Salāt (صلاة): Begriff und Durchführung

Salaamun alaikum, alle zusammen!

Zu den wichtigsten Begriffen im Quran zählt meines Erachtens der Begriff صلاة salāt, weil er unser tägliches Leben stark prägt oder doch zumindest prägen sollte. Beim Beschäftigen mit diesem Begriff bin ich auf recht unterschiedliche Auffassungen dieses Begriffes hinsichtlich Bedeutung und Umsetzung in die Praxis gestoßen. Ich habe diese Sichtweisen – es sind derer vier – zusammengefasst und möchte sie euch nun präsentieren. Da ich über diese Sichtweisen auch weiterhin reflektieren und weitere Informationen und Meinungen sowie Kritikpunkte sammeln möchte, würde mich sehr über zahlreiche, sachbezogene Feedbacks freuen.

VIER SICHTWEISEN ZUM ARABISCHEN BEGRIFF (صلاة) SALĀT

Wenn man über die Aussagen des Quran nachdenken und sie verstehen will, hat man seine Vorgehensweise auf drei Dinge zu fokussieren: Erstens das Kennenlernen der semantischen Bedeutung der jeweiligen Wörter, insbesondere der ambigen Wörter, zweitens das Berücksichtigen des Kontextes, in dem das jeweilige Wort vorkommt, und drittens das Beachten des Geistes des ganzen Quran.

Das arabische Wort صلاة salāt, das oft mit „Gebet“ übersetzt wird, gehört zu den ambigen Wörtern im Quran. In den arabischen Wörterbüchern findet man unter صلاة salāt „Kontakt, Verbindung, dichtes Folgen“. Ein Pferd, das in einem Rennen dicht hinter einem führenden Pferd ist, wird im Arabischen als مصلي musallī bezeichnet. Im Zusammenhang mit Islam und Quran handelt es sich somit zunächst um eine enge Verbindung zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf, das seinem Schöpfer respektive dem Quran dicht folgt. Darauf weist auch eine weitere Bedeutung von صلاة salāt hin: „Verpflichtung zu dem was, Allah verbindlich vorschreibt“, was ja der ursprünglichen Bedeutung „Kontakt, Verbindung, dichtes Folgen“ entspricht.

In Sure 11 Vers 87 heißt es: „Sie sagten: «O Schuaib! Befiehlt dir صلاتك salātuk (= deine Verpflichtung zu dem, was Allah verbindlich vorschreibt), dass wir das lassen, was unsere Väter angebetet haben?..»“ Das Befolgen der Anweisungen Allahs und des Quran impliziert natürlich, dass man das Anbeten von Götzen lässt. Hier صلاتك salātuk mit „dein Gebet“ zu übersetzen, machte ja keinen Sinn. Das Gleiche gilt für Sure 75 Verse 31-32: „Denn er nahm die Wahrheit nicht an und folgte ihr nicht ( صلى sall ā ), sondern zieh der Lüge und wandte sich ab.“ Hier werden zwei Dinge gegenübergestellt, die Wahrheit und die Lüge sowie das Folgen und das Sich-Abwenden. In diesem Sinn können wir auch صلى sallā in Sure 87 Vers 15 verstehen: „Er gedachte des Namens seines Herrn und folgte ( صلى sallā )“. Das heißt, dadurch, dass wir des Namens Allah gedenken, folgen wir Allah. In Sure 70 in den Versen 24 bis 33 werden mehrere Anweisungen Allahs aufgezählt und in den Versen 22 und 23 heißt es als Einleitung: „Außer den Folgenden ( مصلين musallīn ), denjenigen, die in ihrem Folgen konstant sind.“ Und abschließend finden wir im Vers 34 das Resultat für diejenigen, die beständig den aufgezählten Anweisungen folgen: „Jene werden in Paradiesgärten geehrt.“ An weiteren Stellen des Quran gibt es ähnliche Verse.

Wenn wir nun auf die eingangs erwähnten Pferde, das führende und das dicht folgende Pferd, zurückkehren, können wir sagen: Der Quran ist das „führende Pferd“ und der مصلي musallī ist das „dicht folgende Pferd“ – in enger Verbindung und in Kontakt mit dem „führenden Pferd“.

Im Quran erscheint in Sure 11:114 und in Sure 17:78 das Wort صلاة salāt in Verbindung mit spezifischen Zeitangaben. Die beiden Verse werden eingeleitet durch „ أقم الصلاة aqimi-s-salāt “. Das arabische Verb أقام aqāma, das in diesen beiden Versen im Imperativ Singular steht, hat viele Bedeutungen. Zu den Grundbedeutungen gehören „wahren“, „immer durchführen“, „abhalten“, „festhalten an“ und „einrichten“. Beachtenswert ist in den beiden zitierten Versen der Imperativ Singular. Das heißt, die Aufforderung richtet sich hier an den Gesandten Muhammad, was sich auch aus dem Kontext der vorangehenden Verse ergibt. Die Aufgabe des Gesandten bestand darin, die ihm geoffenbarten Verse den Menschen zu übermitteln.

