Moses-Ḫiḍr-Erzählung im Koran (hier: 18:60-18:64)

Nach Ansicht der Traditionalisten lassen sich die Gründe für die Suche von Moses nach dem weisen Diener Ḫiḍr (dessen Name im Koran übrigens nicht erwähnt wird) nicht im Koran finden, auch soll unerwähnt sein, wo konkret die Stelle ist, wo die beiden Meere sich treffen und wie lange die Reise dauerte, oder warum Moses nach ihm suchte.

Als mögliche Quellen / Erläuterung für diese Geschichte wird (wie so oft auf andere Quellen zugegriffen) auf das Gilgamesch-Epos, Alexander-Mythos (Wasser der Unsterblichkeit) und die dem Judentum entlehnte Geschichte von der Weggenossenschaft von Elija und dem Rabbi Joschuah ben Levi zugegriffen, wobei auch tws. vertreten wird, dass die Geschichte von Moses und Ḫiḍr einzelne Elemente aus diesen verschiedenen Mythologien entnommen hat, verarbeitet und zusammengefügt hat.

Genauso im Irrweg sehe ich İbn ʿArabī der (wieder einmal) in Fuṣūṣ al-Ḥikam („Ringsteine der göttlichen Weisheit“ auf Deutsch erschienen als „Die Weisheit der Propheten“), der seine sufische Sichtweise der Ereignisse um Moses im gleichnamigen Kapitel wiedergibt. Vielleicht verstehe ich diesen Mann nicht. Letztendlich ist es auch unerheblich, jedenfalls für mich.

Was zählt ist das Wort Gottes. Gott ist der Lehrer des Korans.

Der Koran als göttlich aufgezeichnete Schrift (vgl. 52:2) ist frei von Widersprüchen (vgl. 4:82), vollständig detailliert (vgl. 6:114; 10:37), deutlich und verständlich (vgl. 2:118; 5:15), zugleich komplett (vgl. 6:115) und perfekt (vgl. 6:38) sowie von Gott geschützt (vgl. 15:9; 41:41; 41:42).

Was sagt also der Koran?


Dieser Abschnitt wurde aktualisiert: 05.05.21, 2130Uhr

18:60 Und einst sagte Mose zu seinem Jugendlichen (Lehrling): „Ich werde nicht ablassen, bis ich den Zusammenschluss zwischen den zwei Gewässern erreiche, oder ich gehe voran, (selbst) für eine längere Zeit.“

Komm.: Mit dieser Aussage werden zwei Möglichkeiten aufgezählt, die zur unbedingten Erreichung des anvisierten Zieles (siehe wegen der Zielsetzung 18:64) in Betracht gezogen werden: Eine Reise entweder über die Wasserstraße oder zu Fuß über die Landstraße, was aber gleichbedeutend war mit einer Reise für eine längere Zeit.

18:61 Als hierauf sie beide den Zusammenschluss zwischen den beiden erreicht hatten, vergaßen sie ihren Fisch. Hieraufhin hielt er seinen Weg im Gewässer in einer brausenden Weise.

Komm.: Beide erreichten den Ort von dem Zusammenschluss der beiden, mithin den geplanten Treffpunkt zwischen Moses und Al-Chidr (arabisch: الخضر, türkisch: Hızır‚ deutsch: „der Grüne“). Mit dem Begriff saraba wird zum einen darauf aufmerksam gemacht, dass der Fisch, den sie vergessen hatten, der folglich tot war, sich im Wasser in einer brausenden Weise bewegt hat, was möglicherweise durch besondere geologische Eigenschaften des Wasserlaufs veranlasst wurde. Zugleich steht dieser aber Begriff dafür, dass ein äußerer Schein veranlasst wird, der aber nicht dem tatsächlichen Zustand entspricht. Hier: der tote Fisch erscheint lebendig in dem Fließgewässer.

