Was ist das?


Kann mir jemand verraten was diese in Klammern gesetzte Zahl hinter der Vers Angabe soll? Hier handelt es sich übrigens um Verse aus der zwanzigsten Sure, wenn das evtl. wichtig ist.

Hallo Np07!

Vielleicht hast du die Übersetzung von Max Henning? Er hat nämlich die beiden Arten der Verszählung miteinander kombiniert. Er weist auch in seinem Vorwort darauf hin.

In den Anfangszeiten der Quran-Ausgaben gab es zwei Verszählungen: die der Gelehrten in Kufa und die der Gelehrten in Basra. Die Gesamtzahl der Verse nach basrensischer Zählung ist geringer als die der kufischen Verszählung. In der uns heute vorliegenden allgemein benutzten Quran-Ausgabe (Mushaf), bei der es sich um die aus dem Jahr 1924 stammende Kairoer Ausgabe mit standardisierter Orthografie handelt, ist die Grundlage der Verszählung die der kufischen Verszählung mit 6.236 Versen.

Salaam und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Danke Gunnar. Da du dich sehr gut auszukennen scheinst, wollte ich fragen wie du zu dieser Übersetzung stehst. Am Anfang habe ich sie als sehr gut empfunden, vorallem wegen kleinen Fußnoten welche ein Wort genauer erklären. Aber genau deswegen denke ich dass es besser wäre sich eine neue zu besorgen da viele Dingen aus dem Sekten-Islam in diese Fußnoten mit eingemischt sind

Hallo Np07

Vor dem gleichen „problem“ Stande ich auch mal …es ist schön das sich Übersetzer die Mühe machen Fußnoten zur Erklärung u geben aber meistens ist das ihre persönliche oder beigebracht Meinungseit der Kindheit…
Deswegen habe ich geguckt das ich eine Übersetzung eines Nicht-Muslimen suche und bin auf Hartmut Bobzin gestoßen
(Hier auch ein geführtes Interview mit ihm
Deutschland: „Manche Stellen habe ich ungern übersetzt“ - FOCUS Online )
Und seine Ausgabe und dazu noch 1-2 andere zum Vergleich machen Spaß zu lesen :+1:

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Hallo Np07,

falls es stimmt, dass du die Ausgabe von Max Henning meinst, so stehe ich zu dieser Übersetzung dahingehend, dass ich sie relativ gut finde. Da bin ich vielleicht auch ein bisschen persönlich beeinflusst dadurch, dass diese Übersetzung die erste Übersetzung war, die ich noch vor der Annahme des Islam als meine Religion gelesen habe. Seine Anmerkungen sind zwar zuweilen von seinem christlichen Glauben geprägt, aber gerade seine Verweise auf biblische Quellen und auch seine sonstigen in Fußnoten gemachten Angaben finde ich doch recht nützlich und interessant.

Auch seine häufigen Querverweise zu anderen Versen im Quran halte ich für sehr gut, denn dadurch wird der Leser angeregt, sich daran zu gewöhnen, dass man den Quran als Ganzes betrachten muss und oft einen Sachverhalt nicht nur aus einem isolierten Vers erschließen kann. Zudem berücksichtigt er, dass viele Wörter mehrdeutig sind, und weist deshalb in seinen Fußnoten darauf hin, dass es auch andere Interpretationsmöglichkeiten gibt, was den ernsthaft interessierten Leser wiederum dazu anregt, sich mit diesem „Problem“ auseinanderzusetzen.

Hennings Übersetzung trifft in der Literatur allgemein auf viel Anerkennung. Murad Hofmann, der Hennings aus dem Jahr 1901 stammende Übersetzung revidierte, schreibt beispielsweise in seiner Einführung: „Hennings Versuch war der bis dahin weitaus gelungenste - von bewunderter Nähe zum Original.“ Das sehe ich auch so. Besonders Hennings Bemühen um getreue Wiedergabe des arabischen Textes, und zwar in struktureller respektive syntaktischer und auch stilistischer Hinsicht finde ich höchst anerkennenswert. Natürlich ist hier anzumerken, dass auf Grund des Entstehungszeitpunktes in Hennings Übersetzung in dieser zuweilen Wörter oder Begriffe auftauchen, die in der heutigen deutschen Sprache als veraltet angesehen werden und teilweise auch gar nicht mehr benutzt werden (was ich übrigens sehr schade finde, weil durch diesen „Sprachverlust“ auch ein Stück Kultur verloren geht). Dies (veraltete Wörter) trifft übrigens ebenfalls auf die Übersetzung von Lazarus Goldschmidt zu, die aus dem Jahr 1916 stammt. Vorteilhaft finde ich auch in Goldschmidts Übersetzung, dass sie an Worttreue orientiert ist, weshalb ich sie häufig zu Rate ziehe.

