Sura 61 - Hanif-Übersetzung


#1

Frieden allerseits,

wir haben Sura 61 abgeschlossen und im Rahmen der Übersetzungsarbeit auch viele Kleinigkeiten im Rest der Übersetzung verbessert.

Wie gewöhnlich auf hanif.de:
http://hanif.de/index.php?p=2634

Oder auch über alquran.eu:
http://de.alquran.eu/index.php?sel_sura=61&trans=hanif

Verbesserungsvorschläge, Kommentare etc. sind jederzeit willkommen.


#2

Frieden.
:ok_hand:


#3

Super, danke schön für die viele Arbeit.

Ein paar sprachliche Punkte: im 4. Vers müßte das “wie” gestrichen werden, das klingt sonst unschön.
Ist Ahmad (im 6. Vers) eine Steigerungsform? Sonst würde ich Lobenswerter groß schreiben.
Vers 9: “um es über jede Lebensordnung hervorzuheben”: worauf bezieht sich das “es”? In dem Halbsatz davor kommt überhaupt kein Neutrum vor. Oder soll damit gezeigt werden, daß nicht klar ist, worauf es sich bezieht?
Und hat es einen Grund, warum manche Fragesätze ein Fragezeichen haben, viele aber nicht?


#4

Dankeschön für die Rückmeldung! :heart:

Das “wie” ist wörtlich im arabischen Text drin, genau gesagt in كأنهم (ka-ʾannahum) ist es der Buchstabe ك (ka).
Ahmad im 6. Vers kann sowohl als ein Eigenname als auch als Steigerungsform gelesen werden, deshalb der seltene Kompromiss mit der Klammer.

Satzzeichen werden am Ende des Verses bewusst ausgelassen. Allgemein versuchen wir eigentlich so wenig Satzzeichen wie möglich einzusetzen, da diese ja im arabischen Text nicht vorkommen und genau dadurch in gewissen Stellen Mehrdeutigkeiten ermöglicht werden. Das war mal eine Entscheidung, die wir vor 8 Jahren getroffen hatten. Heute rudern wir wieder ein wenig zurück, um vermehrt die korrekte, deutsche Grammatik zu berücksichtigen und diese nicht immer wieder zu “opfern”. In Vers 10 ist es aber ein Fehler, das ist eine klare Frage. Ich ändere das gleich.

Das “es” in Vers 9 ist ein Fehler, selbst mit einem “sie” wäre es immer noch mehrdeutig (Rechtleitung oder Lebensordnung?), so wie auch auf Arabisch.


#5

OK, aber bei Vers 4 beibe ich dabei, daß das “wie als” unschön, weil doppelt ist. Zumindest in deutscher Hochsprache sagt man das so nicht (sorry, soll nicht überheblich klingen, aber ich maße mir da ein bißchen Autorität an :slight_smile: ) Sind denn im Arabischen auch mehr Worte als nötig und richtig? Also würde man eigentlich nur أنهم sagen? Selbst dann würde ich das aber anders machen.


#6

Ich kann deine Ansicht nachvollziehen. Ich kann es ja mal als Besprechungspunkt aufnehmen und wenn niemand dagegen ist, nehmen wir es raus.
Koranisches Arabisch erlaubt sich viel mehr grammatikalische Freiheiten/Besonderheiten als das heutige Standardarabisch.


#7

Ok, haben es vereinheitlicht:
http://alquran.eu/index.php?searchText=كأنهم%20&searchOption=whole&trans=Quran,othman,hanif&selectedSuras=63,&analyze=0&case_sensitive=0&non_transliteration=1&srchT=Quran&divNum=19


#9

Es sind beide Varianten (Eigenname/Vergleichswort) rein grammatikalisch gleichberechtigt. Dasselbe hätte man auch auf Deutsch, wenn die Groß- und Kleinschreibung nicht wäre: sein name ist werter. Heißt er nun “Werter” oder ist sein Name einfach werter?


#11

Verstehe dich schon. Bei der Übersetzung wollen wir nicht interpretieren, sondern Möglichkeiten aufzeigen. Unsere Übersetzung soll möglichst frei von theologisch-interpretativem Einfluss sein. Die Zuordnung von “Ahmad” in diesem Vers wäre genau ein solcher Fall. Deshalb dieser Entscheid.


#12

Eine Anmerkung zu Vers 11: Das Wort “pflegen” kann zwar die Bedeutung haben “etwas Bestimmtes aus Gewohnheit tun”, aber eben nur in Verbindung mit einem konkreten Handeln. Ich habe den Satz in diesem Vers deshalb wie folgt übersetzt: “Dies ist besser für euch, so ihr nur wisst.” Das Wort “nur” hat hier die auch im Vers zum Ausdruck kommende Bedeutung der Verstärkung respektive der Intensität.
Jedenfalls vielen Dank für eure Bemühungen, den Quran möglichst wortgetreu zu übersetzen!