Nach Meinung einer Gruppe unter den Monotheisten (den sogenannten Quraniten) – ich nenne sie im Folgenden erste Sichtweise – zu den beiden Versen kann man deshalb folgern, dass es die Aufgabe des Gesandten war, mit den Leuten zusammenzukommen und ihnen den Quran zu übermitteln. Es handelt sich quasi um eine abzuhaltende und immer durchzuführende Salāt-Session. Die Leute empfangen ergo vom Gesandten die Worte des Quran und sollen diesen dann folgen und Allah dadurch näher kommen. In Sure 24:58 werden diese beiden Sessions mit Namen belegt: Salātu-l-Fadschr (Session in der Morgendämmerung) und Salātu-l-´Ischā` (Session in der Abendzeit). In diesem Vers werden übrigens alle angesprochen, die den Glauben verinnerlicht haben, diese beiden Sessions abzuhalten. Daraus folgt, dass die Salāt-Sessions nicht nur eine Angelegenheit des Gesandten waren, sondern in allen Zeiten von allen, die den Glauben verinnerlicht haben, durchzuführen sind. Dies ergibt sich beispielsweise auch aus Sure 5 Vers 6, wo von der Reinigung als Vorbereitung für diese Sessions gesprochen wird.

Die erste Sichtweise besagt weiterhin, bei Salāt handle es sich erstens um eine Beziehung, die sich vom Geschöpf auf den Schöpfer richtet. Eine weitere Beziehung im Zusammenhang mit Salāt ist diejenige, die vom Schöpfer ausgeht und die Geschöpfe anspricht. Dies wird ersichtlich aus Sure 33:56, wo es heißt, dass Allah und SEINE Engel mit dem Propheten eng verbunden sind (yusallūna), was bedeutet, dass Allah und SEINE Engel den Propheten unterstützen. Und eine dritte Beziehung ist derart, dass sie von Geschöpfen auf Geschöpfe zielt, wie es sich aus dem zweiten Satz desselben Verses ergibt, in dem die den Glauben Verinnerlichenden aufgefordert werden, den Propheten zu unterstützen (sallū), indem sie ihm nämlich auf der Basis der mitgeteilten Offenbarung folgen.

Die erste Sichtweise geht davon aus, dass es im Quran keinerlei Anweisung für ein rituelles Gebet gibt. In diesem Zusammenhang weist sie darauf hin, dass die drei Begriffe „Qiyām“, „Rukū´“ und „Sudschūd“ im Quran nicht ausschließlich zur Erklärung des Wortes Salāt auftauchen und zudem verstreut an vielen Stellen im Quran vorkommen. Das Wort Qiyām hat nichts mit dem Stehen in einem rituellen Gebet zu tun, sondern bedeutet an mehreren Stellen im Quran schlicht und einfach „Wahren“ oder „Durchführen“ (أقام aqāma „wahren“, „immer durchführen“, „abhalten“, „festhalten an“ und „einrichten“). Was das Wort Rukū´ betrifft, so bedeutet das zu Grunde liegende arabische Verb ركع raka´a ursprünglich „sich nicht widersetzen“, „sich ergeben“. Als Beispiel wird im arabischen Wörterbuch Lisānu-l-´Arab der Satz erwähnt: „Jemand ergibt sich ( ركع raka´a ), wenn er arm wird, nachdem er reich war, und sich seine Situation verschlechtert.“ Das Wort Rukū´ hat also nichts mit dem Sich-nach-vorne-Beugen in einem rituellen Gebet zu tun. So heißt es beispielsweise in Sure 5 Vers 55, dass diejenigen, die Zakat entrichten, dies in einer sich ergebenden Form ( راكعون rāki´ūn) tun. Und hinsichtlich des Wortes Sudschūd ist zu sagen, dass das arabische Verb سجد sadschada „ehrfürchtig gehorchen“, „Allah anbeten“ bedeutet. Im erwähnten Wörterbuch finden wir als Beispiel: Jemand, der sich unterordnet und demütig dem folgt, was von ihm gefordert wird, ist wirklich ehrfürchtig gehorsam (sadschada). Demzufolge heißt es beispielsweise in Sure 7 Vers 161: „…Und tretet ehrfürchtig gehorchend ein durch das Tor …“. Entsprechend ist auch Sure 2 Vers 34 zu verstehen: „…Unterwerft (isdschudū) euch Adam! …“ Der Imperativ isdschudū bedeutet hier nicht im physischen Sinne „Werft euch vor Adam nieder!“, weil in diesem Fall im Arabischen die Präposition ilā stehen müsste; statt dessen steht aber die Präposition li. Neben den genannten Bedeutungen können raka´a auch „niederknien“ oder „den Rumpf beugen“ respektive sadschada „sich niederwerfen“ bedeuten, was in den genannten Beispielen aber keinen Sinn macht.

Hinsichtlich des Verses 2:238, in dem einmal die Pluralform von Salāt, nämlich Salawāt, und einmal der Singular Salāt im Begriff „Salātu-l-wustā“ vorkommt, macht die erste Sichtweise geltend, dass es sich bei der Pluralform um das jeweilige Befolgen der in den voraufgehenden Versen erwähnten Anweisungen zu Familien-, Heirats- und Scheidungsangelegenheiten handelt und der singularische Begriff Salātu-l-wustā das ausgewogenste und fairste Befolgen der vorangehenden Anweisungen zum Ausdruck bringt. Das Wort wustā hat nicht nur die Bedeutung „mittlere“, sondern auch „am ausgewogensten“ oder „am gerechtesten“, wie beispielsweise in Sure 68:28.

