Quran und Umweltschutz

Friede alle zusammen!

In jüngster Zeit wird – sicher zu Recht – viel über Umweltverschmutzung und die daraus resultierende Pflicht zum Umweltschutz gesprochen. In verschiedenen Staaten haben sich Umweltschutz-Gruppen und -Parteien gebildet und etabliert und nehmen teilweise sowie mehr oder weniger an politischen Entscheidungsprozessen in Parlamenten und Regierungen teil. Die Ausgangslage für ihre Aktivitäten bildet ein wachsendes Umweltbewusstsein angesichts zutage tretender anthropogener Umweltschäden wie Luftverschmutzung und damit verbundener Klimaveränderungen wie globaler Erwärmung, die durch Belastungen, Schädigungen respektive Beeinträchtigungen von Menschen verursacht wurden. Deren beeinflussende Faktoren und Ursachen sind Eingriffe physikalischer, chemischer, biologischer und technischer Art überwiegend im industriellen Bereich wie übermäßiger Ausstoß von Treibhausgasen.

Im Rahmen der globalen Dimension und der daraus entstehenden globalen Verantwortung richtet sich natürlich auch an den Islam als eine globale, ja sogar universale Religion, die ja ein Lebenssystem für alle Lebensbereiche und somit auch für das Gestalten des Lebens im Hinblick auf kollektive soziale und biologische Verantwortung bildet, die Frage, wie er denn zum Thema Umwelt und Umweltschutz steht.

Als Grundlage für die generelle Verantwortung des Menschen für seine Umwelt auf Erden betrachte ich die folgenden Worte des ehrwürdigen Quran:

Und ER ist es, DER euch zu Ḫalā˒if der Erde macht und einige von euch über einige um Stufen erhebt, dass ER euch in dem prüfe, was ER euch gibt…
(Sure 6, Vers 165)

Das Schlüsselwort in diesem Vers ist Ḫalā˒if.

Das Wörterbuch Al-Munjid erwähnt, dass Ḫalā˒if eine von zwei Pluralformen für den Singular Ḫalīfa ist und sowohl maskulin als auch feminin umfasst. Demzufolge kann man davon ausgehen, dass in diesem Vers beide Geschlechter angesprochen werden.

Hinsichtlich der Bedeutung von Ḫalīfa erwähnen diverse Wörterbücher für dieses Substantiv: „ein von einer höheren Autorität ernannter Stellvertreter mit Handlungsvollmacht“, „Treuhänder“, „behütender Aufseher“, „Leutnant“, „Vizeregent“, „Nachfolger“.

Im erwähnten Vers wird mithin davon gesprochen, dass Allah als höchste Autorität den Menschen auf Erden eine bestimmte Position in Stellvertreterfunktion zuweist, die mehrere Aspekte einschließt. Es ist zunächst einmal eine Position, die sich in mehrere Stufen oder Ränge unterteilt – wie wir das auch in unserem täglichen Leben vorfinden. Es gibt je nach Fähigkeiten und Qualifikationen Direktoren, Manager, Abteilungsleiter und Angestellte, es gibt Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaftsgrade, es gibt Professoren und Studenten usw. Genauso gewährt Allah SEINEN Geschöpfen unterschiedliche Anlagen und Fähigkeiten, auf Grund derer sie verschiedene Stufen erreichen können, was insbesondere auch die spirituelle Ebene und Glaubensstärke und Erkenntnisgrade sowie das Verrichten von Rechtschaffenem auf Grundlage des Quran betrifft, und auf deren Basis sie geprüft und bewertet und zur Verantwortung gezogen werden.

Diese von Allah dem Menschen zugedachte Stellvertreterposition auf Erden weist nicht nur auf den besonderen Vorzug des Menschen vor anderen Geschöpfen und dessen Ehrung hin, sondern auch auf dessen spezielle Verantwortung für das ihm anvertraute Treuhänderamt und dessen Pflicht zum Gehorsam gegenüber seinem Schöpfer, der ihm dieses Amt übertragen hat. Denn ein Stellvertreter ist ein Bevollmächtigter, der zwar innerhalb eines vorgegebenen Rahmens nach eigenem Ermessen handelt und deshalb auch für sein Handeln zur Rechenschaft gezogen wird, der aber eben auch an bestimmte Direktiven gebunden ist und im Interesse des Vollmachtgebers zu agieren hat. In unserem Fall hat Allah also dem Menschen die Erde anvertraut, damit dieser sie sorgfältig verwalte und kultiviere, was sicherlich auch das Schützen der Umwelt beinhaltet.

