Meine Reise zum Glauben und die Wahrheit, zu der sie mich führte

#1

Frieden liebe Freunde,

in letzter Zeit habe ich im Bezug auf Religion sehr viele Zweifel durchlaufen, die mich häufig aus der Bahn der Religion geworfen haben. In dieser Zeit habe ich jedoch viele neue Erkenntnisse erlangt, die ich gerne mit euch teilen möchte. Denn diese haben mir gezeigt, wie wichtig Religion und Glaube für mein Leben tatsächlich sind und mir einen stärken Halt verliehen als zu der Zeit vor den Zweifeln.

Die Zweifel haben dazu geführt, dass ich (gebürtiger Muslim) den Islam im Gedanken verlassen wollte und tatsächlich habe ich das Gebet beendet und jegliche religiöse Praktiken unterlassen. Ich fühlte mich von da an besser und dachte ich würde ein freieres Leben führen. Doch das war nur ein kurzfristiges Gefühl. Später artete diese vermeintliche Freiheit in einen großen Schmerz aus. Was war passiert?

1) Die Bedeutung der materiellen Welt nahm für mich zu:
Da nun das Thema Glaube keine Bedeutung mehr für mich hatte, wich der spirituelle Aspekt meines Lebens von meiner Seite. Gleichzeitig wuchs der Druck, diesen Verlust durch Materielles auszugleichen. Ich spürte den Drang, in dieser Welt etwas Großes erreichen zu müssen, viel Geld, Ruhm, der perfekte Lebenslauf … doch da ich weit von diesem Ideal entfernt bin, entwickelte sich ein psychischer Schmerz. Als ich glaubte, war Gott die Quelle meines Glücks, in der materiellen Welt war es ein bestimmtes Ziel, was ich jedoch nicht erreicht hatte und nicht sicher erreichen könnte. Natürlich waren da Familie, Freunde, aber ich hatte die ständige Angst, sie zu verlieren. Verlustängste kamen auf. Der Tod gewann eine zunehmende Bedeutung für mich, wo er früher nur eine Brücke zwischen Diesseits und Jenseits war, war er jetzt ein mögliches Ende. Ich interssierete mich wieder mehr für Sexualität. Wo es keine Spiritualität mehr gab, gewann der Körper und das Aussehen mehr an Bedeutung. Daher hatte ich stärker mit solchen Gedanken zu kämpfen

2) Die Meinung anderer von mir habe ich größere Bedeutung zugeschrieben
Im Islam habe ich gelernt, dass ich nur Allah swt. fürchten muss und darf. Dies nahm mir große Angst vor anderen Menschen. Ich konnte vor vielen Leuten sprechen und machte mir wenig Gedanken darüber, was sie von mir dachten. Ohne Gott an meiner Seite kam diese Angst aus dem nichts wieder über mich her. Ich machte mir auf der Straße sehr häufig Gedanken, was andere von mir denken könnten, was viel innere Energie von mir raubte. Ich fing an, Vorträge von irgendwelchen Leuten anzuhören, die mir sagten, wie man selbstbewusster werden würde wo ich mir dachte, dass ich früher selbstbewusster war ohne aktiv daran gearbeitet zu haben. Nur mit Hilfe des Glaubens

3) Die Bedeutung der Moral verkam immer mehr in mir:
Natürlich glaubte ich nach dem ich den Islam verlassen hatte an eine allgemeingültige Moral, an die sich jeder zu halten hatte. Doch wenn ich in die Welt schaute und auch nebenan, so musste ich feststellen, dass sich nur wenige freiwillig an diese Moral halten. Sie steht in den Büchern, die Menschen akzeptieren sie, wenn sie über sie reden als “Vernunft” oder “Tugend”, doch wenn es um ihren eigenen Vorteil geht, vergessen sie sie wieder, denn sie ist nur freiwillig und nicht zeitlos bindend. Ich verlor meine Hoffnung in die Moral. Ich stellte mir vor, wie ich dafür kämpfen würde und die Menschen würden mir zurufen: “Deine Moral ist nicht unsere Moral, wieso sollten wir uns daran halten? Du bist hier der Böse!” . Das spiegelte sich auch in meinem Verhalten gegenüber anderen wieder. Ich wurde kälter und nicht mehr in jeder Situation meinen Werten treu, zum Beispiel wenn ich Stress hatte oder es sehr um meinen Vorteil ging. Wo ich vorher Gott an meiner Seite sah, war nun niemand als eine von Menschen entworfene Theorie, die zwar überzeugend, aber nicht verpflichtend war und von der die meisten Menschen und auch Staaten sich nur die Rosinen herauspickten Natürlich leben wir in einem Rechtsstaat, aber auch Deutschland tut nichts dagegen, dass von hier aus Amerika Drohnenangriffe durchführt oder dass LEbensmittelkonzerne, wie Unilever, Nestle und Co. Menschen aus der Dritten Welt ausbeuten. Das Wasser wird ihnen genommen, wo sie schon so wenig haben, ihr Land wird ihnen geklaut, damit wir Tierfutter anbauen oder Palmöl und Kakao für unsere Wohlstandsnahrung. Wenn es um Kinder Schokolade, Raffaelo oder Snickers geht, kennt auch eine vermeintliche Demokratie keine Moral mehr. Oder wie war es mit den ganzen Kriegen, die Amerika, das “Herz der Demokratie” unrechtmäßig führte? Als ich Muslim war, sah ich die Moral als einen Auftrag Gottes, an denen man sich zeitlos zu halten hatte. Egal wer. Und wenn kein Mensch mir dabei zur Seite stand wusste ich, ich kämpfe für etwas Gutes, weil Gott es gut machte und er ist der Erhabene und Allwissende.