Die beschriebenen Sessions können einzeln oder in Gemeinschaft durchgeführt werden.

Die zweite Sichtweise ähnelt der der ersten Sichtweise. Salāt wird als Kontakt mit Allah und Kommunikation mit IHM und Reflexion unserer persönlichen Beziehung zu IHM verstanden. Auch der zweiten Sichtweise zufolge gibt es zwei tägliche Salāt zu spezifischen Zeiten. Diese Zeiten unterscheiden sich allerdings zu denen der ersten Sichtweise dahingehend, dass das Salātu-l-Fadschr nach dem individuellen Aufstehen eines Menschen und Salātu-l-´Ischā` vor dem individuellen Zubettgehen eines Menschen durchgeführt werden soll, die Zeitpunkte also nicht dem Sonnenzyklus, folgen. Begründet wird dies damit, dass das arabische Wort fadschr mit dem Wort „ إنفجار Infidschār “ verwandt ist, was die ursprüngliche Bedeutung „Explosion“ hat, das heißt zuerst gibt es nichts und dann eine Art Deflagration, eine sich langsam ausbreitende Explosion. Auf das Individuum bezogen bedeutet dies eine Art Deflagration des Lebens nach dem Erwachen vom Schlaf, der von Allah im Quran als Tod bezeichnet wird; es handelt sich beim Wort Fadschr somit um einen Übergang vom Tod zum Leben, was auch auf die Tageszeit bezogen werden kann, weil es eine Art Deflagration des Lichtes nach der Dunkelheit der Nacht gibt. Auf das Individuum bezogen bedeutet dies eine Art Deflagration des Lebens nach dem Erwachen vom Schlaf, der von Allah im Quran als Tod bezeichnet wird; es handelt sich beim Wort Fadschr somit um einen Übergang vom Tod zum Leben, was auch auf die Tageszeit bezogen werden kann, weil es eine Art Deflagration des Lichtes nach der Dunkelheit der Nacht gibt.

Das zweite Salāt, also Salātu-l-´Ischā`, beendet unseren Tagesrhythmus. Das arabische Wort „عشاء“ ´ischā’ geht zurück auf das arabische Verb „عاش“ āscha (leben) und das Hamza ء am Ende des Wortes markiert das äußerste Ende, in diesem Fall also das Ende unserer täglichen Aktivitäten.

Salāt ist eine intime, vom Geschöpf an seinen Schöpfer gerichtete Kommunikation, und die beiden genannten Zeitpunkte des Aufstehens und des Zubettgehens bringen das Intime perfekt zum Ausdruck. Diese Zeiten sind auch einfach von jedem Menschen an jedem Ort der Erde einzuhalten, insbesondere in Regionen, in denen die Zeitspanne zwischen Sonnenauf- und -untergang sehr kurz ist. Die von den Mohammedanern als verpflichtend angesehenen fünf rituellen Gebete müssten in diesen Regionen eins nach dem andern verrichtet werden, was wohl kaum im Sinne eines intimen Gesprächs zwischen Geschöpf und Schöpfer sein dürfte.

Die Tatsache, dass Allah Salāt unter Nennung der zwei Namen in einem einzigen Vers im Quran (24:58) erwähnt, beweist nach der zweiten Sichtweise, dass es auch wirklich nur diese beiden Pflichtgebete gibt. Und dass im selben Vers vom entblößten Körper gesprochen wird, gilt auch als Beweis für Salāt nach dem Aufwachen und vor dem Zubettgehen. In Regionen, in denen beispielsweise die Sonne schon um 14 oder 15 Uhr untergeht, wo die Mohammedaner dann Salātu-l-´Ischā` verrichten müssten, entledigt sich man ja nicht der Kleider, um schlafen zu gehen.

Salāt ist also nach der zweiten Sichtweise definitiv nicht an den Sonnenzyklus, sondern an den individuellen Lebenszyklus des Aufstehens und Zubettgehens geknüpft.

Hinsichtlich der Zeitangabe in Sure 11:114 und 17:78 ist nach der zweiten Sichtweise hier zu beachten, dass es keine Namen für Salāt gibt und es sich somit nicht um Pflicht-Salāt, sondern um fakultatives Salāt handelt. Im Polarkreis wäre das Einhalten der in den beiden Suren genannten Zeiten auch gar nicht möglich. Und Allah hat die an die gesamte Menschheit gerichtete Religion nicht als eine Last eingeführt, die in Schwierigkeiten führt, sondern um unser Leben zu erleichtern, wie es in Sure 2:185, Sure 20:2 und 87:8 ausdrücklich erwähnt ist. Zudem erschafft Allah jeden Menschen unterschiedlich und da ist es nur recht und billig, dass jeder nach seinem Vermögen seinen eigenen Weg geht – auch was die individuelle Zeit des Aufstehens und des Zubettgehens betrifft. Es gibt viele Wege, die zu Allah führen.