Unser Schöpfer hat für uns zu unserem Vorteil viele Dinge in der Natur und sogar im Universum erschaffen, wie wir etwa aus den nachstehenden Worten des ehrwürdigen Quran erfahren:

… und macht Sonne und Mond dienstbar …
(Sure 13, Vers 2)

Beiden Gestirnen kommt ergo die Aufgabe zu, den Menschen Nutzen zu bringen. Sonne und Mond spenden Licht und dienen der Bestimmung von Tageszeiten und Berechnung der Monate und Jahre. Die Sonne ist daneben auch eine Wärmequelle. Vor für den Menschen unvorteilhafte Strahlen oder vor einem Übermaß an Hitze wird die Erde durch die Atmosphäre geschützt. Der Mensch hat nun etwa die Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass diese den Globus umspannende Schutzhülle nicht beschädigt wird. Das in den vergangenen Jahrzehnten entstandene Ozonloch beweist, dass der Mensch in diesem Punkt leider nachlässig gehandelt hat.

Ähnliches wie im oben zitierten Vers finden wir in den folgenden Worten des ehrwürdigen Quran:

Seht ihr denn nicht, dass Allah euch dienstbar macht, was in den Himmeln und was auf Erden? Und ER gibt euch SEINE Wohltaten reichlich, äußerlich und innerlich…
(Sure 31, Vers 20)

Für diese Wohltaten soll sich der Mensch dankbar zeigen und seine Dankbarkeit unter Anderem dadurch zum Ausdruck bringen, dass er mit allem, was Allah ihm gewährt und überlässt, pflichtgemäß und im Bewusstsein seiner ihm von Allah in 6:165 zugewiesenen Position sorgfältig und pfleglich umgeht.

Die von den Wörterbüchern angegebene Bedeutung „Nachfolger“ für Ḫalīfa kann man ebenfalls in die von Allah dem Menschen gegebene Position auf Erden einfließen lassen, denn es folgt eine Generation der anderen nach und hier ergibt sich die Pflicht, der uns nachfolgenden Generation eine heile Umwelt zu hinterlassen.

Der ehrwürdige Quran, der das Allwissen und die Weisheit Allahs widerspiegelt, weist nun allerdings auch darauf hin, dass der Mensch den Anordnungen seines Schöpfers eben nicht immer nachkommt. Und das betrifft auch den Umweltschutz. So lesen wir etwa im folgenden Vers des ehrwürdigen Quran:

Zu Tage getreten ist Verderbtheit auf dem Festland und auf dem Meer um dessentwillen, was die Menschen sich zu Schulden haben kommen lassen, dass ER sie einen Teil dessen, was sie taten, schmecken lasse. Vielleicht kehren sie ja um.
(Sure 30, Vers 41)

Es ist offensichtlich, dass diese Worte genau das beschreiben, dessen wir heutzutage Zeuge werden, und dass wir schmecken, was wir uns haben zu Schulden kommen lassen.

Zu Wasser und zu Lande erleben wir immer öfter, dass die Natur „Kapriolen schlägt“. Wir sehen auf dem Festland das Waldsterben und das Vordringen der Wüste in einigen Regionen. Wir sehen auf den Meeren Tsunami-Wellen unvorstellbaren Ausmaßes und immer heftiger werdende und immer zahlreicher auftretende Taifune, die auch das Land heimsuchen und Verwüstung hinterlassen und vielen Menschen das Leben kosten. Wir sind Zeuge der Erderwärmung, der Klimaverschiebungen, des Anstiegs der Meeresspiegel, der Eisschmelze und vieler anderer Dinge, die unsere Umwelt betreffen. Wissenschaftler und Umweltschützer führen all dies auf das unverantwortliche, sehr oft durch Profitgier bestimmte Verhalten von Menschen zurück und warnen, dass wir auf der Erde vor einer nicht allzu fernen Katastrophe stehen, wenn nicht sofort Gegenmaßnahmen und verstärkte Maßnahmen zum Schutz der Natur ergriffen werden.

Es sind nicht nur nach Gewinn strebende Industriebosse, die nicht oder nur in beschränktem Umfang zum Einsatz umweltschützender Mittel bereit sind, weil dies angeblich zu kostenaufwendig sei, und uns in diese bedrohliche Situation gebracht haben, es sind auch die Politiker, die trotz des Wissens der Gefahr nicht in der Lage sind oder nicht in der Lage sein wollen, sich auf verbindliche Vereinbarungen, gesetzliche Regelungen und Kontrollmaßnahmen zu verständigen.

