Unwissenheit

Ich bin etwas überrascht über die Unkenntnis vieler jungen Leute im Bereich der verschiedenen Religionen. Als Rentner und sozial engagierter Mann, habe ich sehr viel mit jungen Menschen zu tun. Unglaublich wie wenig Grundkenntnisse an deutschen Haupt- und Realschulen, den Schülern vermittelt wird und ich spreche hier nur von Basics.

Aufgefallen ist mir dieses Thema, als ich zu verschiedenen Zeiten von unterschiedlichen Jugendlichen während des ein oder anderen Gesprächs, auf meinen christlichen Glauben angesprochen wurde. Alles das gilt auch uneingeschränkt für christliche oder atheistisch erzogene Kinder.

Hier nur einmal ein paar stellvertretende Aussagen
Du glaubst doch an drei Götter.
Deine Bibel ist falsch übersetzt worden.
Jesus war doch Gott
Der Papst ist der Stellvertreter Gottes

oder
was ist der Koran
was ist der Unterschied zwischen Suniten und Schiieten
wer war Mohamed
wo liegt Mekka
was ist der grundlegende Unterschied zwischen Koran und Bibel

oder
was ist die Thora
woran glauben Juden
warum ist Jerusalem eine Stadt der Weltreligionen.
was ist das alte Testament
wer war Martin Luther

oder
was ist Hinduismus oder Budismus

Ist das noch Allgemeinbildung? Ich behaupte ja. Ich habe aber den seltsamen Eindruck, das diese Themen gar nicht mehr im Unterricht behandelt werden.

Aber Bitte, vielleicht sehe ich das aber auch vollkommen falsch.

Allen Foristen noch einen schönen Nachmittag

Reuwen

Als älterer Mensch glaubt man, man habe sein Wissen schon immer besessen, aber ich lerne noch täglich dazu. All das, was ich in den letzten Wochen gelernt habe, wusste ich letztes Jahr noch nicht.

Die Bibel habe ich mehr als 25 x komplett gelesen, aber ab und zu kann es immer noch passieren, dass ich denke, etwas steht nicht in der Bibel und es steht doch da.

Schulwissen verschwindet in den hinteren Gehirnregionen, wenn es nicht immer wieder abgerufen wird.

Dann gibt es da noch die Informationen über die Religion, besonders die eigene. Die einzigen Christen, die ich kenne, die die Bibel kennen sind einige evangelikale Christen und die Zeugen Jehovas.

Über den Koran habe ich gar nichts gewusst, bevor ich ihn vor 4 Jahren gelesen habe. Später habe ich festgestellt, dass auch Muslime eher von der Tradition geprägt sind als vom Wissen. Schon oft in den letzten 4 Jahren haben mir Muslime bestimmte Dinge erzählt, die im Koran stehen würden, was aber definitiv nicht der Fall war. Auch Imame, die angerufen wurden, kannten sich nicht aus.

Ich zitiere jetzt mal meine Schwester:

Ich wusste gar nicht, mit wie wenig Wissen man überleben kann.

Freiden allerseits,

eine interssante Frage Reuwen. ich schlließe mich hier Weltenbummler an. Ich kann mich erhrlich gesagt nicht zurückerinnern, dass mir im Religionsunterricht in der Schule, sei es an der Grundschule oder später im Gymansium all diese Dinge vermittelt worden wären. Oder ich habe es wieder vergessen, ist ja auch sehr lange her. All dieses Wissen, bzw. was ich jetzt alles über die Religionen udn Glaubensrichtungen weiß, habe ich mir selbst angeeignet durch Lesen, Fragen, Forschen. Begonnen hatte ich damit jenseits der 40. Ich finde es sowieso besser selbst nachzuforschen, ansonsten erfährt man immer nur das Allgemeine, denn tiefes interreligiöses Wissen haben die meisten Religionslehrer sowieso auch nicht, könnten viele der Fragen wohl selbst nur in groben Zügen oder allgemein beantworten, aber nicht wirklich tief.

Aber es ist ja schon mal gut, dass die Kinder/jungen Menschen überhaupt diese Fragen stellen. Das zeigt Interesse. Und im Grunde ist es auch gar nicht so schlecht, wenn sie selbst nachforschen, denn ansonsten bekommen Sie sowieso meist nur die traditionellen Antworten, in allen Religionen. Aber die Kinder zum Selbstnachdenken anregen durch Fragen stellen seitens der Lehrperson, das fände ich gut. Also Fragen wie z.B. :
-Was meinst du dazu?
-Kann das auch ncoh anders verstanden werden?
-Was könnte damit gemeint sein?
usw.

