Sterbehilfe im Islam

Sehr geehrte Geschwister im Islam,

Es geht um ein leidende, chronisch erkrankte Katze.
Viele Meinungen aus dem Umfeld raten zur Einschläferung des Tieres.

Ist dies nach dem Koran gestattet?

Salaam, Murad!

Du stellst eine Frage, die zu beantworten mir nicht leicht fällt.

Es ist bestimmt schwer, ein leidendes Geschöpf zu sehen, egal ob es ein Tier oder ein Mensch ist. Ich kann nur hoffen, dass meine beiden Hunde nie wegen einer Krankheit leiden müssen, zumal ich, besonders wenn es ums „Einschläfern“ geht, seelisch ebenfalls furchtbar leiden würde.

Einerseits kann ich es verstehen, dass man das Tier von seinen Leiden oder sogar Qualen erlösen möchte und sich dann als letztes Mittel schweren Herzens für das Einschläfern entscheidet.

Andererseits sehe ich jedoch im Quran dafür keine Legitimität.
Allah ist es, DER Leben gibt und Leben nimmt, und ER verbietet uns, ungerechtfertigt zu töten.

Darüber hinaus muss ich immer im Kopf haben, dass es theoretisch möglich ist, dass es am nächsten Tag eine Medizin respektive irgendein Heilverfahren gibt, dass die jeweilige Krankheit verschwinden oder zumindest lindern lässt. Wenn du also einen Tag vorher das Tier eingeschläfert hättest, würdest du dir bestimmt ewig Vorwürfe machen. So würde ich zumindest reagieren!

Ich würde im Fall der von dir erwähnten Katze versuchen, möglichst viel in ihrer Nähe zu sein, sie zu streicheln, ihr gut zuzureden und ihr nach Konsultation eines Tierarztes ein Beruhigungs- oder Schmerzmittel zu geben - und Allah um Beistand für sie zu bitten. Das verdienen Tiere ebenso wie Menschen. Ich spreche jeden Tag für meine beiden Hunde Bittgebete.

Salaam!
Hasan :green_heart:

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Danke für dein Beitrag Bruder Hasan, ich bete auch das du dies nicht erleben musst. Es ist keine leichte Ausgangssituation. Zudem die Pflege aufwändiger wird und es sich um Krankheiten handelt, welche sich übertragen können und bereits auf ein Tier mit übertragen hat. Des Weiteren muss man sich rechtfertigen auf höfliche Anfragen warum man das Tier leiden lässt. Sprich es zerrt an den Kräften der betroffenen und Sie leiden in mehreren Ebenen mit und darunter. Eine Ratlosigkeit hat sich ergeben, weil auch ein Baby in der Familie ist welche besonderen Schutz gewährt haben muss und die Mutter der betroffenen viel Aufmerksamkeit braucht. Die betroffenen kommen an Ihre Grenzen. Sie selbst sind keine Ärzte und verbringen viel Zeit dort aber ohne Erfolg.

Eine Lösung habe ich gefunden die sinnvolller ist, aber gucken wie die aufgenommen wird.

Man kann Tiere die man selbst nicht mehr pflegen kann in Obhut des Tierheims geben gegen eine Gebühr des zu erwartenden Aufwands.

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Salaam, Murad,

ja, das mit dem Tierheim ist eine mögliche Lösung. Eine weitere, vielleicht bessere Lösung wäre es, wenn man eine Privatperson fände, die sich um das kranke Tier kümmern und es pflegen könnte. Dann hätte das Tier eine „private“ Bezugsperson und ein „privates“ Heim.

Salaam!
Hasan :green_heart:

Ich würde ein Tier auch nicht einschläfern lassen. Wenn ein Tier nicht mehr leben möchte, hört es auf zu fressen. Also sollte man es nicht zwangsernähren, aber eben auch nicht aktiv töten (selbiges würde ich auch auf Menschen anwenden). Ob es im Tierheim gut aufgehoben ist, bezweifle ich, weil dort schon so viele Tiere sind, die keinen neuen Besitzer finden, und die Menschen, die dort arbeiten, bemühen sich sicher sehr, aber können sich um das einzelne Tier eben nicht so kümmern wie in einem Privathaushalt. Die Idee, jemand anderen zu suchen, finde ich gut.

