Umgang mit ableugnenden Verwandten

Frieden,

da die Gottergebenen leider eine Minderheit darstellen bin ich mir sicher, dass auch einige von euch Familienmitglieder oder Freunde haben welche Gott, den Koran und den Monotheismus ablehnen. Laut Koran erwartet sie schmerzhafte Strafe und das auf ewig.

Mich persönlich belastet das sehr. Wie geht ihr damit um, wenn Menschen die euch nah stehen das tun und gibt es vielleicht Verse die so etwas beschreiben?

Meine Freunde teilen gewisse Wertvorstellungen mit mir, sonst wären es nicht meine Freunde. Welches Gottesbild sie haben oder überhaupt keines, darüber maße ich mir kein Urteil an. Gott sei dank bin ich nicht Gott und muss nicht über sie richten.

Wenn es deine Eltern sind, solltest du trotzdem immer gütig und höflich mit ihnen umgehen, aber nicht auf sie hören wenn sie von dir verlangen dass du Gott etwas beigesellen sollst.
Man kann niemanden rechtleiten. Das war nicht mal die Aufgabe der edlen Propheten. Rechtleitung und Urteil obliegt Gott alleine.
Wie ich das mit meinem Umfeld mache:
Ich lebe die Religion für mich aus und versuche Frieden, Liebe, Respekt, Empathie und Harmonie zu verbreiten. Ich habe das Gefühl dass dadurch Menschen neugierig werden und auch mal gerne mehr wissen würden über diese wundervolle Religion. Ich gehe also quasi als ein gutes Beispiel voran.

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Frieden,

das natürlich sowieso. Das umgehen war darauf bezogen wir man psychisch damit umgehen soll. Wie soll man leben wenn man weiß, was sie (wahrscheinlich) erwarten?

Ich wollte nicht sagen, dass ich Menschen durchschauen kann und sie verurteile, aber es gibt auch einen Vers, in welchem steht, dass es mir nicht zusteht für Beigeseller um Vergebung zu bitten, wenn mir klar wird das es welche sind, folglich muss ich das ja in irgendeiner Form beurteilen dürfen (Sure 9 Vers 113).

Frieden, JoKo,

so absolut, wie du es geschrieben hast, steht es nicht in dem von dir zitierten Vers. Du hast nämlich dabei die letzten Worte des Verses nicht berücksichtigt. Am Ende des Verses heißt es „nachdem ihnen klar verständlich wurde, dass sie Insassen des Höllenfeuers sind“. Es gibt also eine Einschränkung, quasi eine Bedingung.

Das hier im Arabischen stehende Verb تبين tabaiyana hat die Bedeutung klar verständlich sein/werden, Klarheit gewinnen, deutlich erkennen. Die in diesem Vers angesprochenen Leute sind diejenigen, die Allah eine andere Gottheit beigesellen. Vielen unter diesen Leuten ist es aber meiner Meinung nach gar nicht klar, dass sie genau das tun. Wenn du beispielsweise einen Christen fragst, ob er ein Polytheist sei, dann wird er dies mit voller Überzeugung verneinen und dir versichern, dass er nur an einen Gott glaube. Ihnen geht es genauso wie den Mohammedanern: Sie folgen blind ihren „Geistlichen“ und „Religionsgelehrten“ und plappern ihnen alles nach, ohne nachzudenken und zu überprüfen, was ihnen vorgekaut wird.

Wir müssen ihnen also klar machen, was Trinität in Wirklichkeit bedeutet. Und wir müssen ihnen zeigen, dass es die Prinzipien der Trinität, der Gottessohnschaft, der Gottesmutterschaft Marias und der Erbsünde im Alten und Neuen Testament überhaupt nicht gibt, sondern dass es sich um die Lehre ihrer Kirche handelt, die diese Dogmen im Laufe der Jahrhunderte erfunden hat.

Solange du dir also nicht sicher bist, ob es deinen Familienmitgliedern und Freunden hundertprozentig klar ist, dass sie de facto und de jure Polytheisten sind und dass dies die größte Sünde vor Allah ist, die mit dem Höllenfeuer bestraft wird, hast du auch das Recht, für sie um Vergebung zu bitten.

Sprich also mit ihnen über ihr Gottesverständnis und lote es mal aus! Zeige ihnen an Hand ihrer Bibel, dass Jesus nur ein Prophet war und niemals von Trinität gesprochen hat! Und bitte Allah, dass sie dich verstehen mögen und an nur einen einzigen Gott glauben.