Letztendlich muss sowieso jeer seine Antworten für sich bselbst finden und vieles versteht man erst im Laufe des Lebens aus bestimmten Erfahrungen heraus.

Liebe Grüße dun euch allen einen schönen Tag
Kiki

Hallo und vielen Dank für Eure Antworten,

worauf ich hinaus wollte, ist nur die Frage ob die Vermittlung von Allgemeinwissen, also Basics in diesem Themenbereich an unseren Schulen vermittelt wird.

Sie werden doch auch damit, in ihrem eigenen Leben durch Medien oder persönlichen Erfahrungen mit anderen Jugendlichen regelmäßig konfrontiert. Was wissen Jugendliche basierend auf ihre Schulbildung bei Worten die in ihrem Leben regelmäßig wiederkehren wie:

Islam, Papst, Moschee, Christentum, Koran, Juden, naher osten, Hallal, koscher, sunit, muslim, heide, Budist, Kopftuch …

Unsere Kinder können für 50 $ nach Istanbul fliegen und haben keinen Dunst, daß diese vielen Gebäude mit den hohen Türmen eine Moschee ist. Haben keinen Schnaller, daß dort Muslime, eine Glaubensrichtung, basierend auf dem Koran, einen Gott, also Allah verehren und anbeten.

Die stehen dann genau so dusselig vor dem Vatikan in Rom und fragen sich wer dieser Mann, in der weißen Robe ist.

Erschrecken, wenn der Muezien zum Gebet ruft und fragen sich wozu diese Glocken jeden Sonntag so einen Radau machen.

Quasseln über den Koran und wissen nicht, daß er auf arabisch geschrieben wurde. Geschweige denn das das heilige Buch der Juden, die Thora, identisch mit dem alten Testament in Bibel ist.

Mohammed und Jesus waren Gründer von Weltreligionen. Martin Luther war der Krawallmacher in der katholischen Kirche. Ach deswegen gibt es heute katholische und protestantische Kirchen …

was ist ein Kloster und was ist ein Imam usw usw

Einfach nur nachvollziehbare, einfache Fakten. Etwa so, wie im Chemieunterricht, der einfache Aufbau eines Atoms erklärt wird. Ich erwarte doch von den Kiddies nicht die Synthese einer Kohlenwasserstoffkette.

So etwas nenne ich Allgemeinbildung und das erwarte ich vom deutschen Schulsystem für alle Kinder.

Ist das zu viel erwartet?

Noch ein schönes Wochenende an Euch alle.

Reuwen

Was den Religionsunterricht in den Schulen betrifft, so habe ich den Eindruck, daß an den neuen islamischen Religionsunterricht viel höhere Ansprüche gestellt werden als das, was ich früher im (hauptsächlich katholischen) Religionsunterricht erlebt habe. Diese Ansprüche kommen sowohl von der “Mehrheitsgesellschaft” als auch von den islamischen Religionslehrern selbst (siehe das Interview mit Musa Bağraç vom Islamlehrerverband: https://www.zdf.de/kultur/forum-am-freitag/forum-am-freitag-vom-14-juni-2019-100.html). Ich finde das eine durchaus gute Entwicklung, worin der Islam einen positiven Beitrag zu allgemeinen gesellschaftlichen Fragen leisten kann.

Lieber Reuwen,

ja es könnte wirklich mehr Allgemeinwissen vermittelt werden, da gebe ich dir Recht. Überhaupt mehr Gesellschaftsthemen. Es liegt aber auch viel an dem Elternhaus. Wird dort über gesellschaftliche oder religöse Themen diskutiert? Haben die Kinder von klein auf Zugang zu Büchern und Informationen? Wenn die Eltern keinerlei Interesse zeigen an solchen Themen, entwickelt sich halt oft das Interesse der Kinder auch nicht oder erst spät, falls es dann in Schulen gelehrt wird oder auch je nach Freundeskreis.

Hier muss ich dich allerdings korrigieren. Du schreibst:

Geschweige denn das das heilige Buch der Juden, die Thora, identisch mit dem alten Testament in Bibel ist.

