im darauf folgenden Vers wird es mit Abraham in Verbindung gebracht. Es ist in linguistischer Hinsicht legitim, dass man darunter auch „Makka“ verstehen kann, weil die beiden Labiale b und m im Arabischen zuweilen austauschbar sind.

Was für mich aber entscheidender ist, ist die Tatsache, dass Abraham mit seiner Familie (wie zum Beispiel mit Lot) in der Gegend des Jordan-Tals lebte (1400 km von Mekka entfernt!). Archäologische Forschungen geben triftige Hinweise darauf, dass Sodom (die Stadt, in der Lot lebte) am Toten Meer lag. In der Genesis finden wir viele entsprechende Angaben, die dem Quran nicht widersprechen, weil es im Quran keine geografischen Angaben außer „Bakka“ gibt, und Bakka muss ja nicht unbedingt mit „Makka“ identisch sein.

In Sure 14:37 wird allerdings erwähnt, dass Abraham einige seiner Nachkommen in einem Tal angesiedelt hat, in dem es keine Agrikultur gibt. Und das Wort Makka bedeutet „geringes Vorhandensein von Wasser“. Das wäre ein Argument für diejenigen, die Bakka als Makka identifizieren wollen. Bleibt natürlich die Frage, ob Abraham wirklich eine Reise über 1400 km unternahm.

Es scheint mir wichtig zu sein, den Ursprung und die Bedeutung des Wortes Bakka zu klären. Es soll ein altes semitisches Wort mit der Bedeutung „weinen, klagen“ sein. Im Arabischen gibt es das Wort بكى bakkā (mit langem a am Ende!) mit der Bedeutung „zum Weinen bringen“. Davon das Wort بكة bakka (ohne langes a am Ende!) abzuleiten, ist linguistisch gesehen allerdings nicht naheliegend. Naheliegender ist das arabische Verb بك bakka (ohne langes a am Ende!), was „durchbrechen, durchlöchern“, aber auch „bedrängen, Gedränge verursachen“ bedeuten kann. Diejenigen, die bevorzugen, Bakka als Makka zu verstehen, sagen nun, dass mit Bakka das dichte Gedränge der Pilger gemeint sei. In diesem Zusammenhang ist ein Verweis auf Psalm 84 angebracht, wo Bakka im Zusammenhang mit der Pilgerfahrt und dem Schauen Gottes auf dem Zion (= Jerusalem oder im weiteren Sinne das Land Israels) erwähnt wird.

Ein weiterer Punkt, der für Petra spricht, ist der, dass die im Quran genannten Götzen Al-Lat, Al-Uzza und Al-Manat in Petra angebetet wurden. Und auch, dass es Moscheen gibt, deren Qibla angeblich nach Petra zeigen soll. Ob das wirklich stimmt, müsste nachgeprüft werden.

Es gibt also viel „Stoff“ zu diesem Thema – sowohl zu Gunsten Mekkas als auch zu Gunsten Petras. Ich bin mit meinen Überlegungen noch nicht am Ende und deshalb auch noch nicht zu einer belegbaren Schlussfolgerung gelangt. Deshalb interessiert es mich sehr, was deine Frage an Reaktionen in diesem Forum hervorruft.

Salaam!

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Das ist nichts weiter als ein billiger Trick, leider falsch. Man versucht dadurch nur Mekka als heilige Stadt zu beweisen und den Islam zu glorifizieren.

Danke für den ausführlichen Beitrag OASE :+1: Es gibt einen knapp 50-seitigen Artikel von David King (britischer Historiker), in dem King versucht Dan Gibson zu widerlegen, er sieht Gibsons Theorie mehr oder weniger als lächerlich an,
hab ihn mir aber ehrlich gesagt nicht durchgelesen, war bisher noch zu faul dafür :smiley:

Kann dir aber mal den Link dazu geben:
https://www.researchgate.net/publication/330221815_King_The_Petra_fallacy_The_Petra_fallacy_-_Early_mosques_do_face_the_Sacred_Kaaba_in_Mecca_but_Dan_Gibson_doesn%27t_know_how_Comparing_historical_orientations_with_modern_directions_can_lead_to_false_re

Supi! Vielen Dank, RQ7! Werde den Link mal unter die Lupe nehmen.

