Vers 9:29 Juden und Christen

Dieser Vers ist immer wieder Anlass für Diskussionen. Aus diesem Grund kopiere ich dazu einen Text aus der Homepage.

Der Autor führt nun den Vers 9:29 an, um zu belegen, dass Muhammad angeblich mit diesem Vers begründe, ab dem Jahre 624 „gegen arabische Heiden, Christen und Juden“ Gewalt zu legitimieren. Der Vers lautet:

9:29 Bekämpft diejenigen, die weder an Gott noch an den letzten Tag glauben und nicht verbieten, was Gott verbot und sein Gesandter, und die nicht gemäß der Lebensordnung der Wahrheit richten unter denjenigen, denen die Schrift zukam …

Es ist seltsam, wie der Autor das Jahr 624 ohne eine Primärquelle eindeutig festlegen kann. Nebst dieser Tatsache ist erstaunlich, wie er diesen Vers so ohne weiteres einfach unkommentiert für seine Behauptungen in den Raum stellt. Die neunte Sure ist ein allgemeines Ultimatum an die Beigeseller (9:1). Diese Beigeseller werden in den darauf folgenden Versen unmissverständlich als die Aggressoren beschrieben (9:8 und 9:13). Aus dem unmittelbaren Kontext kann man die ableugnenden Schriftbesitzer in 9:29 den Beigesellern zuordnen. Nun könnte man aber argumentieren, dass dies allgemein, losgelöst vom Rest der Lesung die ableugnenden Schriftbesitzer meinen könne und man deswegen offensiv in den Krieg ziehen dürfe. Diese Behauptung ist jedoch schnell entkräftet, da die Schriftbesitzer (i.A. Juden und Christen) als Gläubige wie auch als Ableugner beschrieben werden (3:113). Deswegen können nicht alle Schriftbesitzer gemeint sein. Die Lesung liefert aber auch allgemeine, unmissverständliche Anordnungen zum Krieg:

60:8 Gott verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Lebensordnung (Religion) wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiss, Gott liebt die Gerechten.

Das bedeutet, wenn in 9:29 steht:

9:29 … und nicht verbieten, was Gott verbot und sein Gesandter, …

dies mindestens Vers 60:8 entsprochen, also eine Aggression stattgefunden haben muss. Die Verse 2:190-193 legen klar, dass ein Krieg nur als Verteidigung aufgefasst werden darf und man einen angebotenen Frieden annehmen muss (8:61). Darüber hinaus gilt das Paradigma:

2:256 Es gibt keinen Zwang im Glauben.

Deshalb ist der Ausdruck aus 9:29:

… Bekämpft diejenigen, die weder an Gott noch an den letzten Tag glauben …

… keinesfalls eine Begründung, gegen den Glauben der Schriftbesitzer vorzugehen. Der Vers beschreibt demzufolge nur eine [ihrer Eigenschaften aus vielen]

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Der Link dazu:

Meine Antwort auf deine Frage wäre dass Gott im Koran sagt, dass die Juden, Christen und die Sabäer keine Furcht haben sollen solange sie an Gott und den jüngsten Tag glauben, somit nimmt dieser vers jegliche Feindseligkeit gegen andere Abrahamiten. Was ich an diesem Vers aber interessanter finde ist dass hier angesprochen wird dass Mohammed Dinge verbieten darf, obwohl an einer anderen Stelle in der Lesung gesagt wird dass es ihm untersagt ist Dinge zu verbieten

Mit diesem Vers ist nicht gemeint, dass der Gesandte von sich aus etwas für haram erklären darf. Das Für-haram-Erklären steht nur Allah zu, weil ER der alleinige Gesetzgeber im Universum ist.

Vielmehr übermittelt der Gesandte an die Menschen durch die im Quran an ihn geoffenbarten Worte das, was Allah als haram betrachtet, und laut Quran (5:92) ist die Übermittlung des Geoffenbarten die einzige Pflicht und Aufgabe Muhammads in dessen Eigenschaft als Gesandter.