Wie kann man sich für jugendliche Muslime einsetzen, die sich in der Öffentlichkeit schlecht verhalten?


#1

Frieden
Gestern sprach ich mit jemand, der in einer Stadt lebt und dort mit jungen Muslimen zu tun hat, die die Gegend unsicher machen.
Der Bruder berichtete von dem Lärm, den die Jugendlichen machen würden. Dann sprach er darüber, dass er eine Frau beobachtet hatte, die beim Anblick der Jugendlichen wieder ins Haus zurück gegangen war.
Er meinte, die Jugendlichen würden keinen Respekt für ihn zeigen. Er sehe sich außerstande einzugreifen.
Ich meinte, die islamische Gemeinde in der Gegend müsse sich um die Jugendlichen kümmern.
Habt ihr Vorschläge, was man machen könnte?


#2

Schwierig. Nur weil sie nominell Muslime sind, heißt es ja nicht, daß sie gläubig sind. Ich habe sogar mal von jemandem, der in der muslimischen Gefängnisseelsorge tätig ist, gehört, daß ein Gefangener, als er ihm erklärte, was Islam eigentlich bedeutet (nämlich höhere moralische Werte) meinte, dann will er kein Muslim sein.
Klar, wenn es um kriminelle Muslime geht, wird das gern auf den Islam zurückgeführt, und wenn sie auf jemanden hören, ist derjenige in der Verantwortung, sie zum besseren zu beeinflussen. Aber wenn das nicht der Fall ist, ist da vielleicht leider nichst zu machen.


#3

Auf mich wirken solche Antworten immer ein wenig lethargisch. Ich bin in der Flüchtlingshilfe tätig und da für viele jungen Menschen tätig. Ich greife auch bei Streitigkeiten ein. Die Kirchen haben das ins Leben gerufen. Sie kümmern sich um die Menschen, ganz gleich welcher Religion sie angehören und ganz gleich, ob sie gläubig sind. Ich gehörte zu den Leselernhelfern. Auch da sind häufig Kinder mit Migrationshintergrund. Viele junge und ältere Menschen haben sich da engagiert. Wenn ich unter Muslimen frage, was man machen kann, kommt wenig oder gar nichts. Ich wünsche mir, dass das anders wird


#4

Kein Zweifel, dass wir da Nachholbedarf haben. Ich finde das auch komisch, dass da von muslimischer Seite wenig bis gar nichts kommt. Hoffe das ändert sich bald…


#5

Ich habe mich mal mit der jüngeren Generation (ein paar Jungs) aus meiner altern Gegend unterhalten und auch auf gewisse islamische Werte hingewiesen / aufmerksam gemacht. Ein ziemlich lockeres, lustiges aber dennoch ernstes Gespräch geführt. Die Antwort war: Abi du hast Recht aber die Zeiten haben sich geändert / Abi ja klar aber…

Ich glaube, dass es in dem Alter sehr schwierig ist Zugang zu finden. Der eine oder andere wird bestimmt darüber nachdenken aber ein sofortiges Umsetzen etc. wird glaube ich, niemals statt finden. Es ist meiner Meinung nach eine Erziehungssache der Eltern oder die Jungs kommen irgendwann mal auf den Trichter.

Eine Organisation zu gründen und das professionell aufzuziehen ist der einzige Weg denke ich.


#6

Man kann es professionell aufziehen und man sollte es auch. Dann sehe ich seit 60 Jahren, wie die Kirchen sich engagieren. Das sollte uns doch zu denken geben. Warum sollten wir das nicht können. Nun noch etwas zu jungen Menschen. Jugendliche Rebellen sind mein Spezialgebiet. Die kann man ganz leicht auf seine Seite ziehen. Sie tun dann noch nicht, was man gerne hätte, aber sie haben Vertrauen und auf lange Sicht kann man etwas machen. Als erstes musst du jungen Menschen das Gefühl geben, dass du an ihnen interessiert bist. Das muss natürlich stimmen. Es darf nicht gespielt sein. Wenn junge Menschen wissen, dass du sie erst mal nimmst, wie sie sind, vertrauen sie dir. Dann kannst du auch was sagen. Ich habe noch nie die Erfahrung gemacht, dass junge Menschen das Gute nicht von dem Bösen unterscheiden konnten. Wenn du vom Guten redest, wissen sie, dass genau das erstrebenswert ist. Aber das Vertrauen in deine Freundlichkeit und an deine Uneigennützigkeit muss vorhanden sein.


#7

Dann ist noch etwas sehr wichtig. Wenn du es mit einer Gruppe zu tun hast, musst du denjenigen, den du erreichen möchtest, aus der Gruppe heraus lösen. Innerhalb der Gruppe hast du eigentlich keine Chance.