Die bei der ersten Sichtweise dargelegten Begriffe „Qiyām“, „Rukū´“ und „Sudschūd“ werden in der zweiten Sichtweise in der Bedeutung „Stehen“, „Vorbeugen“ und „Niederwerfen“ als mögliche Körperpositionen zur Unterstützung des meditativen Charakters von Salāt und der Konzentration verstanden. Durch diese Körperpositionen kann auch die Demut gegenüber Allah zum Ausdruck gebracht werden. Eine spezielle, nach strengen Regeln abzulaufende Choreografie wie bei den Mohammedanern ist damit jedoch nicht gemeint. Die Positionen können also wahlweise eingenommen werden. Auch können Quran-Verse rezitiert werden, allerdings nicht in „singender“ Form und ohne Tadschwīd, sondern in moderatem Tonfall. Dabei kann die Sure Al-Fātiha (die Eröffnende) gut als Einleitung für Salāt dienen. Die Länge des Salāt ist dabei nicht relevant. Qualität ist besser als Quantität.

Neben Salātu-l-Fadschr nach dem individuellen Aufstehen eines Menschen und Salātu-l-´Ischā` vor dem individuellen Zubettgehen gibt es noch ein sehr erstrebenswertes, aber nicht so stark wie beim individuellen Salāt verpflichtendes kollektives Salāt, als da ist Salātu-l-wustā. Im Gegensatz zur ersten Sichtweise wird dieser Begriff als „das mittlere Salāt“ verstanden und auf Sure 62:9 bezogen, wo von einem Salāt am Versammlungstag die Rede ist. Dieser Versammlungstag muss nicht unbedingt ein Freitag sein, wie es bei den Mohammedanern der Fall ist. Es soll ein Tag sein, an dem für möglichst viele Menschen die Möglichkeit zum Versammeln besteht. Dieses kollektive Salāt findet zur Mittagszeit am Versammlungstag statt. Der Name „das mittlere Salāt“ bezieht sich also einerseits darauf, dass man es inmitten von Menschen kollektiv verrichtet, und andererseits auf die Tatsache, dass es zur Mitte des Versammlungstages stattfindet. Dieses kollektive Salāt ist sehr erstrebenswert und nicht im strengen Sinn verpflichtend, weil es im Vers 9 „ فاسعوا fas´au (seid bestrebt, seid bemüht)“ heißt. Eine spezielle Form ist im Quran nicht vorgeschrieben. Es ist also eine Zusammenkunft von Gläubigen, die miteinander über Allahs Vorschriften sprechen, fragen und antworten und einander mit der Religion verbundene Themen erörtern und nach Wissen und Wahrheit streben und somit durch Brainstorming voneinander lernen sowie Gebete sprechen. Die jeweilige Vorgehensweise ist von Woche zu Woche neu zu vereinbaren.

Bei der dritten Sichtweise besteht die Grundlage darin, dass Salāt Kontaktgebet bedeutet und man grundsätzlich dieses Kontaktgebet verrichten kann, wann und so oft man will; es gibt jedoch festgesetzte Zeiten, zu denen man verpflichtet ist, das Kontaktgebet zu verrichten. Gemäß dieser dritten Sichtweise erwähnt der Quran drei obligatorische Kontaktgebete namentlich:

a) Morgengebet(24:58),(11:114),

b) mittleres Gebet (17:78), (2:238) und

c) Abendgebet (17:78), (24:58), (11:114).

„Haltet die Kontaktgebete und das mittlere Kontaktgebet ein und steht vor Allah in demütiger Ergebenheit!“ (2:238).

„Und verrichte Kontaktgebet an beiden Endpunkten der Tageszeit, und zwar zu Stunden eines dem Tag näher gelegenen Teils der Nacht! …“ (11:114).

„Verrichte das Gebet beim Neigen der Sonne bis zum Dunkel der Nacht und die Quran-Rezitation in der Morgendämmerung! Die Quran-Rezitation in der Fadschr-Zeit wird wahrhaftig bezeugt!“ (17:78).

„…zu drei Zeiten: vor dem Kontaktgebet in der Morgendämmerung, um die Mittagszeit, wenn ihr eure Kleider wechselt, und nach dem Kontaktgebet zur Abendzeit…“ 24:58.

a) Dämmerungsgebet/Morgengebet (Salātu-l-Fadschr)

Salātu-l-Fadschr** wird in 24:58 genannt. Das Wort al-fadschr beinhaltet die Zeit von Tagesanbruch bis zum Aufgehen der Sonne. Dies wird in 11:114 verdeutlicht: Das arabische Wort „nahar“ bedeutet „Tag“ und „lail“ „Nacht“; „tarafan nahar“ bedeutet die zwei Endpunkte des Tages. Die Bedeutung in diesem Sinne ist dann die Morgendämmerung und der Sonnenuntergang, was das Morgen- und Abendgebet umfasst. Um es klarer auszudrücken, wird die Formulierung „zulafan mina-l-lail“ (zu Stunden eines dem Tag näher gelegenen Teils der Nacht) gebraucht, um den engeren Zeitbereich zu kennzeichnen.