Salaam!

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Frieden,

da habe ich den Vers nicht richtig gelesen. Ändert es etwas, wenn man sich der Tatsache, dass man Beigeseller ist nicht bewusst ist? Würde es überhaupt etwas bringen um Vergebung zu bitten?

Friede, JoKo,

ich glaube schon! Es fehlt ja der Tatbestand des Vorsatzes. Möglicherweise fehlt auch das notwendige Vermögen zu begreifen. Die intellektuellen Fähigkeiten der Menschen sind ja recht unterschiedlich. Insofern könnte es meiner Meinung nach auch etwas bringen, um Vergebung zu bitten.

Jedenfalls denke ich, dass die zusätzlichen Worte „nachdem ihnen klar verständlich wurde“ im Vers ihren besonderen Sinn haben.

Friede!

Frieden,

mit ist noch was im Bezug zum Vorsatz beim begehen von Sünden eingefallen.

In Sure 4 Vers 17 heißt es:
Die Annahme der Reue obliegt Allah nur für diejenigen, die in Unwissenheit Böses tun und hierauf beizeiten bereuen. Deren Reue nimmt Allah an. Und Allah ist Allwissend und Allweise.

Das heißt im Umkehrschluss, dass wenn man eine Sünde mit Vorsatz begeht (selbst wenn man im Nachhinein bereut) oder sie nicht bereut nachdem man sie in Unwissenheit begangen hat und nichts davon erfährt, Allah diese nicht verzeihen wird.

Dadurch könnte quasi jede Sünde unverzeihlich werden wie die Beigesellung, wenn man diese mit Vorsatz begeht, selbst wenn man diese später bereut.

Vielleicht könnte man in diesem Zusammenhang die Bedeutung von einer unverzeihlich Sünde nochmal diskutieren.

Was denkt ihr dazu?

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Friede, YoKo,

ich verstehe auch diesen Vers nicht so absolut, wie du ihn zu verstehen scheinst, und zwar ganz einfach aus dem Grund, dass er mit dieser deiner Interpretation zu anderen Versen im Quran im Widerspruch stünde, was natürlich nicht der Fall ist.

Allah sagt nämlich im Quran beispielsweise in 2:284, dass ER vergibt, wem ER will, und dass ER bestraft, wen ER will. Davor heißt es im selben Vers jedoch, dass ER zur Rechenschaft zieht. Dies impliziert, dass ER möglicherweise eine Reue nicht annimmt. Aber danach, wenn es um das endgültige Urteil geht, kann ER eventuell trotzdem vergeben.

In 4:17 geht es lediglich um das Annehmen von Reue respektive um das Ablehnen von Reue. Allah der Gnädige verpflichtet SICH, die zeitnahe Reue von denen anzunehmen, die aus Ignoranz etwas Böses oder Unrechtes getan haben. ER tut dies in Erfüllung SEINER Selbstverpflichtung. Das schließt auf Grund von 2:284 jedoch nicht aus, dass ER als der Allerbarmer und Allbarmherzige später, nachdem ER zunächst eine Reue nicht angenommen hat, aus Barmherzigkeit und Begnadigung doch noch vergibt, wem ER will.

Friede! :slightly_smiling_face:

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Frieden Gunnar,

Vielen Dank für deine Antwort.
Was bedeutet es eigentlich wenn Gott eine Sünde vergibt oder nicht vergibt?

Bedeutet es, dass wenn Gott eine Sünde von sich aus vergibt man für diese nicht bestraft wird und dass wenn Gott eine Sünde nicht vergibt eine entsprechende Strafe (Aufenthaltsdauer in der Hölle) verbüßt werden muss (6:160)?

Wie verstehst du diesen Aspekt?

Frieden,

ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich mit Menschen aus meinem Umfeld darüber rede sie meist ablehnend darauf reagieren.

Der Grund dafür ist nicht, dass sie unbedingt an die Trinität glauben wollen oder das sie es anders gelernt haben.

Der Grund dafür ist, dass sie es nicht als gerecht empfinden, dass Gott Menschen für ihren Glauben verurteilt, also auch rechtschaffene Menschen in die Hölle kommen und das auf ewig.

Da sie so ihre eigenen Vorstellungen beigesellen würde das leider nichts ändern.