Selam,
Gestaltet sich doch alles schwieriger…
Wegen der Wirtschaftsflaute und Kurzarbeit sind die Tierheime überfüllt und eine weitere Tier Pflegerin schaut sich das Blutbild erneut mit einen anderen Arzt an, weil einiges wohl nicht stimmt. Finde es bemerkenswert das nach so viele Ärzten immer was weiteres und anderes raus kommt. Die betroffenen schweben in ungewisshaft und halten das Tier liebevoll in Quarantäne mit Auslauf.
Der Aufwand ist enorm und vlt. An der Stelle ein Tipp für jeden der ein Haustier halten möchte, sich über derartige Entwicklungen auch bei geringer Wahrscheinlichkeit bewusst zu sein.

Andere Frage die sich mir stellt im Kontext: Wie geht Ihr mit Fliegen, Mücken, Mäusen oder Motten um?

Also ich weiss die haben ja alle eine Seele und sind ebenfalls in Gemeinschaften wie wir, aber die sind ja bereits im gesunden Zustand nutzlos/schädlich für uns.

Bei z.B. Spinnen führe ich die in ein Glas und geb sie in die Landschaft wieder frei. Geht aber nicht mit allen, leider.

Spinnen helfen mir, die Mücken unter Kontrolle zu halten. Solange sie ihr Netz nicht neben dem Kopfende meines Bettes bauen, lasse ich sie in Ruhe.
Motten habe ich im Ramadan auch nicht über mich gebracht zu töten, aber jetzt doch wieder, weil sie einfach zu viel verderben, und rausbringen nützt da nicht viel. Ebenso kann man Moskitos kaum davon überzeugen, sie die Nahrung anderswo zu suchen.
Fliegen versuche ich zu verscheucehn, wenn sie mich nerven, Mäuse hatte ich noch nicht in der Wohnung, würde sie aber vermutlich versuchen zu fangen und auszuweisen.

Salaam, Murad!

Was Fliegen, Mücken, Mäuse, Motten und Tiere ganz allgemein betrifft, so habe ich denen gegenüber die gleiche Einstellung wie gegenüber Menschen: Gegen einen Angriff muss ich mich verteidigen, notfalls und nur im Ausnahmefall mittels Anwendung von Gewalt, die auch den Tod zur Folge haben kann.

Unter Angriff verstehe ich hier nicht nur den physischen Angriff, sondern auch die Gefährdung meiner Gesundheit oder die Gefährdung der Genießbarkeit von Lebensmitteln. Da muss man je nach Situation abwägen. Spinnen beispielsweise haben bei mir stets „freie Bahn“. Und wenn sie mal in der Badewanne oder im Waschbecken gelandet sind und nicht mehr allein rauskommen, dann bin ich ihnen behilflich. Motten, Mäuse und vor allem Mücken oder Zecken und ähnliche Tiere sehe ich hingegen als ein erhöhtes Risiko an, wo es auch mal nach erfolglosen Vertreibungsversuchen zum „Totschlag“ kommen kann, so leid mir dieser auch tut und in der Hoffnung, dass Allah mir das nicht als ungerechtfertigten Mord ankreidet.

Salaam
Hasan :green_heart:

Jeden Tag werden in Deutschland 2 Millionen gesunde Tiere geschlachtet. Diese Tötungen stehen nicht im Konflikt mit den Lehren des Korans. Darum kann man doch wohl nicht davon ausgehen, dass man einem kranken Tier das Leiden nicht verkürzen darf, weil man keine Menschen töten darf.

Es gibt unterschiedliche Tierarten. Die angeführten 2 Millionen Schlachttiere gehören zum Vieh, von dem Allah im Quran sagt, dass es uns zur Nahrung und zum Opfern dient, also zu diesem Zweck getötet werden darf.

In der Ausgangsfrage geht es aber nicht um Vieh, sondern um eine Katze, die meines Erachtens zu den „Seelen“ gehört, die man wie eine menschliche „Seele“ nicht ungerechtfertigt töten darf. Dass die Besitzer der Katze sich liebevoll um diese kümmern, finde ich deshalb großartig und Respekt einflößend.

Ich sehe nicht, dass Katzen auf dem Stand von Menschen sind, Kühe aber nicht. Wir hatten mal ein Meerschweinchen und haben viel zu lange gezögert, es einschläfern zu lassen. Immer wieder haben wir es zum Tierarzt gebracht. Es gibt nicht viel im Leben, was ich so bereue, wie dass ich dieses Meerschweinchen so lange leiden ließ

Dass Katzen auf dem Stand von Menschen sind, Kühe aber nicht, sehe ich auch nicht - habe ich auch so nicht formuliert. Der Unterschied zwischen Katze und Kuh besteht nicht darin, dass die Katze eine Seele hat und die Kuh nicht. Der Unterschied besteht vielmehr darin, dass Allah das Töten der Kuh zum Zwecke der Nahrung für die Menschen respektive zum Zwecke des Opferns ausdrücklich gestattet.

Dass man das Leiden von Tieren, die nicht für die Nahrung oder das Opfern bestimmt sind, durch Töten beenden darf - davon ist meines Wissens im Quran nicht die Rede. Deshalb habe ich auch Bedenken gegen das Töten eines kranken Tieres, zumal ich ja nicht weiß, ob es am nächsten Tag schon ein Heilmittel für eben dieses Tier gibt.

Ich hoffe ja, dass die Menschen, die problemlos getötete Tiere essen, nicht versuchen, das Leben bzw das Leiden von Tieren hinauszuzögern in der vagen Hoffnung, dass noch ein Heilmittel gefunden wird, was in 99,99 Prozent wahrscheinlich doch nicht der Fall sein wird. Ich möchte auch nicht, dass jemand mich sinnlos leiden lässt, nur auf die vage Hoffnung hin, dass noch ein Heilmittel gefunden wird. Dazu muss man niemand einschläfern. Ich muss auf jeden Fall nicht alles ausreizen.

Meinst Du, man sollte Dich einschläfern, wenn Du unheilbar krank bist und leidest? Sollten man das mit Menschen machen, die selbst nicht (mehr) darüber bestimmen können? Wenn nein, warum sollen Tiere nicht leiden müssen, Menschen (die ja, da sind wir uns sicher einig, noch mehr unsere Empathie verdienen) aber schon? Diese Gedanken haben mich dazu gebracht, das Einschläfern von Tieren abzulehnen.

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Ich meine, dass ich mich in meiner Entscheidung, ob ich alles bis zu letzten ausreizen will oder nicht, nicht von der Hoffnung auf ein Heilmittel, was in letzter Sekunde noch gefunden wird, beeinflussen lassen will. Sterbehilfe bei Menschen, die das nicht selbst entscheiden können, lehne ich natürlich ab. Das tun ja wohl die meisten. Wer das praktiziert, macht sich doch wohl des Mordes schuldig. Aber es gibt die Möglichkeit, solche Schmerzmittel oder Beruhigungsmittel einzusetzen, dass das Leben dadurch unter Umständen verkürzt wird. Die Leiden aber auch. Vor Jahren habe ich mal eine Fehldiagnose erhalten: ein großer Krebs irgendwo im Körper mit Metastasen in der Lunge. Ich wollte nichts machen lassen, musste es aber doch, weil meine Ärztin sagte, ich würde keine Freigabe zum Arbeiten erhalten, weil ich mit Menschen, Tieren und Lebensmitteln arbeitete und es sich ja auch um Tuberkulose handeln könnte. Ich hätte, wäre ich frei in meiner Entscheidung gewesen, einfach weiter gelebt und irgendwann versucht, mit Schmerzmitteln das Leiden einzudämmen. Bei Tieren ist es meiner Meinung nach anders. Sie können die Verantwortung nicht übernehmen. Wenn ich weiß, dass dem Tier nur noch Leiden bevorsteht, erlöse ich es. Ich töte auch Fliegen auf den Leimstreifen. Sie würden sonst lange leiden. Leben lassen kann man sie in Gebieten mit Landwirtschaft in der Nähe nicht, sonst sind die Wohnungen nicht mehr bewohnbar. Aber die Tiere sollen nicht lange leiden. Das ist meine Meinung. Und das mit dem Meerschweinchen, dessen Leben ich so lange erhalten wollte, habe ich ja schon beschrieben. Das war ein Verbrechen an dem Meerschweinchen.

Das ist übrigens die Gesetzeslage:

Der für Tierschutz zuständigen Behörde wird im

§ 16a TierSchG zugestanden, dass sie ein Tier unter Vermeidung von Schmerzen töten lassen kann, wenn das Tier nach dem Urteil des beamteten Tierarztes nur unter nicht behebbaren erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden weiterleben kann. Der Schutz eines Tieres vor Schmerzen, Leiden und Schäden wird grundsätzlich höher bewertet als der Schutz seines Lebens

Die Gesetzeslage ist für mein ethisches Urteil irrelevant. Das mit der mangelnden Übernahme von Verantwortung würde auch für manche Menschen gelten, von daher überzeugt mich das nicht. Schmerzmittel für Tiere ja. Ich glaube eher, wir töten sie, weik wir selbst nicht ertragen, das Leid zu sehen?