Das ist nichts so, die Tora ist nicht identisch mit dem Alten Testament, sondern nur mit einem Teil des Alten Testaments, nämlich mit den fünf Büchern Mose (Pentateuch)

Liebe Grüße
Kiki

Hallo Kiki,

auch das ist so nicht ganz richtig. In der Tora wird schon das Selbstverständnis von weiteren Propheten (siehe dazu zB Koran 5:48, 5. Mose 13:1-6) in Bezug zum AT angekündigt. Die Tora ist zwar zuallererst die 5 Bücher Mose aber sie stehen dadurch im direkten Zusammenhang mit dem restlichen AT. Dieser Umstand ist auch beim Evangelium / NT der Fall.

Hallo Eddy , Hallo Kiki

danke für Eure Einlassung. Ich musste sehr wohlwollend schmunzeln, ob der Tatsache, daß ich in meiner Aussage Thora = Alte Testament, fachlich restlos geschludert habe. Bemerkenswert, daß trotz meiner unkorrekten Aussage, trotzdem noch ein Bogen zur Bibel und zum Neuen Testament fachlich begründet, geschlagen werden kann.

Sorry, aber das ist dann für mich alles Championsleague und nicht der Bestandteil von Allgemeinwissen. Nichts desto trotz finde ich es natürlich hochachtungsvoll, wenn Menschen auf gewissen Gebieten einen sehr hohen Wissensstand haben.

Aber mal zurück zu unseren Kidies.

Bei mir im Umfeld sind siebzig Prozent der Eltern bildungsfern. Die Schule ist und bleibt hier der Reparaturbetrieb, für die von dir gewünschte offene Wissensvermittlung und Diskussion im eigenen Elternhaus, die nicht stattfindet.

Unsere lieben Kleinen, haben in ihren Händen, in einem Format von 18 mal 10 cm großen Smartphone, einen direkten Informationszugang von Milliarden an Informationen. Gute, schlechte, falsche, bekloppte, unmenschliche, perverse, schöne, informative, religiöse, …

Danke, genau das.

Wie kommen wir da hin, daß das Wissen über Religionen, wieder einen moralischen interkulturellen Stellen- und auch Diskussionswert für Jugendliche hat. Ich bin wahrscheinlich ein Träumer. Dankenswerter Weise, hat mir in einem anderen Forum Weltenbummler in einem anderen Zusammenhang so ein paar (40) einfache Fakten an die Hand gegeben. Was steht dem entgegen, Kindern einige dieser Moralvorstellungen und Vorgaben, die ja auch Grundgesetz-konform sind als Basiswissen zu vermitteln. Natürlich muss ich voraussetzen, daß die Schüler überhaupt einen Koran oder Bibel physikalisch anfassen dürfen.

  1. kümmert euch um die Waisen. (2:220)
  2. Ehrt den Gast. (51:26)
  3. Seid nicht geizig. (4:37)
  4. Steht ein für Gerechtigkeit. (4:58)
  5. Schlichtet den Streit zwischen den Menschen. (49:9)
  6. Hütet euch vor Verdächtigungen. (49:12)
  7. Spioniert nicht, redet nicht schlecht über andere. (49:12)
  8. Macht eucht nicht über andere lustig. (49:11)
  9. Sprecht ruhig und sanft mit den Leuten. (22:44)
  10. Ehrt die Eltern und sprecht höflich zu ihnen. (17:23)
  11. Haltet eure Versprechen. (2:177)
  12. Achtet auf anvertraute Dinge. (2:283)
  13. Seid ehrlich beim Handel. (6:152)
  14. Betrügt euch nicht um Hab und Gut. (4:29)
  15. Urteilt gerecht zwischen den Menschen. (4:58)
  16. Haltet anderen nicht eure guten Taten vor. (2:264)
  17. Geht in Demut auf Erden umher. (25:63)
  18. Entscheidet nach gegenseitiger Beratung. (42:38)
  19. Tötet nicht eure Kinder aus Angst vor Armut. (17:31)
  20. Betretet nicht fremde Häuser ohne Erlaubnis. (24:27)
  21. Seid nicht verschwenderisch. (17:29)
  22. Seid nicht überheblich. (7:13)
  23. Seid gerecht. (5:8)
  24. Vermischt nicht Wahrheit und Lüge. (2:42)

Usw.

Sollen die Schüler doch einmal interreligiös, diese Anmahnungen in Bezug zur Bergpredigt im NT stellen. Für Fortgeschrittene, das alles noch zu Kant, Hegel oder Schopenhauer und von mir aus noch zum Grundgesetz stellen. Aber das sind wahrscheinlich nur Träumereien den in welchem Unterrichtsfach sollte man das machen:

Nicht nur der Islam, sondern auch Basiswissen über das Christentum sorgen für Verständigung und Toleranz. Für mich steht fest, ob es die Kirche oder die Ditib oder sonstige religös geprägten Organisationen sind, sie wollen die religiöse Lufthoheit über die Kinder behalten.