Wichtig ist nun, dass die dritte Sichtweise die arabische Konjunktion „wa“ im ersten Bereich des Verses 11:114 nicht im Hinzufügungssinne sieht, sondern im Erklärungssinne „und zwar“. Gemäß dem Arabischen des Quran ist die Nacht der Zeitraum vom Untergang bis zum Aufgehen der Sonne (2:187). Die Zeiten für das Dämmerungs- und Abendgebet liegen an beiden Endpunkten des Tages, und zwar im Bereich, in dem die Nacht dem Tage nahe ist. Die Grenzen von „nahar“ (Tageslicht) werden also durch zwei eindeutige Punkte markiert. Die Gebete sollen nicht nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang abgehalten werden, sondern vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang. Diese Interpretation ist linguistisch zulässig, zumal wir im Quran folgende Bedeutungen für die Konjunktion „wa“ finden:
Logische Verknüpfung (10:5)
Zusammenfassung zu einer Sichtweise oder Einheit (33:36)
Angabe einer zeitlichen Abfolge (79:29)
Am Anfang eines Satzes (74:3)
Schwurausdruck (100:1)
Explikative Funktion (33:7)
Empathische Funktion (55:68)
Aufzählung (33:7)
Im Sinne von „oder“ (73:20)
Im Sinne von „aber“ (2:70)
Würde man das „wa“ als verbindendes respektive aufzählendes „und“ verstehen, könnte man aus diesem Vers noch ein drittes Gebet, also ein Nachtgebet ableiten. In diesem Fall hätte man mit dem Fadschr-Gebet vier Kontaktgebete. Das ist aber nicht möglich, weil es ja laut Quran ein „mittleres Gebet“ gibt, und ein mittleres Gebet ist nur bei einer ungeraden Anzahl von Gebeten möglich.

b) Mittleres Gebet

„Verrichtet die Kontaktgebete regelmäßig, und besonders das mittlere Kontaktgebet, und gebt euch beim Kontaktgebet vollständig Allah hin!“ (2:238).

Man kann das mittlere Gebet leicht als ein Gebet zwischen den beiden anderen Gebeten verstehen, die mit Namen genannt werden (Morgendämmerung und Abend). Es gibt keine weiteren Verse, die andere Zeiten andeuten. Mit dem einen Gebet am Anfang und dem anderen Gebet am Ende des Tages muss Salātu-l-Wustā zwischen diesen beiden Gebeten liegen. Angesichts der Tatsache, dass die Nacht für die Nachtruhe vorgesehen ist (siehe 78:9-11!), kann man davon ausgehen, dass dieses Gebet also während des Tages verrichtet werden muss.

c) Abendgebet

Verrichte das Gebet beim Neigen der Sonne bis zum Dunkel der Nacht und die Quran-Rezitation in der Morgendämmerung! Die Quran-Rezitation in der Fadschr-Zeit wird wahrhaftig bezeugt! (17:78).

Die Bezeichnung „die Neigung der Sonne“ (دلوك الشمس dul ūku-sch-schams) bedeutet das Neigen der Sonne hinter den Horizont, also den Sonnenuntergang. Somit handelt es sich um die Zeit vom Sonnenuntergang bis zur vollkommenen Dunkelheit als den Zeitbereich, in dem dieses Gebet abgehalten werden soll. Wie schon beim Fadschr-Gebet erwähnt, ist die Zeit unter Beachtung von 11:114 nach dem Sonnenuntergang gemeint.

Was nun das Verpassen oder Versäumen von Kontaktgebeten anbelangt, so gibt der Quran keinen Hinweis darauf, dass sie entweder nachgeholt oder mit anderen Gebeten zusammen kombiniert werden. Ein Gebet gilt nur dann als zur rechten Zeit verrichtet, wenn es zu den dafür bestimmten Zeiten ausgeführt wird.

Hinsichtlich der Bedeutung und Absicht des Kontaktgebets ist zunächst die richtige innere Einstellung wichtig, denn ohne diese ist man nicht in der Lage, einen positiven Kontakt zum Schöpfer aufzubauen. Wir müssen also die Bedeutung unserer Gebete verstehen, da dies die Momente sind, in denen wir direkt mit Allah kommunizieren (4:43). So müssen wir während unserer Gebete ehrfürchtig sein (23:2). Einhergehend mit dem Verstehen, was wir sagen, können wir uns eines von Gottes Attributen ins Gedächtnis rufen, je nach unserem Bedürfnis und unserer Verfassung bei unserem Gebet (17:111). Das Kontaktgebet wird verrichtet, um Allahs zu gedenken und nur Allah allein (6:162; 20:14; 29:45). Das Gebet soll Allah loben, verherrlichen und uns an SEINE Größe, SEINE Barmherzigkeit und letztendlich an unsere Abhängigkeit von jeder SEINER Eigenschaften erinnern (1:1-7; 20:14; 17:111; 2:45). Deshalb widerspricht auch das Erwähnen anderer Namen neben Allahs Namen unserer Liebe zu IHM und unserem Vertrauen auf IHN (29:45; 72:17).

Die Verse 2:144 und 2:150 als Argument für eine Gebetsrichtung haben keinen direkten Bezug zum Kontaktgebet, denn der Begriff Qibla bedeutet nur einen Punkt, dem man sich zuwendet. Damit ist nicht einmal gesagt, ob es sich dabei um einen Ort oder eine Gesinnung handeln muss. Folglich kann man aus beiden genannten Versen keine konkrete Gebetsrichtung ableiten. Allerdings ist es möglich, mittels Sure 10 Vers 89 einen Bezug zwischen rituellem Gebet und Gebetsrichtung herzustellen. Dies als verbindlich zu verstehen ist jedoch eine Überbewertung des Verses, da es keine direkte Verbindung zwischen Kontaktgebet und Qibla, sondern lediglich eine indirekte gibt.