Ein weiterer (persönlicher) Pluspunkt für Max Henning besteht darin, dass er den Namen Allah nicht mit „Gott“ übersetzt. Meine Meinung zu diesem Thema habe ich ja schon in meinem Artikel Fatiha dargelegt. Im Großen und Ganzen kann ich also als Fazit sagen, dass der gute Max mir doch recht ans Herz gewachsen ist. :slightly_smiling_face:

Eine von mir sehr oft benutzte Übersetzung ist auch die von Muhammad Asad, wobei mich insbesondere weniger seine eigentliche Übersetzung, sondern seine zahlreichen und oft umfangreichen Anmerkungen interessieren, die häufig von spirituellen Aspekten beeinflusst sind, was wiederum meiner persönlichen Herangehensweise an den Quran sehr entgegenkommt.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich in meinen Übersetzungen von Texten oder in von mir verfassten Artikeln beim Zitieren von Quran-Versen diese stets selbst übersetze, was nicht ausschließt, dass ich auch einen Blick in bereits gefertigte Übersetzungen werfe.

Salaam und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Sehr Wissenswert dass Henning vor so vielen Jahren lebte. Und noch eine persönliche Frage. Verabschiedest du dich mit Selam und Shalom weil du vielleicht einmal Jude warst, oder wünscht du uns gleich doppelt Frieden?

Bis dahin eine gesegnete Zeit

Nein, ich war kein Jude, aber sprachlich gesehen sind sich Salaam und Schalom doch sehr ähnlich. Der Name Salomo oder Salomon oder Sulaiman lautet im Hebräischen übrigens Schelomo und ist in linguistischer Hinsicht auf dieselbe hebräische Sprachwurzel wie Schalom zurückzuführen. Und da der König Salomo im Quran immerhin 17 Mal erwähnt wird, ist ja um mehrere Ecken das Schalom auch im Quran enthalten. :slightly_smiling_face:

Zudem gefällt mir der Wortklang. Das Wort endet auf -om, und das Om wiederum hat eine spezielle Bedeutung im Hinduismus und Buddhismus, auch in Verbindung mit Meditation.

Das von dir ins Spiel gebrachte doppelte Wünschen von Frieden ist allerdings auch keine schlechte Idee! :slightly_smiling_face: Doppelt hält eben besser!

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Vielen Dank dass ihr mir einen neuen Übersetzer „beschert“ habt. Habe den Max noch gar nicht gekannt. Es gibt ab und zu Mitmenschen, teilweise auch Andersgläubige, die mich nach einem guten Übersetzer fragen. Jetzt weiß ich ja wen ich ihnen empfehlen kann :nerd_face:

Selam

Friede Ahmet!

Ja, besonders für Christen, die sich für den Islam interessieren, dürfte unser Max zu empfehlen sein, weil es eben in seiner Übersetzung in vielen Fußnoten Hinweise auf Bibelstellen gibt. Zudem stammt er ja auch aus ihren Reihen.

Ich möchte aber darauf hinweisen, dass ich die „alte“ Übersetzung von Max meine, denn Murad Hofmann hat ja Ende des vergangenen Jahrhunderts eine „Überarbeitung“ der Übersetzung vorgenommen und die von mir erwähnten Fußnoten von Max leider nicht übernommen und meines Erachtens an einigen Stellen auch ein bisschen zu viel „überarbeitet“. Ich betrachte die „Überarbeitung“ Hofmanns nicht als Übersetzung Hennings, sondern eben als Hofmanns Übersetzung.