18:62 Als hierauf sie überquert haben, sagte er zu seinem Jugendlichen (Lehrling): „Gebe uns unsere morgendliche Mahlzeit her. Gewiss sind wir von dieser Reise von uns mit dieser Müdigkeit aufeinandergetroffen.“

Komm.: Die erhöhte Müdigkeit resultierte infolge der Überquerung der in 18:63 beschriebenen Felsen, die zu Schwierigkeiten führten, vgl. 18:63.

18:63 Er sagte: „Siehst du: Als wir zum Fels flüchteten, vergaß ich zweifellos den Fisch. Und nichts außer dem Teufel hat mich ihn vergessen lassen mich an ihn zu erinnern. Und er hielt seinen Weg im Gewässer in einer eindrücklichen Weise.“

Komm.: Hier wird verdeutlicht, dass sie wegen dem Felsen (und der damit verbundenen Schwierigkeiten für Schifffahrt) ihr Boot verlassen mussten, und zu dem Felsen flüchten mussten. In diesem Augenblick fiel der Fisch ins Wasser, und erschien infolge der Gegebenheiten des Gewässers lebend, was ungewöhnlich und damit seltsam für den Beobachter war. Von diesem Felsen aus bzw. Klippe mussten sie sodann zur Kreuzung der beiden Flüsse zu Fuß laufen, wobei sein Assistent vergessen hatte ihm von diesem Vorfall zu berichten.

18:64 Er sagte: „Das ist das, wonach wir wohlgewollt waren.“ Hierauf haben sie sich beide in Erläuterung der Fährte auf ihren Spuren zurückgewendet."

Komm.: Hier wird neben der Zielsetzung von Moses nochmals verdeutlicht, dass sie zu Fuß vom Land kamen und beim Gehen Fußspuren hinterließen, womöglich kamen sie aus einem sandigen Gebiet (Strand, Wüste).


Einige Fakten:

Im Mittellauf des Nil, unterhalb des Zusammenflusses von Blauem Nil und Weißem Nil, ist das Flussbett des Nils zwischen Assuan in Ägypten und Khartum im Sudan in sechs Katarakten durch Engstellen und Felsen gestört. Von Norden nach Süden sind es die sechs sog. Katarakte, von denen der erste im heutigen Ägypten liegt und die restlichen fünf im Sudan.

Der Begriff Katarakt bezeichnet seiner ursprünglich griechischen Bedeutung nach einen Wasserfall oder eine Stromschnelle.

Stromschnellen (Laufabschnitte eines Flusses, an dem das Wasser durch erhöhtes Gefälle, Untiefe oder Verengung des Flussbettes reißend und schnell fließt), die durch Blöcke oder Felsriegel gebildet sind werden als Katarakt bezeichnet.

Die geologischen Hintergründe für die Bildung der Katarakte liegen in der tektonischen Aktivität des nördlichen Sudans, die es Teilen des Flussbettes – trotz Erosion – erlauben, sich über die Wasseroberfläche zu erheben. Es wird angenommen, dass vor Millionen von Jahren sich hier im Osten von Afrika Kontinentalplatten übereinander schoben, die härter sind als das Sedimentgestein des Flusses und dadurch die Gegend formten.

Ob in geologischer Hinsicht das Treffen der beiden eine Bedeutung hatte kann ich nicht beurteilen, ausschließen möchte ich es aber nicht und möchte diese Besonderheit nicht untergraben.

Diese sechs natürliche Granitbarrieren, die wesentlich härter als das umgebende Sedimentgestein und die Nilsedimente sind, bildeten im alten Ägypten als gefürchtete Katarakte die natürlichen Grenzen zwischen verschiedenen Königreichen.

Sie sind im Übrigen bis heute Hindernisse für die Schifffahrt, bei Niedrigwasser wegen verborgener Klippen und unübersichtlicher schmaler Felsrinnen und bei Hochwasser wegen der reißenden Strömung, wobei anzumerken ist, dass der Nil relativ insbesondere bei dem vierten und der sechsten Katarakt als nicht leicht schiffbar gilt und damit als schwer passierbare Teilstücke des Nils einzustufen sind, weil auch der Nil hier erkennbar von seiner nach Norden gerichteten Strömung abweicht.