Das Kontaktgebet soll in stehender Position begonnen (2:238; 3:39; 4:102; 39:9) und der Platz nicht gewechselt werden, außer bei ungewöhnlichen Umständen wie Reiten oder Fahren, dann kann es in Bewegung oder sitzend abgehalten werden (2:239). Die Ergebung in Allah soll körperlich und symbolisch durch Vorbeugen und Niederwerfen ausgedrückt werden (2:43; 3:43; 4:102; 9:112; 22:26; 22:77; 38:24; 48:29). In Notsituationen, in Bedrängnis und unter außerordentlichen Umständen ist dies nicht erforderlich (2:239).

Wir sollen in den Kontaktgebeten in einem moderaten Ton rezitieren, also weder zu leise noch zu laut:

17:110 „Sprich: Ruft Allah oder ruft den Erbarmer an. Welchen ihr auch anruft, Ihm gehören die schönsten Namen. Sprich in deinem Kontaktgebet nicht zu laut, auch nicht zu leise, sondern suche dazwischen einen Mittelweg!“

Je nach Vermögen kann man in jedem Kontaktgebet einige Quran-Verse oder kurze Suren rezitieren (29:45), was allerdings keine Pflicht ist.

Nach dem Abschluss des Gebets sollen wir fortfahren, Allahs zu gedenken (4:103).

Der Quran macht keine Angaben darüber, dass bestimmte Gebetspositionen mit bestimmten Texten zu kombinieren sind. Man kann in dieser Hinsicht also selbst entscheiden, wie man beten möchte.

Der Quran legt auch keine bestimmte Anzahl an Gebetseinheiten (bei den Mohammedanern Rak´as genannt; dieser Begriff taucht im Quran jedoch nicht auf) fest. Es ist unserem Ermessen überlassen. Wir können eine ungefähre Vorstellung davon aus der Betrachtung der Länge des Gebets von 4:101-102 erhalten. Vers 101 ermöglicht es uns unser Gebet abzukürzen, wenn in Kriegen die Gefahr besteht, von einem Feind aus dem Hinterhalt angegriffen zu werden. Der nachfolgende Vers erklärt, wie abwechselnd gebetet wird; er erwähnt nur eine Niederwerfung, wodurch eine Einheit impliziert wird. Wenn das Abkürzen der Gebete als eine Reduzierung der Anzahl der Einheiten angesehen wird, dann kann daraus gefolgert werden, dass die gewöhnliche Anzahl aus mindestens zwei Einheiten besteht. Man kann jedoch unter Verkürzung der Gebete auch die Dauer des Gebetes verstehen. Eine Gebetseinheit kann Stunden dauern, während ein Gebet mit zwei Gebetseinheiten weniger als eine Minute dauern kann.

Die vierte Sichtweise ist quasi eine im positiven Sinne eklektische Sichtweise, denn sie vereint verschiedene Elemente der ersten drei Sichtweisen in ihrer Sichtweise:

Mit dem Begriff Salāt-Session folgt sie der ersten Sichtweise, und zwar mit der zusätzlichen Begründung, dass das Nachdenken über das, was im Quran ausgesagt wird, im Quran selbst an zahlreichen Stellen eingefordert wird. Berücksichtigt wird aber auch die zweite Sichtweise, indem die Salāt-Session als Session für das Quran-Lesen und Nachdenken über das Gelesene mit einer intimen Kommunikation zwischen Geschöpf und Schöpfer verbunden wird. Diese Kommunikation wird mit den Quran-Versen 6:162 und 20:14 begründet, wo es heißt, dass Salāt für Allah ist und Salāt um des Gedenkens Allahs willen durchgeführt werden soll. Besondere Körperhaltungen oder Abläufe haben in der vierten Sichtweise keinen Platz, weil sie im Quran als Voraussetzung für Salāt nicht genannt werden.

Diese Salāt-Sessions werden im Gegensatz zur ersten Sichtweise, bei der die Sessions sowohl einzeln als auch in Gemeinschaft durchgeführt werden können, genauso wie bei der zweiten Sichtweise einzeln und privat durchgeführt, da es sich um einen intimen Kontakt zwischen Geschöpf und Schöpfer handelt und da der Quran sich an jeden Einzelnen nach dessen Erkenntnisvermögen richtet.

Die vierte Sichtweise postuliert je eine obligatorische Session nach dem Aufwachen und vor dem Schlafengehen. Sie begründet dies mit denselben Argumenten wie die in der zweiten Sichtweise und stellt dabei wie die zweite Sichtweise das Praktikable mit Blick auf alle bewohnten Regionen der Erde mit in den Vordergrund, zumal Allah im Quran in Sure 2:185 darauf hinweist, dass ER für die Menschen nicht das Missliche respektive die Härte, sondern das Angenehme respektive die Erleichterung will. Der Geist des Quran besteht der vierten Sichtweise zufolge darin, dass es sich beim Islam um eine leicht zu praktizierende Religion handelt, um ein Lebenssystem, in dem Allah einer Seele nur deren Leistungsvermögen zumutet (Sure 2:286).