Und auch jedes Individuum der Erdgemeinschaft muss sich fragen, wie es mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen umgeht: Wird sparsam mit Wasser und Strom umgegangen? (Man sehe sich nur einmal die vielen Muslime an, die bei ihren zahlreichen rituellen Waschungen Unmengen von Wasser vergeuden!) Wird das eigene Auto wirklich nur benutzt, wenn es notwendig ist? Wird darauf geachtet, Verwendung von Plastik zu vermeiden?

Derlei Fragen sollte sich jeder auf Erden stellen – und sie für sich auch beantworten und gegebenenfalls sein Verhalten überdenken und ändern. Jeder Einzelne kann durch umweltbewusstes Verhalten etwas zum Umweltschutz beitragen, mag es auch noch so winzig sein. Aber auf die Menschheit hochgerechnet wird aus diesem Winzigen etwas Riesiges.

„Vielleicht kehren sie ja um“ sagt der Quran. Wenn ich mir jedoch die Nachlässigkeit und Sorglosigkeit und Gleichgültigkeit vieler Menschen im Zusammenhang mit Umweltschutz betrachte, dann habe ich eher die Befürchtung „vielleicht aber auch nicht“.

Und Allah weiß es am besten!

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Mal wieder perfekt auf den Punkt gebracht!:+1:
Und danke für die Quran Verse die dies untermalen🤲

Selam @OASE

Vielen lieben Dank für diesen Beitrag. Als „Halife“ (türk.) auf Erden wurden uns besondere Schutzpflichten im Umgang mit der Natur und der Umwelt auferlegt.

Nicht ohne Grund wird im Vers 42:30 auf Folgendes hingewiesen:

42:30 "Was für ein Schlag euch auch trifft, er ist für das, was eure Hände begangen haben. (…)"
(Zirker)

Anders gefragt: Trägt nicht der Mensch durch seine zahlreichen Aktionen dazu, dass sein Garten auf Erden nicht zur Hölle wird?

Der Mensch vergisst leider allzu leicht, dass die natürlichen Ressourcen unserer Welt nicht unbegrenzt sind, obwohl uns der Koran lehrt, dass ein schonender Umgang mit der Umwelt, aber auch die Vermeidung von Verschwendungen (insbes. durch Extravaganzen) geboten ist, vgl. 7:31; 17:27. Der Koran rät den Einzelnen dazu, die unschätzbaren Möglichkeiten, die den Menschen geboten werden, maßvoll zu nutzen, ohne zu verschwenden (sehr gutes Beispiel von dir im Zhg. mit Taharet) oder ins Extreme zu gehen, vgl. 6:141.

Allah hat nichts in der Natur umsonst erschaffen, und alles Erschaffene wurde mit der Weisheit erschaffen, die dazu u.a. beiträgt, dass eine Ordnung, ein Maß und ein Gleichgewicht gewährleistet ist. Es steht damit außer Frage, dass ein ökologisches Gleichgewicht (vgl. 15:19; 15:21; 25:2; 32:5; 54:49; 54:50; 55:7; 55:8; 67:3) vorhanden ist, das auch von den Menschen als Ḫalīfa entsprechend zu bewahren und zu achten ist. Das schließt auch den Tierschutz ein. Denn diese sind nach 6:38 ein „Ümmet“ (türk. für arabisch: أمة , deutsch: „Umma“, „Gemeinschaft“), und sind in stetiger Erinnerung und Lobpreisung gegenüber dem Gnädigen, vgl. 24:41. Sie sind Lebewesen, die sogar unter einander kommunizieren (bsp.haft die Ameisen: vgl. 27:18; 27:19).

Wir persönlich haben uns dazu entschieden, weitgehend auf Nutzung eines Verbrennerfahrzeugs zu verzichten in ein E-Auto zu investieren und zugleich in eine Solaranlage, die demnächst installiert wird. Ich denke jeder Einzelne sollte sich seiner Verantwortung bewußt werden und darauf sensibilisiert sein. Jede Beitrag zählt.

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Wie ich mich auch schon das eine oder andere Mal über Verschwendung Umweltschutz und Tierleid ausgedrückt habe interessiert mich dieses Thema auch sehr.
Ich finde es gibt 3 Kategorien

  1. Menschen denen die Bildung fehlt um Weitsichtig über diese Themen nachzudenken
    und somit nicht wirklich was dafür können

  2. Menschen die einfach nur „Ich-bezogen“ durchs Leben gehen und sich nehmen was sie wollen und „brauchen“ und somit die größten Verschulder dieser Katastrophen sind

  3. Menschen denen es viel schlechter geht als uns und die wirklich nichts haben und somit meines Verständnisses nach auch nicht auf diese Themen achten brauchen

Da ich im Einzelhandel arbeite fällt mir immer folgendes Beispiel ein …
Wenn die Menschen einfach auf diese kleinen Obsttüten verzichten würden wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung gemacht aber nein es werden Orangen , Kiwis und Bananen in Tüten gepackt :expressionless:

Friede Sue,

und vielen Dank für deine ergänzenden Erläuterungen mit den vielen Quran-Versen, die ich leider nicht immer kurzfristig in diesem Umfang zur Hand habe.