#13

Und noch eine Anmerkung zum Weglassen der Satzzeichen am Satzende.
Erstens möchte ich daran erinnern, was wir in der Übersetzungswissenschaft unter Übersetzung verstehen, nämlich einen Textverarbeitungs- und einen Textreverbaliseirungsprozess, der von einem Ausgangstext nach dessen Stil- und Sinnanalyse zu einem möglichst äquivalenten Zieltext unter optimaler Berücksichtigung der
sprachlichen Regeln der Zielsprache führt. Das heißt, ein Übersetzer analysiert unter Berücksichtigung der Ausgangssprache den Ausgangstext und reproduziert den analysierten Ausgangstext in die Zielsprache dahingehend, dass der Rezipient der Zielsprache den übersetzten Text so versteht, wie ihn der Rezipient der Ausgangssprache versteht
Zur Berücksichtigung der sprachrelevanten Dinge im Deutschen gehören nun mal auch die Satzzeichen.
Zweitens: Das Argument, im arabischen Text gebe es ja keine Satzzeichen, ist für den Übersetzungsprozess aus oben Erwähntem nicht hinreichend. Entweder ist man konsequent und lässz auch im Deutschen alle Satzzeichen weg, was natürlich aus Sicht der deutschen Sprachwissenschaft nicht zulässig ist, oder man berücksichtigt die Regeln der deutschen Satzzeichen in toto, was meines Erachtens nicht nur vernünftig, sondern auch notwendig ist.
Drittens: Das Weglassen der Satzzeichen am Satzende in der Übersetzung ist in gewisser Weise inkonsequent, denn ihr schreibt ja im folgenden Satz das erste Wort mit einem großen Anfangsbuchstaben. Damit signalisiert ihr doch, dass ein neuer Satz beginnt!
Viertens und letztens: Es gibt zwischen dem Arabischen und Deutschen nicht nur Unterschiede bei den Satzzeichen. Es gibt beispielsweise im Arabischen Nominalsätze, die es im Deutschen nicht gibt. Hier muss der Übersetzer also verstehen, was der Nominalsatz inhaltlich bedeutet und diesen Sinn ins Deutsche so übertragen, dass ihn der deutsche Rezipient versteht, sprich mit einem Verbalsatz, also beispielsweise die arabische Phrase “ana muslim” mit “Ich bin Muslim”, wobei das deutsche Wort “bin” hinzugefügt wird, ohne dass jedoch dabei der Sinn des Ausgangstextes verändert wird.
Ich wünsche euch weiterhin viel Eifer und Erfolg bei euren Übersetzungen! Möge Allah euch für eure Bemühungen reichlich belohnen!


#14

Dies erweckt aber auch einen anderen Eindruck in der Bedeutung, da “nur” (die eigentliche arabische Entsprechung wäre innamā) auch eine andere Wirkung hat. Dadurch, dass man das Verb pflegen in diesem Sinne mit Handlungen schon kennt, ergibt sich auch eine relativ intuitive Bedeutung im Zusammenhang mit wissen. Zu wissen pflegen bedeutet also nicht nur zu wissen, sondern das Wissen auch aufrechtzuerhalten. Das ist auch eher das, was der arabische Text mitteilen möchte.

Was die Satzzeichen angeht: Das war ein ganz bewusster Entscheid gegen einige der notwendigen Regeln der deutschen Sprache. Dies liegt darin begründet, da man manchmal nicht eindeutig entscheiden kann, ob der Vers noch weiter geht oder nicht. Und diese Entscheidung wollen wir soweit es geht den Lesern überlassen. Auch ist das manchmal innerhalb eines Verses zu beobachten, wie im bereits erwähnten Artikel zu Kap. 3, Vers 7 angedeutet.


#17

Nur kommt wirklich nirgends vor. Genau steht da إن كنتم تعلمون:

  • ʾin: wenn
  • kuntum: ihr wart
  • taʿlamūn: ihr wisst

Nirgends ist hier also das “nur”. Man kann aber nicht “wenn ihr wissend wart” übersetzen. Die Verwendung des Verbes “sein” in der Vergangenheit mit einem anderen Verb führt dazu, dass es sich um eine Gepflogenheit handelt.

Wissen “bedenken” wäre erinnern, was mit “dhikr” abgedeckt wird (worunter auch “bedenken” fallen könnte).


#18

Das Wort “pflegen” benutzt man dann, wenn im Arabischen “kana” mit einem folgenden Verb im Präsens folgt, was im vorliegenden Quran-Vers ja der Fall ist. Man will damit in Verbindung mit Handlungen eine Gewohnheit zum Ausdruck bringen. Deshalb habe ich auch darauf hingewiesen, dass dieser Gebrauch bei Verben, die kein konkretes Handeln ausdrücken, nicht statthaft ist, also wie beim in Rede stehenden Verb “wissen”. Dein Verständnis “Wüsstet ihr es nur” findet deshalb auch meine volle Unterstützung. Denn “nur” hat hier klar erkennbar nicht die Bedeutung “lediglich”, sondern intensivierenden Charakter. Das kann man vom Kontext her klar verstehen. Ich würde das “nur” in diesem verstärkenden Sinne aber nicht weglassen, weil es ja eben im Arabischen “kana” gibt. Eine andere Übersetzungsmöglichkeit wäre auch “Wenn immer ihr es nur wisst!”


#20

Ich möchte mich zuerst für eure Anmerkungen bedanken. Das hilft auf jeden Fall, wenn man immer wieder genau nachschaut und nachdenkt. Freue mich auch in Zukunft über weitere Anmerkungen, gerne auch in die Spitze getrieben. :wink:

Unsere Übersetzung möchte soweit möglich sprachliche Interpretationen auslassen und keine anderen Wörter einfügen, die im Original gar nicht stehen. Dabei nehmen wir uns manchmal gewisse Freiheiten, wie hier nun offenbar ist mit “pflegen”. Dabei ist aber dieser freiheitliche Gebrauch auch nicht ganz abwegig:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

pflegen · Gepflogenheit · Pflege · Pfleger · pfleglich · verpflegen · Verpflegung

pflegen Vb. ‘für jmdn., etw. sorgen, etw. anhaltend ausüben, betreiben, sich etw. angelegen sein lassen, die Gewohnheit haben, etw. zu tun’, ahd. phlegan (8. Jh.), mhd. phlegen ‘sich für etw. einsetzen, sorgen für, Verantwortung tragen für, Aufsicht führen, ausüben, betreiben, leiten’, asächs. plegan ‘sich verbürgen, für etw. verantwortlich sein’, mnd. plēgen, mnl. plēghen, nl. plegen und ( entsprechend dem grammatischen Wechsel) aengl. plēon ‘sich einer Gefahr aussetzen’ führen auf eine Ausgangsbedeutung ‘sich einsetzen’. Die weitere Herkunft des nur im Westgerm. bezeugten Verbs (westgerm. *plegan) ist ungeklärt, sichere außergerm. Beziehungen fehlen; vgl. eine Zusammenstellung der Herleitungsversuche bei Trier in: PBB 67 (1945) 110 ff. Die ehemals starke Flexion ist teilweise noch erhalten für pflegen (pflog, gepflogen) in der Bedeutung ‘etw. anhaltend ausüben, betreiben’; dazu die Ableitung Gepflogenheit f. ‘Brauch, Gewohnheit’ (19. Jh.), in der öst. Kanzleisprache gebildet. Pflege f. ‘Fürsorge, Obhut, Versorgung’, ahd. phlega (11. Jh.), mhd. phlege ‘Fürsorge, Obhut, Vormundschaft, Umgang, Amt, Zins, Abgabe, Lebensart, Gewohnheit, Beschäftigung’. Pfleger m. ‘wer für jmdn., etw. sorgt’, ahd. phlegāri ‘Beschützer, Hüter, Aufseher, Vorsteher, Verwalter’ (um 1000), mhd. phlegære, phleger ‘Beschützer, Aufseher, Vormund, Verwalter, Oberer’. pfleglich Adj. ‘sorgsam’, mhd. phlegelich ‘gewöhnlich’. verpflegen Vb. ‘jmdn. verköstigen’, mhd. verphlegen; Verpflegung f. ‘Verköstigung, Nahrung’ (17. Jh.).

Man versteht also relativ schnell, worum es geht, auch wenn der Gebrauch zuerst unüblich erscheint.

Die Verknüpfungen sind eben den Lesern überlassen im Endeffekt, hier geht es ja nur um die Übersetzung. Sein Wissen zu pflegen kann unterschiedlich geschehen und ist nicht aufs Bedenken/Gedenken/Erinnern (Ableitungen der Wurzel ḏ-k-r) zu reduzieren, was mit den von dir angeführten Verse 6:148 und 45:24 gerade gezeigt wird. Ich schrieb ja “das Wissen auch aufrechtzuerhalten”, also inklusiv und offen.