Salaam und Schalom!
Gunnar :green_heart:

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Sehr kompetente Informationen. Vielen Dank Dir.

Hallo Sue!

Welche Übersetzungen bevorzugst du denn? Und aus welchen Gründen?

Im Allgemeinen denke ich, dass es aus verschiedenen Gründen schwierig ist, den Quran „objektiv“ und wortgetreu zu übersetzen.

Da wird man ja zunächst von seinen Überzeugungen und Denkrichtungen beeinflusst.

Und dann gibt es das Problem Semantik, will sagen, es ist oft gar nicht so einfach, definitiv festzustellen, was im Quran stehende arabische Wörter mit ihren oft zahlreichen Bedeutungen im jeweiligen Kontext wirklich bedeuten - ganz zu schweigen von den verschiedenen Möglichkeiten der Vokalisierung der Konsonanten und der damit verbundenen unterschiedlichen Sinngebung. Das betrifft nicht nur die konkrete Bedeutung eines Wortes und die Analyse der Wurzelkonsonanten im Hinblick auf die damalige Zeit, zumal ja etwa das verbreitetste arabische Wörterbuch Lisānu-l-ʿArab لسان العرب erst im 13. Jahrhundert entstanden ist und sich zudem auf viele Hadithe und auf Quellen früherer Lexikografen aus dem 11. und 12. Jahrhundert stützt, weshalb ich dieses Werk nur mit sehr großer Zurückhaltung und Vorsicht benutze. Das betrifft ebenso das Beachten des Kontextes und des Geistes des Quran insgesamt.

Zudem besteht meines Erachtens bei einer Kommunikation immer das Problem der richtigen Einschätzung der Intention eines Senders durch den Rezipienten. Das betrifft selbstverständlich auch die Intention des Senders Allah, wobei wir dann auch beim Thema Texttreue sind. Im Alten Testament heißt es beim Propheten Jeremia 23:29: „Ist Mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?“

In diesem Zusammenhang ist es sicher auch sinnvoll zu erwähnen, dass uns der Quran informiert, dass es muhkamat-Verse und mutaschabihat-Verse gibt, vereinfacht gesagt also eindeutige und mehrdeutige Verse, wobei letztere auf eine gewisse „Offenheit“ des Quran hindeuten.

Kurzum: Quran-Übersetzung ist ein schwieriges Unterfangen und ein sehr komplexes Thema. Wenn ich einen Vers übersetze, dann ist das deshalb immer eine Momentaufnahme meines jeweiligen Kenntnisstandes, weshalb ich stets offen dafür bin, bereits übersetzte Verse noch einmal zu überdenken und eventualiter zu korrigieren.

Salaam und Schalom!
Gunnar :green_heart:

Schalom Gunnar.

Ich schließe mich deinen Ausführungen voll und ganz an.

Die Beschäftigung mit dem Koran sollte kein punktuelles Ereignis sein, sondern vielmehr ein dynamischer Vorgang sein, der möglichst das ganze Leben eines Einzelnen begleiten sollte.

Das schließt ein, dass der Einzelne stets offen ist, bereits übersetzte Texte zu überdenken. Letztendlich sind wir alle auf der Suche nach der Wahrheit.

Erschwerend aber doch auf irgendeine Art und Weise bereichernd war für mich persönlich, dass ich fast über 20 Jahre lang Sunitismus (Gazali, Imami Rabbani, Seyyid Kutub, Buhari usw., die mittlerweile alle im Keller gelandet sind und dort verstauben mit vielen anderen Büchern aus meinem Lebensabschnitt) praktiziert habe. Erst einige persönliche Schicksalsereignisse, die sich kurz vor meinem 39. Lebensalter verwirklicht haben, brachten mich dazu, alle Schablonen zu hinterfragen, zu brechen und neu zu überdenken.

Nebenbei möchte ich sagen, dass ich dieses Forum gerne besuche und besonders deine Kommentare durchlese. Schade finde ich nur, dass das Forum nicht sehr oft besucht wird.

