Was bedeutet Tora?

WAS BEDEUTET TORA?

Friede alle zusammen!

Das Bestätigen der ursprünglichen Wahrheit in der Tora durch den Propheten Jesus respektive durch das ihm geoffenbarte Evangelium (siehe meinen Thread JESUS UND SEINE AUFGABE – SURE 61:6) führt unter Anderem zu der Frage, was denn überhaupt mit Tora gemeint ist.

Was das früher Geoffenbarte betrifft, werden im Quran frühere Offenbarungen Allahs grundsätzlich mit Erwähnung der jeweiligen Gesandten genannt: In 87:19 werden wir informiert, dass Abraham und Moses „erste Schriftblätter (صحف Suhuf)“ erhalten haben, in 4:163 und 17:55, dass David ein „Zabūr (زبور )“ gegeben wurde, worunter Einige den Psalter verstehen, und in 57:37, dass Jesus das „Indschīl (الإنجيل )“, also das Evangelium gegeben wurde. Darüber hinaus wird an 18 Stellen im Quran die Tora (التوراة ) genannt, interessanterweise jedoch nie in Verbindung mit dem Namen eines Gesandten. Aus verschiedenen Stellen geht allerdings hervor, dass es sich um eine Offenbarung handelt, die zeitlich vor dem Evangelium Jesu (siehe etwa 5:46) und nach Abraham liegt (siehe 3:65). Es ist also durchaus angebracht, beim Thema Tora etwas zu verweilen, zumal Information hierzu allein schon deshalb wichtig sind, weil ja der Quran doch relativ oft das Wort Tora erwähnt.

Linguistisch betrachtet bedeutet das arabische Wort تور taur bedeutet „kleines Trinkgefäß“, wird aber laut arabischen Wörterbüchern auch in der Bedeutung „Gesandter“ benutzt. Das hebräische Wort תּוֹרָה tôrāh Tora zunächst einmal „Lehre“, „Unterweisung“, „Regel“ oder „Gesetz“, und zwar speziell im Sinne der Anweisungen, die Mose am Berg Sinai von Allah empfangen hat und in den sogenannten fünf Büchern Mose (Pentateuch) niedergeschrieben sind. Im Alten Testament heißt es in der 1. Chronik Kapitel 22 Vers 13 diesbezüglich: „Du wirst Erfolg haben, wenn du die Gesetze und Rechtsvorschriften gewissenhaft befolgst, die der Herr dem Mose für Israel aufgetragen hat.“

Sehr viele zeitgenössische Bibelforscher gehen allerdings davon aus, dass Mose nicht der Autor der uns heute vorliegenden Tora in ihrem vollen Umfang ist, zumal ja beispielsweise im Deuteronomium auch über seinen Tod berichtet wird (Kapitel 34:5-12). Es wird argumentiert, dass die Ereignisse im Pentateuch nicht in der Ich-Form dargestellt werden und dass historische Begebenheiten geschildert werden, die sich erst später, also nach dem Tod Mose ereigneten. Hinzu kommt unter Anderem, dass es verschiedene Gottesbezeichnungen gibt, nämlich manchmal Elohim und manchmal Jahwe, dass es in der Genesis zwei sich unterscheidende Schöpfungsberichte gibt, die teilweise als widersprüchlich betrachtet werden (siehe Genesis Kapitel 1 und 2), und dass ebenfalls in der Genesis hinsichtlich der Sintflut und des Bauens der Arche Noah zwei verschiedene Versionen vorhanden sind (siehe Genesis Kapitel 6-8).

In weiterem Sinne versteht man unter Tora auch den gesamten Tanach, also die hebräische/aramäische jüdische Bibel, in etwa zu vergleichen mit dem Alten Testament. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang noch, dass das griechische Wort Πεντάτευχος Pentateuch als Bezeichnung für die fünf Bücher Mose wörtlich „Fünfgefäß“ bedeutet, was auf die Krüge zurückgeführt wird, in denen die Schriftrollen aufbewahrt wurden.

Wenn man nun die Tatsache, dass laut Quran dem Mose die oben erwähnten „ersten Schriftblätter (صحف Suhuf)“ gegeben wurde, ohne dass im Quran erwähnt wird, dass Mose auch die Tora gegeben wurde, mit den begründeten Zweifeln vieler Bibelforscher an der Autorenschaft Mose und mit dem Verständnis, dass Tora im weiteren Sinn auch als die gesamte hebräische/aramäische Bibel betrachtet wird, miteinander verbindet, dann liegt es nahe zu überlegen, ob Tora nur in Verbindung mit Mose zu sehen ist oder ob unter Tora doch nicht eher die Gesamtheit aller von Allah geoffenbarten Schriften an alle Gesandten in der Zeit vor dem Evangelium Jesu (siehe etwa 5:46) und nach Abraham liegt (siehe 3:65).

