Nutfa, 16:4; 18:37

بِسْمِ اللّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

16:4 Er hat den Menschen aus einem Tropfen (durch Absonderung) gestaltet. Hieraufhin er? Ein Streiter in Offenkundigkeit.

18:37 Sein Gefährte sagte zu ihm und (währenddessen) fokussierte er sich (auf ihn): "Leugnest du den, der dich gestaltet hat aus Erde, danach aus einem Tropfen (durch Absonderung), danach dich (der Stufe von) einem Mann angeglichen hat?"

In 16:4 wird der Einzelne neben dem Hinweis auf seine Eigenschaft als Streiter (Widersacher, siehe dazu auch: 36:77) auch auf die Tatsache der Gestaltung durch ein Tropfen Flüssigkeit aufmerksam gemacht (ähnlich auch die Verse 18:37; 22:5; 23:12; 23:14; 35:11; 40:67; 53:45; 53:46; 75:37; 76:2; 80:19)

In diesem Beitrag werde ich mich auf 18:37 fokussieren.

mufassal.com weist auf folgende Gleichheiten dieses Verses zu anderen Versen auf:

Dieser Vers weist u.a. darauf, dass einige der Leugner gegenüber dem Jenseits nicht ablehnend sind (vgl. 19:77; 41:50; 45:32), was aber nicht Schwerpunkt dieses Beitrags ist (hier: „Tropfen“)

Das Wort nuṭfa (arabisch: نطفة, türkisch: nutfe, deutsch: „Tropfen“), das sicherlich von zentraler Bedeutung für die Vorstellungen von der Entstehung des menschlichen Lebens und der Embryogenese ist, dürfte sich nach einer Ansicht auf die Zygote (Zelle, die bei der geschlechtlichen Fortpflanzung durch Verschmelzung zweier Geschlechtszellen entsteht) beziehen.

Es gibt hierzu verschiedene Ansichten: Nutfa – Wikipedia.

Davon unabhängig ist anzumerken, dass نطفة aus einem Spermium stammt, vgl. 75:37. Die nächste Stufe der Nutfa ist nach der Befruchtung das Embryo, vgl. 23:14.

Etymologisch gesehen ist der Begriff nuṭfa (hebräisch: נְטַף, ital.: colare (stillando), expercolare) weitgehender, da er sich in seiner Grundbedeutung auf ein Tropfvorgang hinweist.

Das deutsche Äquivalent wäre demnach das Absondern, die Absonderung, die Sekretion bzw. Exkretion.

https://biblehub.com/bdb/5197.htm

https://biblehub.com/hebrew/5197.htm

Wenn dieser Begriff im medizinisch-biologischen Sinn (Endokrinologie) zugeordnet werden würde, müsste dann zwischen exokrinen Drüsen und endokrinen Drüsen differenziert werden.

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass zu den endokrinen Zellen die Leydig-Zwischenzellen im Hoden sowie die Theka- und Granulosazellen des Ovarialfollikels bzw. des Gelbkörpers im Eierstock zählen, die zugleich über exokrine Funktionen verfügen. (siehe auch: Physiologie: Entwicklung des männlichen Sexualsystems)

Zweifellos ist Gott der Wissende und er ist genau wissend.

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Friede Sue

und vielen Dank für deinen informativen Einblick in den medizinisch/biologischen Bereich der wissenschaftlichen Gebiete im Quran.

Ich möchte deinen Beitrag durch Folgendes ergänzen:

Ein Beispiel für wissenschaftliche Informationen im Quran kommt aus dem biologischen respektive medizinischen Bereich:

DER alles, was ER erschafft, präzise beherrscht; und ER begann die Erschaffung des Menschen aus Lehm. Alsdann machte ER dessen Nachkommen von einem Bruchteil aus einer herabgewürdigten Flüssigkeit.

