Stützen, Sonne und Mond im Quran


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Stützen, Sonne und Mond im Quran

Reflexionen von Hasan Gunnar

Der Quran enthält eine ganze Reihe von Versen, die über wissenschaftliche Fakten verschiedener Disziplinen informieren. Anhand des folgenden Verses, der mehrere Informationen im Bereich der Astrophysik liefert, möchte ich dies als Beispiel veranschaulichen.

Allah ist es, DER die Himmel in die Höhe steigen ließ – ohne Stützen, die ihr seht. Alsdann ließ ER SICH nieder auf den Thron und machte Sonne und Mond dienstbar: Alles läuft zu einem bestimmten Zeitpunkt. ER setzt jede Angelegenheit mit Vorbedacht ins Werk und macht die Zeichen klar; vielleicht seid ihr euch so der Zusammenkunft mit eurem Herrn sicher.
(Sure 13:2)

Unter Berücksichtigung dessen, dass die Exegese eines Quran-Verses mit Unterstützung eines weiteren Quran-Verses die beste Exegese ist, finden wir in einem weiteren Vers eine Aussage, die detaillierter ist als die erste:

Sehen denn diejenigen, die den Islam leugnen, nicht, dass die Himmel und die Erde miteinander verbunden waren und WIR sie dann beide trennten? …
(Sure 21:20)

Die Tatsache, dass also Himmel und Erde zunächst miteinander verbunden waren, bedeutet, dass sie sich anfangs auf einer gemeinsamen Ebene befunden hatten und Allah später – gemäß Vers 2 der 13. Sure – die Himmel von der Erde nach oben anhob und beides somit voneinander trennte.
Nach diesen beiden eindeutigen Aussagen im Quran möchte ich mich nun den Aussagen der Astrophysiker im Zusammenhang mit diesem Thema zuwenden.
Die Astrophysiker erklären das Entstehen des Universums mit einem weit akzeptierten Phänomen, nämlich dem Urknall. Die Theorie wird unterstützt durch per Beobachtung und Experimente gewonnene Daten, die von Astronomen und Astrophysikern seit Jahrzehnten gesammelt werden. Laut der Urknall-Theorie war das gesamte Universum anfangs eine einzige Masse (ursprüngliche Nebula) – was der Quran mit den Worten dass die Himmel und die Erde miteinander verbunden waren zum Ausdruck bringt. Dann gab es den Urknall (sekundäre Trennung) – was der Quran mit den Worten und WIR sie dann beide trennten respektive Allah ist es, DER die Himmel in die Höhe steigen ließ beschreibt –, der in der Erschaffung der Galaxien resultierte, die dann Planeten, Sterne, Sonnen, Monde etc. formten. Die treffende Übereinstimmung der zitierten Quran-Verse mit der Urknall-Theorie ist unübersehbar!
Die Astrophysiker sagen weiter, dass vor der Formung der Galaxien im Universum die Materie des Alls ursprünglich in Form gasförmiger Masse existierte, also eine gewaltige gasförmige Masse oder Wolken vor der Bildung der Galaxien existierten. Diese ursprüngliche Materie des Alls wird im Quran wie folgt erwähnt:

Dann wandte ER SICH dem Himmel zu, und er war Rauch …
(Sure 41:11)

