Physische Strafen in der Lesung

Selam
Ich diskutiere zur Zeit mit zwei Brüdern über das Thema Ehebrecher peitschen und Dieben die Hände abhacken. Soll man das wirklich so machen wie das Schwarz auf weiß im Koran steht, oder muss man das anders verstehen. Ausserdem stell sich mir noch eine Frage welche einem Thema ähnlich ist, welches ich erstellt habe. Nämlich ob der Koran bzw. Gott uns ein bestimmtes Herrschaftssystem vorschreibt und wenn ja, ob sich das mit dem zb der BRD vereinbaren lässt. Auch würde ich gerne noch wissen ob im Koran noch andere drakonische Strafen zu finden sind.


Hier ist noch ein Video von dem einen mit dem ich über das Thema geschrieben habe.
Friede Nicolas
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Das Video halte ich für verfassungsrechtlich bedenklich. Es hat mir schon ausgereicht den Namen dieses mohammedanischen Heiligen zu lesen.

Tue mir einen Gefallen: Nimm Abstand von diesen Idolen. Ergebe dich Gott und nur Gott allein.

Lies den Koran und du wirst feststellen, dass jeder Gottergebene zugleich ein Demokrat ist, der die bestehende Verfassung (in Deutschland das Grundgesetz) und den Staat zu achten hat.

Es gibt im Übrigen kein „Hände abtrennen“ im physischen Sinne (so wie es keine Hände Gottes im physischen Sinne gibt). Im Hinblick auf das „Peitschen“ gilt der Grundsatz des in dubio pro reo (Stichwort: Vier Zeugen, die alle die „Tathandlung“ bezeugen, was in der Praxis sehr unrealistisch und damit nach der ratio legis dieser Regelung primär der Abschreckung dient)

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5:38 Und trennt dem Dieb und der Diebin ihre Hände (die Bemühungen) als Vergeltung für das, was sie getan haben, zur vorbeugenden Strafe, wie vom Gott vorgeschrieben. Und Gott ist der Übermächtige, der weise ist.

Das Abschneiden ist mehrdeutig und wird als Abschneiden oder Markieren, oder als Abschneiden der Mittel verstanden:

Nach einer Auffassung soll die Deutung bei der jeweiligen Gesellschaft verbleiben, so dass je nach Schwere des Verbrechens eine dieser Bedeutungen oder eine Kombination davon gewählt werden soll (vgl. 7:52). Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden.

Meiner Meinung nach kann auch aus diesem Vers nicht hergeleitet werden, dass im physischen Sinne eine Abtrennung zu erfolgen hat.

Dieser Ausdruck ist metaphorisch zu verstehen:

An vielen Stellen im Koran wird bspw. der Ausdruck „Gottes Hand“ metaphorisch gebraucht, der Gottes Macht und Autorität darstellen soll.

Auch 5:39 spricht gegen eine wortwörtliche Auslegung: Wenn tatsächlich die Hand physisch abgehackt wäre, wie soll dann Wiedergutmachung geleistet werden und wie soll dann eine Begnadigung oder eine Barmherzigkeit hervorgerufen werden?

Letztendlich ist die Bestrafung auch allein nicht der einzige Weg zur Bekämpfung von Verbrechen. Es müssen auch vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden, damit Verbrechen wie Diebstahl und Einbruch in der Gesellschaft künftig vermieden werden.

Dies könnte bspw. dadurch realisiert werden, dass die Stärke der Familienstruktur und der Bindungen erhöht wird, soziale und karitative Institutionen eingerichtet werden, Wucher verboten werden, oder auch, dass der verschwenderische Lebensstil geändert wird und Reichtum auf eine egalitärere Weise verteilt wird.

Folglich ist festzustellen, dass durch die Abtrennung vielmehr eine Loslösung der Bemühungen (=die Hände) eines Diebes anzustreben ist, was bspw. durch Beseitigung der Gründe in Bezug auf das Diebstahlverhalten erfolgen kann.

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Man das hört sich nach guten Zeiten an​:+1::kissing_smiling_eyes:
Wir dürfen nie aufhören zu glauben und Allah zu bitten
Aber diese Menschheit ist meiner Auffasung schon so kaputt das es sehr schwer fällt…aus jeder neu entstandenen Not wird doch gleich wieder probiert Profit zu erbeuten als zu helfen…

ALLAH hilf uns!!!

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Leider ja, vor allem was derzeit für Wuchergeschäfte unter dem Deckmantel der Corona gemacht werden.

12:103 Und viele der Menschen werden nicht anerkennend sein, und selbst (dann) wenn du eifrig danach bist.

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Das ist richtig, Sue, aber im Quran wird das arabische Wort يد yad „Hand“ auch im physischen Sinn gebraucht, wie etwa in der Geschichte Mose und seiner weißen Hand, die beispielsweise in 7:108 geschildert wird. Somit kann ich deiner Aussage „Meiner Meinung nach kann auch aus diesem Vers nicht hergeleitet werden, dass im physischen Sinne eine Abtrennung zu erfolgen hat“ nicht zustimmen, zumindest nicht hinsichtlich der semantischen Betrachtungsweise. Das Wort يد yad „Hand“ in 5:38 mit Allahs Macht und Autorität zu interpretieren, macht meines Erachtens zudem keinen Sinn.

Ich betrachte grundsätzlich Diebstahl als eine höchst verabscheuungswürdige Tat, weil sie dem Prinzip der Solidargemeinschaft und der Brüderlichkeit extrem zuwiderläuft. Insofern ist eine drakonische Strafe der Diskussion wert.

Der von dir erwähnte Vers 5:39 ist dabei aber durchaus zu berücksichtigen. Das heißt, wenn der Dieb seine Tat bereut und Wiedergutmachung leistet, kann und muss sogar von der Strafe des Abtrennens der Hand abgesehen werden, wobei ich unter Reue im Sinne des Quran verstehe, dass er diese Tat nicht wiederholt.

Wenn du das Abtrennen der Hand nicht als physische Strafe siehst, wie soll dann deiner Meinung nach der Dieb bestraft werden? Welche konkrete Bedeutung hat dann das Abtrennen der Hand im metaphorischen Sinne? :thinking:Das Beseitigen der Gründe für das Diebstahlverhalten ist zwar erforderlich, stellt aber in meiner Sicht keine Bestrafung des Diebes dar.

Salaam und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Die Sanktion richtet sich nach dem Rechtssystem des Staates und ist Aufgabe des Staates, der durch das missbilligte Verhalten gestörten Rechtsfrieden wiederherzustellen hat (mittels Strafdrohung, Strafverhängung im Urteil und natürlich dem Strafvollzug).

Selam Leute,
m.E. ist das Abschlagen der Hand aus mehreren Gründen nicht sinnvoll. Erstens, wie erwähnt, weil dann die Wiedergutmachung nur schlecht oder gar nicht möglich wird, zweitens, weil nur maximal Gleiches mit Gleichem vergolten werden soll, es aber besser ist, Schlechtes mit Gutem zu vergelten, drittens z. B. die Angehörigen des Diebes evtl. dadurch ebenfalls bestraft werden. Dazu hat Kerim das Folgende geschrieben:

Strafjustiz im Koran

Handabhacken

5:38 Schneidet dem Dieb und der Diebin die Hände ab; als Vergeltung für das, was sie begangen, und als abschreckende Strafe von Allah.

Wenn ein Dieb 1000 Euro von Ihnen stiehlt und der Staat ihn ins Gefängnis steckt, was haben Sie dann davon? Wenn der Dieb Kinder und Frau hat: Was ist ihre Schuld? Wieso sollten sie von ihm beraubt werden?

Der Koran löst dieses Problem genauso wie die Probleme, die mit der weit verbreiteten Strafjustiz der heutigen Welt verbunden sind. Das Gesetz sieht die Äquivalenz vor (2:178-179). Gemäß koranischer Strafjustiz muss der Dieb, der für Diebstahl verurteilt wurde, für Sie arbeiten, bis der Schaden (inkl. weiterer Schaden durch den Diebstahl) kompensiert wurde. Gleichzeitig sind die unschuldigen Kinder und die Frau des Diebes nicht von ihrem Mann beraubt und das teure Gefängnissystem wird aufgehoben. Die Gefängnisstrafe ist eine grausame und unmenschliche Strafe, welche keiner Partei dient.

Im Gegensatz zum allgemeinen Verständnis darf die Hand des Diebes nicht abgeschnitten werden. Dank Gottes Gnade haben wir nun mehrere Betrachtungsweisen. Der entsprechende Vers wird in 5:38 erwähnt. 5+38=43. Die andere Stelle im Koran, wo auch „die Hand geschnitten wird“, ist in 12:31. Hier sehen wir die Frauen, die Josef dermaßen bewundert haben, dass sie ihre Hände „schnitten“. Es ist offensichtlich, dass sie ihre Hand nicht abgehackt haben. Als Denkanreiz sollte man sich folgendes überlegen: 12+31=43; Die gleiche Summe wie in 5:38. Dies könnte uns zur Deutung heranbringen, die Hand des Diebes zu kennzeichnen.

Nehmen wir diesen Vers sprachlich näher unter die Lupe unter Berücksichtigung bekannter Tatsachen, ist die Bedeutung klar, dass ein Schadensersatz in Form sozialer Arbeit geleistet werden muss. Die Strafe im Islam basiert auf Gleichwertigkeit und sozialem Druck (2:178, 5:38, 24:2).

Einen anderen Aspekt bringt Mohammed Asad ein in seiner Anmerkung 48 zu 5:38 (aus: Die Botschaft des Koran). Die Anmerkung ist ziemlich lang, deshalb hier nur kurz, wie ich sie verstanden habe. Danach hat der Einzelne im muslimische Staat Pflichten, aber auch Rechte wie zum Beispiel ein Mindestmaß an Versorgtsein im Rahmen des allgemein Verfügbaren. Treibt die Gemeinschaft Einzelne oder ganze Bevölkerungsteile aufgrund der Besitzverhältnisse oder daraus abgeleiteten Rechten in die Armut, kommt diese Gemeinschaft ihrerseits ihren Pflichten nicht nach und muss sich (meine Interpretation) eine Mitschuld am Diebstahl geben. Asad sieht also das Handabhacken für Diebstahl nur dann als gerechtfertigt an, wenn die Gemeinschaft ideal ist.
Diese Sichtweise hat aber einen Haken. Wenn man aber davon ausgeht, dass die Menschheit niemals das „Paradies auf Erden“ hinkriegt (im Moment sieht alles danach aus und die Geschichte lehrt ooch nüscht Anderes), frag ich mich, warum diese Strafe überhaupt im Koran erwähnt wird.

Also soweit ich weiß ist der Mensch, welcher das Video gemacht hat Ex-Alevit und nur Koran befolger

Könntet ihr mir begründen warum das abschneiden mehrdeutig ist, denn wenn wir die verse interpretieren wie wir wollen, dann sind wir nicht besser als die Sunnis, welche alles so drehen und wenden um ihre kranke Religion zu rechtfertigen.

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Friede Nicolas!

Wir interpretieren die Verse nicht, wie wir nach unserem Gutdünken wollen, sondern auf der Grundlage und Analyse der semantischen Gegebenheiten der jeweiligen Wörter. Es gibt Wörter, die viele Bedeutungen haben, woraus sich ergibt, dass es auch mehrere Interpretationen geben kann.

Der Vers 5:38 ist dafür ein sehr gutes Beispiel. In ihm befinden sich unter Anderem die beiden Wörter قطع qata´a und يد yad. Ich will dir mal nur ein paar Bedeutungen für diese beiden arabischen Wörter nennen, und zwar Bedeutungen, die ich nicht herbeidrehen will, sondern Bedeutungen je nach Kontext, wie du sie in einschlägigen Wörterbüchern finden kannst.

قطع qata´a
bedeutet alleinstehend abschneiden, abschlagen, amputieren, fällen, abbrechen (auch die Freundschaft), unterbrechen, ausschalten, abschalten, sperren, überqueren, versichern, aussetzen, innehalten, pausieren, gerinnen, zerreißen, überwinden, hinwegkommen über etwas, aufbrauchen, konsumieren.

In Verbindung mit Substantiven kann es zusätzliche Bedeutungen haben, wie etwa die Hoffnung aufgeben, einen Preis festsetzen und sich über ihn einigen, Fortschritte machen, den Weg abschneiden, Straßenraub begehen, einen Vertrag schließen, ein Versprechen geben, sich die Zeit vertreiben, jemanden zum Schweigen bringen, eine Fahrkarte lösen, einen Pass (beim Fußball) abfangen.

Wie gesagt, es sind nur Beispiele, die Liste ist nicht vollständig.

Und nun zum Wort يد yad:

Die Hauptbedeutungen sind Hand, Pfote, Vorderfuß, Arm, Stiel, Griff, Henkel, Autorität, Kontrolle, Macht, Gewalt, Einfluss, Oberhand, Rolle (die man bei etwas spielt), Besitz (in der Rechtssprache), Hilfe, Wohltat, Gunst, Gefälligkeit. Freundlichkeit.

Du siehst also nur an diesen beiden Wörtern, wie unterschiedlich der Sinn sein kann, was natürlich auf die jeweiligen Deutungen im jeweiligen Kontext Einfluss hat und auch haben muss. Wichtig ist selbstverständlich, das man sich nicht etwas zurechtbiegen will, um eventuell seine Ideologie zu stützen oder seine Macht zu erhalten oder eine bereits gefasste Meinung belegen zu können, sondern dass man so weit wie möglich objektiv an die Sache herangeht und sachlich bleibt sowie logisch und schlüssig vorgeht und den Kontext auch in vor- oder nachstehenden Versen nicht außer Acht lässt.

Salaam und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Selam

Ich würde es auch do verstehen wollen, das es um ein schneiden, wie in der Jusuf Geschichte genannt wird, die Frauen die sich die Hände schnitten ( nicht abschnitten). Als Kennzeichnung und Anerkennung der Ehre, jeder würde an dieser Kennzeichnung sehen, das es sich um keinen Ehrenmann handeln und Vorsicht im Umgang mit dieser Person gegeben ist. Das Gefäß, das Jusufs Bruder in seine Reisetasche gelegt wurde um ihn als Dieb darzustellen, führte auch nicht dazu ihm die Hand abzuschneiden sondern in als Pfand zu behalten, bis er Wiedergutmachung leistet. Sehr gut hier in Alrahman.de und Hanif.de erklärt.

Selam

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Selam

Du verweist auf 12:31, finde ich sehr schön. Es liegt auch hier sehr nahe, dass sie ihre Hände nicht physisch „abgetrennt“ haben.

12:31 Als sie von ihrem Plan hörte, sandte sie nach ihnen. Und bereitete ihnen Lehnen vor und gab jedem von ihnen ein Messer. Und sie sagte: „Bringt euch heraus zu ihnen.“ Als sie ihn sahen, machten sie ihn größer und trennten ihre Hände (ihre Bemühungen) ab. Und sie sagten: "Gott bewahre. Das ist kein Mensch. Das ist nur ein vortrefflicher Engel."

Die Frau des Statthalters und ihre Freunde planten möglicherweise Yūsuf zu einem unanständigen Verhalten in Verbindung mit dem Messer anzustiften. Mit der Aussage „trennten ihre Hände ab“ soll verdeutlicht werden, dass die Freunde der Frau jedenfalls sich von ihren Bemühungen in diesem Zusammenhang zunächst losgelöst hatten. Siehe auch 5:38.

Ich schließe mich @OASE an.

Es ist tatsächlich so, dass eine logische und schlüssige Vorgehensweise erwünscht ist, damit wir vielleicht begreifen. Der Koran ist vollständig und perfekt.

Das bedeutet in Übereinstimmung zu meinem Bruder @OASE, dass vor- oder nachstehende Verse nicht außer Acht gelassen dürfen, mithin nicht wie eine Pinzette „herausgepickt“ werden soll, also das Erfordernis einer systematischen Auslegung (neben der Auslegung nach dem Wortlaut, ratio legis, usw.)


Im Zhg. mit dem Abschneiden noch ein Vers aus der Bibel:

Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass du lahm oder verkrüppelt zum Leben eingehst, als dass du zwei Hände oder zwei Füße hast und wirst in das ewige Feuer geworfen. Und wenn dich dein Auge verführt, reiß es aus und wirf’s von dir. Es ist besser für dich, dass du einäugig zum Leben eingehst, als dass du zwei Augen hast und wirst in das höllische Feuer geworfen (Matthäus Kapitel 18, Verse 8-9).

Selam

Das ist der Artikel zum Thema „Hände abschneiden“ den ich persönlich sehr gut finde
http://hanif.de/?p=2471
Hoffe Link klappt :confused:

Selam

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Selam @OASE

Du sagtest: Das Wort يد yad „Hand“ in 5:38 mit Allahs Macht und Autorität zu interpretieren, macht meines Erachtens zudem keinen Sinn.

mE geht es in diesem Vers um die Bemühungen, ähnlich wie im Vers im Zhg. mit Yusuf (Josef). Das was du meinst betrifft 38:75 (bzw. auch 48:10). Ich öffne dazu aber ein neues Thema.

Danke Dir. Link funktioniert bei mir.

Also ich glaube mich zu erinnern dass im Koran etwas erzählt wird, wo glaube ich David zwei Diebe richtet welche einen Pokal gestohlen haben und die Strafe nicht das Abschneiden der Hände war. Aber ich denke dass beim Peitschen das ganze doch eindeutiger ist. Wie soll man Geiseln denn sonst interpretieren.

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Ja ebenso ein Argument, das übertragbar wäre. Es geht um den „gestohlenen“ Wasserkelch in der Erzählung um Yūsuf, vgl. 12:72ff.

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