Dieser 6. Nilkatarakt befindet sich nahe der antiken Stadt Meroe, bei einem Gebirgsdurchbruch mit der Bezeichnung Sabaluka-Intrusion. Der 6. und letzte Katarakt befindet sich mind. 80 km nördlich von Khartum.

Meroë (arabisch: مرواه‎; altgriechisch: Μερόη, türkisch: meroe) hatte als eine antike Stadt am Ostufer des Nil in der hebräischen Legende eine besondere Bedeutung: Flavius Josephus berichtet in Antiquitates Iudaicae II, 238-253, dass Moses als Jüngling mit einem ägypt. Heere einen Kriegszug nach Äthiopien unternommen haben und bis Meroe vorgedrungen sein.

https://at.regionkosice.com/wiki/Meroë

Die Stadt, die damals Saba hieß, wurde in der Nähe des Zusammenflusses zweier großer Flüsse erbaut und war von einer beeindruckenden Mauer umgeben. Diese Flüsse, nämlich der Weiße und der Blaue Nil fließen in Khartum zusammen und bilden so den mächtigen Fluss, der sich durch die Wüste seinen Weg in Richtung Ägypten und Mittelmeer bahnt.

Der Periplus Maris Erythraei beschreibt die Bewohner von Meroë als „Fischesser“ (Ichtyophagoi), die in verstreuten Höhlen in engen Tälern wohnen.

https://www.uni-muenster.de/Rektorat/exec/adventskalender/tuer.php?nr=14


Was mE die Verse bedeuten:

Zusammenfassend könnte Folgendes angenommen werden: Moses begab sich u.a. mit seinem Assistenten in einem Boot auf dem Nil nach Meroë, das sogl. Land der Fischesser. Er passierte an mehreren Wasserfällen (Stromschällen) vorbei, aber bei einem der schwierigsten, dem 6. Nilkatarakt musste er das Boot verlassen und zum Felsen klettern. In diesem Moment fiel auch ihr Fisch in den Wasserfall. Der Fisch versank in den Wasserfall und wurde durch die Strömung so bewegt, als wäre er lebendig. In der Zwischenzeit vergaß der Assistent von Moses ihn davon zu informieren, dass der Fisch in den Fluss gefallen war. Sie setzten daher ihren Weg fort. Als sie in die heutige Stadt Khartum (wo der Zusammenfluß der zwei Flüsse, der Weiße Nil und der Blaue Nil ist) sagte sein Assistent, dass der Fisch im 6. Nilkatarakt in den Fluss fiel und in der Strömung so schwamm, als ob er lebendig wäre. Sie kehrten sodann ihren Spuren folgend zu diesem Wasserfall zurück und dort fand auch das Treffen mit Ḫiḍr statt. Aus diesem Grund kehrten sie auf ihren eigenen Spuren zu dieser Stromschnelle zurück, und das Treffen fand Sabaluka-Intrusion statt, etwa 80 km nördlich von Khartum.

Nach Meinung einiger Traditionalisten ist in den 18:60; 18:61; 18:62; 18:63; 18:64 die Deutung von آب حيات (türkisch: âb-ı hayât; deutsch: „Wasser der Unsterblichkeit“, „Jungbrunnen“) zu erkennen, was ich als Irrglauben ablehne. Es existiert keine „Quelle der ewigen Jugend“, sie bleibt eine mythische Vorstellung.

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Friede Sue

und vielen Dank für deine interessanten Forschungsergebnisse! :tophat:

Als erste Reaktion darauf möchte ich dir einige Gedankenanstöße geben :thinking::

  1. Was hältst du von der Theorie, dass es sich beim Zusammenfluss um den "der beiden großen Gewässer "von Euphrat und Tigris handelt?

