"Liberaler Islam"

Was meinst Du jetz konkret? Dass die IRGM eigentlich gar nichts mit Seyran Ates zu tun hat, dass ich Seyran Ates falsch einschaetze, oder etwas ganz anderes?

Frieden,
ich weiß es nicht genau. Für mein Verständnis ist es legitim, wenn Frauen oder Homosexuelle mitbeten dürfen. Je mehr man dem Koran folgt, desto ein besseren Status hat man bei Gott, meiner Meinung nach.

Ja, Rilum, das ist ja unser gemeinsames Ziel: Dem Koran zu folgen.

Das bedeutet auch, dass alles, was der Koran nicht für haram erklärt, halal ist. Und da meines Wissens im Koran nichts davon steht, dass Homosexuelle und Frauen nicht am Gemeinschaftsgebet teilnehmen dürfen oder dass Frauen getrennt von Männern beten müssen, dürfen sie auch mitbeten.

Das ist ein Beispiel von vielen für den liberalen Geist des Islam, der die Selbstverantwortung des Individuums vor seinem Schöpfer betont und die Einschränkungen, wie etwa die Pflicht zum rituellen Gebet oder das Verbot des Verzehrs von Schweinefleisch oder der feste Glaube an den absoluten Monotheismus, auf ein Minimum begrenzt. Darin liegt sicher auch ein enormes Maß an Barmherzigkeit des Schöpfers gegenüber SEINEN Geschöpfen.

Es geht doch hier gar nicht um Seyran Ates. Ja, sie hat die Moschee gegründet, sie hat dazu den Mut aufgebracht, ja, sie, ich denke wir alle machen Fehler. Der Anfang einer Moscheegründung ist nicht so einfach. Da stoßen viele Muslime mit ihrem eigenen Islam zusammen. Aber man kann sich gegenseitig beraten. Aber ich will darauf hinaus: Oft wird diese Moschee Seyran-Ates-Moschee genannt, das ist nicht gut. Sie hat einen Namen: Ibn-Ruschd-Goethe-Moschee. Und eine Moschee wird durch eine aktive Gemeinde getragen. Diese Muslime fühlen sich mit verantwortlich für ein gutes und gottesbewusstes Gemeindeleben.

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Und ich denke, der Name der Moschee ist ein sehr schöner Hinweis auf den liberalen Charakter des Islam und auf dessen Toleranz gegenüber Andersdenkenden - zumal Ibn Ruschd und Goethe zu herausragenden Denkern aus zwei verschiedenen Kulturkreisen gehören.

Das ist eben die Frage, auf die ich auch keine abschließende Antwort habe. Wieviel Einfluß hat die Gründerin auf das Gemeindeleben? Wie präsent ist die Gemeinde (und nicht Seyran Ates) in der Öffentlichkeit? Wie verhält sie sich zu anderen Gemeinden im liberalen bzw. gemäßigt-konservativen Spektrum? Werden alle anderen verteufelt, oder wird da differenziert? Das finde ich wichtige Fragen.

Ich habe gehört, dass die Moschee meist leer sein soll. In den Medien sieht es aber so aus, als sei mit dieser Moschee eine Gegenbewegung gegen den traditionellen Islam entstanden. Ich denke, irgendwas läuft falsch, wenn diese Frau mit ihren Ideen so in die Öffentlichkeit kommt, wenn aber nichts dahinter ist.

Und was verstehst du unter “traditioneller Islam”?:thinking:

Der Islam, der den Koran nicht kennt, aber die Traditionen

Würdest du den Islam, der den Koran kennt, aber nicht die Traditionen, im Gegensatz zum “traditionellen Islam” auch als “liberalen Islam” bezeichnen? Hierauf fokussiert ja eigentlich meine ursprüngliche Frage.:slightly_smiling_face:

Mir gefallen die Schubladen nicht. Ich habe viele Freunde unter den Menschen, die streng gläubig sind, aber den Inhalt des Korans nicht kennen. Ich respektiere sie, solange sie nicht gegen Gesetze oder den Anstand verstoßen. Damit verstoßen sie natürlich auch gegen den Koran.
Nach außen sage ich, dass ich Muslim bin, wenn ich mit Muslimen zusammentreffe, sage ich, dass ich nur dem Koran folge

Grundsätzlich gefallen mir Schubladen auch nicht, aber es ist nun einmal so, dass man ständig mit Schubladen konfrontiert wird und dann entsprechend konstruktiv reagieren können sollte.
Jedenfalls vielen Dank für deine Beiträge!

