Was bedeutet der Begriff "Ungläubiger" im Islam?


#1

Hallo liebe Forenmitglieder,

ich zitiere zwei Verse aus dem Koran:

“Diejenigen, die nicht an unsere Zeichen glauben, die werden Wir im Feuer brennen lassen; Sooft ihre Haut verbrannt ist, geben Wir ihnen eine andere Haut, damit sie die Strafe kosten. Wahrlich, Gott ist Allmächtig, Allweise.” (Quran 4:56

“…für die, die nun ungläubig sind, werden Kleider aus Feuer zurechtgeschnitten werden. Siedendes Wasser wird über ihre Köpfe gegossen werden.” (Quran 22:19)

Meine Fragen:

  1. Welche Personengruppen werden mit dem Begriff “ungläubig” bezeichnet?
  2. Was ist im ersten Vers mit “nicht unsere Zeichen befolgen” gemeint?

Vielen Dank!


#2

Gute Frage. Ich schließe mich an: Gibt es ungläubige Muslime und gläubige Christen (und zwar im Sinne des Koran).


#3

Guten Morgen,
Sure 107 gibt eine gute Erklärung:
Hast du den gesehen, der den Din (Religion, Lebensweise, Entscheidung, auch als Jüngstes Gericht übersetzt) leugnet?
Es ist der, der die Waise zurückstößt
und keinen Drang hat, dem Armen Essen zu geben
Wehe denen, die beten,
die beim Gebet nachlässig sind
und nur gesehen werden möchten
und kleine Wohltätigkeiten ablehnen.

Also kein Glaube ohn gute Taten.

Und umgekehrt:
5:69 Diejenigen, die glauben, und diejenigen, die dem Judentum angehören, und die Sabier und die Christen, (alle) die an Gott und den jüngsten Tag glauben und tun, was recht ist, brauchen keine Angst zu haben, und sie werden nicht traurig sein.

Die unterschiedlichen Formen der religion sind gottgewollt:

5:48 … Für jeden von euch haben wir ein Gesetz (shir’a) und eine Lebensweise (minhaj) bestimmt. Und wenn Gott es so gewollt hätte, Er hätte euch alle sicherlich zu einer einzigen Gemeinschaft machen können: aber um euch zu prüfen durch das, was Er euch gewährt hat. Wetteifert denn miteinander im Tun guter Werke! …

22:67 Einem jeden Volk haben wir Andachtsriten (mansak) gegeben, damit sie sie befolgen.


#4

Hallo Regine,

ich habe auch von einer schönen Geschichte über den Propheten Mohammad gehört:

Dass die Liebe und Güte, die man Lebewesen zeigt, ein Anlass dazu ist, die unendliche Güte Allahs zu erfahren zeigt uns folgende Erzählung: „An einem heißen Tag sah eine Prostituierte einen Hund, der durstend mit heraushängender Zunge um einen Brunnen lief. Die Frau hatte erbarmen mit dem Hund, zog ihren Schuh aus, holte damit Wasser aus dem Brunnen und gab es ihm zu trinken. Aufgrund dieses Verhaltens vergab Allah ihr all ihre Sünden (und wies ihr für ihr weiteres Leben den rechten Weg).” (Muslim)

Das zeigt, dass es im Islam den Begriff des klassischen Ungläubigen gar nicht gibt, also jemand, der einfach die Religion an sich nicht befolgt. Am Ende zählt die gute Tat.

Welche Konsequenzen ziehe ich daraus?

  1. Gläubig ist, wer vor allem Gutes tut. Falls er eine bestimmte Religion aus zufälligen Umständen nicht verfolgt, macht ihn das nicht zu einem Ungläubigen

  2. Wenn im Islam die Rede ist von “nimmt euch nur die Gläubigen zum Freund”, dann heißt es, nimmt euch nur die Rechtschaffenen zum Freund (dazu gehören auch diejenigen, die zwar keine Religion haben, aber rechtschaffen sind

  3. Wenn im Islam die Rede ist von “heiratet nur die Gläubigen”, dann heißt es heiratet nur die Rechtschaffenen, also auch hier nur diejenigen, die vor allem gute Taten vollbringen aber nicht unbedingt die gleiche Religion oder überhaupt eine Religion befolgen.

EDIT: Als Ungläubiger wird meiner Ansicht nach aber auch der bezeichnet, der aktiv versucht, den Islam zu untergraben, indem er ihn als falsch deklariert. Niemand hat aber das Recht, die Meinung oder Ansicht eines anderen als falsch zu beurteilen und ihn so schlechter zu behandeln. Mit solchen Menschen sollte man dann natürlich keine engere Beziehung pflegen, da sie nicht tolerant sind und Toleranz zu Menschlichkeit gehört.


#5

Aber jetzt habe ich mal eine Frage. Darf dann ein Muslim theoretisch auch eine Buddhistin heiraten, die prinzipiell ein guter Mensch ist? Oder gilt es nur für Juden und Christen?

Also ist meine Interpretation “zu liberal” ?


#6

Frieden @Tarzan,

hier eine theologische Verortung:

Lieber Gruss und in Frieden


#7

Bissmil’lahirrahmanir’rahim

es sind diejenigen die in die Irre gehen

Salamu’alaikum