Warum wurde Maria in entsprechender Anwendung der Tora nicht gesteinigt?

Über Maria im Koran wird viel berichtet, möglicherweise mehr als über seinen Sohn Jesus. Wir wissen aus dem Koran, dass sie infolge ihrer Ausbildung bei Zacharias möglicherweise die spezielle Form der Kommunikation durch Gesten gelernt hatte (vgl. 19:26 iVm 3:37) als sie nach ihrer schwierigen Geburt in der Nähe der sog. Judäische Dattelpalme (was erleichtert wurde durch Oxytocin und der Wassergeburt, vgl. 19:24f) (siehe auch: Wann wurde Jesus (Isa ibn Maryam) nach dem Koran geboren?) von Jesus (mE war sein Geburtsort nicht in Betlehem, sondern ein Ort, der einige Kilometer östlich von Jerusalem liegt, vgl. 19:16; 19:22) mit ihrem Volk kommunizierte (Schweigegelübde von Zacharias, vgl. 3:41) und dabei u.a. verbal angegriffen wurde, dass sie den Namen von Miriam nicht verdienen würde (vgl. 19:28), was mich aber dann fragen lässt, wieso sie nicht gesteinigt wurde, was auch das Thema dieses Beitrags sein soll.

Die Steinigung wird im Tanach und demnach auch im Alten Testament als Strafe für Taten von Israeliten in Israel gefordert, die als Verbrechen an Gott und dem ganzen Volk galten. Dazu gehört auch der Ehebruch (3. Mose 20, 10; 5. Mose 22, 22). Siehe: https://www.bibel-in-gerechter-sprache.de.

Maria hingegen wurde als Judin im Zusammenhang mit dem Vorwurf des Ehebruches nicht gesteinigt.

Der Grund könnte darin liegen, dass sie (zumindest in der Anfangsphase bis zu ihrer Wanderung nach Herodium, vgl. 23:50) möglicherweise unter dem besonderen Schutz der Römer stand, weil sie womöglich als eine Vestalin angesehen wurde, die nach Meinung der herrschenden Römer auch geehrt werden musste.

Jesus wurde zur Zeit des Königs Herodes (geb. 73 v. Chr., gest. im März 4 v. Chr.), der ein jüdischer Klientelkönig Roms war, geboren.

In dieser Zeit wurde der Kult der Vesta (Vesta war eine Göttin der altitalischen, insbesondere der römischen Religion) von einer besonderen Priesterschaft, den Vestalinnen (vestalische Jungfrauen), gepflegt.

Deren Pflichten bestanden bei strenger Bewahrung der Keuschheit vor allem in Erhaltung des heiligen Feuers, Reinhaltung und Reinigung des Tempels (Tempel der Vesta in Rom und weiteren baulich ähnlichen Tempel an anderen Orten) mit Wasser, Herrichtung und Aufbewahrung des Speltschrots mit der Salzlake und gewisser bei Sühnungen angewandter Mittel, Verrichtung von Opfern, Bewachung der Heiligtümer. Die Vestalinnen genossen bedeutende Ehrenrechte, da sie für das Wohl des gesamten römischen Volkes wirkten. Wenn sie ausgingen, schritt ein Liktor vor ihnen her; bei gewissen Gelegenheiten durften sie im Wagen fahren; auf Beleidigung ihrer Person stand Todesstrafe. Begegneten sie zufällig einem zum Tode verurteilten Verbrecher, so war dieser gerettet. Ihre Kleidung bestand in einem langen weißen Gewande, einer Stirnbinde, von welcher Bänder herabhingen, und bei Opfern einem Schleier.

http://www.imperiumromanum.com/religion/antikereligion/vestalinnen_01.htm

Ausgehend von diesen wissenschaftlichen Informationen könnte mE vertreten werden, dass zumindest in der Anfangsphase die Maria und ihr Sohn einen besonderen Schutz bei den Römern genossen, weil sie als eine Vestalin angesehen wurde, die auch geschützt werden musste.

Zweifellos ist Gott der Wissende und er ist genau wissend.

1 Like

Friede Sue!

Meines Wissens ergibt sich aus der Tora, dass bei Ehebruch mindestens zwei Zeugen vorhanden sein müssen, um die Strafe der Steinigung aussprechen zu können, was im Quran in vier Zeugen korrigiert wurde. Es ergibt sich mithin die Frage, ob es Zeugen gegeben hat (mir sind keine Belegstellen in den Offenbarungsschriften bekannt), sofern es sich bei Maria überhaupt um einen Ehebruch handelt.

Denn ich gehe davon aus, dass Maria überhaupt nicht verheiratet war (19:20). Somit liegt auch kein Ehebruch vor.

Sollte Maria aber außerehelichen Geschlechtsverkehr mit einem Mann gehabt haben, dann wäre meines Erachtens 2. Mose (Exodus) 22:15 anzuwenden gewesen: „Wenn jemand eine Jungfrau beredet, die noch nicht verlobt ist, und bei ihr schläft, der soll ihr geben ihre Morgengabe und sie zum Weibe haben. Weigert sich aber ihr Vater, sie ihm zu geben, soll er Geld darwägen, wieviel einer Jungfrau zur Morgengabe gebührt.“ (Zitiert nach der deutschen Übersetzung von Dr. Martin Luther.) Von Steinigung keine Spur! Freispruch, Euer Ehren!

Trotzdem vielen Dank für deine Informationen aus der Historie! :smiley:

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

1 Like

Selam @OASE

richtig, ansonsten wäre es eine verbotene Analogie zu Lasten der Frau, mit der Folge, dass die von mir erwähnten Vorschriften nicht anwendbar wären. In Bezug auf den Nachweis wüsste ich nicht, ob bereits die Schwangerschaft nicht das Erfordernis eines Zeugennachweises entfallen lässt. (die Gefahr hat sich ja realisiert durch den „Schaden“ der Geburt).

Ich wüsste aber auch nicht, ob ein Geschlechtsverkehr vor der Ehe sanktionslos bleibt im Judentum. Ich könnte es mir jedenfalls nicht vorstellen, zumal ein Geschlechtsverkehr mit Frauen, die niddah sind, auch nicht erwünscht sind (ob diese Grundsätze dann analog auf die folgende Konstellation anwendbar sind ist wiederum eine andere Frage).

Was mich aber in diesem Ereignis nachdenklich gemacht hat ist, dass gegenüber ihr offenbar Sanktionen ausgeblieben sind, außer den o.g. verbalen Angriffen. Daher der Rückgriff auf die römischen Traditionen, wobei geschichtliche Befunde in der Region (noch) nicht vorliegen.

Update 280521 23:13: gemeint war: „geschichtliche Befunde in der Region“, die außerhalb von Rom sind.

So einfach ist das nicht. Die Tora ist kein Buch wonach man einfach ablesen und damit aburteilen kann. Es gibt auch Verse in der Tora (Tanach) die eine Steinigung nicht als zwingend verstehen. Gott verzeiht im Tanach auch bei größten Sünden die das ganze Volk betreffen. Umkehr und Besserung ist Dreh- und Angelpunkt in der Tora. Würde Gott „streng“ nach der Tora gehen, wäre Israel schon lange vernichtet. Auch andere Völker natürlich. Jesus selbst „übergeht“ die Steinigung in der Johannesperikope damit zurecht.

19:27f hast du doch gelesen. Das Kind Jesus spricht dort zum Volk. Das kann nur von Gott kommen und damit ist eine Bestrafung beigelegt.

Woher leitest du ab, dass er als Kind sprach (19:30ff)?

Protoevangelium des Jakobus Dir bekannt?

19:20 Sie sagte: "Wie kann es sein, dass ich einen Jungen habe? Und mich hat niemals ein Sterblicher berührt. Und ich war niemals im Misswollen (=Unanständigkeit)?"

Nach Protoevangelium des Jakobus – Wikipedia soll sie verheiratet sein mit Josef. (tws. wird vertreten, dass Jesus während dieser Ehe auf die Welt kam) Ob sie in der behaupteten Ehe noch Jungfrau war und damit kein Wider.spr. zum Koran (siehe: Der Quran als "Schablone"), darauf könnte mit Ja/Nein spekuliert werden (ganz ausschließen könnte ich eine Jungfräulichkeit in einer Ehe dennoch nicht, da so etwas nicht ungewöhnlich ist, auch wenn sehr selten…)

19:26f:

26 „Und iß und trink und sei frohen Mutes! Und wenn du (irgend) einen von den Menschen (baschar) siehst, dann sag: Ich habe dem Barmherzigen ein Fasten gelobt. Darum werde ich heute mit keinem menschlichen Wesen sprechen.“"" 27 „Dann kam sie mit ihm (Neugeborener mit Bezug auf 19:30) zu ihren Leuten, indem sie ihn (auf dem Arm) trug. Sie sagten: „„Maria! Da hast du etwas Unerhörtes (farie) begangen. Vater war kein Bösewicht, noch war deine Mutter ein unkeusches Weib!“ 28 „Schwester Aarons! Dein Vater war doch kein schlechter Kerl und deine Mutter keine Hure.“““

29 „Da wies sie (zeigte) auf ihn. Sie sagten: „„Wie sollen wir mit einem sprechen, der als kleiner Junge (noch) in der Wiege (mahd) liegt?“““

30 Allahs, Er hat mir das Buch gegeben und mich zu einem Propheten gemacht; "Er sagte: "„Ich bin der Diener Allahs. Er hat mir die Schrift gegeben und mich zu einem Propheten gemacht.“

Eddy, ich mag es, wenn du den Koran zitierst, hier insbes. aus Sure 19.

Das, was du annimst, ist wohl die herrschende Sichtweise. Ich bin da bisschen aber anderer Meinung:

Schau dir mal die Kommentierung von Tabari und Asad (s. Linksammlung) in diesem Zhg. an, die auch wenn Mindermeinung ist, nicht unberücksichtigt bleiben darf, was auch mit meiner These zu Adam übereinstimmend ist (Forum hierzu suchen).