(Sure 32, Verse 7-8)

Im Vers 7 werden wir darüber informiert, dass Allah alles, was ER erschafft, in präziser Weise erschafft und natürlich in SEINER Schöpfung auch firm ist und alles genau durchdenkt und auszuführen vermag. Das arabische Verb أحسن aḥsana bedeutet nicht nur „etwas gut/schön machen“, sondern auch „etwas vom Können her beherrschen“. Das Verb hat somit die Bedeutung أتقن atqana „vollkommen machen, beherrschen, sich auf etwas gut verstehen“. Zudem gibt es in Allahs Schöpfung keine Fehler und kein Chaos. Auch hierin zeigt sich die Präzision des Wirkens Allahs.

Dann zeigt uns Allah am Menschen ein Beispiel für SEINE präzise Vorgehensweise und teilt uns mit, dass die Erschaffung des Menschen aus Lehm begann. Dessen Nachkommen sind jedoch aus einem anderen „Material“ erschaffen, als da ist ماء مهين mā`un mahīn „eine herabgewürdigte Flüssigkeit“. Die Flüssigkeit, die die Zeugung eines Menschen bewirken kann, wird im Quran mit unterschiedlichen Ausdrücken erwähnt. So wird etwa in Sure 23 Vers 13 von نقطة nuṭfa ,Samentropfen“, in Sure 75 Vers 37 von مني manīj ,Sperma“, in Sure 76 Vers 2 von نطفة أمشاج nuṭfatun amšāğ „Samentropfen mit geschlechtlichen Fortpflanzungszellen“ oder in Sure 86 Vers 6 von ماء دافق māun dāfiq „sich kräftig ergießende Flüssigkeit“ gesprochen.

Im uns vorliegenden Vers in der Sure „Die Niederwerfung“ wird nun das Sperma mit „herabgewürdigte Flüssigkeit“ umschrieben. Einige Exegeten erklären das Wort مهين mahīn mit „schwach, gemein, niedrig, armselig, verächtlich“. Maurice Bucaille weist in diesem Zusammenhang auf Folgendes hin (Bucaille, Bibel, Koran und Wissenschaft 1994:205): „Die Bezeichnung »verächtlich« (mahīn) lässt sich, so scheint es, nicht nur von der Qualität der Flüssigkeit selbst her interpretieren, sondern eher aus der Tatsache, dass sie vom Endstück des Harnapparates ausgestoßen wird, indem sie den Kanal benutzt, durch den der Urin austritt.“ Darüber hinaus handelt es sich um eine schleimige Flüssigkeit mit einem eigenartigen Geruch, was dem Sperma den „Geruch des Verächtlichen“ eingetragen hat – meiner Meinung nach vollkommen zu Unrecht, denn zum Einen gehört das Sperma nicht zu den „unreinen“ Dingen und zum Anderen wissen wir alle sehr wohl um den Nutzen dieser Flüssigkeit. Durch gewisse Begleitumstände wird das Sperma also sozusagen „entwürdigt“. Diese Ansicht vertritt auch Yusuf Ali in seiner englischen Übersetzung des Quran, indem er in einer Fußnote zu diesem Vers im Hinblick auf das Sperma sagt (vgl. Ali, 1978:1094): „… which is a quintessence of every part of the body of man. Yet it issues from the same part of his body as the urine, and is therefore despicable in man’s sight.“

Als deutsches Äquivalent für das arabische Verb مهن mahuna wird neben den bereits erwähnten Bedeutungen im Wörterbuch von Krahl /Gharieb auch „herabgewürdigt werden“ angegeben (vgl. Krahl /Gharieb, 1997:729), und ich denke, dabei handelt es sich um eine gute deutsche Entsprechung für den Sinn in diesem arabischen Vers.

Allah quantifiziert aber auch die herabgewürdigte Flüssigkeit, indem ER im Vers von سلالة sulāla spricht. In Wehrs Wörterbuch Arabisch/ Deutsch finden wir als deutsche Äquivalente „Abkömmling“, „Spross“, „Nachkommenschaft“, „Familie“, „Rasse“, „Sorte“, „Stamm“ und „Provenienz (von Nutzpflanzen)“ (vgl. Wehr, 1965:382). Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein Übersetzer hoffnungslos verloren sein kann, wenn er sich lediglich auf ein arabisch-deutsches Wörterbuch stützt. Denn keine der von Wehr angegebenen Bedeutungen macht in diesem Vers einen Sinn. Krahl/Gharieb sowie der arabisch-deutsche Mawrid geben ähnliche Äquivalente an. Das Wörterbuch des Quran كلمات القرآن kalimātu-l-qur`ān „Worte des Quran“ gibt jedoch für sulāla als Äquivalent خلاصة ḫulāṣa , also „Quintessenz“ oder „Auszug“ respektive „Substanz“ an (vgl. Maḫlūf, 1956:299). Im Wörterbuch „A Concise Dictionary of Koranic Arabic“ heißt es auf Sseite 137 „what is drawn forth from or out from a thing, hence Extract, also said to refer tot he best or choice part“.