Ich bin gespannt auf eure Meinung zu dieser Frage.

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Selam Dir. Danke für die aufschlussreichen Informationen.

Ergänzend möchte auf folgenden Vers hinweisen:

62:5 Das Gleichnis derjenigen, denen die Thora auferlegt wurde, die sie aber hierauf doch nicht getragen haben, ist das eines Esels, der Bücher trägt. Schlimm ist das Gleichnis der Leute, die Allahs Zeichen für Lüge erklären. Und Allah leitet das ungerechte Volk nicht recht.
Bubenheim

Ein wunderschönes Gleichnis: Der Esel, der selbst nicht den Inhalt der Bücher kennt, die er unnötig trägt und der den rechten Weg trotzdem nicht finden wird.

Tatsächlich sind es überwiegend die Talmud-Bücher, die sich in zwei Teile gliedern, der älteren Mischna und der jüngeren Gemara (womöglich „fabrikmäßig hergestellt“ aufgrund der in 2:67-71 erwähnten Besessenheit), die die tatsächliche Botschaft der Tora (offenbart nach der Zeit von Abraham bzw. Jakob, vgl. 3:65; 3:93 insbes. für die Kinder Israels, vgl. 5:44) verderben und damit verbunden auch eien unnötige und nutzlose Last sind.

Mehr über Talmud: Talmud – Wikipedia

Auch interessant die neuesten Forschungen, die Abweichungen der Texte feststellen:

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Frieden @OASE !

Du schreibst:

Ich habe hier eine Genfer Studienbibel bei mir, wo 40 Profs und Gelehrte die Tora für authentisch halten und 80 Millionen Evangelikale allein in den USA (Brasilien und andere Länder lasse ich noch raus :wink: )

Wie die Tora genau entstanden ist, kann keiner mehr nachvollziehen, genau wie beim Koran. Wichtig ist für Muslime, dass der Koran des 7. Jahrhunderts die Tora für authentisch erklärt und somit auch heute genauso heilig ist wie der Koran. Wer das leugnet kann schlichtweg den Koran nicht halten. Das Evangelium hat bis zum Jüngsten Tag Bestand, es steht:

3:55. Als Gott sagte: „O Jesus, Ich werde dich (nunmehr) abberufen und dich zu mir
emporheben und dich von denen, die ungläubig sind, reinigen und diejenigen, die dir
folgen, bis zum Tag der Auferstehung über diejenigen stellen
, die ungläubig sind.

Das Evangelium ohne Tora ist undenkbar (nur 1 Bsp):

Mt 5,18 Amen, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.

Es gibt noch viele Verse die man aus dem Koran oder der Bibel anführen könnte (zB 3:93, 5:66-68) aber ich denke dass das dann so schon geklärt ist.

Das spielt keine Rolle. Die Tora kündigt nach Mose weitere Propheten an und diese dürfen natürlich im Namen Mose weiter offenbaren und ändern, wenn der Allmächtige das verfügt.

Das ist theologisch verkehrt. Die Schöpfungsgeschichten sind bei beiden Fällen nicht naturwissenschaftlich zu verstehen, vielmehr wird dort Theologie verkündet. Diese Texte werden über die ganze Bibel behandelt und theologisch in Anwendung gebracht.

Auch das ist verkehrt. Jeder Mensch auf dieser Welt weiß dass Mose die Tora bekommen hat, das bestätigt die Tora selbst!

Der Koran erwartet von dir, dass du bei Fragen zu den Schriftbesitzern sie selber fragen sollst (16:43, 21:9). Frag mal einen Juden wer die Tora übermittelt hat, du kannst das auch gerne selbst beantworten.

Letzten Endes ist zu sagen, ist die Tora verfälscht, dann auch automatisch der Koran. Man lese mal die Verse mit Bezug zur Tora im Koran und denke dabei durchgehend sie sei verfälscht - man kommt keine 5 Verse weit.

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Hats Du Dich mal mit dem Talmud beschäftigt? Ich finde das ehrlich gesagt ziemlicn spannend und gar keine nutzlose Last. Die Mishna wird ja auch als die mündliche Torah bezeichnet, also könnte auch sie im Koran gemeint sein, wenn sie im positoven Sinne erwahnt wird.
Dass Moses die Torah nicht geschrieben hat, scheint mir ziemlich klar, sowie auch Jesus die Evangelien nicht geschrieben hat; über den Wahrheitsgehalt ist damit aber noch nichgs gesagt.