Ich sehe Gibsons Theorie nicht als „lächerlich“ an. Er hat sich schließlich viel Mühe gemacht und ausführliche Erläuterungen gegeben. Aber ich halte so Einiges in Gibsons Ausführungen doch für fragwürdig oder nicht bis zu Ende durchgedacht.

Nichtsdestoweniger handelt es sich um ein wichtiges Thema und ich finde es gut, dass du es ins Forum gebracht hast und wir uns damit auseinandersetzen.

Salaam

RQ7, vielleicht interessiert dich ja als „Gegenleistung“ der Artikel unter dem folgenden Link: :slightly_smiling_face: :thinking:

Salaam!

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Im Koran steht doch, betet zur ‚heiligen Moschee‘. Wird diese im Koran näher definiert?
In meinem Sprachverständnis ist jede Moschee heilig, daher kann ich in die Richtung jeder Moschee beten.
Ich finde es ist Quatsch zu etwas zu beten, was sehr weit weg ist. Ich brauche hier nur 1 Grad von der Richtung abweichen und bete dann real viele Kilometer daran vorbei.

In Sure 2:198 ist vom Arafat die Rede. Es geht um die Pilgerfahrt. Der Arafat ist bei Mekka.

Billiger Trick? Rechne es selber aus mit Google Earth.
Goldener Schnitt: 1,618

Und das mit den Koordinaten ist auch ein Trick?

https://archiv.offenkundiges.de/ist-mekka-der-mittelpunkt-der-erde/

Hier mal eine Quelle für dich, beschreibt es relativ gut, warum es nicht richtig ist. Und sogar wenn es richtig wäre, was ist mit der Theorie Dan Gibsons, sprich mit all seinen Argumenten usw?

Ich zieh mir mal die Doku rein, insha Allah.

21‘25

Sure 2 Vers 125

Und was meinst du zum von Grit angeführten Vers 2:198? Ist doch ein starkes Argument für Makka oder? :thinking:

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Ich habe bis jetzt noch keine Suren gesehen, die für Petra sprechen. Aber eine die für die Gegend um Mekka spricht.
Im Zweifel halte ich mich an den Koran.

Den „historischen Kontext“ halte ich für genauso fragwürdig wie Hadithe. Geschichtliche Überlieferungen sind meist widersprüchlich. Hadithe kann man auch als geschichtliche Überlieferungen sehen.
Wer sagt euch, dass der historische Kontext richtig ist? Das sind alles nur Vermutungen.

Ich muss auch zugeben, dass mein Wissen zu dem Thema nur begrenzt ist, da ich mich dem nie richtig gewidmet habe. Deswegen kann ich zum Arafat nicht viel sagen, aber ich meine das wurde auch in der Doku angesprochen (ist schon etwas her, dass ich diese gesehen habe), bin mir da sogar relativ sicher. Die beiden Hügel As-Safa und Marva wurden aufjedenfall in der Doku angesprochen, Dan hatte da sogar gute Erklärungen warum diese in Mekka falsch sind.

Also den Koran selbst für historische Beweise heranzuziehen ist eigentlich nicht richtig, auch wenn wir davon überzeugt sind, dass es Gottes Wort ist, für geschichtliche Beweise ist es nicht geeignet. Bspw. sagt der Koran, dass die Kaaba von Abraham errichtet wurde, was bis heute keiner nachweisen kann, gehört also eher in den Legendenbereich. Ebenso bspw. auch, dass man die Mädchen damals lebendig begraben hat usw…

Das Problem liegt auch darin, dass die ersten hundert Jahre des Islams aus geschichtlicher Sicht ziemlich dunkel sind. Einerseits haben die Mongolen gefühlt alles niedergebrannt und andererseits entstanden die Bücher von bspw. Tabari erst Jahrhunderte danach. Deswegen haste natürlich recht, es ist schwierig die damalige Zeit zu rekonstruieren…