Hinsichtlich der Session nach dem Aufwachen wird neben der Erklärung der zweiten Ansicht davon ausgegangen, dass das arabische Wort „فجر fadschr “ auch allgemein die Bedeutung von „Anbruch“ respektive „Beginn“ hat. Man beginnt also nach dem Aufwachen vom Schlaf respektive „Tod“, wie es im Quran heißt, einen neuen Alltag respektive ein neues „Leben“. Des Weiteren hat das Verb „فجر fadschara “ die Bedeutung „einen Weg bahnen“, „hervorströmen lassen“. So heißt es etwa im Quran in Sure 17 Vers 90: „Sie sagten: «Wir werden nicht an dich glauben, bis du uns aus der Erde eine Quelle hervorströmen lässt (تفجر tafdschura).»“ Wenn man also vom „Tod“ aufwacht, strömen quasi die Lebensgeister in den Aufwachenden und bahnen den Weg für ein neues Leben an einem neuen Tag.

Auch in der vierten Sichtweise gibt es an einem Versammlungstag mittags eine fakultative Session in Gemeinschaft, wo man gemeinsam Allahs gedenken und Überlegungen, die man zu Versen des Quran angestellt hat, austauschen kann. Weitere fakultative Sessions können als im Quran empfohlen zwischen Sonnenuntergang und Einbruch der totalen Dunkelheit durchgeführt werden.

Zusammenfassend ergibt sich also folgendes Bild:

Sichtweise Name/Bedeutung Anzahl Zeiten
1 Salāt-Session / Session für Quran- Lesen, Nachdenken und Gedenken Allahs, ohne „Qiyām“, „Rukū´“ und „Sudschūd“ 2 Pflicht Morgendämmerung und Zeit zwischen Sonnenuntergang und Einbruch totaler Dunkelheit
2 Salāt / intime Kommunikation zwischen Geschöpf und Schöpfer, „Qiyām“, „Rukū´“ und „Sudschūd“ möglich, aber nicht zwingend, Quran-Rezitation möglich 2 Pflicht, Salātu-l-wustā, stark empfohlen; fakultatives Salāt Nach dem Aufwachen und vor dem Schlafengehen; mittags am Versammlungstag; zwischen Sonnenuntergang und Einbruch totaler Dunkelheit
3 Kontaktgebet / „Qiyām“, „Rukū´“ und „Sudschūd“ sind zwingende Bestandteile, Quran-Rezitation möglich, aber nicht zwingend 3 Pflicht Morgendämmerung, Mittag (Zeitspanne der Sonne im Zenit bis zum Untergang) und Zeitspanne zwischen Sonnenuntergang und Einbruch totaler Dunkelheit
4 Salāt-Session / Session für Quran- Lesen, Nachdenken und Gedenken Allahs in Verbindung mit intimer Kommunikation zwischen Geschöpf und Schöpfer ohne „Qiyām“, „Rukū´“ und „Sudschūd“ 2 Pflicht; Salātu-l-wustā, stark empfohlen; fakultative Session Nach dem Aufwachen und vor dem Schlafengehen; mittags am Versammlungstag; zwischen Sonnenuntergang und Einbruch totaler Dunkelheit
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Salam Bruder,

Beachtlich wieviele Auslegungen sich ergeben.

Bei der Salat Angelegenheit bin ich vorsichtig wie wir uns richtig entscheiden sollen und die Gunst erlangen. Leider haben wir ja kein Monitoring.

Für bemerkenswert halte ich, dass die Verse zu Salat in der Schrift verteilt sind.
Das bestätigt wiederum dass das Gebet keine Neueinführung ist, ebenfalls bestätigt es der Vers 16:132.
Es muss ja dann eine Schrift vorab gegeben haben, die eine Anleitung bereits enthielt.
Mit voheriger Schrift könnte man die Sichtweisen reduzieren.

Salaam, Murad,

und vielen Dank für dein Feedback!

Ich bin ebenso der Ansicht, dass es beim Thema Salaat vieler Überlegungen bedarf, um eine für sich valide Entscheidung zu treffen, die aber natürlich getroffen werden muss.

Ja, es ist bemerkenswert, dass die Verse, in denen das Wort Salaat mit seinen verschiedenen Flexionsformen vorkommt, im Quran verstreut vorkommen. Ganz im Gegensatz beispielsweise zur Waschung, die in einem Vers in kompletter Durchführungsform aufgeführt ist. Neben anderen Gründen kann man auch daraus schließen, dass es bei Salaat um etwas ohne feste Rituale respektive Bewegungsabläufe geht.

Einen Vers 16:132 gibt es nicht. Du meinst sicher 16:123, den ich allerdings nicht als Bestätigung dafür ansehe, dass das „Gebet“ keine Neueinführung ist. Das arabische „milla“ hat viele Bedeutungen, wie etwa Religion oder Religionsgemeinschaft oder Glaube oder Glaubensbekenntnis, aber sicher nicht die Bedeutung „Gebet“ - soweit es mein Wissen betrifft.

Das Wort „Gebet“ kommt in der Bibel oft vor, aber niemals mit einer vorgeschriebenen Form oder Anzahl und schon gar nicht als Pflicht für die Gläubigen. In der Regel hat es die Bedeutung Bittgebet oder Dankgebet. Ersteres finden wir beispielsweise im 1. Buch Samuel Kapitel 1 Verse 10 ff und Letzteres im 1. Buch Samuel Kapitel 2 Verse 1 ff.