  2. Was hältst du von der (von mir favorisierten) Theorie, dass es sich beim Zusammenfluss um den der beiden „großen Gewässer“ Golf von Sues (nicht Sue :joy:) und Golf von Aqaba handelt? In der sich dort befindenden Straße von Tiran gibt es übrigens auch Riffe und Klippen (صخرة sahra).

  3. Ist deiner Meinung nach der Fisch nur als reales Tier zu verstehen oder könnte der Fisch hier auch eine symbolhafte Bedeutung haben? Mich macht es nachdenklich, dass es bei den Christen das Symbol des Fisches gibt, was ursprünglich auch eine Art Geheimzeichen für sie war.

  4. Deine Übersetzung des Endes von 18:63 „Und er hielt in einer Eindrücklichkeit nach seinem Weg im Gewässer“ verblüfft mich und bedarf einer näheren Erklärung für meine ratlose Denkmurmel. Meine Übersetzung lautet: „Und er nahm seinen Weg im großen Gewässer. Seltsam!“ Ich verstehe davon, dass der tot geglaubte Fisch seltsamerweise als lebender Fisch („er nahm seinen Weg“: eine Tätigkeit) im großen Gewässer verschwand. Deshalb heißt es am Ende des Verses „Seltsam!“ / عجبا adschaban.

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Selam @OASE

erstmal vielen lieben Dank für die Hinweise und Anregungen.

zu 1) und 2): Hättest du da einige Anknüpfungspunkte, vorzugsweise historische Hinweise, insbes. das von dir favorisierte 2) würde mich interessieren.

Im Zhg. mit der Lokalisierung des Geschehens sind tatsächlich noch weitaus mehr Ansichten vorhanden, die tws. irrwitzig sind: al-Chidr – Wikipedia

In der von mir aufgeführten These sind bei mir ebenso die Klippen (صخرة sahra) ein wichtiger Deutungspunkt, aber auch die Stromschnellen, mithin die sog. Katarakten (lat.: cataracta; von gr.: καταρράκτης katarrháktēs; deutsch: „Wasserfall“ bzw. Attisch καταρρήγνυσθαι katarrhégnysthai; deutsch: „herabstürzen“).

U.a. auch die Region des 4. K.s und des 6. K.s, die beide ein zusätzliches Hindernis für den Bootsverkehr beinhalten, da hier der Nil von NO nach SW bzw. SW nach NO fließt und somit die Fließrichtung des Wassers mit der vorherschenden Windrichtung im Einfluß steht, worauf 18:60, insbes. 18:62 hinweisen.

Ausschlaggebend in der Überlegung sind für mich die historisch belegbaren pharaonischen Grenzfestungen des Mittleren Reiches (ca. 2040 bis 1650 v. Chr.), u.a. damit auch die verschiedenen Katarakten, insbesondere die Bedeutung des Nils, die als Lebensader zur Herausbildung der Hochkultur des Alten Ägypten beigetragen sollte in diesen Versen nicht vernachlässigt werden.

Hinzu kamen, die in den 18:60ff erwähnten Indizien (die dafür sprachen, dass die Begrifflichkeiten in ihrer Gesamtschau nicht symbolhaft zu verstehen sind bzw. m.E. nicht sollten.)

  • Fisch → Fischer → „Fischesser“ (Ichtyophagoi)
  • Sabaluka Pluton in der Nähe von Bagrawiyah → Sabaluka = Samak (Fisch)? https://referenceworks.brillonline.com/entries/encyclopaedia-of-islam-2/samak-COM_0993
  • Zusammenfluss der großen Fließgewässer → weißer Nil und blauer Nil
  • Felsen → Felsengebiet → Im bis zu 20 km breiten und bis zu 350 m in die felsigen Wüstengebiete eingetiefte Niltal
  • Fusspuren → Sandiger Gebiet → Nildelta

zu 3)

Nicht nur im Christentum, sondern auch viel früher gab es zu diesem Thema vergleichbare Gedanken, auf die ich mich nicht so sehr konzentriert habe, u.a. auch:

In dem sogenannten „Syrische(n) Alexanderlied“, in dem berichtet wird, dass Alexander von der Existenz eines Wassers erfährt, dass dem Menschen ewiges Leben verleihen soll.