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Hallo Regine, ich hat mich „mal“ mit dem Talmud beschäftigt und respektiere deine Ansicht, dass du es ziemlich spannend findest und nicht als nutzlose Last ansiehst.

(Was denkst du über den Koran?)

Update: Meine Frage habe ich nun in Klammern gesetzt, weil diese Frage keine Themenrelevanz zum Beitrag von @OASE hat und zum Schwerpunkt dieses Beitrags nicht passend ist.

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Das ist jetzt eine ziemlich allgemeine Frage und ich weiss nicht genau, worauf Du hinaus willst. Für mich sind der Koran Worte, zu denen Gott mich geführt hat, um mich herauszufordern, mir immer neue Wege zu zeigen, mir eine Perspektive zu geben. Aber da Gottes Worte unendlich sind, muss ich micht nicht darauf beschränken, sondern lasse mich von Gott zu immer wieder neuen Anregungen leiten, die ich gern aufnehme. Die koranische Perspektive ist dabei der Ausgangspunkt, der Maßstab; andere Texte können eine Erweiterung sein, wobei es nicht um Vorschriften, sondern um Erkenntnis geht.

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Friede alle zusammen!

In den vergangenen Wochen habe ich mich noch einmal etwas intensiver mit der Frage „Was bedeutet Tora?“ beschäftigt.

Wie ich schon erwähnt habe, wird an 18 Stellen im Quran die Tora (التوراة) genannt, allerdings nie in Verbindung mit dem Namen eines Gesandten.

Die Offenbarung Allahs an Abraham wird im Quran صحف Suhuf / Schriftblätter, Seiten genannt (87:19).

Nach Abraham gab es التوراة Tora / das Gesetz (3:65). Mose wurde von Allah laut Quran ebenfalls صحف Suhuf gegeben, aber auch الفرقان Al-Furqān / Unterscheidungskriterium und الكياب Al-Kitāb / das Buch. Dass es hinsichtlich der Offenbarung an Mose drei Namen gibt, kann man meines Erachtens dahingehend verstehen, dass entweder die صحف Suhuf Abrahams verlorengegangen respektive in Vergessenheit geraten waren und deshalb Mose erneut geoffenbart wurden oder dass sie nur noch teilweise oder aber auch ganz vorhanden waren, nun jedoch ergänzt wurden und ein komplettes Buch (الكياب Al-Kitāb) bildeten, das das Unterscheidungskriterium zwischen Wahrheit und Unwahrheit (الفرقان Al-Furqān) in ausführlicherer Form als bei Abraham darlegte.

In diesem Zusammenhang halte ich es für angebracht, auf die sogenannten Noachidischen Gebote hinzuweisen, worunter im Judentum die folgenden sieben etwa im Talmudtraktat Sanhedrin 56a/b und von Maimonides im religionsgesetzlichen Kodex Hilchot Melachim (9,1) definierten Anweisungen Allahs verstanden werden, die für alle Menschen Geltung haben sollen:

das Verbot des Götzendienstes, das Verbot der Gotteslästerung, das Gebot der Rechtspflege durch Schaffung von Gerichten, das Verbot des Mordens, das Verbot des Ehebruchs, das Verbot des Diebstahls und das Verbot des Blutgenusses.

Maimonides schreibt, dass die ersten sechs Gebote schon Adam bekommen hatte und es erst Noah verboten wurde, etwas von einem noch lebenden Tier zu essen. In der Genesis heißt es diesbezüglich im Kapitel 9 Verse 3-4: „Alles, was sich regt und lebt, soll euch zur Nahrung dienen. Das alles übergebe ICH euch wie die grünen Pflanzen. Nur Fleisch mit seinem Leben, seinem Blut, dürft ihr nicht essen.“

In Genesis 6:18 ist von einem Bund die Rede, den Allah dem Noah vor der Flut verheißt und nach der Sintflut erfüllt (Genesis 9:9) und der durch die genannten Noachidischen Gebote eine Art rechtliche Beziehung zwischen Allah und dem Menschen schafft. Danach erfolgte eine nochmalige Erweiterung in Form der Zehn Gebote, die Mose erhielt. Und später kamen noch weitere Anweisungen hinzu. . In Maleachi 3:22 (al. 4:4) heißt es: „Denkt an das Gesetz des Mose, MEINES Dieners, das ICH ihm für ganz Israel am Berg Horeb [d. h. am Berg Sinai] aufgetragen habe, samt den Geboten und Rechten.“ Und bei Jesaja 42:21 lesen wir: „Der Herrn wollte um SEINER Gerechtigkeit willen, dass ER SEIN Gesetz (Tora) herrlich und ausgedehnt mache.“