Ich kann dir aber sagen, dass ich nach außen hin oft ganz am Anfang sage, dass für mich das Beste am Islam der gemeinsame Jihad ist.
Mit einem solchen Satz bist du direkt im Gespräch und kannst die wichtigsten Vorurteile gleich zu Beginn ausräumen

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Das ist ein für mich überraschender Vorschlag, weil ich davon ausgehe, dass bei vielen der Begriff Jihad negativ besetzt ist - sei es aus Unkenntnis oder als Vorurteil.

Es ist aber auch ein interessanter Vorschlag, weil man in der Tat somit direkt im Gespräch ist und mit klugem Vorgehen Vorurteile ausräumen kann. Deinem Beitrag entnehme ich, dass du mit diesem Vorgehen offensichtlich Erfolg hattest respektive hast.

ja, ich hatte Erfolg. Natürlich denken die Menschen, dass Jihad bedeutet, dass man Ungläubige tötet. Wenn ich nun vor den Menschen stehe, nett und freundlich bin, eine Oma, wenn ich dann so etwas sage, wissen die Menschen, dass da was nicht stimmt und wir kommen ins Gespräch. Wenn das mit dem Jihad geklärt ist, kann man normalerweise gut reden. Dann ist das Schlimmste ja schon vom Tisch

Dann wünsche ich auch weiterhin viel Erfolg und freue mich auf viele weitere anregende Beiträge von dir in diesem Forum.

Dieses Forum nervt mich jetzt einfach ein wenig. Ich wollte einfach nur “danke” sagen, aber ich durfte nicht. Die Mindestanzahl von Buchstaben war nicht erreicht. Ich sollte ein Herzchen vergeben. Ich mag solche Herzchen nicht. Du kannst dir jetzt den ersten Teil wegdenken und nur das DANKE für dich annehmen

Ja, perfekt ist das Forum nicht, aber ich bin froh, daß es existiert. Und schön, daß Du jetzt auch hier bist.

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Wie ist denn der Islam mit Homosexualität vereinbar?

Sure 7 vers 80&81

„Und wir sandten Lot. Damals, als er zu seinem Volke sprach: ‚Wollt ihr denn eine solche Abscheulichkeit begehen, worin noch niemand von den Weltbewohnern euch zuvorkam? Siehe, aus Lust verkehrt ihr mit den Männern statt mit Frauen. Nein, ihr seid ein Volk, das es zu weit treibt

Zu dem Thema gubt es etliche !ängere Abhandlungen, ich fasse nur mal ganz knapp und grob zusammen:
Lots Volk ging es nicht um eine Liebesbeziehung zu einer Person gleichen Geschlechts, sondern darum, Normen zu übertreten, Unheil zu verbreiten, andere für ihre Gier zu nutzen und zum Objekt zu machen. Sexuelle Übergriffe waren nur ein Aspekt ihres unmoralischen Handelns.
Das alles KANN natürlich auch in heutigem sexuellem Verhalten vorkommen (egal ob homo- oder heterosexuell), es gibt aber eben auch viele Fälle, wo zwei Menschen gleichen Geschlechts eine liebevolle, auf gegenseitigem Respekt basierende Beziehng pflegen, die auch Körperlichkeit einschließt. Das ist dann etwas, was nur die beiden angeht.
Andere Verse, die zur Verurteilung der Homosexualität herangezogen werden, sprechen gar nicht eindeutig von zwei Männern (und überhaupt nicht von zwei Frauen).