Und hierauf sprach der Greis zu Alexander:
‚Befiel Deinem Koch einen gesalzenen Fisch mitzunehmen,
Und wo er einen Wassarquell sieht, soll er den Fisch waschen.
Und wenn der Fisch lebendig wird in seiner Hand, wenn er ihn wäscht,
So ist eben das der Born des Lebenswassers, nach dem du, König, fragst.‘ […]“
(Das syrische Alexanderlied. Hrsg. und übersetz von Carl Hunnius. In: ZDMG; Bd. 60, 1906. S. 193.)

Ähnlich auch Asad (in: Die Botschaft des Koran), der sich auf Bayḍâwî stützt und damit nicht auf die Historizität dieser Erzählung, sondern sich mehr auf die in ihr transportierten Lehren konzentriert:

„Der in letzterem wie auch in dem oben genannten Hadith erwähnte ‚Fisch‘ ist ein altes religiöses Symbol, das möglicherweise göttliches Wissen oder ewiges Leben bedeutet „

Diese sind mir ehrlich gesagt zu mystisch zu viel Muhyī d-Dīn Ibn ʿArabī, mithin insgesamt eine zu sufische Koraninterpretation, zumal erkennbare geologische aber auch historische Punkte nicht außer Acht gelassen werden sollten, die dieser Betrachtungsweise vorzuziehen sind m.E.

zu 4) (…) Und er hielt in einer Eindrücklichkeit nach seinem Weg im Gewässer. (…)

Richtig. Ich sehe es ebenso wie du („tot geglaubte Fisch seltsamerweise als lebender Fisch“). Es ist klarstellender in der Aussage, wenn am Ende „Wie seltsam!“ stehen würde. Dankeschön.


Zur weiteren Vertiefung der von mir aufgezeigten These hier noch einige weitere Infos / mögliche Argumente:

Es wird berichtet, dass Moses als Jüngling mit einem ägypt. Heere einen Kriegszug nach Äthiopien unternommen hat, bis Meroe vorgedrungen ist und sich daselbst mit der äthiop. Prinzessin Tharbis vermählt hat.

Von Mose wird zudem berichtet, dass er eine Kuschitin zur Frau nahm. Deshalb machen ihm seine Geschwister Mirjam und Aaron Vorwürfe (4. Mosebog 12,1).

Um 1500 v. Chr. zerstörten die Pharaonen des ägyptischen Neuen Reiches das Reich von Kerma und eroberten Nubien bis zum 5. Nilkatarakt. Die nubischen Völker wurden kulturell weitgehend assimiliert. Die ägyptische Besatzung dauerte bis ca. 1000 v. Chr. an.

Nubien wird in der Wissenschaft übrigens als das erste Kolonialreich angesehen.

http://stsmith.faculty.anth.ucsb.edu/research/nubia_history.html

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Friede Sue,

zum Punkt 1 habe ich nichts zu sagen, das ist nur eine von mir erwähnte Theorie, die es gibt und für die ich keine Anhaltspunkte kenne. Ich wollte also nur darauf hinweisen, dass es mehrere Theorien gibt. Die Hinweise auf Alexander und Gilgamesch Epos gehören ja auch dazu.

