Koran als einzige Quelle - Zehn Gebote Koran finden


#1

Selamünaleyküm,

zunächst einmal möchte ich für die hier geleisteten Arbeiten mich bedanken. Ihr habt es geschafft, dass ich mein bisherigen Glauben in Frage stelle. Ich bin auch dabei die Übersetzung vom Koran zu lesen und habe zu dem Grundsatz, Koran als einzige Quelle zu verstehen, eine Frage. Woher soll ich z.b. die zehn Gebote die Moses auf dem Berg empfangen hat, erfahren? Ich meine im Koran werden sie nicht einzeln aufgezählt.
Kann/sollte man als Quelle dann die anderen Bücher (Thora, Bibel) nehmen? Aber das wäre ja ein Widerspruch zum Grundsatz, dass man den Koran als einzige Quelle nehmen soll. Oder nicht?

Ich wäre glücklich darüber, wenn man mir auf die Sprünge helfen kann, wie ich mit dieser Frageteilung umgehen kann.

Vielen Dank


#2

Salam Selina,
es gibt ja viele Bücher zu allen möglichen Themen, die sollte man natürlich nicht alle ablehnen. Aber der Koran bezeichnet sich ja selbst als furqan, also Unterscheidung, Kriterium. Was also zu den Aussagen des Koran paßt, kannst Du annehmen, was ihnen widerspricht, solltest Du überdenken (das heißt noch nicht verwerfen, weil es immer sein kann, daß Du den Koran falsch verstanden hast).


#3

Ich gehe mal davon aus, dass die 10 Gebote nicht im Koran erwähnt sind. Es gibt aber viele Aufforderungen, die den 10 Geboten ähnlich sind. Oder gibt es wirklich im Koran die Aufforderung, die 10 Gebote zu halten?


#4

Frieden liebe @Selina und Gottes Barmherzigkeit wie Seinen Segen

m.E. sollte der Grundsatz, die Lesung als einzige Quelle zu verstehen, als eine überspitzte Formulierung und nicht unbedingt wörtlich verstanden werden. Historisch oder wissenschaftlich sind sämtliche Quellen erlaubt, die wissenschaftlichen Kriterien genügen.

Darüber hinaus ist selbst bei einer wörtlichen Anwendung des Prinzips immer noch gegeben, dass Gott selbst auf andere Quellen verweist, so z.B. durch eine direkte Aufforderung “fragt die Leute der Erinnerung (ahl al-dhikr)”, womit sämtliche Schriftreligionen gemeint sein können. Noch direkter, wenn auf Gleichnisse und Ausdrücke explizit verwiesen wird, wie z.B. in 48:29. Auch werden die vorherigen Schriften als Quelle der Wahrheit und der Führung bestätigt, wie z.B. in 5:43-48 oder 87:18-19. So wird auch immer wieder auf die “Lebensordnung Noahs” (42:13, 4:163) verwiesen, die dasselbe beinhaltet wie die nachfolgenden Schriften.

Somit sind die Unterschiede zwischen den Schriften als kultureller Umgang zu deuten. Wie Regine ja schon erwähnte, wird die Lesung hierbei als Unterscheidungskriterium erhoben, das zum aufrechtesten Weg führt (17:9). Zusammen mit den Grundsätzen, dass man allem zuhören soll (39:18, also auch den klassischen Ahadith) und nichts ohne eine kritische Überprüfung nachfolgen darf (17:36) ergibt sich die Möglichkeit, einen vernünftigen Umgang mit sämtlichen Quellen zu entwickeln.

Da wir alleine sind mit unserer Verantwortung vor Gott, gehört es also zur Mündigkeit von Gottergebenen, diese Antworten selbständig zu suchen, bestenfalls im geschwisterlichen Austausch mit Gläubigen aller Religionen.


#5

Ich danke euch für eure Antworten! Hättet ihr anders geantwortet, dann hätte ich jetzt noch mehr fragen gehabt😊
Ich habe es bisher immer so gehandhabt, dass ich mich mehr dem Leben vom Propheten und seinen Hadithen gewidmet habe, statt dem Koran. Da mir es so vorgelebt wurde, nahm ich es als selbstverständlich an, dass Hadithe tatsächlich alle authentisch sind. Ich habe auch nie die Quellen hinterfragt. ABER was intuitiv nicht falsch gewesen ist, wenn ich eine Überlieferung/Erzählung gelesen habe und ich habe diese nicht verstanden oder sie kam mir merkwürdig vor, habe ich mir gedacht, Allah weiß es besser.
Heute bin ich der Überzeugung, dass ich mich mehr mit dem Koran befassen muss, um das gelesene besser einordnen zu können.
Da die Übersetzung (unabhängig welche) nicht dem Originalen entsprechen kann, wünsche ich mir das Originale zu verstehen…Aus meinem Umfeld kriege ich zu hören, dass es sehr schwer ist und warum ich mich damit so intensiv befasse, da es doch sehr viele Gelehrte gibt, die das gemacht haben…warum ich nicht deren Weg befolge.
Diejenigen, die arabisch nicht als Muttersprache gelernt haben, wie seid ihr da vorgegangen um die arabische Sprache zu lernen?
Weiterhin wurde ich gefragt, welcher Mezhep (Glaubenrichtung? Gruppierung?) ich angehöre. Ich antwortete, ich bin ein Moslem und gehöre keiner Gruppierung an. Ist es falsch sich nicht einer Gruppe zuzuordnen? Ich weiß auch nicht welche Gruppe sich welche Rahmenbedingungen festgelegt hat…


#6

Schwer ist relativ. Hier gibt es ein paar Sinologinnen, und wenn man erst mal chinesisch gelernt hat, kommt einem arabisch nicht sooo schwer vor :slight_smile:
Für mich war einfach klar, daß ich selbst beurteilen will, was im Koran steht. Eine Rechtsschule hielt ich nie für nötig. Insofern ist es völlig in Ordung, sich einfach als Muslim/a zu bezeichnen.

Ich habe erst in der Uni, dann in der Volkshochschule modernes Hocharabisch gelernt (das findet man eher als Koranarabisch); das heißt nicht, daß ich den ganzen Koran ohne Hilfe verstehe, aber ich habe genug Grammatikkenntnisse, um eine Übersetzung, die mir komisch vorkommt, zu überprüfen. Wenn Du weißt, wie arabisch aufgebaut ist (mit Stämmen und Wurzeln), ist http://corpus.quran.com/ ein gutes Werkzeug, weil da Wort für Wort übersetzt wird, mit Verlinkung zu Wörtern gleicher Wurzel.

Es gibt ja durchaus schöne Geschichten üner den Propheten Mohammed, an denen kann man sich durchaus orientieren. Nur gibt es eben auch die anderen Geschichten (die eines kriegslüsternen, machgierigen Pädophilen, worin sich gewisse engstirnige Muslime mit Islamophoben so erschreckend einig sind); und dann wiederum solche, die sich auf die damaligen Umstände beziehen und damals durchaus ihre rehctfertigung hatten, heutzutage aber eben nicht mehr passen.


#24

Salamualai’kum

Jedenfalls ist der Qur’an das Bindeglied zwischen den Gottergebenen und der Iman, der in Eure Herzen steckt, der Iman-der Glaube.

Wie der Bruder schon erwähnt hatte, ich zietire:

Da wir alleine sind mit unserer Verantwortung vor Gott, gehört es also zur Mündigkeit von Gottergebenen, diese Antworten selbständig zu suchen.

Danke sehr Bruder, wenn nur dies alle annehmen würden nicht wahr, welch Vorstellung.

Gott segne die Gottergebenen, Salamualai’kum