Ich möchte gerne den Aufschrei der Entrüstung erleben, wenn ich als Lehrer so ein Thema wie:

Wilhelm Tell im Spiegel des Korans, der Bergpredigt und dem kategorischen Imperativ von Kant.

als Hausarbeit aufgeben würde. Da würden mir nicht nur die Schüler, sondern auch die Eltern, das Lehrerkolegium und die Ditib aufs Dach rücken. Da könnte ich stundenlang argumentieren, daß diese Hausaufgabe der Prevention gegen religiöse Extremisten, Bauernfänger und Verschwörungstheoretikern im Netz förderlich ist. Aber hier sind bereits Ansätze in Deutschland zu sehen:

Ethikunterrich beinhaltet die Vermittlung von Wissen und die Diskussion über Werte, Religionen und Weltanschauungen sowie philosophische Fragestellungen, verpflichtet sich dabei aber zur neutralen und keiner spezifischen Glaubensrichtung gebundenen Darstellung.

In Deutschland, stellt der Ethikunterricht meistens ein Ersatzfach zum konfessionellen Religionsunterricht dar. In manchen Ländern wird er jedoch auch als Wahlpflichtfach oder ordentliches Lehrfach angeboten.

In Österreich wird darüber hinaus auch über die Einführung eines verpflichtenden Ethikunterrichts an Schulen diskutiert.

Was meint Ihr dazu?

Alles Liebe

Reuwen

Guten Morgen,
Ich stehe immer noch zum Berliner Modell, zumindest wie es sein könnte (wie es in der Praxis umgesetzt wird, hängt dann ja immer von den einzelnen Lehrern ab), also “Ethik, Religion, Lebenskunde” (meinetwegen sollte es besser Religionen im Plural heissen) für alle Schüler/innen gemeinsam. Fortgeschrittener Schüler/innen könnten da durchaus solch eine Aufgabe bekommen wie Du vorschlägst, jüngere Kinder vielleicht ihre Eltern zu den jeweiligen Werten der Religion befragen und diese zusammentragen… Hauptsache sie lernen gemeinsam und werden nicht durch künstliche Grenzen auseinandergerissen.

Ich begleite Schüler bei den Hausaufgaben. Ethik ist interessant aufgebaut und manche interessiert das sehr. Von Religion habe ich da noch nichts gesehen. Aber ich bin auch nicht immer präsent. Aus der Schulzeit meines Sohnes kann ich mich erinnern, dass die verschiedenen Religionen vorgestellt wurden. Da aber eher die großen 5. Meinem Sohn erschien vieles nicht schlüssig. Wir haben dann telefoniert und festgestellt, dass die Mitglieder der anderen Religionen oft nicht wirklich etwas über ihre Religion wussten. Schwierig war auch, dass mein Sohn mit mathematischer Gründlichkeit an die Aussagen der Religion heranging und alles ganz genau wissen wollte. Heute weiß er ein wenig über den Islam und das Christentum, aber es interessiert ihn nicht wirklich.

Noch etwas dazu, dass die Kirchen und Ditib die Hoheit über das behalten wollen, was die Jugendlichen glauben. Ich sehe das nicht so. Meine Söhne sind in den Konfirmandenunterricht gegangen. Jeweils 2 Jahre lang, 2 Stunden wöchentlich. Als ich meinen Sohn fragte, was er dort lerne, sagte er mir: Ach, das geht da um Worte wie Gewissen und so. Ich fragte, ob es nicht um die Bibel gehe, aber darum ging es gar nicht. Auch nicht darum, was man glaubt, oder warum. Im Kindergottesdienst wurde gebastelt. Es erschien mir wie ein Kindergartenersatz. Als ich den Pfarrer darauf ansprach, meinte er, die Kinder würden die Geschichten aus der Bibel schon kennen, was natürlich nicht stimmte. Die Kirche versucht also noch nicht einmal, Einfluss zu nehmen. Bei den Muslimen gibt es die Koranschulen. Was dort vermittelt wird, weiß ich nicht, aber es scheint mir eher um religiöse Traditionen zu gehen. Und die Kinder lernen wohl Arabisch zu lesen, ohne es zu verstehen. Wenn ich mit jungen Muslimen spreche, stelle ich fest, dass auch sie wenig Ahnung haben, besonders im Bezug auf den Koran