#8

Die Kirchen werden aber auch nicht für sämtliches Fehlverhalten von Jugendlichen mit im weitesten Sinne christlichem Hintergrund veantwortlich gemachtund können diese auch nicht unbedingt erreichen. Klar kann man sich auch als Muslim in der Jugendarbeit engagieren, und ich denke, viele Muslime tun das auch schon. Aber das Problem ist ja erst mal kein religiöses, das wollte ich sagen.


#9

Die Kirchen sehen es als religiöses Problem an, wenn Menschen am Rand der Gesellschaft leben und Probleme haben. Ich sehe das ähnlich. Ich sehe mich gefordert, wenn es Menschen gibt, denen es schlecht geht. Dem rechten Pack muss es ja auch recht schlecht gehen, sonst würden sie nicht so handeln. Mit denen habe ich so gewisse Probleme. Aber die jungen Menschen, die hier in Deutschland ausgegrenzt werden, würde ich gerne wieder zurück holen. Vielleicht nicht zurück in den Islam, aber zurück in die Gesellschaft, in die Mitte. Wären sie mitten in der Gesellschaft, würden sie sich nicht asozial verhalten. Aber es kann auch ganz andere Gründe haben. Ich habe es viel mit jungen Flüchtlingen zu tun. Sie sind meist ohne Eltern hier und sie sind gerne in Gesellschaft. Da gibt es, wie das bei Jugendlichen in dem Alter üblich ist, auch Streitigkeiten und die werden zuweilen lautstark in der Öffentlichkeit ausgetragen. Die sind nicht asozial, die sind nur ein wenig rücksichtslos, weil Lärm in ihren Ursprungsländern nicht unbedingt negativ gesehen wird. Wenn ich höre, dass sie abends gelärmt haben, dann sage ich was und das wirkt schon. Sie sind nicht böswillig


#10

Frieden,
evtl. bei Gesetzesverstoß oder Ordnungswidrigkeit die Polizei herbeirufen.


#11

Ich meinte, es ist kein religiös verursachtes Problem. Also nicht das, was Sarrazin gerade wieder im Interview mit Deutschlandfunk Kultur behauptete. Daß es Aufgabe auch von religiösen Menschen ist, andere in die Gesellschaft zu holen, da stimme ich Dir zu.


#12

Ich versuche, nichts von Sarrazin zu lesen oder zu hören. Er ist auch eine Schande für Deutschland


#13

Eigentlich hatte ich als Überschrift geschrieben: Was kann man gegen jugendliche Muslime tun…
Dann dachte ich, dass ich nichts gegen sie tun möchte. Das haben andere vor mir schon zu oft getan. Ich möchte etwas für sie tun. Ich erinnere mich an eine Sache, die sich letztes Jahr zugetragen hat. Ein junger Syrer rief mich an und erzählte mir, er sei auf offener Straße geschlagen worden. Ein anderer Syrer war einfach auf ihn zugekommen und hatte ihn erst dumm angemacht und dann geschlagen und zu Boden geworfen. Eine Gesichtshälfte war blutig. Ich wollte eigentlich eher Frieden stiften. Er war fürchterlich aufgebracht. Ich bin dann mit ihm zur Polizei. Er hat nicht mehr viel von der Sache gehört. Aber jetzt ist die Verhandlung für Oktober angesetzt. Nun möchte er dem anderen eigentlich nicht mehr schaden, obwohl es so schlimm für ihn war, aber es ist zu spät. Ich suche eher nach Möglichkeiten, Menschen zu helfen und Frieden zu stiften. Daraufhin war meine Frage gerichtet


#14

Die Beiträge zeigen, dass dieses Thema ein sehr komplexes ist. Ein allgemein gültiges Rezept für den Umgang mit Jugendlichen im Sinne von helfen und Frieden stiften wird es deshalb wohl auch kaum geben, insbesondere wenn man es mit verschiedenen Kulturkreisen zu tun hat.

Hinzu kommt, dass die religiöse Bildung auf sehr unterschiedlichem Niveau ist.

Man wird somit von Fall zu Fall individuell entscheiden müssen, wie man helfen kann - sofern sich derjenige, mit dem man sich beschäftigt, überhaupt aufrichtig helfen lassen will. Das kann ja auch ein Problem sein.

Als allgemeinen Ansatz sehe ich, dass man selbst als Vorbild für ein vernünftiges und auf auch sozialen Frieden ausgerichtetes Verhalten fungiert sowie fachlich kompetent und überzeugend für verschiedenartig geführte Diskussionen ist und auch viel Geduld aufbringt. Das heißt, wir arbeiten nicht nur mit Anderen, sondern auch mit und an uns selbst.

Möge Allah uns allen bei dieser wichtigen Aufgabe helfen!