Muḥkamāt- und Mutašābihāt-Verse (آيات محكمات وآيات متشابهات)

Friede alle zusammen!

Meine Ausführungen zu den muḥkamāt- und mutašabihāt-Versen im Quran nehmen ihren Ausgang von Sure 3 Vers 7:

„ER ist es, DER dir das Buch herab gesandt hat; zu ihm gehören muḥkamāt-Verse – sie sind die Essenz des Buches – und andere sind mutašābihāt…“

Landläufige entsprechende Äquivalente in deutschen Quran-Übersetzungen sind „eindeutig“, „festgelegt“, „klar in und durch sich selbst“, „evident“, „maßgebend“, „fundamental“ und „definitiv“ für muḥkamāt sowie „ambig“, „mehrdeutig“, „unklar“, „dunkel“, „allegorisch“ und „metaphorisch“ für mutašābihāt.

Was die Äquivalente für muḥkamāt betrifft, so laufen sie alle darauf hinaus, dass es sich um Verse handelt, die eindeutig und nicht interpretierbar respektive nicht ambig sind. Dieser Wortsinn ist auch in den verschiedenen Wörterbüchern zu finden. Die muḥkamāt-Verse sind mithin die Verse, die von Allah aufgestellte und definitiv zu beachtende und zu befolgende Anweisungen quasi in Form eines Gesetzeswerkes beinhalten. Derartige Anweisungen nennt man im Arabischen auch حكم ḥukm, was wiederum dem hebräischen Wort תּוֹרָה tôrāh Tora entspricht (siehe meinen Artikel „Was bedeutet Tora?“). Dies bestätigt etwa Sure 5:43-44, wo es heißt, dass die Tora die Gesetzesbestimmungen Allahs (حكم الله ḥukmu-Llāh,) enthält, denen gemäß die muslimischen Propheten gegenüber den Juden ihre Urteile fällten. Die Tora im genannten Sinn bildet eine einzige Gesetzgebung Allahs mit verbindlichen Urteilen und Vorschriften, die sich allmählich entwickelt und im Quran ihre Bestätigung und ihren Abschluss gefunden hat (siehe hierzu ebenso meinen Artikel „Was bedeutet Tora?“) und in 5:3 als die Essenz des geoffenbarten Buches ( أم الكتاب ummu-l-kitāb) bezeichnet wird, was wiederum auf die enorme Wichtigkeit hinweist.

Die zitierten Äquivalente für mutašābihāt bringen zum Ausdruck, dass es sich um Verse handelt, die nur schwer oder gar nicht dem Intellekt des Menschen und dessen Verständnis zugänglich sind und Spielraum für mehrere Interpretationen bilden. Diesen Wortsinn findet man auch im Wörterbuch von Lane, S. 1511, und im Dictionary Of Quran von M. G. Farid, S. 431: „متشابه not understood without repeated consideration“. Im Wörterbuch von Hans Wehr heißt es: „متشابهات dunkle, nicht klar verständliche Stellen im Koran“.

Dass das Wort متشابه auch „einander ähnlich“ bedeutet, berücksichtigt das Wörterbuch Mujam istiqaqy al Muassal lil-Alfazil-Quranil-kareem unter Bezugnahme auf den Quran-Vers 39:23: „Einige Verse ähneln anderen, und einige bestätigen andere“. Im genannten Vers heißt es, dass Allah den besten Hadith, also den besten Bericht oder die besten Mitteilungen in Form eines geoffenbarten Buches gesandt hat, wobei dieses Buch als متشابه mutašābih und مثاني mathāni gekennzeichnet ist. Ludwig Ullmann (Sonderausgabe 1993 Orbis Verlag) hat diese Begriffe wie folgt übersetzt: „eine Wiederholung von ähnlichen Schriften“. In der Ahmadiyya-Übersetzung unter Leitung von Hazrat Mirza Tahir Ahmad (1996) heißt es „ein im Einklang (mit anderen Schriften) stehendes, oft wiederholtes“. In einer Anmerkung hierzu wird erklärt: „Der Qur-ân enthält Lehren, die zum Teil den früheren Schriften ähnlich sind, aber auch solche, die sonst nirgends zu finden sind.“ Ich habe die in diesem Abschnitt erwähnten Wortbedeutungen respektive die sich den Übersetzungen widerspiegelnden Ansichten zitiert, weil sie meinem auf Quran-Versen und nicht auf Vermutungen basierenden Verständnis von Tora entsprechen (siehe hierzu meinen Artikel „Was bedeutet Tora?“). Und sie sind meines Erachtens auch kompatibel mit 3:7. Allah spricht in diesem Vers über zwei Arten von Versen. Neben den eindeutigen und definitiven, Gesetzesbestimmungen, also die Tora, enthaltenden Versen gibt es noch eine zweite Art, die anders ist als die erste. In dieser zweiten Art gibt es aber nun nicht nur Allegorien oder Metaphern, die sich erst nach längerem Nachdenken oder auch gar nicht dem menschlichen Verstand erschließen, sondern auch viele Berichte über Ereignisse in Verbindung mit früheren Propheten und deren Völkern sowie zahlreiche Informationen, die auch verschiedene Wissenschaftsdisziplinen betreffen. Insofern sehe ich auch den Quran nicht als rein theologisches Buch.

Als Bekräftigung für mein dargelegtes Verständnis von 3:7 möchte ich zum Schluss noch einen Eintrag in den beiden Wörterbüchern Umdat ul Huffaaz, S. 764 und Al-Munjid, S. 373, zitieren, wo es unter Anderem hinsichtlich der Bedeutung von متشابه heißt, dass darunter „alles, was kein Gesetz beinhaltet, sondern Geschichten und Informationen und kein muḥkam“ zu verstehen sind. All diese Geschichten und Informationen sind denen ähnlich, die wir auch im Pentateuch und in anderen Schriften finden, sind aber teilweise vom Quran als der letzten und definitiv die Wahrheit enthaltende Offenbarung korrigiert worden. So unterscheidet sich etwa der Bericht von der Sintflut in vielen Einzelheiten.

Damit möchte ich meine Betrachtungen zu 3:7 zum Abschluss bringen. Ich hoffe, dass ich damit einen nützlichen Beitrag leisten konnte.

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Selam @OASE

Vielen lieben Dank.

Ergänzend noch: Dieser Vers über mutašābih ist selbst mutašābih und es sind zwei verschiedene Lesarten (zum einen, dass nur Gott allein die Deutung kennt oder aber auch, dass Gott und diejenigen, die ein tiefbegründetes Wissen haben die Deutung kennen) möglich, die daraus resultiert, dass die handschriftlichen arabischen Texte ohne Interpunktion waren.

Dieser Vers ist vielleicht einer der am häufigsten falsch übersetzten, und er hat entscheidende Auswirkungen auf das Verständnis des Korans:

Wenn nach dem Wort „Gott“ der Satz mit einem Punkt beendet wird, dann müsste angenommen werden, dass selbst diejenigen, die über einen tiefen Kenntnisstand verfügen, niemals in der Lage sein werden, die mutašābih Verse zu verstehen. Wenn der Satz jedoch nicht hier aufhört, wird sich die Bedeutung in das Gegenteil verkehren: Diejenigen, die tiefbegründetes Wissen besitzen, werden auch in der Lage sein, die Bedeutung allegorischer oder mehrdeutiger Verse zu verstehen.


Jeder Vers des Korans ist die absolute Wahrheit. Der Kontext ermöglicht es uns zu verstehen, welche davon wörtlich und welche allegorisch zu nehmen sind. Jeder Vers der Schrift ergänzt einen anderen (sola scriptura).

Viele der allegorischen Verse werden womöglich im Laufe der Entwicklung des menschlichen Wissens in ihrer Ganzheit verstanden werden (vgl. 11:1; 39:23; 41:53; 47:20; 74:31).

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Selam allerseits :slight_smile:

Sehr interessantes Thema und an dieser Stelle vielen dank für deine Arbeit @OASE
Möge Allah eure Bemühungen entlohnen

Habe diesbezüglich nur eine hypothetische Frage

Nehmen wir an ihr wärt zu der Zeit des Propheten Muhammad zugegen. Wahrscheinlich hatten, ich nehme mal an, alle sich eben die gleichen Fragen gestellt wie wir. Hättet ihr gefragt wie bestimmte Verse zu verstehen sind? Und wenn ja, hättet ihr diese niedergeschrieben damit die folgenden Generationen es leichter haben?
Und ich meine an dieser Stelle keine Hadithe sondern lediglich eigene Kommentare :sweat_smile:

Und könnten eben diese ambigösen mutašabihāt-Verse eventuell auch mehrere Bedeutungen zugleich haben? Was sie eben dadurch so besonders macht. Und wodurch sich erst durch das studieren des gesamten Quran eine Erkenntnis erschließt. Dadurch würde es eventuell auch Sinn ergeben. Vielleicht auch nicht.

Ich glaube ich kann vorerst nur einen „philosophischen“ Beitrag leisten im Bezug auf solche Themen und keine tiefgehenden Analysen durchführen wie die Gentleman und Ladys unter uns :sweat_smile: Vergibt mir wenn das nicht wirklich hilfreich ist. Ich glaube ein perspektiven Wechsel kann selbst die schlausten Köpfen zu einer Erkenntnis bringen auf die sie vorher nicht gekommen sind. Man muss meistens einfach nur die richtigen Fragen stellen. Jedenfalls meiner Ansicht nach.

Selam Truthseeker

Friede, mein lieber Sue,

und vielen Dank für deine ergänzenden Hinweise!

Du sagst treffenderweise „es sind zwei verschiedene Lesarten (zum einen, dass nur Gott allein die Deutung kennt oder aber auch, dass Gott und diejenigen, die ein tiefbegründetes Wissen haben, die Deutung kennen) möglich, die daraus resultiert, dass die handschriftlichen arabischen Texte ohne Interpunktion waren“. Ich möchte als zusätzliches Wissen noch die linguistischen Gründe für diese beiden Ansichten hinzufügen:

Dass einige verstehen, dass nur Allah allein die Deutung kennt, und andere, dass auch diejenigen, die in ihrem Wissen gründlich beschlagen sind, die Deutungen kennen, darüber findet sich viel in der Literatur, auch bei den arabischen Sprachwissenschaftlern. Grammatisch gesehen ist ja auch tatsächlich beides möglich, denn in den sogenannten arabischen Verbalsätzen, die mit einem konjugierten Verb beginnen, steht dieses Verb stets im Singular, mithin unabhängig davon, ob das dazugehörige Substantiv Singular oder Plural oder aus einem Teil oder aus mehreren Teilen besteht.

In 3:7 ist nun das Verb im Singular und grammatisch gesehen kann man es also sowohl auf Allah als auch auf die in der entsprechenden Wissensdisziplin Beschlagenen betrachten und das dem zweiten Subjekt folgende Verb „sie sagen“ als den Beginn eines neuen Satzes. In diesem Fall ist die Konjunktion „und“ zwischen Allah und den Beschlagenen eine Verbindungskonjunktion, die zwei gleichartige Satzteile innerhalb eines Satzes miteinander verbindet. Die arabischen Sprachwissenschaftler nennen das واو عطفة waw ´āṭifa „Anreihungs-Partikel“. Die Konjunktion kann aber auch ein sogenanntes واو استئنافية waw isti`nāfīya sein, eine „Neubeginn-Partikel“, das heißt, „und“ leitet einen neuen Satz ein, und dieser Satz wäre im Vers 3:7 ein sogenannter substantivischer Satz, der eben mit dem Substantiv „im Wissen Beschlagene“ beginnt, und in diesem Fall kongruiert nach den Regeln der arabischen Grammatik das nachstehende Verb „sie sagen“ im Numerus mit dem davorstehenden Substantiv und steht somit im Plural.

Diejenigen arabischen Sprachwissenschaftler, die sich dafür aussprechen, dass es sich bei der Konjunktion „und“ in 3:7 um eine Neubeginn-Partikel handeln MUSS, begründen dies wie folgt: Wenn es sich bei „und“ um واو عطفة waw ´āṭifa „Anreihungs-Partikel“ handelte, dann würde sich im Satz „sie sagen …“ das Pronomen „sie“ grammatisch zwingenderweise sowohl auf Allah als auch auf die im Wissen Beschlagenen beziehen, was vom Sinn her hinsichtlich dessen, was sie sagen, mit Allah nicht in Verbindung zu bringen ist. Und es wird noch ein zweiter grammatischer Grund von dieser Gruppe der arabischen Sprachwissenschaftler angeführt: Zwei miteinander verbundene gleichartige Satzteile (in diesem Fall also die beiden Substantive Allah und im Wissen Beschlagene) bilden nach den Regeln des Arabischen immer eine Einheit, was bedeutet, dass man bei „sie sagen“ das Pronomen „sie“ nicht nur allein auf die im Wissen Beschlagenen beziehen kann. Ergo ist die Konjunktion „und“ واو استئنافية waw isti`nāfīya, eine „Neubeginn-Partikel“.

Darauf erwidern andere arabische Sprachwissenschaftler: Wenn die Konjunktion „und“ واو استئنافية waw isti`nāfīya, eine „Neubeginn-Partikel“ wäre, bedeutete dies, dass wir nicht verstehen, was Allah uns sagt, und das ist etwas nicht zu Berücksichtigendes und Abzulehnendes. Es ist zudem in der arabischen Sprache zweifelsohne nicht zwingend notwendig, dass zwei miteinander verbundene gleichartige Satzteile (in diesem Fall also die beiden Substantive Allah und im Wissen Beschlagene) nach den Regeln des Arabischen immer eine Einheit bilden. Denn dafür liefert der Quran viele Beispiele, zu denen etwa Sure 21:72 gehört: „Und WIR gewährten ihm Isaak und Jakob zusätzlich/dazu.“ Isaak und Jakob sind zwei miteinander verbundene gleichartige Satzteile, aber das „zusätzlich“ oder „dazu“ bezieht sich ausschließlich auf Jakob, denn Jakob ist ja ein Sohn von Isaak. Das heißt, die Konjunktion „und“ ist واو عطفة waw ´āṭifa „Anreihungs-Partikel“ und das Pronomen „sie“ beim zweiten Verb „sagen“ bezieht sich lediglich auf eins der beiden grammatischen Subjekte, nämlich auf die im Wissen Beschlagenen.

Außerdem weist mein Mitstreiter Sue, der manchmal mein Student, in diesem Fall aber mein Tutor ist, nicht ohne Grund auf 11:1; 39:23; 41:53; 47:20 und 74:31 hin. Dies unterstützt die Meinung, dass es sich bei der in Rede stehenden Konjunktion „und“ um واو عطفة waw ´āṭifa „Anreihungs-Partikel“ handelt. Und dieser Meinung schließe ich mich ohne Wenn und Aber an.

Salām und Schalom!
Gunnar

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Friede Truthseeker!

Ich bin mit der Bezeichnung „ambig“ als Äquivalent für متشابه mutašābih sehr vorsichtig und eher zurückhaltend. Mir sagt da eher die Definition „alles, was kein Gesetz beinhaltet, sondern Geschichten und Informationen und kein muḥkam“ zu. Deine Frage „Und könnten eben diese ambigösen mutašabihāt-Verse eventuell auch mehrere Bedeutungen zugleich haben?“ würde ich deshalb umformulieren in „Und könnten eben diese mutašabihāt-Verse eventuell auch ein unterschiedliches Verstehen bewirken?“ Dem würde ich dann auch zustimmen können, denn dies ist ja ein ganz alltägliches Problem. Ein Sender schickt in Form einer Aussage eine Botschaft und der Rezipient versteht etwas ganz Anderes, und ein zweiter Rezipient versteht wieder etwas Anderes usw., wobei es aber auch Rezipienten geben kann, die genau das verstehen, was der Sender intendiert hat.

Auf den Quran übertragen heißt das, dass Allah mit SEINEN MItteilungen eine bestimmte Absicht mit einer bestimmten Bedeutung verfolgt. Und ich denke auch nicht, dass Allah uns unlösbare Rätsel vorlegen oder durch bewusste Mehrdeutigkeiten Verwirrung schaffen will.

Die Rezipienten sind nun aber unvollkommene Geschöpfe und durch unterschiedliche Geistesgaben und Denkweisen gekennzeichnet, so dass es durchaus sein kann, dass Allahs Worte aus was für Gründen auch immer nicht so verstanden werden, wie Allah deren Bedeutung beabsichtigt hat. Wichtig hierbei ist, dass der Rezipient aufgefordert ist, sich eigenständig zu bemühen, Allahs Intentionen zu erfassen. Und Sue hat ja in seinem obigen Beitrag meines Erachtens zu Recht unter Angabe von einigen Quran-Versen als bestätigende Belege darauf hingewiesen, dass es im Bereich der Fähigkeiten des Rezipienten liegt, allegorische Verse (und hier ergänze ich: auch nicht-allegorische Verse) im Laufe der Entwicklung des menschlichen Wissens in ihrer Ganzheit zu verstehen.

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

Selam OASE

Also ich meinte mit mehreren Bedeutungen zugleich nicht das man am Ende nix mehr versteht. Sondern das ein Vers doppeldeutig sein kann. Sodass mehr als eine Bedeutung zutrifft gleichzeitig aber beide sich ergänzen. Das wäre für mich auch so gesehen ein Wunder wenn sowas öfters auftaucht.

Selbstverständlich muss das auch ersichtlich sein denn sonst würde das uns Menschen nur verwirren und wir wüssten nicht mehr was jetzt stimmt wie du ja sagst. Das aber diese Erkenntnis damit zusammenhängt das wir den Quran lesen, studieren und verstehen. Denn damit wie Gott selbst sagt kommt man erst hinter die Bedeutung/en der mutašabihāt-Verse.

Und du meintest. „Ein Sender schickt in Form einer Aussage eine Botschaft und der Rezipient versteht etwas ganz Anderes, und ein zweiter Rezipient versteht wieder etwas Anderes usw., wobei es aber auch Rezipienten geben kann, die genau das verstehen, was der Sender intendiert hat.“

Ich denke das passiert so oder so bei einigen. Es hängt davon ab mit welcher Intention der Rezipient den Quran liest und studiert. Es ist wie Kerem Adigüzel so schön gesagt hat in seinem Buch, das der Quran wie ein Spiegel ist. Man nimmt seine eigenen Intentionen mit rein. Oder so ähnlich. Aber so ähnlich hast du es ja bereits ebenfalls begründet, falls ich das richtig verstanden habe.

Also ich denke das bei einigen, aber nicht allen Versen, die nicht ganz eindeutig sind solche harmonisierende Doppeldeutigkeiten vorzufinden sind.

Selam
Truthseeker

Was du sicher mit einigen Beispielen demonstrieren kannst … :wink:

So Gott will werde ich das tun :sweat_smile:
Habe mir bisher keine Notizen gemacht werde aber welche für einige Beispiele machen und recherchieren um diese dann auch begründen zu können. Versprochen :wink:

Eines habe ich zwar im Kopf aber will diese auch beweisen und mehr als ein Beispiel bringen.

Friede Truthseeker!

Ja, die Intention ist auch meines Erachtens wichtig.

Die beste Intention ist meinem Verständnis zufolge, dass man ohne Vorurteil respektive vorgefasste Meinung den Quran studiert, dass man quasi leer ist und sich mit dem Quran nach und nach füllt. Dieses Entleeren des Geistes finden wir auch im Zen-Buddhismus: „Entleere deinen Geist und tauche tief ins Tao ein“. Hier bedeutet Tao den Urzustand oder das Urbewusstsein, eventuell vergleichbar mit der Fitra des Menschen. Wenn man ganz ruhig an einem kristallklaren Bergsee sitzt, dann sieht man, wie sich der Himmel, die am See befindlichen Bäume und sonstigen Dinge und der Betrachtende selbst auf der Wasseroberfläche widerspiegeln. Wenn der Betrachtende nun aber Steine (seine vorgefassten Meinungen beispielsweise) in den See wirft, dann entstehen Wellen und Kreise, die das Spiegelbild verzerren oder auch ganz verschwinden lassen.

Wenn man jedoch schon zu einem Thema eine vorgefasste Meinung hat, dann sollte man den Quran dahingehend studieren, dass man voll und ganz bereit ist, diese seine vorgefasste Meinung zu hinterfragen respektive ganz in Frage zu stellen und eventuell dahingehend zu korrigieren, dass sie nach seiner neu gewonnenen Überzeugung kompatibel mit dem Quran ist.

Und auf gar keinen Fall sollte man den Quran mit der Absicht lesen und zitieren, um nur seine eigenen Interessen zu stützen, indem man etwa Worte oder den Kontext bewusst beim Zitieren eines Wortes oder Satzes des Quran beiseite lässt. Ich denke, in diesem Zusammenhang sind auch die Quran-Verse wichtig, die davon sprechen, dass es Leute gibt, die die Wahrheit der Worte Allahs mit Falschheit verdecken oder Worte Allahs verheimlichen (siehe etwa 2:42).

Dass der Quran wie ein Spiegel ist, sehe ich also nur dahingehend, dass er die Wahrheit in Form von Allahs Worten widerspiegelt, die man vorurteilslos betrachten muss, sonst sieht man sein Spiegelbild nicht (siehe den Bergsee!). Hinzu kommt jedoch das Umgekehrte: Der Mensch soll in seinem Verhalten und Denken ein Spiegel des Quran sein. Er soll das tun, was er sagt (61:2-3), und nicht Andere zum Guten aufrufen und sich selbst dabei vergessen (2:44).

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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