Bei diesem „Rauch“ handelt es sich nach modernen Erkenntnissen der Astrophysik um höchstverdichteten Wasserstoff.
Kehren wir nun aber wieder zum zweiten Vers der 13. Sure zurück und wenden wir uns dem Wort عمد amad „Stützen“ zu! Die Quran-Exegeten geben zwei Interpretationsmöglichkeiten an: Die erste besagt, dass Allah die Himmel ohne Stützen erschaffen hat. Die Folge dieses angenommenen Tatbestandes hat natürlich auch zur Folge, dass wir keine Stützen sehen können. In diesem Fall stellt sich allerdings die Frage, warum wir von einer Sache, von der wir schon sicher wissen, dass sie gar nicht existiert, noch zusätzlich betonen müssen, dass wir sie nicht sehen können; für jeden denkenden Menschen ist doch das Nicht-sehen-Können von etwas nicht Vorhandenem ganz selbstverständlich! Aus diesem Grund scheint mir die zweite Exegese-Möglichkeit die treffende zu sein, die da nämlich besagt, dass Allah die Himmel zwar mit Stützen versehen hat, wir diese ob ihrer Beschaffenheit respektive Substanz jedoch nicht sehen können.
Eine bahnbrechende Entdeckung in diesem Kontext machte 1665 der englische Physiker und Mathematiker Sir Isaac Newton (1643-1727), als er die Gravitation als wirkende Kraft, nicht aber deren Wesen nachweisen konnte. So wissen wir, dass es eine wechselseitige Anziehungskraft gibt, die beliebige Körper auf Grund deren Masse unabhängig von ihrer chemischen Zusammensetzung und von anderen Komponenten aufeinander ausüben und die ob ihrer unbestimmten Reichweite und des stets gleichförmigen Zusammenwirkens aller Teilkräfte ausgedehnter Körper die Bewegung von Planeten, Sternen und Sternsystemen bestimmt und wesentlich an der Bildung und am inneren Aufbau der Himmelskörper beteiligt ist.
Die Gravitationskräfte sind äußerst wichtig für den Zusammenhalt der in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckten und aus Millionen oder sogar Milliarden bestehenden voneinander unabhängigen Galaxien, zu denen unsere Milchstraße gehört, die unser Sonnensystem enthält. Diese spiralförmige Galaxis hat einen Diameter von etwa 100.000 Lichtjahren (Lj.), wobei ein Lj. als Entfernung bezeichnet wird, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, also circa 9,5 Billionen Kilometer. Unser Sonnensystem liegt etwa 30.000 Lj. vom Zentrum der Milchstraße entfernt.
Zwischen den einzelnen Galaxien gibt es bestimmte Materiemassen in Form von verdünnten Gasen, die das ganze System zusammenhalten. Diese „Materiebrücken“ werden Plasma genannt, was neben den drei bekannten Aggregatzuständen fest, flüssig und gasförmig auch als der vierte Aggregatzustand bezeichnet wird.
Durch das Drehen der Himmelskörper um sich selbst entsteht die Zentrifugalkraft (Fliehkraft), die kleine Körper von großen weit wegtreibt. Durch die Gravitationskraft, die im Gegensatz zur nach außen treibenden Zentrifugalkraft nach innen wirkt, entsteht ein Gleichgewicht zwischen den beiden Kräften und die verschiedenen Himmelskörper bleiben auf ihren Bahnen stabil und können nicht zusammenstoßen oder aufeinander fallen.
Neben den erwähnten Kräften kennen die Astrophysiker noch weitere im Universum wirkende Kräfte, wie etwa die starke und die schwache Atomkraft und die elektromagnetische Kraft.
Diese von den Astrophysikern beobachteten und in ihrer Wirkung nachweisbaren Kräfte können nun einen Quran-Exegeten durchaus zu der Schlussfolgerung bringen, dass es sich bei den im zitierten Quran-Vers genannten Stützen eben um diese Kräfte handelt, die Himmel und Erde voneinander getrennt halten.
Dieser Ausflug in die Astrophysik zeigt anschaulich, zu welchen in die Tiefe gehenden Studien ein einziges Wort im Quran – hier also عمد / Stützen – führen kann, ein Wort, das Allah vor über 1.400 Jahren einer Menschheit geoffenbart hat, die über die verschiedenen physikalischen Zusammenhänge im All noch nicht die Kenntnisse besaß, über die wir dank der modernen Wissenschaft heute jedoch verfügen.