Wenn wir uns die Beschaffenheit des Spermas genauer ansehen, stellen wir fest, dass es nicht einfach eine „schleimige Flüssigkeit“ ist, sondern viele Komponenten enthält, als da sind Spermien, also männliche reife etwa 60 μm lange aus Kopf (mit der eigentlichen Samenzelle und deren die Gene tragenden Chromosomen), Mittelstück und Schwanz bestehende Geschlechtszellen sowie Fett, Eiweiß und verschiedene Sekrete wie etwa das Hodensekret, das Prostatasekret oder Sekrete aus diversen Drüsen. Ferner ist das Sperma schwach alkalisch. Aus dieser Flüssigkeit mit deren komplexen Zusammensetzung gelangt jedoch nur ein millionster Teil zum Ei im weiblichen Körper. Dieser Bruchteil ist gemeint mit sulāla. Hier zeigt sich erneut die erwähnte Präzision bei der Erschaffung durch Allah.

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Die Spermien werden in den Hoden, den Nebenhoden und zum überwiegenden Teil in den Samenbläschen des Mannes gebildet.
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Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Vielen Dank @OASE

Unglaublich, worauf die Verse 32:7 und 32:8 mit ihren wenigen Worten hinweisen können…

Die verschiedenen Aufzählungen waren mir bisher nicht so bekannt, danke Dir, insbesondere dass im Zhg. mit 32:8 mit مهين mahīn nicht auf die Beschaffenheit, sondern vielmehr auf den Prozess der Nutzung bzw. der technische Vorgang angeknüpft wird und daher von der Allgemeinheit (vielleicht gerade deswegen) als nicht besonders, mithin gewöhnlich, oder niedrig oder entsprechend deiner Definition als „herabgewürdigt“ betrachtet wird, erscheint mir sehr überzeugend.

Ergänzend möchte ich im Zhg. der Beschaffenheit des Lehms oder Schlamms noch ausführen, dass dieses nicht als Ganzes, sondern nur als ein Teil davon im Gestaltungsprozess zur Anwendung kam, worauf in dem von dir erwähnten Vers die Silbe / Buchstabe من hinweist.

Im Allgemeinen entsteht ja ein Schlamm aus einer Suspension, das heißt aus überwiegend mikroskopisch kleinen Teilchen einer festen Substanz, die sich fein verteilt in einer Flüssigkeit – hier zumeist Wasser – in Schwebe befinden.

Der Schlamm (طين) ist sozusagen eine Mischung aus Wasser und Bodenstoffen. Einige der im Schlamm vorkommenden Elemente sind beim Menschen vorhanden.

Hauptsächlich besteht ein Mensch aus Wasser (ca. 60%) und Sauerstoff. Der Rest sind Metalle und Nichtmetalle.

Das alles sind die selben Elemente die auch im Erdboden vorhanden sind.

Im Zhg. mit سلالة sulāla (32:8:5) existiert derselbe Begriff in der türk. Sprache sülale und steht ebenso für „Nachkommen einer Person“, „Dynastie“.

https://www.etimolojiturkce.com/kelime/sülale

Bisher habe ich diesen Vers auch immer so gelesen, zumal derselbe Begriff im türkischen verwendet wird.

Dein Hinweis auf die weitergehende Bedeutung, die in Verbindung mit der Präzision Gottes steht, war mir bisher so nicht bewusst.

Es erfreut mich immer wieder hier in diesem Forum Neues zu lernen, Danke nochmals.

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