Friede, JoKo!

Dann frage sie mal, ob sie glauben, dass Muslime Seite an Seite mit ihnen ins Paradies kommen!

Es gibt einen Bund zwischen dem Schöpfer und SEINEN Geschöpfen. ER stellt den Geschöpfen alles, was sie brauchen, zur Verfügung, wie etwa die Erde mit ihren Ressourcen als Wohnort und die Sonne als Lichtquelle, und das Recht, alles frei zu nutzen, sowie das Recht auf freien Willen. Es ist normal, dass ein Bund oder ein Vertrag nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten enthält. Die Pflicht der Geschöpfe besteht darin, dass sie dem folgen, was der Schöpfer ihnen geoffenbart hat, wozu an erster Stelle das Prinzip des absoluten Monotheismus gehört, also dass Allah der einzige „Chef“ ist, den man anbetet und dem man dient. Das ist wie bei einem Arbeitsvertrag, in dem es heißt, dass man nur für den Chef und seine Firma arbeiten darf und nicht gleichzeitig für andere Arbeitgeber und dass man bei Nichtbeachtung dieser Pflicht gefeuert wird und eventuell auch bestraft werden kann. In unserem Fall ist also Allah quasi der Chef und der monotheistische Islam die Firma, für die allein ein Muslim in dem Sinne arbeiten soll, dass er Allah auf der Grundlage des Quran anbetet und IHM dient.

Inwieweit Allah Verstöße gegen den Bund ahndet und wie weit dabei SEINE Gnade und Barmherzigkeit gehen, haben wir ja bereits erörtert.

Friede!

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Frieden Gunnar,

ja das tun sie, da sie generell ablehnen, dass Gott Menschen für ihren Glauben verurteilt sondern nur nach Taten. Sie sehen die Verpflichtung eher darin rechtschaffen zu leben als darin den richtigen Glauben zu haben.

Ich sehe das auch so wie du es beschrieben hast, doch mit dieser Ansicht stoße ich auf taube Ohren, da sie das nicht als gerecht empfinden und es auch nicht ihren Mitmenschen wünsche.

Hattet ihr mit anderen Menschen ähnliche Erfahrungen?

Darüber hinaus würde ich mich noch über eine Antwort auf meine letzte Frage freuen, da ich das nicht ganz verstehe.

Frieden Gunnar,

ich würde mich über eine Erklärung deinerseits freuen.
Das Gott eine Sünde nicht vergibt muss in meinen Augen nicht heißen, dass die Strafe ewig ist sondern zwingend.

Was ist deine Ansicht dazu?
Und Gott macht was er will und weiß es besser!

Frieden Joko

Friede, YoKo,

es gibt einen Thread „Ewige Strafe?“.

Ich könnte mir denken, dass du dort eine Antwort auf deine Frage findest. :wink:

Friede
Gunnar

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Frieden,

hatte niemand ähnliche Erfahrungen?
Das würde mich wundern.

Frieden Joko.

Friede, JoKo,

mir ist es mehr als einmal passiert, dass mich Christen wegen meines Glaubens benachteiligt oder sogar als „Feind“ bezeichnet haben. Deshalb hatte ich geschrieben: „Dann frage sie mal, ob sie glauben, dass Muslime Seite an Seite mit ihnen ins Paradies kommen!“

Aber ich glaube, viele hier haben auch schon die Erfahrung gemacht, dass sich dies nicht nur auf Christen bezieht.

Friede
Gunnar

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Frieden Gunnar,

sowas ist natürlich nicht in Ordnung und ein absolut unreifes und dummes Verhalten.
Deine Frage kann ich in diesem Zusammenhang gut verstehen.

Das ist generell das was in meinem Fall abgelehnt wird: das man selbst oder Gott jemanden für den Glauben verurteilt, nach dem Motto: der liebe Gott würde sowas nicht machen.

Frieden Joko.

Frieden,
Eine ‚Erbsünde‘ gibt es sehr wohl. Wir lernen von unseren Vorfahren auch zum Teil falsches, was Gottes Gesetzen widerspricht und übernehmen diese. Allerdings, wenn man sich dieser bewusst wird, kann man diese Sünde ablegen und sie auch nicht weiter vererben.

Woher willst du wissen, was sie erwartet? Die Verse im Koran können möglicherweise nicht wortwörtlich gemeint sein.

Gott ist gnädig und barmherzig.