Bevor der zweite Vers der 13. Sure mit weiteren wissenschaftlichen, und zwar ebenfalls astrophysikalischen Informationen, fortfährt, bestätigt Allah der Allmächtige und Majestätische SEIN allumfassendes Wissen und SEINE Allmacht durch SEINE metaphorischen Worte „… Alsdann ließ ER SICH nieder auf den Thron …“.
Danach beschäftigt sich der Vers mit Sonne und Mond: „… und machte Sonne und Mond dienstbar: alles läuft zu einem bestimmten Zeitpunkt …“ Hier werden zwei Aspekte angesprochen, die Sonne und Mond betreffen: Zum Einen werden wir informiert, dass uns Sonne und Mond zu Diensten stehen, worunter zu verstehen ist, dass die Menschen aus den beiden Gestirnen Nutzen ziehen können respektive beide bestimmte Auswirkungen auf den Menschen ausüben. Dies möchte ich an einigen Beispielen für beide Gestirne erläutern und dabei mit der Sonne beginnen.
Die Sonne ist das Zentralgestirn unseres Sonnensystems. Trotz ihrer Entfernung von durchschnittlich 150 Millionen Kilometern und ihres im Vergleich zu anderen Sonnen der Milchstraße geringen Volumens – ihr Diameter beträgt „nur“ 1,39 Millionen Kilometer (109-facher Erddiameter) – ist sie für das Leben auf der Erde von fundamentaler Bedeutung. Viele wichtige Prozesse auf der Erdoberfläche wie das Klima und das Leben selbst, werden durch die Strahlungsenergie der Sonne, deren Oberflächentemperatur etwa 5.500° Celsius und deren Temperatur im Zentrum etwa 15 Millionen° C beträgt, ermöglicht. Auch die Gezeiten gehen zu einem Drittel auf die Gravitationskraft der Sonne zurück.
Die Sonne beeinflusst aber den interplanetaren Raum nicht nur durch Strahlung, Gravitation und Magnetfeld, sondern auch durch ihre Teilchenemission (nämlich Protone, Ione und Elektronen), dem sogenannten Solarwind, der die Sonne mit mehreren 100 km/sec. bis zu einer Entfernung von 150 Astronomischen Einheiten (1 AE = 149,6 Millionen Kilometer) verlassen und auf der Erde Störungen in elektronischen Systemen und im Funkverkehr verursachen kann. In Erdnähe beträgt die Geschwindigkeit dieses Sonnenwindes etwa 400 km/sec.; sie wird jedoch vom Erdmagnetfeld abgebremst und um die Erde herumgeleitet.
Die Sonne hat neben ihrer Funktion als Licht- und Wärmespender für alles Leben auf der Erde die Funktion einer natürlichen Uhr und eines natürlichen Kompasses. Wir können durch ihren jeweiligen Stand die Himmelsrichtung, die Tageszeit und Tagesdauer und damit beispielsweise auch die Zeiten für die rituellen Pflichtgebete bestimmen. Auf der Basis eines Sonnenjahres ist auch der Julianische respektive Gregorianische Kalender entwickelt worden, der allgemein in der ganzen heutigen Welt angewandt wird – neben einem Mondkalender, der für die muslimischen Länder für die Bestimmung des Anfangs der islamischen Monate wichtig ist und schon den alten Juden und Griechen als Grundlage diente. Die heute gebräuchliche Länge einer Woche von sieben Tagen basiert wahrscheinlich auf der zeitlichen Folge der vier hauptsächlichen Phasen des Mondes (Neumond, zunehmender Mond, Halbmond und abnehmender Mond).
Der Mond ist der einzige natürliche Satellit der Erde. Seit der Entdeckung von Trabanten bei anderen Planeten des Sonnensystems, die man ebenfalls im Allgemeinen als Monde bezeichnet, wird „unser“ Mond Erdmond genannt. Dieser fünftgrößte Mond des Sonnensystems (Diameter 3.476 km) umkreist die Erde im Verlauf von durchschnittlich 27 Tagen, 7 Stunden und 43,7 Minuten. Dies ist abhängig von der Entfernung zwischen Erde und Mond, die durchschnittlich 384.000 km beträgt und wegen der ovalen Umlaufbahn über 5% zu- oder ab-nehmen kann. Da diese ovale Bahnbewegung des Mondes denselben rechtsläufigen Drehsinn wie die Erdrotation hat, dauert sein scheinbarer Erdumlauf 50 Minuten länger als 24 Stunden. Diese Differenz addiert sich im Laufe eines Monats zu einem Tag. Allah spricht im Quran über den Mondkalender respektive über die präzise Berechnung im Zusammenhang mit dem Mond, indem ER sagt:

Die Anzahl der Monate bei Allah ist wahrhaftig zwölf Monate – im Offenbarungsbuch Allahs von dem Tag, an dem ER die Himmel und die Erde erschuf … (Sure 9:36)

Ob des im Vergleich zu anderen Monden geringen Größenunterschieds des Erdmondes zur Erde bezeichnet man Erde und Mond auch als Doppelplanet.
Der Nutzen des Mondes für den Menschen liegt neben seiner Eigenschaft als Basis für den islamischen Kalender darin, dass er des Nachts eine Lichtquelle bildet. Weiterhin beeinflusst die Gravitation des Mondes die Gezeiten der Erde. Dazu gehören nicht nur Ebbe und Flut der Meere, sondern auch Hebungen und Senkungen des Erdmantels.
Neben dem sichtbaren Licht reflektiert der Mond von der Sonnenstrahlung auch einen Teil deren Wärme auf die Erde, allerdings nur im Umfang von etwa drei Hundertstel Grad Celsius.
Diese Ausführungen zeigen uns also die verschiedenartigen Dienste, die Allah der Sonne und dem Mond vorgeschrieben hat.
Die letzte astrophysikalische Information im von uns zu erörternden Vers lautet „alles läuft zu einem bestimmten Zeitpunkt …“. Sonne und Mond müssen also nach dem Willen Allahs bis zum Zeitpunkt des Auferstehungstages, den nur ER kennt, ihre jeweilige vorgeschriebene Bahn, die sogenannte Umlaufbahn ziehen. Der Mond kreist beispielsweise, wie oben erwähnt, auf einer ovalen Umlaufbahn in einer Entfernung zwischen 356.410 km und 408.740 km um die Erde. Die Sonne befindet sich entsprechend der zitierten Worte des Quran ebenfalls auf einer Umlaufbahn. Da sich die Milchstraße ebenfalls um die eigene Achse dreht, beschreibt die Sonne um das Zentrum dieser Galaxis eine Kreisbahn und benötigt für die Vollendung eines Umlaufs mit einer Eigengeschwindigkeit von über 17 km/sec. etwa 250 Millionen Jahre, wobei sie sich in rund 25 Tagen einmal um sich selbst dreht und durch die verschiedenen Sternbilder wandert. „Alles läuft.“
Die Aussage „alles läuft“ ist keine selbstverständliche. Denn lange glaubten europäische Philosophen und Wissenschaftler, dass die Erde in der Mitte des Universums still steht und alle anderen Himmelskörper inklusive der Sonne sich um sie herum bewegten, und zwar nach dem geozentrischen Weltbild des ägyptischen Naturforschers Claudius Ptolemäus (etwa 100-160). Erst im Jahre 1512 brachte der deutsche Astronom Nicolas Kopernikus (1473-1543) seine heliozentrische Theorie der planetaren Bewegungen hervor, die besagt, dass die Sonne still in der Mitte des Sonnensystems steht und die Planeten sich um sie drehen. Aber auch nach diesen Entdeckungen dachte man immer noch, dass die Sonne fest stünde und nicht um ihre Achse rotierte wie die Erde.
Der Quran-Exeget Saijid Qutb, der im 20. Jahrhundert in Ägypten lebte und eine umfangreiche Quran-Exegese unter Berücksichtigung moderner Erkenntnisse verfasste, erwähnte hierzu: „Die Sonne bewegt sich um sich selbst, entgegen der Ansicht, dass sie ein Fixstern sei. Kürzlich wurde sogar entdeckt, dass sie nicht still an ihrem Platz steht, sondern dass sie in diesem riesigen Kosmos ewig in eine Richtung läuft, und zwar mit einer Geschwindigkeit von zwölf Meilen in der Sekunde.“
In einem weiteren Quran-Vers beschreibt Allah die laufende Bewegung der Himmelskörper wie folgt:

… alles schwimmt auf einer sphärischen Umlaufbahn. (Sure 21:33)

Die in diesem Vers benutzte arabische Verbform ist jasbaḥūn, die vom Verb sabaḥa (= schwimmen, schweben) stammt und in sich die Bedeutung von Bewegung eines sich bewegenden Körpers trägt. Wenn ergo das Wort jasbahūn für einen Himmelskörper wie die Sonne benutzt wird, bedeutet es nicht, dass die Sonne einfach nur durch den Raum fliegt, sondern dass sie dabei auch rotiert. Dieser Vers erwähnt eine essenzielle Tatsache, die erst von der modernen Astrophysik entdeckt wurde, nämlich die Existenz individueller Umlaufbahnen von Sonne und Mond auf ihrer Reise durch das All mit ihren eigenen, oben beschriebenen Rotationsbewegungen. Die Verbform jasbaḥūn lenkt im Übrigen unsere Aufmerksamkeit noch einmal auf die oben erwähnte Tatsache, dass alles im Universum durch eine gasförmige Flüssigkeit zusammengehalten wird, so dass sich ergo alles im Universum in einem Schwimmprozess befindet.
Wenn wir die geschilderten wechselseitig wirkenden Kräfteverhältnisse, die jedes menschliche Vorstellungsvermögen übersteigenden Entfernungen, die Schwindel erregenden hohen Geschwindigkeiten und sonstigen frappanten Phänomene in den verschiedenen Systemen des Universums betrachten, dann setzt uns all dies in ehrwürdiges Erstaunen und uns wird klar, dass hinter allem ein wohl durchdachter und alles berücksichtigender Plan sowie eine vollkommene Schöpferkraft stehen müssen, wie sie sich nur in Allah als dem Schöpfer des gigantischen Weltalls und all dessen, was sich in diesem befindet, manifestieren. Und deshalb stellt der von uns erörterte zweite Vers der 13. Sure abschließend fest, dass Allah alles ganz genau durchdenkt und mit einer bestimmten, in vollem Ausmaß nur IHM bekannten Absicht die Theorie in die uns beeindruckende Praxis umsetzt.