Wie drückt sich Euer Glaube in Eurem Leben aus?

Salamunalaikum wa rahmatullah,
die Frage steht ja oben. Damit meine ich unspezifisch alles. Wie lebt Ihr? Welche Kontakte pflegt Ihr? Seht Ihr Euch eingeschränkt? Haltet Ihr Euch immer an die Religion?

Ich bin gespannt!

Salaamun alaik, Ahmad,

um alle Einzelfragen der unspezifisch gemeinten Thema-Frage zu beantworten, müsste ich ja eigentlich eine Biografie schreiben. :slightly_smiling_face: Dazu fehlt mir aber momentan die Zeit. Deshalb möchte ich erst einmal - wie das üblich sein sollte, wenn man über einen bestimmten Terminus spricht -, darlegen, was ich unter dem Begriff „Glaube“ verstehe.

Das arabische Wort إيمان iman bedeutet تصديق tasdiq, was man mit „das Halten für glaubwürdig und wahr sowie zustimmendes Bestätigen“ umschreiben kann und in diesem Sinne Glaube bedeutet. Im Quran finden wir Hinweise, dass ein مؤمن Mu´min nicht das Gleiche ist wie مسلم Muslim. Siehe Sure 49:14-15! Auf der Basis dieser beiden Verse übersetze ich deshalb إيمان iman nicht einfach mit Glaube, sondern immer mit „verinnerlichter Glaube“.

Auf deine Fragen „Wie lebt ihr?“ und „Welche Kontakte pflegt ihr?“ möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen. Erstens sind sie mir zu komplex und zweitens betreffen sie meinen Privatbereich, den ich in diesem Forum nicht ausbreiten möchte. Damit schließe ich indes nicht aus, dass du mich unter meiner privaten E-Mail-Adresse kontaktieren und mit mir über diese Fragen sprechen kannst.

Damit komme ich zur Frage „Seht ihr euch eingeschränkt?“. Meine klare Antwort: Nein! Sonst hätte ich ja nicht den Islam als meine Religion angenommen. Der Islam bietet einen Rahmen für meine Lebensführung, der mir genug Bewegungsfreiraum und ausreichend Entscheidungsfreiheit bietet.

„Haltet ihr euch immer an die Religion?“ Zu einem klaren Ja kann ich mich nicht durchringen. Nicht, weil ich das nicht wollte. Ganz im Gegenteil! Ich will mich an die Religion halten, sonst wäre ich ja in meiner Annahme des Islam nicht konsequent. Vielmehr sehe ich das Problem darin, dass ich mir nicht immer sicher bin, ob ich das, was ich im Quran lese, richtig verstehe respektive interpretiere. Ich bin sozusagen auf der ständigen Suche nach der Wahrheit, wobei ich mir dessen bewusst bin, dass ich die absolute Wahrheit ob meiner Unvollkommenheit nicht finden kann. Aber ich versuche eben, der Wahrheit möglichst nahe zu kommen. Da ich mir dabei zuweilen Unterstützung und das Erlangen von immer mehr Wissen und neue Ideen und Gedanken auch von Anderen wünsche, beteilige ich mich ja an diesem Forum.

Salaam
Hasan :green_heart:

Danke für Deine Antwort.

Ich schließe daraus, dass Du also diesbezüglich mit Dir im Reinen bist?

Ich schließe daraus für mich, dass ich mit mir im Reinen bin, was die Tatsache betrifft, dass ich Muslim bin. Ich bin mit mir aber noch nicht im Reinen, was die Frage betrifft, ob ich den Quran in allen Punkten richtig verstehe und in die Praxis umsetze.

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Da wird es im Diesseits halt auch keine Antwort geben.

So absolut sehe ich das nicht.

Ich habe im Laufe der vergangenen Jahre einige Praktiken geändert und bin mit mir im Reinen, dass meine neue Handlungsweise besser und „authentischer“ ist als die abgelegte. Ich bin mir auch sicher, dass Allah mein Bemühen anerkennt, selbst wenn dieses Bemühen ungewollt und unwissentlich zu einer Fehlinterpretation geführt hat.

Die Schwierigkeit liegt für mich lediglich darin, dass es im Quran Wörter und Formulierungen gibt, die man unter linguistischem Aspekt unterschiedlich und vielfältig interpretieren kann, so dass man meinen könnte, dass es nicht immer nur eine Wahrheit gibt, sondern viele. Deshalb toleriere ich auch andere Auffassungen, selbst wenn ich sie nicht immer geistig nachvollziehen kann. Und deshalb frage ich auch stets nach anderen Ansichten, wobei ich offen bin, eventuell eine meiner eigenen Ansichten zu ändern.