Eine bescheidene Frage:

Stimmst du an Stelle deiner Formulierung „Trägt nicht der Mensch durch seine zahlreichen Aktionen dazu, dass sein Garten auf Erden nicht zur Hölle wird?“ meiner Formulierung „Trägt nicht der Mensch durch seine zahlreichen Aktionen dazu, dass sein Garten auf Erden zur Hölle wird?“ zu? :wink:

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Friede Rico,

ja, 3 Kategorien, wobei ich allerdings der Meinung bin, dass auch die dritte Gruppe auf diese Themen achten muss.

Und eine 4. Kategorie bildet dann die Minderheit, die den Umweltschutz ernst nimmt. Dieser Gruppe kommt eine große Verantwortung zu. Denn das sind diejenigen, die Allah über die Anderen „um Stufen erhebt“ und die ER prüft in dem, „was ER ihnen gibt“, nämlich unter Anderem an Umweltbewusstsein gibt. Vielleicht trägt ja dieses Forum zur Steigerung dieses Bewusstseins etwas bei…

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Richtig erkannt. 1x „nicht“ war zu viel, die heutige Höllen-Hitze verlangsamt doch manchmal die Gedanken… (hoffen wir mal, dass Ronaldo dies in wenigen Minuten genauso sieht, was ich aber bezweifle…)

Die Grundüberlegung bleibt aber gleich: Der Einzelne hat es in der Hand die schönen Versorgungen Gottes wertzuschätzen, sie zu bewahren und dem Versorger das Lob zu erweisen und so vielleicht einen kleinen „Cennet“ (türk. für Paradies, Dschanna, arabisch: جنّة) auf Erden zu haben. Entgegen der Meinung der Traditionalisten kann Zufriedenheit und Wohlergehen im Diesseits und zugleich im „Ahiret“ (türk. für Jenseits, arabisch: الآخرة‎) erlangt werden.

إن شاء الله so Gott will

Alles gut gegangen :sweat_smile::+1:

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Hmmmm :thinking:
Einer Seite vllt ja , da man ja bekanntlich aus wenig viel machen kann und man fast immer ne ausweichvariante hat
Anderseits wenn ich Mal Nachrichten im TV gucke und dann Flüchtlinge sehe in irgendwelchen Camps oder Menschen in Afrikanischen Dörfern die dann wirklich jeden Tag ums Überleben kämpfen finde ich es weniger schlimm wenn die unachtsam mit der Umwelt umgehen als diejenigen die aus Ihren Möglichkeiten heraus besser handeln könnten.Denn dies ist ein verschwindent kleiner Teil im Gegensatz zu der breiten Masse die was bewegen könnten.
Oder gar nicht soweit weg …in unseren Städten die ganzen Obdachlosen , auch den armen Teufeln sehe ich es eher nach wenn Sie sich daneben benehmen …

Der Wandel ist ja im Gange aber wenn jeder nur ein wenig zurück stecken würde dann wäre es ein riesen Schritt in die richtige Richtung
Möge Allah soviele wie möglich rechtleiten :palms_up_together:

Und was meinst du mit „sich daneben benehmen“? :thinking:

Ich sehe die Angelegenheit wie folgt:

Der Quran wurde für alle Menschen geoffenbart, also auch für Flüchtlinge, Arme, Obdachlose etc., die übrigens meiner Meinung nach von der Anzahl her keineswegs einen „verschwindend kleinen Teil“ bilden und genauso die Bestimmungen zu befolgen haben wie alle Anderen auch.

Allah sagt in 6:165: " … einige von euch über einige um Stufen erhebt, dass ER euch in dem prüfe, was ER euch gibt…" Die Stufen beziehen sich meinem Verständnis zufolge auch auf die sozialen Verhältnisse. Einigen gibt Allah mehr und einigen gibt Allah weniger. Aber ALLE werden geprüft - gemessen an dem, was ihnen gegeben wird. Vielleicht ist ja gerade der soziale Status wie etwa Flüchtling oder Obdachloser die von Allah auferlegte Prüfung.

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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