Das Leben verlor für mich an Sinn

Was war das Leben, wenn es keinen Gott gab oder bloß einen vermuteten Gott, und wenn Ungewiss war, was danach mit uns passierte? Genau, ich weiß es nicht. Ein Zufall auf Zeit? Was war mit den Leidenden Menschen, den sterbenden Kindern, was würde mit den bösen Menschen auf diesem Planeten passieren? Ich hatte keine Antwort mehr darauf. War all das Zufall? Ich glaube zwar an Evolution, aber dass nur die Evolution hinter all dem steckt, das konnte ich mir nicht vorstellen. Spätestens beim Urknall musste bei Gott die Antwort liegen.

Insbesondere wenn es mir sowieso schon schlecht ging und ich alleine war, haben all diese Faktoren sich gesammelt und in mir ein großes Leid verursacht. Depressionen, Selbstzweifel bis hin zu Gedanken, wieso ich überhaupt weiterleben sollte. Ein gottloses Leben war für mich ein Leben ohne Sinn.

Ich fragte mich, wo ich all diese Antworten finden konnte. Die Antwort zu Gott, dem Jenseits, zu einem selbstbewussteren Ich, zu einer zeitlosen Moral und zum Sinn des Lebens, sowie zur Spiritualität. Ich erkannte schnell, dass all diese Faktoren in einer Religion gesammelt waren, die ich zuvor nur unbewusst praktizierte und ohne sie wirklich zu kennen - und das war der Grund für die Zweifel - es war der Islam.

Ich nahm wieder den Islam an. Allerdings entdeckte ich ihn neu. Ich legte die Hadithe und die Sunnah ab, sowie zwanghafte Rituale, die nicht vorgesehen waren, betete statt 5 mal 3 mal am Tag und fokussierte mich nur noch auf den Koran, in dem alle Antworten geschrieben stehen, nach denen ich suchte

  1. Gewalt gegen Ungläubige oder Frauen? Nein, denn es gibt keinen Zwang im Glauben, man soll Menschen mit der Rede überzeugen und nicht mit dem Schwert.
  2. Angst vor anderen Menschen oder ausgedachten Figuren ? Nein, nur vor Gott
  3. Angst vor dem Tod? Nein, der Tod ist nur ein Weg zum richtigen Leben
  4. Verehrung von Idolen? Nein, nur Verehrung für Gott!
  5. Moral? Ja, töte nicht, lüge nicht, sei nicht eifersüchtig, helfe den Armen, teile von deinem Besitz, sei nicht gierig, sei barmherzig, behandle jedes Geschöpf Gottes mit Liebe. Würde unsere Gesellschaft sich daran halten, gäbe es kein Leid mehr auf Erden

Ich erkannte nun, weshalb der Koran widerspruchsfrei ist. Weil er Maximen aufstellt, die jeden Vorwurf gegen ihn zu nichte machen (z.B. Kein Zwang im Glaube gegenüber dem Vorwurf zur Gewalt gegen Ungläubige /Apostasen/Frauen/Dieben etc) Daher muss jeder Vers, der eine solche scheinbare Bedeutung vorgeben mag, eine andere Bedeutung und einen anderen Kontext haben.

Ich musste zudem anders an den Koran heran gehen. Der Grund, weshalb ich den Islam verlassen hatte, waren zu vorschnelle Urteile über den Islam auf Basis von Unwissenheit und Vorurteilen. Hätte ich Geduld geübt und hätte ich meine Wissenslücken geschlossen, wäre ich unvoreingenommen an den Koran herangegangen, dann wäre dies mit Sicherheit nicht passiert. Und das wird mein jetziges Ziel sein. Zweifel enstehen aus Mangel an Wissen. Wer Zweifel mit Respekt und Neugier stillt, der wird erfolgreich sein. Wer ihn mit Hochmut und Unwissenheit speist, wird im Islam keinen Frieden finden, sondern ihn zwangsläufig verlassen.

Das ist meine wichtige Erfahrung, die ich aus dieser Reise gezogen habe.

Ich habe diesen Thread auch geöffnet, um alle Zweifelnden zu unterstützen und ihnen das Leid zu ersparen, was ich durchmachen musste. Ich habe gelernt, dass ein gottloses Leben nicht erstrebenswert ist und viele Probleme im Leben schafft. Ohne den Glauben zu leben hat mir gezeigt, wie wichtig der Glaube ist und ich möchte ihn nie wieder verlieren.

Hoffentlich konnte ich euch damit helfen.

Danke

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#2

Ein sehr spannender Artikel. So etwas habe ich auch durch manche müssen.

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