Dass oft ein Restzweifel bleibt, ob ich denn nun der Wahrheit näher gekommen bin und ob ich in diesem Punkt mit mir im Reinen sein kann, hat immerhin den für mich als positiv eingestuften Nebenaspekt, dass ich das Weiterforschen und Überdenken anderer Ansichten nicht aufgebe.

Was für Praktiken hast Du geändert?

Dinge, die im Zusammenhang mit den Begriffen صلاة und شهر رمضان im Zusammenhang stehen. Hinsichtlich des Monats Ramadan habe ich ja bereits einen Thread initiiert.

Ach so das meinst Du. Wie kam es dazu?

Es kam dazu, weil ich mich nach jahrelangem Pennen endlich dazu entschlossen hatte, meinen eigenen Verstand zu nutzen - wie es der Quran fordert - und nicht als Papagei und Roboter zu leben sowie mich mit von Anderen dargelegten Deutungsmöglichkeiten intellektuell zu beschäftigen. Und dass es dazu gekommen ist, dafür bin ich Allah unendlich dankbar.

Erlaube mir bitte eine Gegenfrage: Wie drückt sich denn dein Glaube in deinem Leben aus?

Interessante Frage. Und schön, dass du hier etwas positives beginnst.
Der Glaube drückt sich in erster Linie durch einen Glauben und Gedenken an den einen Gott aus.
Ich versuche mich in erster Linie nur an den Koran zu halten. Und manchmal überrascht es mich zu sehen, dass ich jahrelang an einen Hadith geglaubt hatte, von dem ich dachte, es stünde im Koran. Aber man lernt ja das ganze Leben hinzu.
Meine Kontakte sind sehr gemischt. Liegt wohl auch daran, dass es in meiner Gegen nicht so viele Moslems gibt. Aber es ist sehr interessant, andere Sichtweisen kennen zu lernen. Erst so bemerkte ich, dass der ein oder andere bekennende Atheist wohl doch kein strenger Atheist und etwas Glaube in ihm vorhanden ist.
Ob man sich immer an die Religion hält? Ich glaube, das macht niemand. Kein Mensch ist perfekt. Und ich glaube, darum geht es auch gar nicht. Es ist wichtig, dass man an Gott glaubt und sein bestes gibt.

Du stellst eine sehr interessante Frage.
Ich lebe als Gläubiger nicht so viel anders, als ich leben würde, wenn ich nicht an Gott glaubte.
Wäre ich keine Muslimin würde ich Schweinefleisch essen und ab und zu ein Glas Rotwein trinken.
Würde ich nicht an die Führungen von Gott glauben, wäre ich nicht zum Islam konvertiert. Ich war vor 5 Jahren nicht auf der Suche nach einer neuen Religion.
Ich pflege viele Kontakte zu jungen Menschen, die aus den unterschiedlichsten Religionen kommen und Atheisten sind auch darunter.
Meine Moralvorstellungen haben sich nicht geändert, ganz gleich ob als Christin, als Atheistin oder als Muslimin.
Ich halte mich nicht an alle Regeln, aber doch an die meisten, denke ich wenigstens.

Ich vertrete die Mienug, dass der Glaube sich dadurch ausdrückt, dass man immer nach bestem Gewissen und Wissen handelt. Das ist für mich auch die Quintessenz des Koran.

Danke für Deine Antwort. Du bis t also seit 5 Jahren beim Islam angekommen?

Danke für Deine Antwort.
Du hast also vorher dem sunnitischen Islam angehört?

Das ist auch ein Thema, das das Rezipieren des Quran-Textes im Sinne des Mitteilenden betrifft. Ich halte es zum Beispiel auch für möglich, dass der absolute Monotheismus die Quintessenz des Quran bedeutet und sich sekundär auf dem Verstehen der den absoluten Monotheismus ausdrückenden Schahada und auf dem darauf basierenden Glauben das Handeln nach bestem Wissen um den absoluten Monotheismus und dann auf diesem Wissen das Handeln aufbaut.
Wie gesagt: Ich halte es für möglich.

Am 1. Mai 2015 habe ich begonnen, den Koran zu lesen, um herauszufinden, ob er wirklich so gefährlich sei, wie behauptet wurde. 5 Wochen später hatte ich den Koran komplett gelesen und noch eine Woche später bin ich konvertiert

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Mash a Allah :heart: Möge uns Allah alle rechtleiten !