Nach 1. Könige 2:3 (ähnlich auch in 1. Chronik 22:13) wies König David kurz vor seinem Tod [also um 970 v. Chr.] seinen Sohn Salomon an: „Erfülle deine Pflicht gegen Jahwe, deinen Gott: Geh auf seinen Wegen und bewahre all SEINE Satzungen, Gebote, Rechtsentscheide und Bundeszeugnisse, die im Gesetz des Mose niedergeschrieben sind.“ Demgemäß muss zur Zeit Davids schon eine relativ umfangreiche Gesetzessammlung (Tora) vorgelegen haben. Josua richtete an sein Volk die in Kapitel 23:6 aufgeführten Worte: „Haltet aber immer daran fest, alles zu beachten und zu tun, was im Gesetzbuch des Mose geschrieben steht; weicht nicht nach rechts oder links davon ab!“

Diese Verse informieren uns zwar nicht darüber, welchen Umfang die damalige Tora hatte, aber es geht aus ihnen hervor, dass es sich um Gesetzesbestimmungen und nicht um eine Erzählung handelt, weil man ja tun soll, was im Gesetzbuch des Mose geschrieben steht, und nicht nach rechts oder links davon abweichen soll. Das hebräische Wort תּוֹרָה tôrāh Tora bedeutet ja „Lehre“, „Unterweisung“, „Regel“ oder „Gesetz“.

Aus all dem Erwähnten können wir folgern, dass die Tora eine einzige Gesetzgebung Allahs mit verbindlichen Urteilen und Vorschriften bildet, die sich allmählich entwickelt und im Quran ihre Bestätigung und ihren Abschluss gefunden hat. Entsprechend heißt es im Quran in 5:3: „… Heute habe ICH für euch euer religiöses Gesetz (دينكم dinakum) vervollkommnend vollendet …“.

Und weiterhin können wir folgern, dass aus diesem Grund an 18 Stellen im Quran die Tora (التوراة ) genannt wird, ohne in Verbindung mit dem Namen eines Gesandten gesetzt zu werden.

Das arabische Äquivalent für das hebräische Wort תּוֹרָה tôrāh Tora ist حكم ḥukm. Die Verse, die حكم ḥukm enthalten, werden im Quran محكمات muḥkamāt genannt. Zu diesem Thema poste ich unter gleichem Datum einen Artikel mit dem Titel „MUḤKAMĀT- UND MUTAŠĀBIHĀT-VERSE (آيات محكمات وآيات متشابهات )“.

Salām und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Eine Explosion an neuen Informationen an diesem Wochenende. Vielen lieben Dank @OASE.

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Hoffentlich ist niemand verletzt! :smiley:

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:grinning: Wie sagte der berühmte franz. Schriftsteller Émile Édouard Charles Antoine Zola…

Wenn man die Wahrheit verschließt
und in den Boden vergräbt,
dann wird sie nur wachsen
und so viel explosive Kraft ansammeln,
dass sie an dem Tag, an dem sie durchbricht,
alles, was ihr im Wege steht, fortfegt.

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Ich habe bisschen Schwierigkeiten zu verstehen. Eine einzige Gesetzgebung für die Menschheit oder für eine bestimmte Personengruppe?

Update: Ok. Jetzt geklärt. :grinning:

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Frieden @OASE

Der Koran erklärt kar, dass Gottes Schriften nicht geändert werden können (6:115) Abrahams Schriften können deswegen nicht verloren gegangen sein. Der Koran trennt in 5:66 und 68 Tora, Evangelium und Koran. Die Tora erwähnt Mose erst ab Exodus, nicht vorher. Damit kannst du dann wissen, dass Mose die Schriften Abrahams in die Tora mit einbaute. Sie dann gleichzeitig die „Bücher Mose“ und „die Schriften Abrahams“ sind. Sie überschneiden sich nur, bleiben aber getrennt.

Das ist theologisch nicht vertretbar. Der Koran schließt nicht ab. Er lässt eine Tür offen mit 3:81. Damit können auch nach dem Koran Bücher kommen, sofern sie mit dem Koran und der Bibel vereinbar sind (zB Sikhismus). Die Tora ist für sich selbst eine „Klärung aller Dinge“ (6:154) / „furqan“, der Koran bildet nicht ihren Abschluss. Juden urteilen nach der Tora (5:43), nicht nach dem Koran, auch wenn sie an den Koran glauben müssen. Der Koran gibt Erleichterungen für die Schriftbesitzer, diese stehen für Juden/Christen als Möglichkeit offen. Gleichzeitig müssen wir als Muslime auch die Bibel als Referenz nutzen.

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