Ich bevorzuge bei meinem täglichen Salā gegenwärtig diese Übersetzungen:

Primär:

Kur’an-ı Kerim Gerçek
Ali Rıza Safa
Türkisch

Edip Yüksel
Mesaj: Kuran Çevirisi
Türkisch

Muhammed Esed
Kur’an Mesajı
Türkisch

Süleymaniye Vakfı
Süleymaniye Vakfı Meali
Türkisch

Diyanet İşleri
Kur’an-ı Kerim Türkçe Meali
Türkisch

Hakkı Yılmaz
İşte Kuran
Türkisch

The Monotheist Group
The Quran: A Monotheist Translation
Englisch

Rashad Khalifa
The Final Testament
Englisch

Amir M. A. Zaidan
At-tafsir
Deutsch

Sam Gerrans
The Qur’an: A Complete Revelation
Englisch

Koran
Bubenheim
Deutsch

Sekundär:
Seyyed Hossein Nasr
The Study Quran

Gordon D. Nickel
The Quran with Christian Commentary
Englisch

İhsan Eliaçık
Yaşayan Kuran
Türkisch

İsmail Dinçer
Tevhîd-i Kur’ân Meâli
Türkisch

Neben dem Tafsir al-Tabari von At-Tabarī (und manchmal auch Mustafa İslamoğlu) finde ich auch die Datenbank über die sumerische Sprache von der University of Pennsylvania Museum sehr hilfreich in Bezug auf Recherche einiger Wortwurzel. Ebenso förderlich ist auch das Corpus Coranicum Projekt in Berlin-Brandenburg.

In Bezug auf die syro-aramäische Lesart des Korans finde ich übrigens das Buch von Luxenberg sehr spannend.

Verschiedene Bücher der Wissenschaftler Mehmet Okuyan (seine Koranübersetzung wird vielleicht nächstes Jahr nach über zehn Jahren Arbeit veröffentlicht werden) und Caner Taslaman aus der Türkei finden bei mir Anerkennung.

Hallo lieber Sue,

„die Wahrheit“ ist allein bei Gott. Als Mensch kann niemand „die“ Wahrheit finden aus dem einfachen Grund heraus, dass Menschen nur empirische Wesen sind und dementsprechend ihre Umwelt für sie nur teilweise zugänglich ist. Angenommen ein Engel kommt zu dir, so muss es dennoch nicht „die Wahrheit“ sein. Denn laut Bibel kann das auch ein „Lügengeist“ sein. Du bist nur ein Mensch und deine Wahrnehmungsfähigkeiten sind begrenzt. Aber glauben kannst du. Und darauf kommt es ja an, woran du glaubst und nicht was du weißt.

Lieber Eddy.

Auch hier will ich ein bisschen von meiner Lebenszeit für dich opfern:

Dein Zitat:
„„Die Wahrheit“ ist allein bei Gott.“

Meine Antwort:
Habe ich das bestritten?


Dein Zitat:
„Als Mensch kann niemand „die“ Wahrheit finden…“

Meine Antwort:
Falsch. Gott hat uns auf verschiedene Art und Weise seine Zeichen herabgesandt. Es bleibt uns überlassen, ob wir diese Zeichen sehen und anerkennen, oder nicht.


Dein Zitat:
„aus dem einfachen Grund heraus, dass Menschen nur empirische Wesen sind und dementsprechend ihre Umwelt für sie nur teilweise zugänglich ist.“

Antwort:
Falsch. Menschen sind nicht NUR empirische Wesen. Es gibt noch so etwas wie Logik. Schon mal was davon gehört? Ich nehme an, dass du weisst was logisches Denken ist, oder?

Lekum dinukum ve liye din.

Es ging darum dass DU nicht die Wahrheit finden kannst. Du kannst nur an sie glauben. Vergiss nicht: du bist nicht Gott, sondern nur ein Mensch.

Nein falsch. Du kannst an deine eigene Wahrheit glauben, diese Wahrheit kann sich dann im besten Falle mit den Interessen Gottes decken, mehr kriegst du nicht als Mensch. Du müsstest schon allwissend sein um das hinzubekommen.

Deine Logik basiert auf Erfahrung. :wink:

Empirisch, damit also keine Mathematik, keine Logik ???

Interessante Schutzbehauptung. Kannte ich bisher nicht in dieser Form :grinning:.

:sweat_smile: :joy: :joy: :joy: NEIN?!