Auch im Psalter werden an mehreren Stellen Gebete Davids aufgeführt - wohlgemerkt nur die Worte! Lediglich im Psalm 55:17-18 heißt es , dass David sagt, dass er mehrmals am Tag in seiner Not laut zum Herrn bete. Und in Daniel 6:11 wird berichtet, dass Daniel dreimal am Tag auf die Knie niederfiel und betete und dankte, wie er es vorher auch schon immer getan hatte. Aber auch dies ist keine Bestätigung für die Pflicht zu einem rituellen Gebet, und schon gar nicht eine Pflicht für die Gläubigen allgemein.

Im Neuen Testament wird von Jesus das Gebet auch im Zusammenhang mit der Austreibung von Dämonen erwähnt (siehe Markus 9:28-29). Bei Lukas 1:10ff heißt es, dass Zacharias das Rauchopfer darbrachte und das ganze Volk draußen stand und betete. Im Vers 13 verkündet ihm dann ein Engel, dass sein Gebet erhört worden war und er einen Sohn bekommen werde. Ein Beweis für ein rituelles Pflichtgebet ist das sicher auch nicht. Das mag hier als Beispiele genügen.

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass beispielsweise beim Fasten im Ramadan der Quran erwähnt, dass das Fasten auch schon vorher verordnet war. Hinsichtlich eines rituellen Pflichtgebets gibt es einen solchen Hinweis nicht - kann es ja auch nicht geben, wenn wir in der Bibel nichts über ein rituelles Pflichtgebet für alle Gläubigen finden.

Auf der Grundlage des Erwähnten neige ich dazu, die in meinem Thread dargelegten Sichtweisen eins, zwei und vier für stichhaltiger als die Sichtweise drei zu halten. Aber ich bin ja mit meinen Überlegungen zu diesem Thema noch nicht am Ende und warte gern auf noch mehr Kommentare für eine Entscheidungsfindung.

In diesem Sinne Salaam!
Hasan :green_heart:

Selam,

Richtig korrigiert, Danke. An weiteren Stellen wird angegeben dass das Gebet bereits vorab praktiziert wurde und deswegen der Gedanke das die Form bereits bekannt war.

SURE 21

Salaam, Murad,

im Vers 73 steht das Wort Salaat. Statt es mit „Gebet“ zu definieren, kann man darunter auch verstehen, dass man die Quran-Session durchführt. Und eine Form wird ja eben nicht genannt.

Salaam
Hasan :green_heart:

Salam Hasan,

Ich finde das bemerkenswert wie frei man dann in der Auslebung je nach Verständnis ist.

Mir bleibt dann ein ungeklärtes Rätsel.
Wie konnte sich dann weltweit so eine „einheitliche“ Form etablieren.

Einerseits biete die einheitliche Form die großartige Möglichkeit gemeinsam das Gebet abzuhalten. Bei einer individuellen Form stell ich mir das chaotisch vor.

Eventuell haben wir deswegen diese Einheitliche rituelle Form als Nenner.

Salaam, Murad,

ja, das finde ich auch bemerkenswert. Und nicht nur das! Ich finde es faszinierend, weil sich hier der von Allah verliehene freie Wille des Menschen entfalten kann - und auch entfalten muss, weil jeder Mensch vor Allah für sich selbst verantwortlich ist. Ich bin davon überzeugt, dass der Quran nicht für „Gelehrte“ geoffenbart wurde, sondern jeden Menschen einzeln anspricht. Das heißt aber sicher auch, dass man sich intensiv mit dem Quran beschäftigen muss, und dafür sind die Salat-Sessions im Sinne von Quran lesen, über ihn nachdenken und nach ihm handeln eine sehr gute Gelegenheit.

Dein ungeklärtes Rätsel ist mir allerdings auch ein Rätsel. :slightly_smiling_face: Wo gibt es denn eine „einheitliche“ Form??? Sieh dir doch mal beim Thema „Gebet“ die zahlreichen unterschiedlichen Meinungen der „Gelehrten“ mit ihren zahlreichen „Hadithen“ als Belege an! Wenn jeder die Salat-Session im Sinne der von mir im obigen Artikel aufgezeigten ersten, zweiten oder vierten Sichtweise durchführt - wieso muss das chaotisch sein? In der Regel wird diese Salat-Session - besonders nach der zweiten und vierten Sichtweise - individuell und einzeln nicht nur in Form der Beschäftigung mit dem Quran, sondern damit verbunden auch als „intimes Gespräch“ mit Allah durchgeführt. Als „intimes“ Gespräch! Wenn nach einer individuell und allein abgehaltenen Session Fragen oder Unsicherheiten bestehen, kann man dies ja entweder in persönlichen Gesprächen mit Anderen abklären oder in Versammlungs-Sessions zur Sprache bringen, die man wiederum je nach Themenbedarf jede Woche neu organisieren kann. Eine Vorstellung von „Chaos“ kommt bei mir dabei nicht auf.

Salaam
Hasan :green_heart:

Salaam, Murad!

Wenn du mit „wir“ die Monotheisten (Quraniten) meinst: Ich habe verschiedene Monotheisten (Quraniten) gefragt, wie sie das „Gebet“ verrichten, und ganz verschiedene Antworten erhalten, was auch nicht verwunderlich ist, denn eine „Choreografie“ für ein „rituelles Gebet“ gibt es ja gar nicht im Quran!

Salaam
Hasan :green_heart: