Namensgebung für Kinder - was sagt der Quran

Salam Alaikum und einen guten Tag an alle!

Ich bin Bosnier, der in einer Mischehe erzogen wurde. Meine Frau ist Marokkanerin und stammt aus einer sunitisch geprägten Familie.

Als meine Eltern mir einen Namen geben wollten (mein Opa mütterlicherseits war ein serbisch-orthodoxer Bosnier (stark atheistischer Ausprägung), meine Oma mütterlicherseits ist eine Katholikin, während Oma und Opa väterlicherseits sunitische Muslime waren), dann nahmen sie den Namen Danijel, der überwiegend in den christlichen Familien Ex-Jogoslawiens vorkam und verschmeltzten ihn mit dem Namen Denijal, der der Qur’anischen Version des Namens Daniel entsprach und daraus entstand dann mein Name.

Meine Frau bekam den Namen ihrer Großkusine, die am Tage ihrer unerwartet-plötzlichen Geburt in dem Geburtsdorf in Marokko ihrer Mama beim Entbinden half - da der Vater zu der Zeit nicht da war. Somit erfolgte die Benennung meiner Frau nach Ihrer Kusine als indirektes Dankeschön an die Kusine.

Wir beide wurden also nicht so benannt, wie viele Muslime es uns lebenlang erzählten: Namen müssen nach ihrer Bedeutung ausgesucht werden (weder bei mir noch bei meiner Frau war das der Hauptgrund für den Namen) und es müssen muslimische Namen sein (bei mir ist es 50%/50% - was immer das heißen mag…).

38 Jahre später (bei mir) bzw 34 Jahre später (bei meiner Frau) sind wir schwanger und fangen an, uns mit Namen für den Nachwuchs zu beschäftigen. All die Geschwister meiner Frau haben ihre Kinder so benannt, dass ihre Namen eine starke Bedeutung haben. Ich fand aber im Quran selbst keine Erwähnung, welche Kriterien ein Name erfüllen muss. Ich bin eher abergläubig, ob die Namenswahl der Namensbedeutung wegen vielleicht nach hinten los geht - ich kenne einige Sunniten, die der Bedeutung ihrer Namen schwer gerecht werden und eher das Gegenteil verkörpern.

Des weiteren ertappe ich mich manchmal selbst dabei, wie ich mich in die Gedanken der AFD-Nachbarschaft hier in der Gegend hineinversetze und mir 5 Mal überlege, ob wir unseren Kindern einen unmissverständlich muslimischen Namen geben sollen, und sie damit eventuell später im Beruf oder in der Schule Diskriminierungserfahrungen machen könnten, oder ob wir ihnen “milde” Namen geben sollen, wie z.B. Aida, Lina, Noah/Nuh, Mikael und andere Namen, die in der westlichen Welt nicht soweit auffallen, als dass meine Kinder zu früh gewisse Erfahrungen mit Diskriminierung machen müssen.

Ein zugegeben etwas krasses Beispiel, dafür, warum ich “milde” Namen bevorzuge: Meine Nachbarin hat sich beschwert, dass bei uns im Hausflur vermummte Gestalten rumlaufen. Gemeint war die Schwester meiner Frau, die verhüllt ist.
Viele andere solcher Kommentare, die ich als Ingenieur auf der Arbeit erlebte, weil man mich wegen meines hellen Äußeren und meinem Namen, der nicht eindeutig einer Religion zugeordnet werden kann, zeigen mir, dass die Islamfeindlichkeit steigt und dass ein Name bereits ausreicht, um in eine Schublade gesteckt zu werden.

Ich bitte um Hilfe: was ist im Quran vorgeschrieben, nach welchen Kriterien man den Namen für seine Kinder aussucht? Geht es ausschließlich nur um die Bedeutung des Namen?

Viele Grüße und Danke im Voraus.

Herzlich willkommen Daniel wa alaykum salam,
Du hast Recht, im Koran steht nichts zu Namensgebung (ausser dass Adoptivkinder nach ihren biologischen Eltern benannt werden sollen). Es bleibt also euch überlassen, ob ihr nach der Bedeutung, dem Klang oder was auch immer geht. Und Arabisch kann der Name sein, muss aber nicht.
Jihad würde ich mein Kind auch nicht unbedingt nennen, da das leicht zu Missverständnissen führen kann… Vielleicht bietet sich ein Doppelname an, dann können sie sich später aussuchen, welchen Namen sie benutzen wollen.

Alejkum selam,

Herzlich willkommen erstmal!

Wieso gibst du deinem Kind keinen “typisch” bosnischen Namen? Bist ja ursprünglich ebenso wie ich von dort.

Gibt ja auch einige die nicht gleich auf einen Islamischen Kontext schließen hinsichtlich Kultur.

Um einige Beispiele zu nennen:

Elvira
Elvir
Alen
Armin (mein Name :slight_smile:)
Adis
Adisa
Mersiha
Mersad

Etc

Und um deine Frage zu beantworten, es gibt keine Anforderungen an den Namen seitens Gott durch den Koran.

Es ist klar, dass du durch den Koran nicht aufgefordert bist, einen arabischen Namen zu wählen. Du bist ganz frei.

Was ich jetzt schreibe, ist meine Meinung.

Wenn du denkst, dass du einen Namen mit einer schönen Bedeutung für deine Kinder suchen solltest, spricht nichts dagegen. Wenn du denkst, du solltest ein Kind nach einer berühmten Persönlichkeit benennen spricht auch nichts dagegen. Mir wurde aber gesagt, Archimedes könne eine Last für ein Kind sein, wenn sich später herausstelle, dass das Kind nicht rechnen kann.
Wenn du aber einen arabischen Namen ablehnst, um zu verstecken, dass dein Kind Muslim ist, wird der Schuss nach hinten losgehen. Sobald du dich versteckst, bist du dran. Und erwischt wirst du doch.
Alles Gute für euch