Was nun den Punkt 2 betrifft, so verbinde ich mit Mose immer Ägypten und damit vor allem auch den Sinai. Dorthin lokalisiere ich ja auch das damalige Land Madyan und den Berg Horeb/Sinai, und beides bildet zentrale Punkte im Hinblick auf Mose. In dieses genannte Gebiet fällt zudem das Zusammentreffen zweier großer Gewässer, als da sind der Golf von Aqaba und der Golf von Sues und im Schnittpunkt beider die Straße von Tiran, in der es wiederum auch Klippen und Felsen gibt. Einen Hinweis auf die von dir erwähnten Katarakte kann ich im Quran in Sure 18:60-64 allerdings nicht finden.

Die von dir zitierten historischen Angaben waren mir bis dato unbekannt. Deshalb vielen Dank, dass du dazu beigetragen hast, dass meine Denkmurmel mal wieder was zum Futtern bekommen hat!

Der gute alte Flavius berichtet also, dass Mose als Jüngling mit einem ägyptischen Heer einen Kriegszug nach Äthiopien unternommen habe. Hier habe ich zwei Fragen: Ist das derselbe Mose wie unser Prophet Mose? Und fand die in 18:60-64 geschilderte und in 18:65 genannte erfolgreich abgeschlossene Suche statt, als Mose ein Jüngling war oder als er schon Prophet und mithin kein Jüngling mehr war? Intuitiv tendiere ich zur zweiten Option.

Wie ich früher schon einmal konstatierte, bildet die Sure 18 Stoff für umfangreiches Nachdenken und Eruieren. Und die Sure 18 ist ja nur ein kleiner Teil des ganzen Quran. Da kann ich Allah wirklich nur bitten, dass ich so alt wie Methusalem werde … Und du natürlich auch! :smiley:

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Für so ein Alter uns beiden dann ab jetzt also viel Knoblauch und Kefir oder viel Hasir und Habibi (Winterfeldplatz). Da bist du als Berliner mit dem vielfältigen und zugleich wunderschönen Angeboten an int. Köstlichkeiten dort deutlich im Vorteil… :shallow_pan_of_food:

In der Tat ist die Sure 18 sehr vielschichtig, ich stelle wie bei Sure 12 fest, dass sehr viel externe zT problematische Quellen für die Deutungen verwendet werden, obwohl der Koran so klar sein kann.


Du schriebst: Hier habe ich zwei Fragen: Ist das derselbe Mose wie unser Prophet Mose? Und fand die in 18:60-64 geschilderte und in 18:65 genannte erfolgreich abgeschlossene Suche statt, als Mose ein Jüngling war oder als er schon Prophet und mithin kein Jüngling mehr war? Intuitiv tendiere ich zur zweiten Option.

zu 1) Ich denke schon, dass hier unser Moses erzählt wird, weil zum einen keine überzeugenden Anhaltspunkte für eine andere Betrachtungsweise vorhanden sind und zum anderen mittelbar schon irgendwie auf diesen besonderen Ehrgeiz bzw. Eifer von Moses Andeutungen bestehen, wie bspw. seine achtjährige Tätigkeit und sein endloses Warten, dass er seine künftige Frau heiraten darf oder wie auch in 18:60: "(…) „Ich werde nicht ablassen, bis (…). Der Moses war schon irgendwie auf seine Weise ein sturer Mensch ehrgeizig und kämpferisch.

zu 2) Ich denke nicht, dass er zu der Zeit dieser Erzählung bereits Prophet war.

Was sagt der Koran hierzu?

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

28:14 Als er ausgewachsen und reif geworden war, verliehen wir ihm Urteilskraft und Wissen. So belohnen wir die, welche Gutes tun.
(Bobzin)

Komm.: Moses war schon in seiner jungen Zeit bereits sehr reif.

20:41 und ich bereitete dich für mich vor.
(Bobzin)

Komm.: Mose hatte fortwährend einen Prozess der Erziehung durch Gott (ähnlich auch bei Yusuf; Sure 12 → Vers müsste ich noch raussuchen).

Moses wurde vielen Ereignissen ausgesetzt, bspw. infolge der (fahrlässigen) Tötung eines anderen, woraufhin er dann aus Ägypten flüchten musste.

Lange vor diesem Vorfall fragte sich Moses wahrscheinlich, ob es jemanden gab, der besser unterrichtet und besser gebildet war als er. So verstehe ich diese Verse in der Sure 18 (das Verborgene bzw. Begrenztheit vom Wissen) :

Ihm wurde womöglich aufgrund dessen gesagt, wo er jemanden finden kann, der in irgendeiner Weise besser informiert und gelehrt ist als er. Er traf dann diese eine Person (kein Engel → Umkehrschluss aus 18:77, Engel essen nicht), konkret einem Diener von vielen Dienern (عَبْدًا مِّنْ عِبَادِنَا), dem Gott über die Engeln (آتَيْنَاهُ رَحْمَةً مِنْ عِندِنَا), gelehrt hat (وَعَلَّمْنَاهُ) womöglich spezielles Wissen (عِلْمًا), vgl. 18:65. Die ehrgeizige Motivation zur Suche nach dieser einer Person deute ich auch aus 18:60 (s.o., zu Fuss oder zu Land, er will sein Ziel erreichen) oder aus (ذَلِكَ مَا كُنَّا نَبْغِ, vgl. 18:64), mithin sein Ziel ist es, sich mit einer Person zu treffen, der besser informiert ist als er selbst, „an dem einen Ort, an dem der / die tote(n) Fisch(e) lebendig aussieht / aussehen“ (vgl. 18:63) (srb (س ر ب) → 18:61:11 saraban → The Quranic Arabic Corpus - Word by Word Grammar, Syntax and Morphology of the Holy Quran).

Aufgrund dieser Hinweise, müsste sich dieser Vorfall vor seiner Prophetenzeit ereignet haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Prophet fragen wird: „Ist jemand sachkundiger als ich?“, weil ein Prophet, der durch Übertragung der Gesandtschaft eine Vollkommenheit erreicht, und er dieser göttlichen Aufgabenzuweisung voll bewusst ist, und zugleich nicht in eine solche Arroganz zeigen dürfte.

zu 3)
srb (س ر ب) → 18:61:11 saraban → The Quranic Arabic Corpus - Word by Word Grammar, Syntax and Morphology of the Holy Quran

Bdtg. u.a.: frei gehen, fließen, laufen, offensichtlich gehen, optische Täuschung

aber auch nach:

http://ejtaal.net/aa/#hw4=485,ll=1387,ls=5,la=1980,sg=508,ha=328,br=454,pr=76,vi=189,mgf=422,mr=309,mn=623,aan=264,kz=1086,uqq=150,ulq=921,uqa=196,uqw=762,umr=495,ums=416,umj=362,bdw=424,amr=301,asb=446,auh=737,dhq=255,mht=409,msb=110,tla=56,amj=350,ens=881,mis=991

bzw. Edward William Lane, An Arabic-English Lexicon, س, سرب

in der u.a. beschrieben wird, wie das Wasser beeinflusst wird. Bei einer großzügig weiten Auslegung könnte dies für eine Stromschnelle – Wikipedia auch zutreffen.

zu 4) Madyan und den Berg Horeb/Sinai: Da habe ich eine andere Vorstellung (weil auch viele örtl. Bezeichnungen später nachträglich eingefügt wurden), brauche da noch nur bisschen mehr Zeit für die Aufarbeitung der These.

Das würde dann meinem Verständnis zufolge bedeuten, dass die in 18:60-64 geschilderte Suche des Mose vor dessen Aufenthalt in Madyan stattfand.

Selam @OASE ,

höchstwahrscheinlich ja, zumal er laut geschichtlicher Quellen als Jüngling in den Süden mit den Einheiten zog und auch Madyan einen neuen Abschnitt in seinem Leben begründete (infolge der Flucht durch den Tötungsakt und dem Rückzug vom Ägypten insgesamt bis zur Überreichung seines Prophetenauftrags).